Markus Kronthaler – Wikipedia

Markus Kronthaler

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Markus Kronthaler im Lager 1 am Nanga Parbat 2004

Markus Kronthaler (* 5. April 1967 in Kufstein; † 8. Juli 2006 am Broad Peak, Pakistan) war ein österreichischer Extrembergsteiger.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Der Wilde Kaiser

Bereits im Alter von 15 Jahren kletterte Kronthaler schwierige Routen in den Kletterbergen des Wilden Kaisers.

Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann leistete Kronthaler seinen Präsenzdienst beim österreichischen Bundesheer. 1986 wurde Kronthaler bei einem Lawinenabgang am Wilden Kaiser verschüttet. Diese Erfahrung bewog ihn, sich zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer ausbilden zu lassen. Von 1988 bis 2003 gehörte er der Bundesgendarmerie als Alpingendarm an. Nach einer schwierigen Rettungsaktion wurde ihm 1999 die Lebensrettermedaille verliehen. Ab 2003 war er hauptberuflich als Bergführer in Kufstein tätig.

Immer mehr zog es ihn zum Hochalpinismus, hierbei war er an Besteigungen des Mount McKinley, Shishapangma und Ama Dablam beteiligt. Ein besonderes Augenmerk legte Kronthaler bei seinen Expeditionen darauf, historische Ereignisse des Alpinismus aufzuarbeiten und in die Fußstapfen der Pioniere des Extrembergsteigens zu treten - ohne dabei mediale oder kommerzielle Interessen zu verfolgen oder Rekorde zu jagen. Auch unter Nicht-Alpinisten war Markus Kronthaler aufgrund seiner zahlreichen, spannend gestalteten Multimedia-Vorträgen zu seinen Expeditionen bekannt. Die Stadt Kufstein ehrte ihn am 4. Mai 2005 zum Sportler des Jahres 2004.[1]

Am 7. Januar 2006 zog er sich am Totenkirchl bei einem 100 m-Absturz mit einer Schneewechte eine Brustkorbprellung und weitere Verletzungen zu. Sein Überleben hatte er dem Umstand zu verdanken, dass er auf den Neuschnee zwischen Felsen fiel. Dieser Unfall hielt ihn nicht davon ab, weiter nach seinen eigenen Grenzen zu suchen.

[Bearbeiten] Expeditionen

Die Ama Dablam
Der Mutztagata
Der Nanga Parbat von der Märchenwiese aus
Der Broad Peak von Concordia aus gesehen

[Bearbeiten] Shishapangma 2000

Seinen ersten Achttausender bestieg Kronthaler als Mitglied einer vierköpfigen Gendarmerie-Bergführer Gruppe in Tibet. Ein erheblicher Teil der Route konnte mit Skiern begangen werden. Bei guten Wetterverhältnissen erreichte Kronthaler im Mai 2000 den 8013 m hohen Gipfel des Shishapangma.

[Bearbeiten] Muztagata / Nanga Parbat 2004

Im Mai 2004 startete Kronthaler als Leiter einer österreichischen Bergexpedition nach Pakistan. Kronthalers Anliegen galt nicht nur der Besteigung des Schicksalsberges der Deutschen, sondern vor allem auch einer bergsteigerischen Aufarbeitung der historischen Nanga Parbat Expeditionen von 1932 bis 1939 und 1953, sowie der Person Peter Aschenbrenner, der zusammen mit Erwin Schneider der einzige Überlebende der Deutschen Nanga-Parbat-Expedition 1934 war.

Nachdem die vorbereitende Besteigung des chinesischen Muztagata wegen anhaltenden Schlechtwetters auf 7400 m abgebrochen werden musste, leitete Kronthaler eine sechsköpfige Gruppe zum Nanga Parbat, um den Gipfel in der Diamirflanke über die Kinshofer-Route zu besteigen. Aufgrund problematischer Witterungsbedingungen verzögerte sich der Anstieg und Kronthaler kehrte bei Hereinbrechen der Nacht hundert Meter unter dem Gipfel um. Eine sächsische Bergsteigergruppe, die den Gipfel im Dunkeln erreichte, geriet in Bergnot. Ein Bergsteiger starb bei einem Absturz während des Abstieges, zwei andere verirrten sich und wurden am Ende ihrer Kräfte aufgefunden. Kronthaler und seine Gruppe blieben einen Tag und eine Nacht länger in der Todeszone auf Lager 4, um die schwer angeschlagenen deutschen Bergsteiger zu versorgen und ins Tal zu bringen.

Die unterschiedlichen Meldungen und Darstellungen der Ereignisse lösten teils heftige mediale Reaktionen aus. Kronthaler verarbeitete seine Erlebnisse und die Ergebnisse seiner akribischen historischen Nachforschungen in vielbeachteten multimedialen Vorträgen in Österreich und Deutschland.

[Bearbeiten] Broad Peak / Chogolisa 2006

Am 21. Mai 2006 brach Markus Kronthaler auf, um die Berge Broad Peak (8047 m) und Chogolisa (7665 m) im Karakorum (Pakistan) zu besteigen. Das zehnköpfige Expeditionsteam bestand neben Kronthaler aus erfahrenen Bergführern und Bergrettern. Für die Expedition verwendete das Team weder Höhenträger noch Sauerstoff-Flaschen.

Da die gesamte Expedition häufig von schlechtem Wetter geprägt war, musste die Gruppe den Plan, die Chogolisa zu besteigen, frühzeitig revidieren.[2] In der Nacht vom 5. auf den 6. Juli 2006 brach Kronthaler gemeinsam mit Sepp Bachmair und Peter Ressmann von Lager 3 (6950 m) zum Gipfel auf. Um das Gewicht zu reduzieren ließen sie das Wasser und die Verpflegung im Lager zurück. Peter Ressman erreichte den Vorgipfel am 6. Juli um 17 Uhr, den Hauptgipfel eine Stunde später. In der Nacht gelangte er zurück bis ins Lager 3, wobei er ab 7500 m mit Ski abfuhr. Im Abstieg war er unterhalb des Vorgipfels auf Kronthaler und Bachmair getroffen, welche in einer Schneehöhle biwakierten (ca. 7950 m). Beide setzten am nächsten Morgen den Aufstieg fort, doch kam besonders Kronthaler aufgrund von Wassermangel nur sehr langsam voran, sodass sie den Hauptgipfel am 7. Juli erst zwischen 15 und 15.30 Uhr erreichten. Beim Abstieg verschlechterte sich Kronthalers Zustand rapide. Trotz zahlreicher Versuche Bachmairs, Kronthaler durch Stützen, Ziehen oder Tragen vorwärts zu bewegen, gelang es ihnen während der Nacht nicht mehr, die Gegensteigung zum Vorgipfel zu überwinden.

Am Morgen des 8. Juli verstarb Markus Kronthaler an Erschöpfung und Flüssigkeitsmangel beim Abstieg am Gipfelgrat des Broad Peak. Bachmair schaffte alleine den Abstieg in die Scharte auf 7800 m, beim weiteren Abstieg ins Basislager erhielt er Unterstützung durch den polnischen Bergsteiger Piotr Morawski (der seinen eigenen Gipfelaufstieg abbrach, einen Tag später aber solo erfolgreich war) und den spanischen Arzt Jorge Egocheaga (dem erst zwei Tage zuvor eine Besteigung des Broad Peak in 21 Stunden gelungen war und der trotzdem nochmals in acht Stunden vom Basislager bis auf 7300 m aufgestiegen war, um Bachmair zu helfen). Eine Bergung des Leichnams von Markus Kronthaler war nicht möglich, er wurde am Berg zurückgelassen. Die Expedition und der Tod Markus Kronthalers wurden von Jochen Hemmleb in seinem Buch Broad Peak – Traum und Albtraum dokumentiert.

[Bearbeiten] Die Bergungsexpedition

Am 17. Juni 2007 brach der Bruder von Markus Kronthaler, Georg Kronthaler, mit einem fünfköpfigen Team zur Bergung der Leiche vom Broad Peak auf. Im Lauf der Expedition wurde in Urdukas eine Gedenktafel für Markus Kronthaler angebracht. Glücklicherweise waren zu dieser Zeit mehrere Expeditionen am Berg, sodass der Bergungsmannschaft eine gewisse Sicherheit geboten werden konnte. Trotz widriger Witterungsverhältnisse gelang es dem Team am 20. Juli, mit maßgeblicher Unterstützung der pakistanischen Helfer die Leiche Markus Kronthalers zu bergen. Mit einem speziell für dieses Vorhaben entwickelten Bergesack konnten sie die Leiche etappenweise ins Basislager auf 5000 m bringen.[3] Kronthaler wurde Anfang August 2007 nach Österreich überführt, eingeäschert und in Kufstein bestattet.

Nach der geglückten Rettungsexpedition machte Georg Kronthaler den Vorschlag, die Bergführer zu Bergrettern auszubilden um ihnen so eine geregelte Einnahmequelle zu sichern. Zu diesem Zweck will er die Markus Kronthaler Mountain Rescue Foundation gründen.[4]

[Bearbeiten] Literatur

  • Jochen Hemmleb: Broad Peak – Traum und Albtraum. Tyrolia, Innsbruck 2007, ISBN 370222811X.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] anlässlich des Todes

[Bearbeiten] Referenzen

  1. ↑ Vgl. Amtsblatt der Stadt Kufstein, Oktober 2005 (PDF) Ehrung von Markus Kronthaler als „Sportler des Jahres 2004“
  2. ↑ Vgl. Weblog-Eintrag vom 1. Juli 2006 auf Markus Kronthalers Website
  3. ↑ Vgl. Zusammenfassung der Bergungsexpedition (24. Juli 2007)
  4. ↑ Vgl. „Hilfe für Pakistans Bergführer“ Bericht des Kurier (9. Juli 2007)
Persönliche Werkzeuge
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