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Sauerland

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Dieser Artikel befasst sich mit der deutschen Region Sauerland. Für weitere Bedeutungen siehe Sauerland (Begriffsklärung).
Basisdaten Sauerland
Bundesländer: Nordrhein-Westfalen, Hessen
Regierungsbezirke: Arnsberg, Kassel
Höchster Punkt: 843,2 m ü. NN (Langenberg)
Niedrigster Punkt: 106,2 m ü. NN, an der Ruhr bei Iserlohn-Rheinen
Kfz-Kennzeichen: HSK, MK, OE, SO, KB,
alt: AL, AR, BRI, IS, MES, LP, LS, LÜD
Gliederung: mehrere Landkreise
Karte

Bild:Sauerland_(Lage_und_Ausdehnung).png

Das Sauerland ist eine deutsche Mittelgebirgsregion im Südosten von Nordrhein-Westfalen. Kleine Ausläufer des Hochsauerlandes reichen bis in einen nordwestlichen Zipfel von Hessen um Willingen. Die eher dünn besiedelte Gegend weist verhältnismäßig viele Waldgebiete auf.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

[Bearbeiten] Geographische Lage und Grenzen

Der Name "Sauerland" ist begriffsgeschichtlich alt (siehe weiter unten), indes erst seit dem 19. Jahrhundert wieder geläufig und wird heute als eine Mischung aus geographischer und historischer Region benutzt.

[Bearbeiten] Süderbergland

Die Naturräumliche Haupteinheitengruppe Süderbergland ist eine neuere, jedoch an einer älteren Bezeichnung für das Sauerland angelehnte Begriffsbildung, die geographisch vergleichsweise präzise gefasst ist. Sie enthält indes im Westen (Bergisches Land, Siegerland) sowie am Südostrand (Wittgensteiner Land und äußerster Nordosten des Hessischen Hinterlandes zwischen Biedenkopf und Battenberg) historische Regionen, die landläufig nicht unter dem Namen verstanden werden.

Im touristisch stark erschlossenen Upland im Osten wiederum findet die Bezeichnung "(Hoch-)Sauerland" heute häufig Verwendung, obwohl hessische Landschaften traditionell nicht dem Sauerland zugerechnet wurden. Dieses liegt nicht zuletzt daran, dass die abgeleitete Bezeichnung Hochsauerland für den Höhenschwerpunkt des Sauerlandes deutlich bekannter ist als der z. T. synonym verwendete Begriff Rothaargebirge.

Da sich Gemeindegrenzen nur selten an naturräumlichen Grenzen orientieren, werden, insbesondere im Norden (Teilgemeinden nördlich der Möhne am Haarstrang und jenseits davon), auch Gebiete außerhalb des Süderberglandes dem Sauerland zugerechnet.

[Bearbeiten] Landkreise und größte Städte

Das Sauerland umfasst nach heutigem Begriffsgebrauch in etwa die folgenden Kreise bzw. Teile von diesen:

  • Iserlohn ist mit knapp 100.000 Einwohnern die größte Stadt des Sauerlandes. Die nächstgrößeren Städte sind Lüdenscheid und Arnsberg (je knapp 80.000).

[Bearbeiten] Angrenzende Regionen

Im Westen geht das Sauerland ins Bergische Land über, im Süden in das Siegerland und das Wittgensteiner Land. Alle drei Landschaften sind ebenfalls Teile des Süderberglandes und ausschließlich aus historischen Gründen abgegrenzt.

Im Osten schließt sich der größtenteils in Hessen liegende Ostsauerländer Gebirgsrand an, der das Süderbergland zum Westhessischen Bergland abdacht.

Im Nordosten schließlich folgen Eggegebirge und Paderborner Hochfläche, die bereits dem Niedersächsischen Bergland zugerechnet werden, im Norden die Hellwegbörden als Übergang in die Westfälische Bucht.

[Bearbeiten] Teilgebirge

Mittelgebirgslandschaft im Sauerland

Das historische Sauerland wird insbesondere von folgenden Gebirgen und Höhenzügen dominiert:

[Bearbeiten] Berge

Die höchsten Berge des Sauerlandes, allesamt im Rothaargebirge gelegen, sind der Langenberg (843,2 m ü. NN) zwischen Willingen und Niedersfeld, der Hegekopf (842,9 m) südlich von Willingen und der Kahle Asten (841 m) bei Winterberg.

Knapp vorbei am Langenberg-Gipfel, der sich in Westfalen befindet, verläuft die Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen und Hessen. Der Hegekopf, der komplett auf hessischem Gebiet liegt, ist die höchste Erhebung in ganz Nordhessen. Der Kahle Asten wird oft fälschlich als der höchste Berg im Sauerland und Rothaargebirge bezeichnet. Tatsächlich aber steht dieses Attribut den oben erwähnten, nahezu gleichhohen Bergen – Langenberg und Hegekopf – zu, von denen der Langenberg sogar die höchste Erhebung im gesamten Nordwestdeutschland ist.

[Bearbeiten] Fließgewässer

Quer übers Sauerland und seinen höchsten Gipfel, den Langenberg, verläuft in Nord-Süd-Richtung die Rhein-Weser-Wasserscheide. Der größere, westlich Letzterer gelegene Teil des Sauerlandes entwässert größtenteils über die Ruhr und ihren linken Nebenfluss Lenne zum Rhein, während einige Randbereiche im Nordosten auch zur Lippe entwässern.

Dem gegenüber verlaufen andere Rhein-Nebenflüsse zwar zum Teil (Lahn-Wittgensteiner Land) bzw. fast gänzlich (Sieg-Siegerland und Wupper-Bergisches Land) im Süderbergland, jedoch in namentlich nicht dem Sauerland zugerechneten Teilen.

Der Osten des Sauerlandes, insbesondere das komplette Upland, wiederum entwässert über die Diemel und Nebenflüsse der Eder zur Weser hin.

Die wichtigsten Flüsse des Sauerlands sind (nach Flussystem und Zuflusshöhe geordnet):

[Bearbeiten] Stauseen

Listertalsperre bei Meinerzhagen mit der katholischen Kirche St. Peter am See

Durch die Industrialisierung nahm vor allem im Ruhrgebiet der Bedarf an Trinkwasser und Wasser für die Industrie zu. Es entstanden an der Ruhr im Unterlauf zahlreiche Wasserwerke, die aber gerade in trockenen Sommern häufig trockenlagen. Zur Regulierung bildete sich 1899 ein Zusammenschluss der Wassererzeuger im Ruhrgebiet und gründeten den Ruhrtalsperrenverein. Vor allem diese Organisation finanzierte den Bau von Stauanlagen an einigen kleineren Flüssen im Sauerland. Diese speichern im Herbst und Winter das Wasser auf und lassen es im Frühjahr und Sommer kontrolliert ablaufen, um so stets einen ausreichenden Wasserstand im Unterlauf der Ruhr zu garantieren. Die größten dieser Seen sind der Biggesee (mit der Listertalsperre), der Sorpesee, die Versetalsperre, der Hennesee und der Möhnesee. An der nordöstlichen Nahtstelle und nur knapp in den benachbarten Landkreisen gelegen finden sich außerdem der Diemelsee und der Aabachstausee.

[Bearbeiten] Bevölkerungsentwicklung und Siedlungsdichte

Bevölkerungsentwicklung der Kreise 1950–2005 (Gebietsstand: 2005)
Gebiet 1950 1961 1970 1987 2004
Hochsauerlandkreis 226.063 237.565 263.920 260.265 277.715
Märkischer Kreis 343.600 399.213 432.405 421.321 451.421
Kreis Olpe 97.831 108.138 119.184 125.142 142.140
Kreis Soest 222.459 231.687 257.030 266.693 309.013

Zwar gilt das Sauerland als ein eher dünn besiedeltes Gebiet, aber abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung gab und gibt es dabei erhebliche Unterschiede.

Insgesamt lässt sich hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung und Siedlungsdichte ein deutliches West-Ost-Gefälle ausmachen. Das früh industrialisierte Gebiet des heutigen Märkischen Kreises erlebte im 19. Jahrhundert auch durch Zuwanderung aus dem übrigen Sauerland ein beachtliches Bevölkerungswachstum. Dies war zwar geringer als im benachbarten Ruhrgebiet, lag aber deutlich höher als in der übrigen Region. Nach 1870 holte der nordwestlichste Teil des heutigen Hochsauerlandkreises (v. a. in Neheim und Hüsten) auf und unterschied sich kaum von der Entwicklung in der Mark.

Siedlungsdichte im Jahr 2004
Kreis Einw. pro km²
Hochsauerlandkreis 141,8
Märkischer Kreis 426,3
Kreis Olpe 200,0
Kreis Soest 232,8
Nordrhein-Westfalen 530,3
Quelle: Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW.: Kreisstandardzahlen Ausgabe 2005. Düsseldorf, 2005.

Dagegen waren die gering industrialisierten Gebiete in den heutigen Kreisen Hochsauerland, Olpe und Soest zeitweise Aus- und Abwanderungsgebiete mit einer entsprechend niedrigen Bevölkerungszunahme. Der Landrat von Brilon schätze zu Beginn der 1870er Jahre, dass allein von 1845 bis 1864 über 500 Personen nach Amerika ausgewandert seien. In der Phase der Hochindustrialisierung verlor die Überseewanderung zu Gunsten der Abwanderung in die benachbarten Industriegebiete an Bedeutung. Bereits zu Beginn der 1860er Jahre zählte man im Kreis Brilon nur etwa 180 Auswanderungen nach Übersee, aber über 600 Umzüge innerhalb des preußischen Staates. Hauptzielgebiete waren die Industrieorte im westlichen Teil des Sauerlandes und das Ruhrgebiet.

Wenngleich im 20. Jahrhundert die wirtschaftlichen Unterschiede abgenommen haben, ist die Bevölkerungsdichte noch immer außerordentlich unterschiedlich. Während der Märkische Kreis nur wenig unter dem Durchschnitt für Nordrhein-Westfalen liegt, ist die Bevölkerungsdichte vor allem im Hochsauerland um ein mehrfaches geringer.

[Bearbeiten] Geologie

Sauerland bei Brilon

Das Sauerland ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Das meiste Gestein entstand während des Devons, als das ganze Gebiet ein seichtes Meer war. Aus diesem Grund sind Schiefer, Sandstein, Grauwacken und Kalkstein die häufigsten Gesteine. Daneben kommen im östlichen Sauerland vulkanische Gesteine des Devons vor, und an manchen Stellen bildeten sich am Meeresgrund Erze, wie sie etwa in Meggen abgebaut wurden.

Die gebirgsbildenden Kräfte der variszischen Orogenese im Karbon haben die ehemals waagrechten Gesteinsschichten in Falten gelegt, die an vielen Stellen durch Überschiebungen und Verwerfungen gestört sind. Das damals entstandene Gebirge wurde rasch wieder abgetragen, so dass das Gebiet des späteren Sauerlandes lange nahezu eine Ebene war. Die Hügel des Sauerlandes entstanden durch die Hebung des Rheinischen Schiefergebirges seit dem Ende des Miozäns und vor allem im Quartär.[1] Seitdem schneiden sich die Flüsse vor allem von seinen Rändern her in das Schiefergebirge ein. Das Schiefergebirge und mit ihm das Sauerland steigt auch heute noch langsam auf.

Einige Gegenden des Sauerlandes sind wegen des Vorkommens von Kalkstein verkarstet, und es gibt, besonders im Norden, zwischen Iserlohn und dem Hönnetal, sowie im Gebiet um Attendorn und auf der Briloner Hochfläche hunderte Tropfsteinhöhlen, von denen nur wenige (z. B. Dechenhöhle in Iserlohn, Atta-Höhle in Attendorn, Heinrichshöhle am Felsenmeer in Hemer, Reckenhöhle) besichtigt werden können.

Die zahlreichen größeren und kleineren Erzvorkommen haben schon seit dem Mittelalter zur Entwicklung eines traditionsreichen Bergbauwesens geführt. Der Bergbau im Sauerland war früher ein bedeutender Wirtschaftsfaktor; er ist heute gänzlich zum Erliegen gekommen,

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Begriffsgeschichte

Der Begriff „Sauerland“ erscheint urkundlich erstmals im Jahr 1266, als in einer Zeugenliste ein „wessel de Suderlande“ verzeichnet wird. [2] Der Ausfall des 'd' von Suderland zu Suerland erscheint erst ab 1400. Aus diesem Grunde kann allein die Deutung Sauerland = südliches Land überzeugen. Sprachlich ist „suder-“ an das altsächsische sûðar (nach Süden hin) anzuschließen. Alle übrigen Deutungen übergehen die sicher überlieferten Altformen des 13. Jahrhunderts, die schließlich in das Plattdeutsche übergegangen sind ("Siuerlänner Platt").

Der Name „Sauerland“ war weder im Mittelalter noch in der Frühen Neuzeit gebräuchlich. Wichtiger waren die Namen der jeweiligen Territorien (v. a. Grafschaft Mark und Herzogtum Westfalen). Caspar Christian Vogt von Elspe (1632-1703) soll 1694 erstmals den Begriff "Süderland" gebraucht haben und damit an der Entwicklung des Begriffes Sauerland beteiligt sein [3]. Im "Atlas portatilis", Nürnberg 1724 wird das Sauerland mit dem Herzogtum Westfalen gleichgesetzt[4]. Nach Ansicht des Verfassers der "Staats- und Reisegeographie" (1755/1757) ist der Begriff Sauerland "sehr üblich" und umfasst die Teile des Herzogtums Westfalen südlich des Haarstanges und Teile der Grafschaft Mark[5]. Erst seit dem 19. Jahrhundert setzte sich der Begriff Sauerland allmählich als Selbst- und Fremdbeschreibung durch. Dabei wurde er zunächst vorwiegend als Synonym für das katholische ehemalige Herzogtum Westfalen verwendet. Während die einheimische Bildungselite den Begriff positiv besetzte, haben ihn Außenstehende gerade aus dem märkischen Raum und dem Ruhrgebiet eher als Bezeichnung für eine wirtschaftlich und kulturell rückständige Region verwendet. Erst seit dem 19. Jahrhundert nahm die Reichweite des Begriffes zu. Die negativ erlebten Folgen der Industrialisierung und die Sehnsucht nach einer natürlichen Lebensweise spielten dabei eine wesentliche Rolle. Mit zunehmender Erreichbarkeit (Erschließung durch Bahnlinien wie die Hönnetalbahn) wurde das Sauerland zu einem Naherholungsgebiet des Ruhrgebietes.

[Bearbeiten] Vor- und Frühgeschichte

Funde, die für eine altsteinzeitliche Besiedlung sprechen, sind im Sauerland relativ selten. Allerdings stieß man in der Nähe von Stockhausen bei Meschede in den frühen 1990er Jahren auf Werkzeuge aus der Altsteinzeit. Aus dem Mittelpaläolithikum wurden u. a. Funde in der Balver Höhle entdeckt.

Ein bedeutender endpaläolithischer Fundplatz ist der Hohle Stein bei Rüthen-Kallenhardt. Ausgrabungen in den 1930er Jahren erbrachten den Nachweis einer Jägerstation der Ahrensburger Rentierjäger vom Ende der letzten Eiszeit, der Weichsel-Eiszeit.

Aus der frühen Mittelsteinzeit stammen Skelettreste von Menschen. Sie wurden in der Blätterhöhle, einer Massenkalkhöhle bei Hohenlimburg, entdeckt. Es handelt sich um die ältesten Nachweise anatomisch moderner Menschen in Westfalen.

Aus der Mittelsteinzeit stammen Werkzeugfunde von zahlreiche Freilandfundstellen (an der mittleren Lenne, insbesondere auf den Hochebenen der Attendorn-Elsper-Kalkdoppelmulde, aus dem Rüthener Raum, dem Ruhrtal und aus dem Warsteiner Raum). „Weiße Flecken“ auf den Fundkarten insbesondere der Mittelsteinzeit resultieren aus dem Waldreichtum der Gegend (relativ kleine Flächenanteile werden für den Ackerbau genutzt, und nur auf diesen Flächen sind normalerweise aussgefähige Funde zu machen) und dem Fehlen ehrenamtlicher Mitarbeiter der Bodendenkmalpflege. Auch die vielen Höhlen des Sauerlandes wurden in der Mittelsteinzeit noch von Menschen aufgesucht. Aus der Bilsteinhöhle stammt auch der älteste Kupferfund des Sauerlandes, ein etwa 4.300 Jahre alter kleiner Griffzungendolch aus der Glockenbecherzeit.

Grabhügel der Bronzezeit zeigen an, dass das Sauerland auch in dieser Phase bewohnt war. Die letzte Phase der Bronzezeit (Urnenfelderzeit) ist nur sehr dünn belegt: ein Zylinderhalsgefäß aus der Bilsteinhöhle und – einer der bedeutendsten Bronzefunde Deutschlands – die Bronzeamphore von Gevelinghausen, die als Bestattungsgefäß diente. Eine C14-Datierung des organischen Materials erbrachte allerdings ein deutlich jüngeres Datum. Vermutlich wurde das Gefäß, das um 800 v.Chr. wohl in Südosteuropa gefertigt wurde, erst etwa 200 Jahre später im Sauerland als Urne benutzt.

In der Eisenzeit wurden die reichen Eisenerzvorkommen im Sauerland abgebaut. In einigen Höhlen im Hönnetal wurden Beweise für die Nutzung als Wohn- und auch als Grabstätte gefunden. Weitere Höhlen mit Funden dieser Epoche sind die Veledahöhle bei Bestwig, der Hohle Stein bei Rüthen-Kallenhardt und die Bilsteinhöhle. Die Funde aus dieser Zeit weisen nach Ansicht einiger Wissenschaftler Spuren von Kannibalismus auf.[6] Diese These erscheint durch neuere Untersuchungen anderer Höhlenfundplätze (z.B. Lichtensteinhöhle bei Osterode am Harz) mittlerweile als relativ abwegig. Die Befunde sprechen eher für Sekundärbestattungen. Bedeutende Spuren einer offensichtlich dichteren Besiedlung während der vorrömischen Eisenzeit sind auch die verschiedenen Wallburgen des Sauerlandes, die teilweise bis in die Eisenzeit zurückreichen (z. B. Bruchhauser Steine, Schiedlike Borg bei Freienohl, Wilzenberg). Westfalens größter Waffenfund (1950) aus der Eisenzeit stammt vom Wilzenberg bei Schmallenberg.

Gegen Ende des 7. Jahrhunderts lebten im Gebiet des Sauerlandes noch nichtsächsische germanische Stämme (teilweise) fränkischer Herkunft wie die Brukterer und die Sugambrer. Durch die Schwäche des merowingischen Königtums wurde die sächsische Expansion in diesen Raum möglich. An ihrem Ende stand die Ausdehnung des sächsischen Gebietes bis an die untere Ruhr (Unterwerfung der Brukterer 693/695).

Siehe dazu auch: Keltische Funde im Sauerland

[Bearbeiten] Mittelalter

[Bearbeiten] Eingliederung ins Frankenreich und Christianisierung

Die fränkische Gegenreaktion auf die sächsische Expansion setzte bereits unter Karl Martell ein und wurde von dessen Nachfolgern fortgesetzt. Im Unterschied zu den christianisierten Franken hielt die Mehrzahl der Sachsen noch an ihrem heidnischen Glauben fest. Die Auseinandersetzungen mit dem sich ausbreitenden Frankenreich unter Karl dem Großen wurden auch in der Region ausgetragen. So wurde die Eresburg beim heutigen Marsberg 772 von Karl erobert. Dabei wurde mit der Irminsul auch eines der wichtigsten sächsischen Heiligtümer zerstört und an ihrer Stelle wenige Jahre später eine Kirche errichtet.

Nach der endgültigen Zerschlagung des sächsischen Widerstands gehörte das Sauerland seit dem Ende des 8. Jahrhunderts n.Chr. dann zum Machtbereich des karolingischen Großreiches. Zwar wurde der sächsische Adel nicht beseitigt, aber seit dem Reichstag in Lippspringe (782) wurde das Land in die Gerichts- und Verwaltungseinheiten der Grafschaften eingeteilt.

Mit der Eroberung durch die Franken begann auch die Christianisierung und der Ausbau der Kirchenorganisation der Region. Am Anfang stand die Einteilung des sächsischen Gebiets in Missionsbezirke. Für das Sauerland und Hellwegraum war danach der Erzbischof von Köln zuständig. Auch Klostergründungen sollten die christliche Religion weiter festigen. Zu den frühen Gründungen gehörte etwa ein Kloster in Meschede. Wichtiger noch war die Gründung von Pfarreien. Zu den ältesten Urpfarreien (gegründet bis 785) gehören Wormbach (bei Schmallenberg) an der Heidenstraße und Eresburg (Marsberg). Bis 800 kamen Menden, Attendorn, Velmede und Medebach hinzu. Es folgten bis 830 Hüsten und Altenrüthen (bei Rüthen).

[Bearbeiten] Territoriumsbildung im Hoch- und Spätmittelalter

Mit dem nach dem Tode Karls des Großen beginnenden Zerfall der kaiserlichen Zentralmacht setzte auch im Sauerland allmählich die Territorialisierung ein. Gemeinsam war der Region weitgehend ihre Zugehörigkeit zum Herzogtum Sachsen. Da der sächsische Herzog gerade im südlichen Bereich seines Herrschaftsgebiets kaum eigene materielle Interessen hatte, konnten sich unterhalb dieser Ebene verschiedene, zunächst vor allem weltliche, später auch kirchliche Territorien ausbilden. Das wichtigste und stärkste Grafenhaus Westfalens im 10. und auch noch im 11. Jahrhundert waren die Grafen von Werl, die auch über weite Teile des Sauerlandes geboten. Im Investiturstreit blieb der westfälische Adel, unter diesem auch die Grafen von Werl-Arnsberg, auf Seiten König Heinrichs IV. Durch das Aussterben der älteren Grafenlinie schrumpfte die Grafschaft Werl-Arnsberg stark zusammen. Dieses Machtvakuum nutzen jüngere Grafengeschlechter wie die der Grafen von Altena-Mark oder die Grafen von Isenberg zur Ausdehnung ihres Herrschaftsbereichs.

Entwicklung der Grafschaft Mark

Knapp 150 Jahre nach dem Tod Karls des Großen gehörte das westliche Sauerland zur Grafschaft Mark, der Norden um Warstein zum kölnischen Herzogtum Westfalen und der östliche Teil zur Grafschaft Arnsberg. Ein kleines Gebiet im unteren Lennetal gehörte zur Grafschaft Limburg. Die politische Geschichte des Sauerlandes im hohen und späten Mittelalter war geprägt von der Konkurrenz dieser und benachbarter Herrschaftsgebiete um die Vorherrschaft in dieser Region.

Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1180 kam es zur Aufteilung des Herzogtums Sachsen. Große Gebiete des Sauerlandes wurden dabei dem Erzbistum Köln zugesprochen. Der den Erzbischöfen nunmehr zufallende Titel eines Herzogs von Westfalen vergrößerte ihren Einfluss noch. Sie erhielten damit auch das Recht, den Grafen die Anlage von Burgen und die Gründung von Städten zu erlauben oder zu verbieten. Allerdings entschied letztlich die tatsächlich vorhandene Macht, ob der Erzbischof dieses Recht auch durchsetzen konnte. So konnte er nicht verhindern, dass Graf Engelbert I. von der Mark auf die Gründung der grenznahen kölnischen Stadt Menden mit der Stadterhebung Iserlohns antwortete.

Dem Vordringen Kölns widersetzten sich vor allem die Grafschaften Arnsberg und Mark mit wechselnden Erfolg. Zu einem festen Bündnis gegen Köln kam es jedoch nicht; zu groß war der Konkurrenzkampf untereinander. Vor allem gegen die Expansionsversuche des Erzbischofs Siegfried von Westerburg entwickelte sich Widerstand. Abgesehen vielleicht von den Bischöfen von Minden und Münster waren daran fast alle Territorialherren Westfalens beteiligt, unter ihnen auch Graf Eberhard II. von der Mark. Die Entscheidung fiel in der Schlacht von Worringen (1288), in deren Verlauf der Bischof gefangen genommen wurde. Als Ergebnis der Schlacht wurde der weitere Aufstieg Kölns in Westfalen gebrochen. Schwelm und Hagen fielen an die Grafschaft Mark. Die Burgen Volmarstein und Raffenberg wurden zerstört. Der Erzbischof war von nun an nur noch ein Landesherr neben anderen. Dagegen gewannen die Grafen von der Mark deutlich an Einfluss.

Im Laufe der Zeit geriet vor allem die Grafschaft Arnsberg in die Defensive. Als sich im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts abzeichnete, dass der Graf Gottfried IV. von Arnsberg kinderlos sterben würde, standen Kurköln und die Grafschaft Mark als Konkurrenten um das Erbe gegenüber. Dabei setzte sich Köln durch. Der Erzstuhl kaufte dem Grafen sein Territorium ab und ermöglichte ihm als einzigem weltlichen Fürsten ein Begräbnis im Kölner Dom.

Mit diesem Erwerb hatte die Expansion Kölns in Westfalen ihren Höhepunkt erreicht. Insbesondere die Grafschaft Mark konnte ihre Unabhängigkeit bewahren. Eine erhebliche Schwächung der Kölner Position war zweifellos der Verlust der reichen Handelsstadt Soest. Diese erkannte im Jahre 1444 die Oberhoheit des Kölner Erzbischofs Dietrich II. von Moers nicht mehr an und unterstellte sich dem Herzog von Kleve, der auch Graf von Mark war. Daraufhin kam es zur Soester Fehde (1444–1449) zwischen dem Erzbischof von Köln und der Stadt Soest. Auf der Seite von Soest standen neben Kleve / Mark auch der Herzog von Burgund und zahlreiche westfälische Städte. Bei dieser Auseinandersetzung ging es nicht mehr nur um die Rechte einer Stadt, sondern um die Machtverteilung im südlichen Westfalen insgesamt. 1447 wurde die Stadt Soest von einem 12.000 Mann starken Söldnerheer belagert, konnte aber nicht eingenommen werden. Soest und sein unmittelbares Umland, die Soester Börde, verblieben beim Herzog von Kleve beziehungsweise der Grafschaft Mark. Dagegen behielt Köln die während des Krieges eingenommen Gebiete um Fredeburg und Bilstein. Damit war die Territorialentwicklung des „Herzogtums Westfalen“ weitgehend abgeschlossen. Aber mit dem Gewinn von Soest war auch für die Grafen der Mark der Höhepunkt ihrer Expansionsphase erreicht.

Die jahrhundertelange Auseinandersetzung zwischen den Erzbischöfen von Köln und den Grafen von der Mark waren seit der Schlacht von Worringen und endgültig nach der Soester Fehde zu Gunsten der Grafschaft Mark entschieden.

[Bearbeiten] Städtegründungen und Hanse

Geht man von einem rechtlichen Städtebegriff (Stadtrechte) aus, gehörten die Grafschaft Mark und das Herzogtum Westfalen im Mittelalter und der frühen Neuzeit zu den Gebieten mit einem dichten Netz von Städten und Freiheiten (Orten mit stadtähnlichen Rechten, meist aber ohne Stadtmauern). Sieht man von Ausnahmen wie der gewachsenen Stadt Medebach ab, handelte es sich um Gründungen der jeweiligen Landesherrn zur Sicherung ihres Gebiets und als Stützpunkt bei den Auseinandersetzungen mit den Nachbarn. Insofern war die Entstehung von Städten ein Ergebnis der Territoriumsbildung in der Region. Für eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung spricht, dass einige von ihnen sogenannte „Beistädte“ der Hanse waren. Im kölnischen Sauerland waren dies etwa Brilon, Rüthen, Geseke, Arnsberg, Schmallenberg, Werl oder Attendorn. Im märkischen Sauerland waren dies vor allem Iserlohn, Lüdenscheid, Neuenrade, Altena und Plettenberg.

[Bearbeiten] Frühe Neuzeit

Von einem historischen Sauerland kann insbesondere während der frühen Neuzeit keine Rede sein. Die Reformation und Gegenreformation führte vor allem zwischen kurkölnischen und märkischen Territorien zu einer kaum überbrückbaren kulturellen Kluft. Während die Mark protestantisch wurde, blieb das Herzogtum Westfalen katholisch. Auch verfassungsrechtllich entwickelten sich beide Gebiete unterschiedlich, wie die Darstellung beider Territorien zeigt.

Herzogtum Westfalen in einer Karte Westfalens aus dem 18. Jahrhundert

Wirtschaftlich allerdings gab es durchaus Berührungspunkte, aber auch erhebliche Gegensätze. Die gebirgigen Teile des Herzogtum Westfalen und der Grafschaft Mark bildeten zusammen mit dem Siegerland eine frühe montanindustrielle Verdichtungszone mit einer innerregionalen „Arbeitsteilung“. Freilich waren Ausmaß und Ausrichtung von Erzförderung und -verarbeitung sehr unterschiedlich. Grundlage war in allen drei Territorien die reichlich vorhandene Wasserkraft, Holz zur Kohleerzeugung und Erzgruben. Zwar gab es in allen Regionen Bergbau, Eisenerzeugungs- und Weiterverarbeitungsbetriebe, aber alle Gebieten spezialisierten sich doch auf bestimmte Bereiche. Im Siegerland dominierte die Eisengewinnung und -erzeugung, im kurkölnischen Sauerland wurden diese Produkte zu Stahl und Blechen weiterverarbeitet, die dann im märkischen Sauerland zu Fertigwaren veredelt wurden. Vor allem die immer stärke Abholzung der Wälder hat bereits am Ende des 18. Jahrhunderts die Eisenverarbeitung verteuert. Mit der Ausbeutung der Kohlegruben im Ruhrgebiet verloren die Standortfaktoren Wasser und Holz dann endgültig ihre Bedeutung.

[Bearbeiten] Grafschaft Mark

(siehe auch Hauptartikel Grafschaft Mark)

Durch die Ehe Herzog Johanns III. mit einer Tochter des Herzogs Wilhelm III. von Jülich und Berg kam es 1521 zur Vereinigung der Herzogtümer Kleve, Jülich und Berg sowie der Grafschaften Mark und Ravensberg. Nach dem Tod von Herzog Johann Wilhelm im Jahr 1609 begann der jülich-klevische Erbfolgestreit, der zu gänzlich neuen Territorialverbindungen auch im südlichen Westfalen führte. Ein Ergebnis brachte erst der Vertrag von Xanten im Jahr 1614. Danach fielen Jülich und Berg an Pfalz-Neuburg, während das Herzogtum Kleve sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg an Brandenburg übergingen.

Vier Jahre später begann der Dreißigjährige Krieg, der die Wirtschaft zwar in eine Krise führte, die Machtverhältnisse aber kaum änderte.

Der Übergang an Preußen hatte auf längere Sicht allerdings erhebliche Auswirkungen. Ähnlich wie Minden-Ravensberg wurde das märkische Sauerland immer stärker in den vergleichsweise zentralisierten preußischen Staat integriert. Zwar konnten sich einige ständische Relikte behaupten, aber tendenziell setzte sich der preußische Absolutismus durch.

In der frühen Neuzeit nahm im gebirgigen Teil der Mark die Bedeutung der Herstellung von Eisen- und später auch Metallfertigwaren zu. Dagegen verlor die Verhüttung und Herstellung von Halbfertigwaren an Bedeutung. Das märkische Sauerland war im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zweifellos eine gewerbliche Verdichtungszone erster Ordnung.

[Bearbeiten] Herzogtum Westfalen

(siehe auch Hauptartikel Herzogtum Westfalen)

Die ehemalige Grafschaft Arnsberg wurde zum eigentlichen Zentrum des Herzogtums Westfalens. Die Stadt Arnsberg war neben Bonn eine der Residenzen des Kurstaates. Politisch war die Entwicklung des Herzogtum geprägt von ständischen Beharrungstendenzen der einheimischen Eliten aus Bildungsbürgertum, Adel und Klerus einerseits und den Versuchen des Kurfürsten einen unmittelbaren Einfluss zu gewinnen andererseits. Im Jahr 1437 kam es nicht nur zur Arnsberger „Reformation der Feme“, sondern eine erste „Erblandesvereinigung“ zwischen Kurköln, den Nebenländern Vest Recklinghausen und dem Herzogtum Westfalen versuchte einen Ausgleich der widerstreitenden Interessen herbeizuführen. Dies war nur bedingt gelungen und 1463 wurde eine zweite Erblandesvereinigung zwischen Kurfürst, Domkapitel und Ständen abgeschlossen. Diese Vereinbarung wurde mehrfach bestätigt. Obwohl die Kurfürsten bis zum Ende des Alten Reiches versuchten, ihren Einfluss auszuweiten, blieb der Erfolg gering. Dazu trug auch bei, dass alle Beamten und Funktionsträger aus dem Herzogtum selber stammen mussten. Gegen den Widerstand der meist in Arnsberg tagenden Landständeversammlung mussten alle Versuche, einen absolutistischen Staatsaufbau durchzusetzen, scheitern. Das Herzogtum Westfalen blieb daher im Kern ein nur teilweise in den Kurstaat integrierter Ständestaat. Während die bildungsbürgerliche Elite im frühen 19. Jahrhundert diesen Zustand gewissermaßen als Anknüpfungspunkt für eine künftige liberale Gesellschaft priesen, sahen die inzwischen an eine straffe preußische Regierung gewöhnten Industriebürger der Mark am Ende des 18. Jahrhunderts die Situation der Nachbarregion als anachronistisch an.

Kurfürst Max Friedrich von Königsegg-Rothenfels

Insbesondere behaupteten Reisende, dass die urtümliche Verfassung das Wirtschaftsleben behinderte. Tatsächlich war die wirtschaftliche Lage im Herzogtum Westfalen nicht mit dem protoindustriellen Aufschwung in der Grafschaft Mark zu vergleichen. Weite Teile der auch landwirtschaftlich wenig ergiebigen Region verfügten nur über eine gering ausgeprägte gewerbliche Entwicklung. Der Versuch der kurfürstlichen Regierung, durch die Einführung von „Industrieschulen“ das Textilgewerbe zu fördern, trug nur an wenigen Orten Früchte. Notdürftig versuchte man sich mit Besenbinden oder der Herstellung von Holzwaren über Wasser zu halten. Auch die große Zahl von Wanderhändlern vor allem in den höher gelegenen Regionen zeugt von fehlenden lokalen Erwerbsmöglichkeiten.

Die Beobachter von außen übersahen allerdings vielfach, dass es daneben auch ganz beachtliche überwiegend eisen- und metallindustrielle Verdichtungsgebiete gab. Verschiedene Bergordnungen regelten und förderten den Abbau von Silber, Kupfer und Blei. Im Unterschied zu den strikt obrigkeitlichen Bergordnungen der Grafschaft Mark stieß ihre Durchsetzung freilich auf erhebliche Probleme.

Die Fertigwarenherstellung war – abgesehen vielleicht von heimgewerblichen Nagelschmieden in einigen Orten – wenig ausgeprägt. Bedeutender war der Bergbau im Sauerland, die Herstellung von Schmiedeeisen durch Hammerwerke und von Halbfertigwaren. Von Bedeutung waren an der Grenze zur Grafschaft Mark die Eisen- und Metallförderung und -verarbeitung bei Balve (Luisenhütte). Hinzu kamen der Bergbau bei Sundern, Warstein, Brilon, Marsberg, Winterberg-Silbach oder Schmallenberg. Das gewerbliche Zentrum des Herzogtums lag jedoch in der Gegend von Olpe. Dort konzentrierte sich vor allem die Herstellung von Blechen. Gemeinsam war den meisten Produktionsstätten, dass sie nicht zuletzt für den Bedarf der bergischen und märkischen Fertigwarenindustrie arbeiteten.

[Bearbeiten] 19. und 20. Jahrhundert

Im Zuge der Säkularisierung und der Aufhebung der geistlichen Fürstentümer fiel das kölnische Sauerland zunächst an Hessen-Darmstadt, ehe dann nach den Napoleonischen Kriegen die ganze Gegend durch den Wiener Kongress als Teil der neuen Provinz Westfalen an Preußen kam. Sowohl die ehemalige Grafschaft Mark wie auch das ehemalige Herzogtum Westfalen wurden Teil des Regierungsbezirks Arnsberg .

[Bearbeiten] Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Ausschnitt aus Gewerbekarte des Regierungsbezirks Arnsberg von 1855

Im märkischen Sauerland gab es anknüpfend an die vorindustriellen Gewerbetraditionen eine beachtliche frühindustrielle Expansionsphase. Noch 1800 bildete der Raum Iserlohn-Altena-Lüdenscheid mit Galmeibergbau, Draht-, Nadel-, Messing- Bronze- und Seidenindustrie eines der weltweit größten Industriegebiete der damaligen Zeit. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war z. B. Iserlohn die größte Industriestadt Westfalens und eine der reichsten Handelsstädte Preußens. Wie stark die gewerbliche Verdichtung im märkischen Raum war, zeigt die Tatsache, dass die gewerbliche Beschäftigung mit der Landwirtschaft gleich auf lag, während selbst in anderen frühindustriellen Verdichtungszonen die Landwirtschaft stärker war als das Gewerbe. Dann jedoch geriet das Gebiet gegenüber dem Ruhrgebiet ins Hintertreffen. Noch weitaus tiefgreifender waren die negativen wirtschaftlichen Folgen der Industriellen Revolution für das ehemals kölnische Sauerland. Dort kam es zu einer tiefgreifenden Entindustrialisierung und Agrarisierung von Wirtschaft und Gesellschaft in vielen Orten.

Zunächst überwiegend im Grenzbereich zum Siegerland und märkischen Sauerland kam es zu nennenswerten industriellen Entwicklungen. Dazu zählten insbesondere die Stadt Neheim („Leuchtenindustrie“), Hüsten (SchwerindustrieHüstener Gewerkschaft“), Warstein (Eisenverarbeitung – Achsenherstellung), Olpe (industrielle Blechproduktion). Vor allem in den Kreisen Meschede (Kreis Meschede) und Brilon (Kreis Brilon) blieb die industrielle Entwicklung punktuell. Der Bergbau konzentrierte sich auf Eisenerze (z. B. Sundern, Balve, Warstein, Brilon, Marsberg und Iserlohn) und Metallerze, hier sind vor allem Ramsbeck, Meggen, und Marsberg zu nennen. Der Schieferbergbau hatte nur begrenzte Bedeutung. (Antfeld/Nuttlar/Schmallenberg). Ein Großteil des übrigen Gebiets war im Wesentlichen auf Land- und Forstwirtschaft angewiesen. Sofern man nicht als Pendler oder Saisonarbeiter zusätzlich Geld verdienen konnte, waren insbesondere die unterbäuerlichen Schichten zur Aus- oder Abwanderung gezwungen.

[Bearbeiten] Politische Kultur

Zwar kam es vor allem während des Kaiserreichs gerade im Westen des ehemaligen Herzogtums Westfalens (Neheim, Hüsten, Sundern und Warstein) zu einer Angleichung der Wirtschafts- und Sozialstruktur an die Entwicklung im märkischen Sauerland, allerdings blieben die kulturellen und konfessionellen Unterschiede wirkmächtig. Dies zeigte sich insbesondere im Bereich der politischen Kultur. Im märkischen Sauerland waren der preußische Liberalismus und Konservatismus lange Zeit die stärksten politischen Kräfte. Dies zeigte sich etwa während des „Iserlohner Aufstandes“ im Jahr 1849. Hinzu kam seit den 1860er Jahren bereits die sozialistische Bewegung. Deren Versuch in den 1870er Jahren auch ins ehemals kurkölnische Sauerland vorzustoßen scheiterte allerdings kläglich. Der Grund war, dass dort spätestens mit dem Kulturkampf annähernd alle Bevölkerungsgruppen über Jahrzehnte fast geschlossen die Zentrumspartei wählte. Politische Konflikte zwischen sozialen Gruppen spielten sich dort fast ausschließlich innerhalb des katholischen Milieus ab. Im Wesentlichen erst nach der Jahrhundertwende gelang es den Sozialdemokraten in bescheidenen Ausmaß auch in den Industrieorten des östlichen Sauerlandes Fuß zu fassen.

[Bearbeiten] Die Region im Nationalsozialismus

Reichstagswahl vom 5. März 1933 (in %)
Gebiet NSDAP SPD KPD Zentrum DNVP DVP DDP Sonstige
Kreis Iserlohn 40,35 16,36 16,01 16,58 6,39 0,68 0,46 3,18
Stadt Lüdenscheid 32,75 20,79 22,85 6,87 9,19 1,61 1,63 4,32
Kreis Meschede 23,14 3,06 6,49 60,99 5,68 0,25 0,13 0,28
Kreis Olpe 14,34 6,88 5,83 69,12 3,29 0,24 0,09 0,22
Quelle: Statistik des Deutschen Reiches

Wie im Deutschen Reich insgesamt waren die Erfolgsmöglichkeiten der Nationalsozialisten in den eher protestantisch geprägten Gebieten der Region weit größer als in den katholischen Teilen des Sauerlandes. Während die NSDAP im Kreis Iserlohn bei der Reichstagswahl von 1933 mit etwa 40 % die mit Abstand stärkste Kraft war, blieb sie in den Kreisen Olpe und Meschede deutlich hinter der noch immer dominierenden Zentrumspartei zurück.

Während der nationalsozialistischen Diktatur gehörte das Sauerland zum „Gau Westfalen Süd“ (das im wesentlichen dem Gebiet des Regierungsbezirks Arnsberg entsprach.) Gauleiter war lange Zeit Josef Wagner. Eine Folge der Gleichschaltung in den Jahren von 1933 bis 1945 war, dass regionale historische Aspekte hinter den allgemeinen Entwicklungen deutlich zurückblieben. Gewisse Unterschiede lassen sich vielleicht allenfalls noch im Bereich des Widerstandes ausmachen. Während im märkischen Kreis sich daran vor allem kommunistische und sozialdemokratische Arbeiter beteiligten, kam im östlichen Teil der Region Kritik vor allem aus dem katholischen Lager. Ansonsten unterschied sich die Praxis der Gleichschaltung, politischen und rassischen Verfolgung kaum von den allgemeinen Tendenzen.

Dies betrifft insbesondere auch die Tötung von Behinderten und die Judenverfolgung. In der psychiatrischen Klinik in Marsberg wurden im Zuge der sogenannten „Aktion T4“ zahlreiche behinderte Kinder ermordet, bis der Unmut in der Bevölkerung dem an diesem Ort ein Ende machte. Auch aus dem Sauerland wurde ein Großteil der jüdischen Bevölkerung während des Zweiten Weltkrieges in die Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt. Nur wenige wie Hans Frankenthal haben diese Zeit überlebt, kamen zurück und haben über ihre Erlebnisse berichtet.

Gedenkstätte Stalag VI A

Während des Krieges wurden auch im Sauerland zahlreiche Kriegs- und Zwangsarbeitslager (wie z. B. das Arbeitserziehungslager Hunswinkel oder das Stalag VI A) errichtet.

Verstärkt während der zweiten Kriegshälfte wurde auch das Sauerland von den Kriegseinwirkungen vor allem durch alliierte Bombenangriffe direkt betroffen. Dazu gehört auch die Zerstörung des Möhnestausees im Jahr 1943. Gegen Kriegsende kam es im Zusammenhang mit dem Ruhrkessel auch in der Region zu direkten militärischen Auseinandersetzungen.

[Bearbeiten] Nach dem Zweiten Weltkrieg

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieg gehörte der Regierungsbezirk Arnsberg zum neuen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Zunächst änderte sich an der seit 1816 fast unveränderten Kreiseinteilung nichts Wesentliches. Dies änderte sich mit der großen Gemeindegebietsreform. Das Gesetz für den Bereich des Sauerlandes (Sauerland/Paderborn-Gesetz) trat 1975, für die sauerländischen Teile des Kreises Soest schon 1969 in Kraft. Zum Teil gegen den Widerstand von Bürgern und Kommunalpolitikern wurden zahlreiche zuvor selbstständige Orte zu größeren Gemeinden zusammengelegt. Hier seien nur die größten erwähnt: Neheim-Hüsten, Hohenlimburg und Letmathe. Ähnliches geschah auch auf der Ebene der Kreise. Relativ ungeschoren kam der Kreis Olpe davon. Der heutige Märkische Kreis setzt sich weitgehend aus einem Großteil des ehemaligen Kreises Iserlohn, der vormals kreisfreien Stadt Iserlohn und dem ehemaligen Kreis Lüdenscheid, in dem zuvor schon der Kreis Altena aufgegangen war, zusammen. Aus den Kernbestandteilen der Kreise Arnsberg, Meschede und Brilon entstand der Hochsauerlandkreis. Die Ortschaften Neuastenberg, Langewiese, Mollseifen und Hoheleye, vormals zum Kreis Wittgenstein gehörig, wechselten in den neuen Hochsauerlandkreis.

[Bearbeiten] Wirtschaft

Wie der historische Überblick zeigt, war das Sauerland in unterschiedlichen Ausmaß eine alte Gewerberegion. Auch auf den Strukturwandel im 19. Jahrhundert wurde hingewiesen. Erhebliche Veränderungen vollzogen sich auch im 20. Jahrhundert und insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg.

Allen sauerländer Kreisen gemeinsam ist die mittelständische Wirtschaftsstruktur. Diese ließ sie im 19. und frühen 20. Jahrhundert gegenüber den Großbetrieben des Ruhrgebiets zwar deutlich ins Hintertreffen geraten, auf lange Sicht erwiesen sich mittelbetrieblichen Strukturen aber als anpassungsfähig. Die Industrie- und Handelskammer in Arnsberg meldete etwa an der Wende zum neuen Jahrtausend, dass der Kammerbezirk einen stärkeren Anteil gewerblicher Arbeitskräfte aufweise als das Ruhrgebiet. Negativ schlägt insbesondere im Hochsauerlandkreis zu Buche, dass der wissensbasierte Dienstleistungssektor relativ schwach ausgeprägt ist. Dieser wird im Wesentlichen nur von einigen Fachbereichen der Fachhochschule Südwestfalen vertreten.

[Bearbeiten] Produzierendes Gewerbe

Ehemalige Silberschmiede „Holländer“ in Altena

Heute gibt es nur noch wenige Überbleibsel der frühen Industrie, von Bedeutung sind noch die Drahtproduktion in Altena und die Kettenproduktion im Iserlohner und Esloher Raum. Im Märkischen Sauerland bestehen zahlreiche kleinere und mittlere Betriebe der metallverarbeitenden Industrie. In Iserlohn sind die pharmazeutische und die chemische Industrie vertreten. Bekannt ist das Sauerland auch für namhafte Produzenten von Leuchten im Arnsberger, Lüdenscheider und Iserlohner Raum sowie für sanitäre Armaturen insbesondere in und um Hemer. Im Schmallenberger Raum existieren noch immer bedeutende Unternehmen der Sauerländer Textilindustrie, so etwa die Firma Falke. Der Bergbau im Sauerland existiert heute noch als Schieferbergbau in Bad Fredeburg (Magog-Schiefer) und mit der Schwerspatgrube in Dreislar.

Während das märkische Sauerland seit jeher mehrere wirtschaftliche Zentren aufzuweisen hatte, lag der wirtschaftliche Schwerpunkt des Hochsauerlandkreises lange Zeit im Gebiet der heutigen Stadt Arnsberg. Zwar haben hier nur wenige ältere Unternehmen (wie die Firma BJB oder Cronenberg) die Wirtschaftsgeschichte der letzten Jahrhunderte überlebt, aber als Nachfolgeunternehmen oder Neugründungen existieren noch zahlreiche Betriebe mit überregionalem Bekanntheitsgrad. Dazu gehören etwa der Leuchtenproduzent Trilux, die Haushaltswarenproduzenten Wesco und Berndes, der Papierhersteller Wepa und der Gurthersteller Schroth.

Weitere gewerbliche Schwerpunkte sind Sundern (Severin Elektrogeräte) und Meschede (Honselwerke) sowie der Kettenproduzent (KettenWulf) in Eslohe. In den ehemals agrarischen Gemeinden haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche meist kleinere produzierende Betriebe angesiedelt.

Mit Blick auf den Bekanntheitsgrad sauerländer Produkte spielen die Brauereien eine besondere Rolle. Neben zahlreichen kleinen Brauereien sind vor allem Warsteiner und Veltins im Mescheder Stadtteil Grevenstein überregional bekannt. Damit liegen zwei der größten Brauereien Deutschlands nur wenige Kilometer entfernt voneinander. Erwähnenswert ist auch die Privatbrauerei Iserlohn mit ihren Bierspezialitäten aus dem Grüner Tal in Iserlohn.

[Bearbeiten] Tourismus

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde vor allem das obere Sauerland Ziel von erholungssuchenden Bewohnern des Industriereviers und der Großstädte. Diese neuen Verdienstmöglichkeiten trugen dazu bei, die hohen Abwandererzahlen dieser Gebiete zu verkleinern. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das (obere) Sauerland zu einem Zentrum des Tourismus. Die Wälder und die kleinen Städte machen es zum Wandern sehr attraktiv, und viele Städte sind wegen ihrer guten Luftqualität Kurorte. Die höheren Erhebungen sind zudem beliebte Wintersportgegenden, vor allem für niederländische Touristen. Weltweit bekannt sind die Bob- und Rodelbahn in Winterberg und das Skispringen im hessischen Willingen. Insbesondere nach der Jahrtausendwende wurde in diesem Bereich stark investiert. Es entstand die Wintersportarena Sauerland mit zahlreichen Schneekanonen, eine Mountainbikearena und der 154 Kilometer lange Rothaarsteig, der Sauer-, Siegerland und das Lahn-Dill-Bergland verbindet.

[Bearbeiten] Fremdenverkehrsorte im Hochsauerland

[Bearbeiten] Verkehr

[Bearbeiten] Straßen und Wege

Frühgeschichtliche Wege im südlichen Sauerland

Straßen, Landstraßen, Hohlwege oder Feldwege bestanden vielfach schon vor dem Mittelalter. Dazu gehörten die über 1000 Jahre alte und rund 500 km lange Heidenstraße, die von Leipzig über Kassel nach Köln führte, der Römerweg sowie der Kriegerweg, der Siegen mit Paderborn verband.

Bis ins 19. Jahrhundert führten die bis dahin unbefestigten und kaum unterhaltenen „Verkehrswege“ vorzugsweise über die Höhen, weil die Täler wegen der unregulierten Gewässer häufig unpassierbar waren.[7] Im Sauerland waren die Fuhrleute bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ein wichtiger Beruf, der in einigen Gebieten teilweise auch den Mangel an anderen Verdienstmöglichkeiten kompensieren konnte.[8]

Alte Hönnebrücke

Affeln war bekannt als Kreuzungspunkt eines Wegenetzes, das in viele Himmelsrichtungen ging. Auch die damalige Königstraße führte über diesen Ort. Je nach Witterung nur schwer passierbar war die Hönnetalstraße von Menden über Balve nach Werdohl. Neben den Furten waren gut passierbare Brücken .über die Hönne wichtige Übergänge z.B. von Küntrop nach Garbeck, die Brücke vor dem alten Balver Stadttor (abgerissen), die Brücke von Sanssouci nach Beckum, die sehr alte, denkmalgeschützte Brücke in Volkringhausen, sowie die Brücken in Lendringsen und in Menden. Im schwer passierbaren Hönnetal soll es im Mittelalter der Sage nach häufig zu Raubüberfällen gekommen sein; die Burg Klusenstein galt als "Raubritterburg".

Straßen mit befestigtem Oberbau, bzw. einer Packlage aus Schotter, sogenannte Chausseen wurden erst zu Ende des 18. Jahrhunderts gebaut. Die erste im Sauerland war die in dieser Region um 1780 gebaute Holland-Frankfurt-Straße, die von den Niederlanden kommend über Wesel, Essen, Hagen, Halver, Meinerzhagen, Drolshagen, Olpe, Kreuztal, Siegen, Dillenburg und Wetzlar nach Frankfurt führte, im Sauerland allerdings nur Stückwerk blieb. König Friedrich Wilhelm II. (1786–1797) ordnete an, dass „Kunststraßen“ mit gewölbtem Profil gebaut werden sollten, besonders im „Suderlandischen Theile“ der Grafschaft Mark, und zwar wegen der Felsen mit einer Breite von wenigstens 12 bis 16 Fuß.

Bei der Übernahme seiner Amtsgeschäfte fand der Oberpräsident Ludwig von Vincke außer der die Holland-Frankfurt-Straße nur drei teilweise fertiggestellte Chausseen im ehemaligen Herzogtum Westfalen vor: die heutige B7 von Canstein (Marsberg) über Brilon, Meschede und Arnsberg nach Menden, die Straße zwischen Werl und Olpe über Wickede, Neheim, Hüsten und Sundern und die Straße von Meschede nach Grevenbrück. Erst mit dem Bau der Minden-Koblenzer Chaussee in den 1830er Jahren begann eine Erschließung der Region durch ein vollkommen neues Straßennetz mit befestigten Straßen, bei deren Trassierung auch auf eine geringere Steigung geachtet wurde..[9] Gleichzeitig gerieten viele der uralten Fernstraßen und Fuhrmannswege in Vergessenheit und sind heute nur noch als zugewachsene Hohlwege in der Landschaft erkennbar.

Um die Straßen in Ordnung zu halten, wurde an Schlagbäumen Wegegeld erhoben, so in Holzen, Sanssouci, auf der Kuschert bei Blintrop, auf der Wilhelmshöhe, bei Buchholz zwischen Neuenrade und Altena und in Finnentrop an der Lennebrücke.

Die Erschließung durch Autobahnen erfolgte erst sehr spät und auch nicht so flächendeckend, wie in anderen Regionen, weil die schwierige Topographie den Bau sehr verteuert. Am 25. Oktober 1971 wurde die Sauerlandlinie (A45) für den Verkehr freigegeben. Am 7. Dezember 1976 wurde das letzte Teilstück der Autobahn Köln – Olpe (A 4) dem Verkehr übergeben, der Weiterbau über das Kreuz Olpe Süd hinaus durch das Rothaargebirge zum Kirchheimer Dreieck wurde zurückgestellt. Seit dem 1. Dezember 2006 ist allerdings der Anschluss zur Hüttentalstraße bei Krombach in Betrieb. Den Norden des Sauerlandes erschließt die noch nicht ganz fertiggestellte Bundesautobahn 46 Hagen - Iserlohn- Hemer, Arnsberg - Bestwig.


[Bearbeiten] Eisenbahnen