Präimplantationsdiagnostik – Wikipedia

Präimplantationsdiagnostik

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Unter dem Begriff Präimplantationsdiagnostik (PID) werden zytologische und gentechnische Untersuchungen zusammengefasst, die dazu dienen, bei einem durch In-vitro-Fertilisation erzeugten Embryo bestimmte Erbkrankheiten und Besonderheiten der Chromosomen zu erkennen, bevor der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt wurde, also vor der Implantation. Zweck der Diagnose ist, eine Hilfe für die Entscheidung zu geben, ob der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll oder nicht.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Verfahren

Üblicherweise wird am dritten Tag nach der Befruchtung eine Zelle des Embryos entnommen (Blastomerbiopsie). Der Embryo befindet sich zu diesem Zeitpunkt im 4- bis 8-Zell-Stadium. Eine Entnahme nach fünf bis sechs Tagen wird als Blastozystenbiopsie bezeichnet. Nach der Entnahme der Zelle wird das Genom extrahiert und auf das Vorhandensein genetischer Besonderheiten mittels FisH-Test oder anderer gentechnischer Methoden untersucht.

Was genau untersucht wird, hängt von dem betreffenden Paar ab, von dem der Embryo stammt. Keineswegs wird ein kompletter Test auf alle bekannten Erbkrankheiten durchgeführt. Der FisH-Test beispielsweise testet auf Chromosomenaberrationen, sehr schwerwiegende Veränderungen des Genoms. Einzelne Gene werden dann untersucht, wenn bei den Eltern eine Disposition zu einem Gendefekt vorliegt, wenn also eine Erbkrankheit in der Familie gehäuft vorkommt.

[Bearbeiten] Rechtliche Lage

Die rechtliche Lage in einzelnen Ländern der Europäischen Union ist sehr unterschiedlich gestaltet. In Deutschland ist die Präimplantationsdiagnostik verboten, weil auf diese Weise Embryonen anhand genetischer Eigenschaften selektiert werden können. [1]

[Bearbeiten] Diskussion

Die Präimplantationsdiagnostik ist ethisch und moralisch sehr umstritten. Kritiker der PID nennen folgende Argumente, welche das Verbot der PID unterstützen:

  • Klonen: Die Zellen, welche für die PID entnommen würden, wären totipotent, könnten sich also zu vollständigen Menschen entwickeln. Die Zerstörung dieser Zellen muss daher verboten sein.
  • Selektion: Durch die PID soll selektiert werden, welcher Embryo in die Gebärmutter verpflanzt und somit eine Chance zum Überleben bekommt. Die Kriterien für die Selektion seien nicht kontrollierbar. Einige argumentieren, Menschen dürften diese Entscheidung gar nicht treffen; andere halten eine Entscheidung gegen das Einpflanzen von Embryonen mit letalen Gendefekten oder sehr schwerwiegenden Gendefekten zwar für ethisch vertretbar, befürchten aber, dass selbst eine auf Einzelfälle beschränkte Erlaubnis der PID mittelfristig zugunsten einer liberaleren Rechtsprechung abgelöst werden könnte. Es wird befürchtet, dass die PID dann zu einer gängigen Methode wird, um subjektiv „optimalen“ Nachwuchs zu bekommen. Dabei gäbe es kein Recht auf ein ‚gesundes‘ Kind.
  • Diskriminierung von Behinderung: Wer eine Entscheidung gegen das Einpflanzen von Embryonen mit künftiger körperlicher oder geistiger Behinderung legitimiert, werte im Gegenzug die lebenden Behinderten ab. Eine solche Abwertung von Behinderungen sei eine unakzeptable Diskriminierung.

Die Befürworter der Präimplantationsdiagnostik führen folgende Argumente an:

  • Pränataldiagnostik erlaubt: Während die Embryonen im Rahmen der Pränataldiagnostik einen besonderen Schutz erfahren, sind sie in der späteren Schwangerschaft nicht mehr geschützt. Wird später eine Behinderung festgestellt, ist eine Abtreibung legal. Weil die Belastung für die Schwangere dann aber wesentlich größer sei, werde durch das Verbot der PID unnötiges Leiden erlaubt.
  • PID bleibt Ausnahmeuntersuchung: PID wird nur nach einer künstlichen Befruchtung durchgeführt. Die Annahme, PID könnte in Zukunft in großem Umfang eingesetzt werden, um beispielsweise „optimalen“ Nachwuchs zu bekommen oder vererbbare Krankheiten auszurotten (Eugenik), halten Kritiker für übertrieben.

Nicht mit der PID zu verwechseln ist die Präfertilisationsdiagnostik. Bei dieser Methode finden die Untersuchungen statt, bevor die Zellkerne von Eizelle und Spermium verschmolzen sind, also vor dem Embryonalstadium; diese Diagnostik ist daher in Deutschland erlaubt.

[Bearbeiten] Literatur

  • Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften/ Wissenschaftliche Abteilung (Hrsg.): Dossier "Präimplantationsdiagnostik". Zentrale nationale und internationale gesetzliche Richtlinien und Übereinkommen sowie Stellungnahmen nationaler und internationaler Institutionen.
  • Hoerster, Norbert: "Ethik des Embryonenschutzes. Ein rechtsphilosophischer Essay", 2002
  • Zimmermann, Mirjam und Ruben Zimmermann: Bericht: Präimplantationsdiagnostik: Chance oder Irrweg? Die Bundesärztekammer und die Fortpflanzungsmedizin, in: ZEE 45 (2001), S. 47-57.
  • Deutsche Fanconi-Anämie-Hilfe e.V.[1]: "Adam, Lebensretter aus der Retorte - Hinweis auf Fernsehfilm über Präimplantationsdiagnostik" in "Fanconi-Anämie: Ein Handbuch für Eltern, Patienten und ihre Ärzte" (2005), S. 341-342. [2]

Kritik:

  • Brähler, Elmar (Hrsg.): Vom Stammbaum zur Stammzelle. Reproduktionsmedizin, Pränataldiagnostik und menschlicher Rohstoff, 2002
  • Kollek, Regine: Präimplantationsdiagnostik - Embryonenselektion, weibliche Autonomie und Recht, 2002
  • Habermas, Jürgen: Die Zukunft der menschlichen Natur. Auf dem Weg zu einer liberalen Eugenik?, 2001
  • Mayer Elmar: Genetische Präimplantationsdiagnostik. Kritische Betrachtung des Einflusses einer modernen medizinisch-genetischen Technik auf das frühe menschliche Lebewesen und unsere Gesellschaft´´, 2006

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ Deutscher Bundestag: Präimplantationsdiagnostik mit dem Embryonenschutzgesetz unvereinbar, Pressemitteilung vom 13. März 2001

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Präimplantationsdiagnostik â€“ Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Kritik:

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