Marburg
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| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Hessen | |
| Regierungsbezirk: | Gießen | |
| Landkreis: | Marburg-Biedenkopf | |
| Höhe: | 173–412 m ü. NN | |
| Fläche: | 124,5 km² | |
| Einwohner: | 79.240 (31. Dez. 2007) | |
| Bevölkerungsdichte: | 636 Einwohner je km² | |
| Postleitzahlen: | 35001–35043 (alt: 3550) | |
| Vorwahl: | 06421 | |
| Kfz-Kennzeichen: | MR | |
| Gemeindeschlüssel: | 06 5 34 014 | |
| Stadtgliederung: | 14 Stadtteilgemeinden in der Kernstadt, 18 äußere Stadtteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Markt 1 35037 Marburg |
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| Webpräsenz: | ||
| Oberbürgermeister: | Egon Vaupel (SPD) | |
| Lage der Stadt Marburg im Landkreis Marburg-Biedenkopf | ||
Die Universitätsstadt Marburg ist die Kreisstadt des Landkreises Marburg-Biedenkopf in Hessen. Sie liegt am Ufer des Flusses Lahn. Seit dem 12. Jahrhundert hat Marburg Stadtrechte. Heute erfüllt es die Funktion eines Oberzentrums in der Region Mittelhessen. Sie hat als größere Mittelstadt (wie noch sechs andere Mittelstädte in Hessen) einen Sonderstatus (Sonderstatusstadt) im Vergleich zu den anderen kreisangehörigen Gemeinden, das heißt sie übernimmt Aufgaben des Landkreises, so dass sie in vielen Dingen einer kreisfreien Stadt gleicht.
Marburg besitzt mit der Philipps-Universität die älteste noch existierende protestantisch gegründete Universität der Welt, welche auch heute noch durch ihre Bauwerke und die Studenten das Stadtbild prägt. Das Stadtgebiet erstreckt sich beidseits der Lahn westlich ins Gladenbacher Bergland hinein und östlich über die Lahnberge hinweg bis an den Rand des Amöneburger Beckens.
Den Namen „Marburg“ verdankt die Stadt dem Umstand, dass hier früher die Grenze („mar(c)“) zwischen den Territorien der Landgrafen von Thüringen und der Erzbischöfe von Mainz verlief.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographie
[Bearbeiten] Geografische Lage
Marburg liegt in den Mittelgebirgen im nördlichen Marburg-Gießener Lahntal, etwa in der Mitte zwischen Frankfurt am Main und Kassel, von beiden Städten jeweils rund 77 Kilometer Luftlinie entfernt. Die benachbarte Universitätsstadt Gießen liegt etwa 27 Kilometer südlich von Marburg.
Die größte Ausdehnung des Kernstadtgebietes beträgt in Nord-Süd-Richtung etwa neun Kilometer, in Ost-West-Richtung etwa sechs Kilometer Luftlinie vom Universitätsklinikum bis Ockershausen. Marburg wird von der Lahn durchflossen; diese verlässt vor Marburg das Rheinische Schiefergebirge, durchbricht im Raum Marburg eine Buntsandstein-Tafel und trennt sie in die Lahnberge im Osten und den Marburger Rücken im Westen. Der höchste Berg innerhalb des zu Marburg gehörenden Stadtgebiets ist mit 412 m ü. NN der Störner, der sich westlich der eigentlichen Stadt, nordwestlich des kleinen Stadtteils Dilschhausen befindet. Die niedrigste Stelle befindet sich im Süden der Stadt an der Lahn (173 m ü. NN).
Der historische Altstadtkern liegt westlich vom heutigen Stadtzentrum, unterhalb des Landgrafenschlosses, aber auch das ehemalige Gerberdorf Weidenhausen auf der anderen Lahnseite hat Altstadtcharakter. Marburg hat sich im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte vom Altstadtkern des Schlosses in das Lahntal ausgedehnt. Südlich des Schlosses befindet sich das Jugendstil- und Biedermeierviertel Südviertel, westlich davon Ockershausen. Im Osten liegt der durch die Bahnlinie von der Innenstadt getrennte Ortenberg, sowie die 1974 eingemeindeten Stadtteile Wehrda im Norden und Cappel im Süden.
[Bearbeiten] Nachbargemeinden
Marburg grenzt an folgende Städte und Gemeinden (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Lahntal, Cölbe, Kirchhain, Ebsdorfergrund, Weimar (Lahn), Gladenbach und Dautphetal.
[Bearbeiten] Stadtgliederung
Die Stadt Marburg setzt sich aus der Kernstadt und achtzehn Stadtteilen zusammen. Innerhalb der Kernstadt verfügen Ockershausen und der Richtsberg über einen Ortsbeirat, im Übrigen besitzen alle in den 1970er Jahren eingemeindeten, ehemals selbstständigen Dörfer über einen Ortsbeirat.
Die Stadtteile mit Ortsbeirat sind:
- Bauerbach (1.630 Einw.)
- Bortshausen (245 Einw.)
- Cappel (ca. 6.500 Einw.)
- Cyriaxweimar (ca. 600 Einw.)
- Dagobertshausen (441 Einw.)
- Dilschhausen (178 Einw.)
- Elnhausen (1.275 Einw.)
- Ginseldorf (817 Einw.)
- Gisselberg (915 Einw.)
- Haddamshausen (580 Einw.)
- Hermershausen (406 Einw.)
- Marbach (3.250 Einw.)
- Michelbach (ca. 1.900 Einw.)
- Moischt (ca. 1.200 Einw.)
- Ockershausen/Stadtwald (ca. 5.600 Einw.)
- Richtsberg (ca. 9.000 Einw.)
- Ronhausen (242 Einw.)
- Schröck (1.838 Einw.)
- Wehrda (ca. 6.500 Einw.)
- Wehrshausen (807 Einw.)
Die Zahl der Mitglieder des Ortsbeirats richtet sich nach der Einwohnerzahl des Stadtteils, wobei die größten Stadtteile 9 Mitglieder haben, die kleinsten Stadtteile hingegen nur 3. Für statistische Zwecke sind die meisten Stadtbezirke weiter in Stadtteile unterteilt. Dabei handelt es sich meist um früher selbständige Gemeinden, die im Laufe der Geschichte nach Marburg eingemeindet wurden. In Cappel, Marbach und Wehrda gibt es zur besseren Erreichbarkeit der Verwaltung jeweils eine Verwaltungsaußenstelle.
Daneben hat die Stadt 17 sogenannte Stadtteilgemeinden, die als (Heimat-)Vereine ehrenamtlich auf die Entwicklung der Stadtteile einwirken. So werden von diesen Vereinen Veranstaltungen in den verschiedensten Bereichen organisiert, an Planungen teilnehmen oder Eigenleistungen wie dem Bau von Kinderspielplätzen oder Kleingärten vornehmen (Afföller, Badestube, Bauerbach, Gisselberg, Glaskopf, Hansenhaus, Ketzerbach, Marbach, Oberstadt, Ockershausen, Ortenberg, Richtsberg, Südviertel, Stadtwald (das Gebiet um die ehemalige Tannenbergkaserne, früher Tannenberg genannt), Waldtal, Weidenhausen, Zahlbach).
[Bearbeiten] Geschichte
„Die alte, von jeher durch den letzten Aufenthalt, Tod und Begräbnis der heiligen Landgräfin Elisabeth von Hessen berühmte Stadt, liegt krumm, schief und buckelig unter einer alten Burg, den Berg hinab“. So urteilte vor mehr als 200 Jahren der Marburger Professor Johann Heinrich Jung-Stilling über die Stadt an der Lahn und rühmte gleichzeitig, dass die Umgebung der Stadt „schön und sehr angenehm“ sei.
Durch Jahrhunderte hindurch nahezu unverändert in ihren wesentlichen Bestandteilen erhebt sich die Häuserkulisse der Altstadt mit dem Marburger Schloss und der Elisabethkirche über dem Lahntal. Diese Altstadt gibt Marburg das charakteristische Aussehen und ist Marburgs Touristenattraktion.
[Bearbeiten] Vor- und Frühgeschichte
Erste Besiedlungsspuren im Raum Marburg sind für die Mittlere Altsteinzeit vor ca. 50.000 Jahren belegt. Sowohl auf den Lahnbergen [1] als auch im Bereich zwischen den Neuhöfen und der Dammühle [2] wurden Schaber und anderes Werkzeug gefunden, die auf eine Besiedlung in dieser Zeit schließen lassen. Auch für die Jungsteinzeit gibt es zahlreiche Belege. In dieser Zeit des Übergangs der Bevölkerung vom Jäger und Sammler zum sesshaften, Boden bearbeitenden Menschen stellten die naturräumlichen Voraussetzungen des Amöneburger Beckens mit seinen fruchtbaren Böden eine attraktive Basis hierfür dar. Bandkeramische Funde deuten auf eine Besiedelung in dieser Zeit hin. Nach Demandt [3] sollen hier oft mehrere Kulturen, wie die Rössener Kultur oder die Michelsberger Kultur aufeinandergestoßen sein. In der Bronzezeit gab es ebenfalls kulturelle Überlagerungen, was Funde aus der Einzelgrabkultur, der Schnurkeramik und der Glockenbecherkultur zeigen. Die große Anzahl an Hügelgräbern in diesem Raum ist ein Beleg dafür [4]. Reste davon können im Neuen Botanischen Garten besichtigt werden. Eine sichelförmig bewehrte Hofanlage auf dem in der Nähe gelegenen Schanzenkopf deuten auf eine Besiedelung um 700 n. Chr. hin. Die sogenannte Heimburg lässt sich der spätmerowingischen Zeit zurechnen.
[Bearbeiten] Stadtgründung und Mittelalter
Nach jüngsten Forschungen reichen die ersten Anfänge der Burganlage sogar bis ins 9./10. Jahrhundert zurück. Große Bedeutung erhielt die Stadt aber erst, als Landgräfin Elisabeth von Thüringen Marburg 1228 als Witwensitz wählte. Sie baute ein Hospital, in dem sie sich bei der Pflege von Kranken und Gebrechlichen aufopferte. Obwohl sie bereits mit 24 Jahren starb (1231), gilt sie bis heute als die bedeutendste Persönlichkeit, die je in Marburg wirkte. Über sie werden viele Legenden erzählt. Schon 1235 wurde sie heilig gesprochen und der Deutsche Orden begann noch im selben Jahr, über ihrem Grab die Elisabethkirche zu erbauen, die zu den schönsten gotischen Bauten in Deutschland gehört. Pilger aus ganz Europa kamen zum Grab der Heiligen und trugen dazu bei, dass Marburg als Stadt aufblühte.
[Bearbeiten] Spätmittelalter
Zwischen 1248 und 1604 war Marburg – mit einigen Unterbrechungen – Residenz der Landgrafen von Hessen-Marburg. Schon 1248 ließ Sophie von Brabant, die Tochter der Heiligen Elisabeth, die Marburger Bürger sich und ihrem dreijährigen Sohn Heinrich huldigen, nachdem sie Heinrich ein Jahr vorher auf der Mader Heide bei Fritzlar zum Landgrafen hatte ausrufen lassen.
Am 1. Mai 1297 wurde der gotische Chor der St. Marienkirche eingeweiht.
1527, in der Zeit der Reformation, gründete Landgraf Philipp der Großmütige in Marburg die erste protestantische Universität, die seitdem für die Stadt der wichtigste Wirtschaftsfaktor war und bis heute geblieben ist.
1529 fanden auf dem Marburger Schloss auf Einladung Philipps des Großmütigen die Marburger Religionsgespräche statt, um eine gemeinsame Vorgehensweise nach der erneuten Bestätigung des Wormser Ediktes festzulegen. Bei den Gesprächen ging es unter anderem um die unterschiedlichen Auffassungen Luthers und Zwinglis von der Rolle des Abendmahls (siehe Abendmahlsstreit).
[Bearbeiten] Neuzeit
Der Universität verdankt Marburg seine Bedeutung, besonders durch die vielen bekannten Persönlichkeiten, die in Marburg lernten und lehrten. Zu den Professoren gehörten beispielsweise der Erfinder des Überdruckventils und Dampfmaschinenpionier Denis Papin (1647–1714) (von 1688 bis 1695), der Jurist Friedrich Karl von Savigny (um 1800), der Chemiker Robert Bunsen (um 1850), der Mediziner Emil von Behring (1854–1917) um 1900, der Theologe Rudolf Bultmann (ab 1921), der Philosoph Martin Heidegger (1923-1928) und der Politologe Wolfgang Abendroth (1906–1985) Gründer der sogenannten Marburger Schule. Zu Marburgs Studenten zählt man unter Anderen den russischen Naturwissenschaftler und Schriftsteller Michail Lomonossow (1711–1765) (von 1736 bis 1739), Jacob Grimm (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859) (von 1802/1803 bis 1805/1806), den russischen Dichter Boris Pasternak (1890–1960) (von 1912 bis 1914), Luise Berthold (1893–1983) (im Jahre 1912) erste habilitierte Frau und erste Professorin, die Dichterin und Philosophin Gertrud von Le Fort (von 1913 bis 1914), den spanischen Philosophen und Soziologen José Ortega y Gasset (von 1906 bis 1907), die Philosophin, Soziologin und Politologin Hannah Arendt (von 1924 bis 1926) sowie Gustav Heinemann (im Jahre 1920), der 3. Bundespräsident Deutschlands (1969–1974).
Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erlebte die Universität einen Aufschwung, der ein schnelles Anwachsen der Stadt zur Folge hatte. Innerhalb weniger Jahrzehnte verdreifachte sich die Zahl der Einwohner, und die Zahl der Studenten verzehnfachte sich.
Nicht wenige Marburger Bürger verdienten sich durch die Vermietung von Zimmern an Studenten ein Zubrot. Es hieß: Die Marburger leben von einem Studenten unterm Dach und zwei Ziegen im Keller.
[Bearbeiten] Zweiter Weltkrieg
Den Zweiten Weltkrieg überstand Marburg weitgehend unversehrt. Lediglich der Hauptbahnhof war Ziel der Angriffe der alliierten Luftstreitkräfte, wie bis heute zahlreiche Bombenkrater auf den Lahnbergen zeigen (weiterhin wurden rings um Marburg Minengürtel verlegt, die bis zum heutigen Tag noch nicht völlig geräumt sind). Der Hauptbahnhof wurde als wichtiger Bahnknotenpunkt gezielt angegriffen und bei einem Bombenangriff am 22. Februar 1945 schwer beschädigt, daher ist auch das Bahnhofsviertel nicht mehr nur durch Altbauten, sondern durch neu entstandene Häuser geprägt. Auch das Chemische Institut der Universität und die Reithalle am Ortenberg wurden zerstört. Wenige Tage zuvor hatten amerikanische Aufklärer Zettel abgeworfen mit etwa folgendem Aufdruck: Marburg und Bad Nauheim wollen wir schonen, bei Euch wollen wir später wohnen.
Am späten Nachmittag des 28. März 1945 erreichte die Spitze der 6. Panzerdivision der 3. US-Armee des Generals Patton Marburg und nahm es am folgenden Tag vollkommen ein. Die US Panzerdivision war von Remagen aus über den Westerwald kommend (in Hauptstoßrichtung der heutigen B 255 folgend) vorgestoßen.
Marburg musste, wie nahezu alle mittelgroßen deutschen Städte, eine große Zahl von Flüchtlingen aufnehmen. Erst seit dieser Zeit gibt es in der Stadt eine größere Zahl kleinerer und mittlerer Industriebetriebe.
[Bearbeiten] Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach wie vor ist die Universität (einschließlich Klinikum) wichtigster Wirtschaftsfaktor in der Stadt mit über 3.200 Beschäftigten und mehr als 19.500 Studierenden. Das inzwischen privatisierte und mit seinem Gießener Pendant fusionierte Universitätsklinikum beschäftigt in Marburg etwa 4.300 Mitarbeiter.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Gegenwart gehören die Stärkung der Stadt als Einkaufszentrum und Wirtschaftsstandort, insbesondere für Zukunftstechnologie-Unternehmen. Hier wird die fruchtbare Symbiose von Universität und Stadt deutlich. So deckt das Forschungs- und Technologiepotential der Philipps-Universität bis auf wenige Ausnahmen alle wichtigen Technologiefelder ab.
Die 1972 mit der förmlichen Festlegung des ersten Abschnittes begonnene Marburger Altstadtsanierung wird seitdem verwirklicht. Historische Bausubstanz der Altstadt wird sorgfältig renoviert. Im Stadtbild ist dies durch die immer noch wachsende Zahl wiederhergestellter Fachwerkgebäude deutlich erkennbar.
[Bearbeiten] Eingemeindungen
Am 1. Januar 1931 wurde die Gemeinde Ockershausen nach Marburg eingemeindet. Mit der Gebietsreform von 1. Juli 1974 wurde die Stadt Marburg mit den Kreisen Marburg und Biedenkopf zum neuen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Gleichzeitig wurden der Stadt Marburg die Gemeinden Bauerbach, Cappel, Cyriaxweimar, Dilschhausen, Elnhausen, Ginseldorf, Gisselberg, Haddamshausen, Hermershausen, Schröck und Wehrshausen sowie Michelbach, Marbach und Wehrda als Ortsteile zugeschlagen.
[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung
Marburg hatte im Mittelalter und der frühen Neuzeit nur wenige tausend Einwohner. Die Bevölkerung wuchs nur langsam und ging durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte immer wieder zurück. So starben beim Ausbruch der Pest 1348/49 und während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) zahlreiche Bewohner. Erst mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Lebten 1800 erst 6.000 Menschen in der Stadt, so waren es 1905 bereits 20.000. Mit der Einwohnerzahl stieg auch die Zahl der Studenten. 1866 studierten erst 264 Personen in Marburg, 1907 bereits 1.954 (darunter erstmals 28 Studentinnen) und 1929 waren schon über 4.000 Studenten in der Stadt gemeldet.
Bis 1939 stieg die Bevölkerungszahl von Marburg auf 28.000. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg führten die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten zu einem Anstieg der Einwohnerzahl um 11.000 Personen auf 39.000 bis Ende 1946. Im Jahre 1964 hatte Marburg mit 25,2 Prozent das höchste Wohnungsdefizit in der Bundesrepublik Deutschland. Durch zahlreiche Eingemeindungen wuchs die Stadt am 1. Juli 1974 auf 70.922 Einwohner an. Auch die Zahl der Studenten stieg weiter. Im Wintersemester 1945/46 studierten 2.543 Personen in Marburg, im Sommersemester 1963 schon 7.423 und im Wintersemester 2002/03 waren es 18.540 (nur zur Hälfte in Marburg mit Erstwohnsitz gemeldet). Am 31. Dezember 2006 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ nach Fortschreibung des Hessischen Statistischen Landesamtes 79.375 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1845 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (1864-1939, 1946-1961, 1970 und 1987) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
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[Bearbeiten] Religion
[Bearbeiten] Christentum
Im Jahre 721 errichtete Bonifatius unterhalb der Burg Amöneburg ein kleines Kloster und eine neue Kirche bzw. widmete er eine iro-schottische Vorgängerkirche um. In Marburg entstand aber erst 1227, als Marburg Stadt wurde, eine eigene Pfarrei. Die ansässige Pfarrei war zuvor ein Filial der Mutterkirche in Oberweimar. Der Deutsche Orden übernahm nach dem Tod der Heiligen Elisabeth deren Hospital und baute ihr zu Ehren die Elisabethkirche. Das geistliche Leben war bis zur Reformation katholisch geprägt, was durch die zahlreiche Orden wie die Brüder vom gemeinsamen Leben (die ‚Kugelherren‘), die Augustiner oder Franziskaner (Barfüßer) belegt wird. Mit der Reformation übernahm Landgraf Philipp der Großmütige die protestantischen Lehre und verbot gleichzeitig die katholische Lehre. Erst 1788 wurde die katholische Lehre in Marburg wieder zugelassen.[5]
[Bearbeiten] Judentum
In Marburg gab es erstmals im Mittelalter eine jüdische Gemeinde. Eine größere Anzahl jüdischer Familien lebte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in der Judengasse (heute: Schlosssteig). Die 1317 erstmals genannte und beim Stadtbrand 1319 zerstörte Synagoge wurde vermutlich um 1280 an Stelle eines älteren Gebäudes erbaut. Ein Neubau erfolgte nach 1320 an derselben Stelle (Reste 1993 bei Ausgrabungen wiederentdeckt). Bei der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurde die jüdische Gemeinde vernichtet. Nach 1364 konnten wieder einige Juden zuziehen. Sie lebten auf Grund der beruflichen Einschränkungen vor allem vom Geldverleih, doch werden in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts unter anderem auch zwei jüdische Ärzte in der Stadt genannt. 1524 wurden die Juden auf Grund einer landgräflichen Austreibungsverordnung aus Marburg vertrieben.
Seit Anfang des 17. Jahrhundert konnten wieder einzelne jüdische Familien zuziehen. Sie lebten wieder im Bereich der Judengasse und der benachbarten Wettergasse. Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Einwohner durch Zuwanderung aus umliegenden Landgemeinden zu, sodass gegen Ende des 19. Jahrhunderts über 500 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (etwa 3 % der Gesamtbevölkerung). Seit 1823 war Marburg Sitz eines Provinzialrabbinates (u. a. Rabbiner Dr. Leo Munk, 1876–1918). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts eröffneten jüdische Gewerbetreibende zahlreiche Geschäfte (besondere Bedeutung hatten die Lederhandlungen), Kaufhäuser, Banken. Jüdische Ärzte und Rechtsanwälte eröffneten Praxen und Kanzleien.
An der Universität lehrte von 1876 bis 1912 der Philosoph Hermann Cohen. Im August 1818 war eine erste größere Synagoge eingeweiht worden. Im September 1897 erfolgte die Einweihung einer Synagoge an der Universitätsstraße. Diese Synagoge wurde beim Novemberpogrom 1938 von Marburger SA-Leuten geschändet und niedergebrannt. 1933 lebten noch 341 jüdische Personen in Marburg. Ein Teil von ihnen konnte in den folgenden Jahren auswandern oder in andere Städte verziehen. Diejenigen, die in Marburg blieben, wurden 1941 nach Riga (23 Personen) beziehungsweise 1942 nach Theresienstadt und in Vernichtungslager des Ostens deportiert (54 Personen) und ermordet.
Nach 1945 gründeten Überlebende von Konzentrationslagern eine neue jüdische Gemeinde in der Stadt, doch ging insbesondere durch Auswanderung nach Israel die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder bis 1961 auf 15 Personen zurück. Eine neue jüdische Gemeinde wurde Mitte der 1980er-Jahre durch den aus Israel zugezogenen Amnon Orbach gegründet. 2006 gehören der Gemeinde etwa 350 Personen an. Am 26. November 2005 konnte eine neue Synagoge in der Liebigstraße eingeweiht werden.
Synagogen in Marburg
| Einweihung/Errichtung | Straße/Lage | Anmerkung |
|---|---|---|
| Spätestens 1280 | Ecke Mainzer Gasse / Schlosssteig | 1452 Abriss der ersten Synagoge in der Judengasse |
| 1640 | Schlosssteig 6 | Privatsynagoge in der Judengasse |
| 1720 | Langgasse 7 | heute Wohnhaus |
| 14. August 1818 | Ritterstraße 2 | heute Wohnhaus |
| 15. September 1897 | Universitätsstraße 11 | am 10. November 1938 niedergebrannt (Pogromnacht) |
| Ab Mai (28. März?) 1945 | Lutherstraße 2 1/2 | heute Verein deutscher Studenten |
| 3. Februar 1946 | Landgraf-Philipp-Straße 2 | heute Turnerschaft Schaumburgia |
| Ab Mai 1950 | Schulstraße 7 | Nutzungsende unbekannt, abgerissen, heute Parkhaus |
| 1. September 1989 | Pilgrimstein 25 | |
| 26. November 2005 | Liebigstraße 21a |
[Bearbeiten] Islam
Marburg verfügt über eine Moschee, die Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee. Getragen wird sie vom Verein „ORIENTBRÜCKE e.V.“, der 1986 gegründet wurde. Etwa 250 Menschen kommen jeweils zum Freitagsgebet.[6] Ein muslimischer Friedhof befindet sich in einem Abschnitt des städtischen Friedhofs im Stadtteil Ockershausen.[7]
[Bearbeiten] Politik
[Bearbeiten] Stadtverordnetenversammlung
Die Kommunalwahl am 26. März 2006 lieferte folgendes Ergebnis:
| Parteien und Wählergemeinschaften | % 2006 |
Sitze 2006 |
% 2001 |
Sitze 2001 |
|
| SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschlands | 33,0 | 20 | 34,1 | 20 |
| CDU | Christlich Demokratische Union Deutschlands | 32,0 | 19 | 28,4 | 17 |
| GRÜNE | Bündnis 90/Die Grünen | 17,6 | 10 | 16,2 | 10 |
| Marburger Linke | Marburger Linke | 8,8 | 5 | - | - |
| FDP | Freie Demokratische Partei | 4,9 | 3 | 5,1 | 3 |
| M-B-L | Marburger-Bürger-Liste | 3,2 | 2 | 3,9 | 2 |
| APPD | Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands | 0,6 | 0 | – | – |
| PDS/ML | Partei des Demokratischen Sozialismus/Marburger Linke | – | – | 6,4 | 4 |
| BfM | Bürger für Marburg | – | – | 5,7 | 3 |
| Gesamt | 100 | 59 | 100 | 59 | |
| Wahlbeteiligung in % | 43,9 | 52,5 | |||
Die Mehrheit in der 59-köpfigen Stadtverordnetenversammlung und damit die Etathoheit hat nach der Kommunalwahl 2006 eine Koalition aus SPD (20 Sitze) und Grünen (10 Sitze). Im kommunalen Parlament vertreten sind außerdem die Fraktionen von CDU (19 Sitze), Marburger Linke (5 Sitze), FDP (3 Sitze) sowie einer CDU-Abspaltung MBL (Marburger Bürgerliste, 2 Sitze).
Stadtverordnetenvorsteher ist seit dem 24. Januar 2001 Heinrich Löwer (SPD). Die Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung finden in der Regel einmal monatlich statt (normalerweise der letzte Freitag im Monat ab 17:00 Uhr). Sitzungsort ist der Sitzungssaal in der Barfüßerstraße 50. Die Sitzungen der STVV und der Ausschüsse sind öffentlich.
[Bearbeiten] Oberbürgermeister
Der im Januar 2005 direkt gewählte und seit dem 1. Juli 2005 im Amt tätige Oberbürgermeister Egon Vaupel gehört der SPD an, sein Stellvertreter, der Bau- und Jugenddezernent Bürgermeister Dr. Franz Kahle wird von Bündnis 90/Die Grünen gestellt.
Siehe auch: Liste der Stadtoberhäupter von Marburg
[Bearbeiten] Wappen
Das Wappen der Stadt Marburg zeigt den auf einem weißen Pferd reitenden hessischen Landgrafen mit einer Fahne und seinem Schild vor rotem Grund. Der Schild zeigt den Hessenlöwen, auf der Fahne ist das Wappenbild durch das traditionelle Marburger „M“, blau auf gold (gelb), dem eigentlichen Stadtzeichen (Gemerke), ersetzt. Aus diesem Logo leitet sich wiederum die Stadtfahne ab: Das Rot des Hintergrundes, das Weiß des Pferdes und das Blau des Schildes ergeben horizontal von oben nach unten die Stadtfarben.
Das Ende des neunzehnten Jahrhunderts entworfene Wappen basiert auf einem Reitersiegel des Landgrafen an einer städtischen Urkunde, und ist ein Beispiel für die damals gängige Praxis, nicht mehr bekannte, oder als zu wenig repräsentativ empfundene Stadtwappen durch Motive aus Siegeln zu ersetzen. In den heutigen Gemeindeordnungen ist der Gebrauch der Stadt- und Gemeindewappen in den Dienstsiegeln häufig vorgeschrieben.
[Bearbeiten] Städtepartnerschaften
Seit 1961 besteht eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Poitiers. Zurückzuführen ist diese Partnerschaft aufgrund der Beziehungen der beiden ansässigen Universitäten. [8] 1969 erfolgte die Verschwisterung mit der slowenischen namensgleichen Stadt Maribor (Marburg an der Drau), 1971 mit Sfax in Tunesien.
1988 wurde Die Verschwisterungsurkunde mit der damals noch zur DDR gehörenden Stadt Eisenach in Thüringen unterzeichnet. Die Verantwortlichen wollten damit ein Zeichen zur Völkerverständigung und zur Überwindung der deutschen Teilung setzen und die Beziehungen der beiden Städte durch das Wirken der Heiligen Elisabeth verdeutlichen.[9] Die Städtepartnerschaft zu Northampton in England entwickelte sich über die Städtepartnerschaft beider Städte zur französischen Stadt Poitiers und führte 1992 zur Verschwisterung. Die letzte Städtepartnerschaft wurde 2005 mit der Stadt Sibiu/Hermannstadt in Rumänien geschlossen, bereits viele Kontakte auf universitärer, schulischer, kirchlicher und kultuereller Ebene bestanden.[10] Zur Würdigung des Engagements in den partnerschaftlichen Beziehungen wurde die Stadt 1980 mit der Ehrenfahne des Europarates ausgezeichnet.[11]
[Bearbeiten] Solarsatzung
Im Juni 2008 wurde vom Marburger Stadtparlament mit den Stimmen der SPD, von Bündnis 90/Die Grünen und der Linken die bundesweit bisher einzigartige und umstrittene Marburger Solarsatzung verabschiedet. Danach sollen, bis auf wenige Ausnahmen, alle Marburger Bauherren verpflichtet werden, bei Neubauten oder größeren Änderungen an Dächern oder Heizungsanlagen, solarthermische Anlagen zu installieren.[12] Der Giessener Regierungspräsident hob diesen Beschluss am 7. Oktober 2008 auf. Gegen die RP-Verfügung kann die Stadt Marburg beim Verwaltungsgericht Gießen Klage erheben.[13]
[Bearbeiten] Kultur
[Bearbeiten] Theater
Neben gelegentlichen Gastvorstellungen von Boulevardbühnen oder Musicalensembles in der Stadthalle sowie studentischen Theatergruppen und Produktionen der Waldorfschule besitzt Marburg drei freie Theater (kommunal unterstützt) sowie das Hessische Landestheater.
- Theater Gegenstand, Waggonhalle (eigene Produktionen, „Marburg Hope“ Live Soap und Improtheatershow)
- Marburger Theaterwerkstatt „german stage service“ (Produktionen auf internationalen Festivals)
- Hessisches Landestheater Marburg (fünf örtliche Spielstätten plus Freiluftaufführungen)
- Schnaps & Poesie Theater (eigene Ladenlokal-Spielstätte plus Gastauftritte, Lesetheater)
Mit jährlich rund einer halben Million verkauften Kinotickets (bei einem Einzugsgebiet von rund 253.000 Einwohnern im Landkreis) nimmt das Kino einen hohen Stellenwert in der Freizeitgestaltung der Marburger ein. Das Angebot umfasst ein unabhängiges, nicht-kommerzielles Kino (im Kulturzentrum G-Werk) und 14 kommerziell betriebene Kinosäle an drei Standorten, darunter sieben im Marburger Cineplex. Im Sommer finden Großleinwandvorführungen auf der Freiluftbühne im Schlosspark statt.
[Bearbeiten] Museen
Marburg bietet neben zwei privaten Galerien, mehrere zugängliche Künstlerateliers und viele weitere Ausstellungsorte und Museen, wobei fünf zur Universität gehören.
[Bearbeiten] Universitätsmuseen
Das Marburger Universitätsmuseum für Kunst und Kulturgeschichte unterhält an zwei Standorten Einrichtungen. Das Universitätsmuseum für Bildende Kunst im Ernst-von-Hülsen-Haus in der Biegenstr. 11 zeigt neben wechselnden Ausstellungen Expressiver Realismus Werke des Marburger Künstlers Franz Frank, Pointillismus, Kunst des 17. bis 19. Jahrhunderts, Kunst des 20. Jahrhunderts, Kunst der Gegenwart, Werke Carl Bantzers und Otto Ubbelohdes sowie die Willingshäuser Schule und eine ständige Abgußsammlung von antiken Statuen.
Das Universitätsmuseum für Kulturgeschichte im Landgrafenschloss zeigt eine Keramiksammlung mit Marburger Irdenware und Steinzeug aus Hessen und dem Westerwald. Im Wilhelmsbau sind die Kulturgeschichtlichen Sammlungen auf 5 Stockwerken untergebracht. Zudem finden wechselnde Sonderausstellungen statt.
Im Dachgeschoss des Instituts für Cytobiologie in der Robert-Koch-Straße 8 befindet sich das Museum Anatomicum. Gezeigt werden etwa 2000 Präparate aus der Zeit von 1650 bis 1920, unter anderem in Formalin-gefüllten Glasbehältern aufbewahrte Präparate aus dem Gebiet der systematischen und topographischen Anatomie, der Embryologie und der Missbildungslehre. Ein weiterer Schwerpunkt bietet eine Sammlung von Knochen und Skeletten. Gezeigt werden darin zum Beispiel Schädel von Hingerichteten, Präparate zur Schädel- und Zahnentwicklung oder die Rassenschädelsammlung. Anatomische Geräte, chirurgisches Instrumentarium und alte Mikroskope sind außerdem ausgestellt.
Das Mineralogische Museum Marburg besitzt mit etwa 45.000 Mineralien, 50.000 Gesteinsproben, mehrere tausend Edelsteinrohproben und 150 Meteoriten. Die größte mineralogischen Sammlung Hessens gilt unter Fachleuten als eine der wichtigsten Deutschlands. Entstanden ist sie als Lehr- und Forschungssammlung des Instituts für Mineralogie der Universität Marburg.
Der Theologe und Religionsphilosoph Rudolf Otto gründete 1927 die Religionskundliche Sammlung, das Museum für Religion. Nach mehreren Umzügen befindet sich das Museum in der „Neuen Kanzlei“ in der Landgraf-Philipp-Straße 4. Es werden Kultfiguren, Bilder und Ikonen, Rollbilder, Ritualgegenstände, Hausaltare und verschiedene Modelle und Nachbildungen ausgestellt, sortiert nach den Themengebieten Altamerika, Altägypten, Religionen Afrikas und Ozeaniens, Religionen Süd- und Ostasiens (Hinduismus, Shinto und Tenrikyo), Monotheistische Religionen (Judentum, Christentum, Islam). Auch hier werden Sonderausstellungen zu wechselnden Themen angeboten. Die Marburger Religionskundliche Sammlung gehört neben Einrichtungen in Glasgow und St. Petersburg zu den ganz wneigen Museen, die sich ausschließlich auf die Darstellung von Religion spezialisiert haben.
Die Marburger Völkerkundliche Sammlung befindet sich im Institut der Völkerkunde der Universität Marburg in der Kugelgasse 10. Sie beherbergt dauerhaft mehr als 5.000 Objekte und setzt sich aus vielen verschiedenen (privaten)Teilsammlungen zusammen. Attraktiv ist für Studenten die oft genutzte Möglichkeit, selber aktiv Ausstellungen zu organisieren und direkt an den Objekten zu arbeiten. Die ausgestellten Gegenstände decken zwar ein weites Feld ab, jedoch liegt der Fokus deutlich auf (Alltags)gegenständen indigener Gruppen im Amazonasgebiet.
[Bearbeiten] Weitere Museen
Die neue Marburger Kunsthalle des dortigen Kunstvereins wurde auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes am Gerhard-Jahn-Platz 5 im Jahr 2000 eröffnet. Auf über 500 Quadratmetern bietet sie ständig wechselnde Ausstellungen zur Kunst der Gegenwart.
Im 1. Deutschen Polizeioldtimer Museum in der Herrmannstraße 200 können über 60 historische Polizeifahrzeuge besichtigt werden. Mit weiteren Exponaten wie technischem Material und Fotos mit Bezug zur Motorisierung der deutschen Polizei stellt das Museum die größte Sammlung von Polizeifahrzeugen in Deutschland dar.
Im Kindheits- und Schulmuseum am Barfüßertor 5 wird ein Einblick in die Kindheit des vorigen Jahrhunderts gegeben. Zu bestaunen sind Spielzeuge aus den Jahren 1850 bis 1950, ein Spiel-Zoo mit 600 Spielzeugtieren und Miniaturgebäuden, historische Kinder- und Schulbücher, ein Einblick in die „Marburger Puppenklinik“, ein historisches Klassenzimmer aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und weitere Exponate.
[Bearbeiten] Archive
Marburg beherbergt mehrere bundesweit bedeutende Archive:
- Lichtbildarchiv älterer Originalurkunden
- Hessisches Staatsarchiv Marburg – zuständig für das bei den staatlichen Behörden im Regierungsbezirk Kassel und Teilen des Regierungsbezirks Gießen anfallende Schriftgut
- Bildarchiv Foto Marburg – Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte, Bildarchiv zur europäischen Kunst und Architektur
- Deutsches Adelsarchiv – Nachweis und Stammbaum aller deutschen Adelsfamilien
- Kant-Forschungsarchiv der Philipps-Universität – Original-Schriften, nicht museal zugänglich
- Behring-Archiv – Materialien und Dokumente zur Person Emil von Behrings als auch zur Geschichte des Unternehmens
- Forschungsstelle Georg Büchner (FGB) – Forschung und Erarbeitung von Publikationen zu Leben, Werk und Wirkung Georg Büchners
- Deutsches Spiele-Archiv – wissenschaftliche Aufarbeitung der deutschen Karten- und Brettspiele
- Circus-, Varieté- und Artistenarchiv – Programme, Kostüme, Requisiten, Fotos
- Corpus der minoischen und mykenischen Siegel – Abdrücke, Fotos, Publikation
- Zentralarchiv der Deutschen Volkserzählung – Sagen- und Märchensammlung im Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft
[Bearbeiten] Vereine
[Bearbeiten] Sport
Aushängeschilder in sportlicher Hinsicht sind die die Basketball-Damen des BC Marburg, die seit 1992 einen festen Bestandteil in der 1. Damen-Basketball-Bundesliga bilden und im Jahr 2003 Deutscher Meister und Pokalsieger wurden, sowie die Footballer der 1991 gegründeten Marburg Mercenaries, die ihre Spiele im 12.000 Zuschauer fassenden Georg-Gaßmann-Stadion austragen, 2005 den europäischen EFAF-Cup gewannen und 2006 Deutscher Vizemeister wurden. Nach dem Rückzug im Jahr 2006 nicht mehr in der Bundesliga vertreten sind die Skwosch-Frösche Marburg.
Der sportlich bislang erfolgreichste Verein im Bereich Fußball ist der VfB Marburg, der viele Jahre in der Oberliga spielte und derzeit ebenso wie der Stadtteilverein FSV Schröck und die Sportfreunde Blau-Gelb Marburg in der Landesliga vertreten ist.
Im Bereich Tennis sind die Damen- und Herrenmannschaften des TC Marburg in der Hessenliga am Start und somit gegenüber dem TV Marburg sportlich erfolgreicher unterwegs.
Die Rhönradabteilung des TSV Marburg-Ockershausen ist mit über einem dutzend Deutschen Meistertiteln und neun Weltmeisterschaften, die durch die Turnerinnen des Teams erreicht wurden, eine der erfolgreichsten Rhönrad-Mannschaften Deutschlands.
Die Softballmannschaft der Universität erreichten 1999 und 2004 jeweils den zweiten Platz der deutschlandweit ausgetragenen College-Series.
Der Kurhessische Verein für Luftfahrt (KVfL) ist einer der ältesten Luftsportvereine Deutschlands. Mit heute etwa 300 Mitgliedern und den vier Sparten Modellflug, Motorflug, Segelflug und Ballonfahren ist der Verein auch überregional aktiv. Zu seinen sportlich erfolgreichsten Mitgliedern zählt der zweifache Weltmeister im Segelflug, Werner Meuser.
Golf bietet in Marburg der Oberhessischen Golf-Club Marburg an. Dieser hat seit 2003 in Bernsdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Cölbe, einen eigenen 18-Loch-Golfplatz.
Der Schwimmsport hat in Marburg eine große Tradition. Der Marburger Schwimmverein und der VfL 1860 Marburg sind die beiden ältesten Vereine, der FV Wehrda ist erst später hinzugekommen.
Der Marburger Ruderverein besteht seit 1911. Das Bootshaus liegt im Ortsteil Gisselberg. Der Bootspark hat alle Bootsgattungen vom Skiff bis zum Achter. Seit 2004 ist er auch im Besitz eines Drachenbootes. Der Schwerpunkt des Vereins liegt in der Jugendarbeit und im Breitensport.
[Bearbeiten] Musik
Das musikalische Angebot ist reichhaltig. Insbesondere die drei Kulturzentren sorgen für eine weite Bandbreite von nicht nur für Jüngere attraktiven Konzerten der Bereiche Rock, Pop, Hip Hop, A cappella, Tango, Ska, Punk, Reggae, Weltmusik. Vereine wie die Jazz-Initiative JIM sowie der Folkclub Marburg ergänzen weitere Klangfarben. Im Bereich der Klassischen Musik gibt es einen aktiven Konzertverein, zwei junge Sinfonieorchester und viele Chöre im Stadtgebiet.
- Big Band des VfL 1860 Marburg
- Kulturladen KFZ seit 1977 („Kommunikations- und Freizeit-Zentrum“)
- g-werk (ehemals Cafe Trauma, german stage service)
- Waggonhalle (Kulturveranstalter und Theaterzentrum)
- Jazzinitiative Marburg (seit 1980)
- Folkclub Marburg (akustische Folk- und Weltmusik, zur Hälfte Folktanz-Veranstalter, seit 1974)
- Marburger Bachchor
- Marburger Konzertchor
- Kurhessische Kantorei Marburg
- Vokalensemble Canticum Antiquum
- Polizeichor Marburg
- UniChor Marburg
- Konzertverein Marburg (Klassikmusik-Veranstalter)
- Marburger MusikerInnen Verein (Interessenverband der Rockmusik-Bands)
- OnStage (Musicalverein)
- Sinfonisches Orchester des VfL 1860 Marburg
- Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg
- Junge Marburger Philharmonie
Neben sechs kommerziellen Diskotheken gibt es zahlreiche After-Work-Partys sowie sogenannte Soli-Partys.
[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen
- letzter Freitag im Januar: Großleinwandkino „Die Feuerzangenbowle“ auf dem Rathausplatz
- Ende Februar / Anfang März: „Marburg Northampton Poitiers Festival“ (3 Tage, 60 Bands) organisiert vom Musiker(innen)verein Marburg (seit 1995)
- März: „Marburger Kameragespräche“ (Verleihung des Preises, Werkschau der Preisträger)
- März: Kinder- und Jugendtheaterwoche (organisiert vom Hessischen Landestheater Marburg)
- ab letztem Aprilwochenende: Frühjahrsmesse auf dem Marburger Messeplatz (9 Tage)
- 30. April, nachts: traditionelles Maieinsingen
- 1. Mai, vormittags: Demo und Kundgebung der Gewerkschaften, nachmittags Fest
- Fronleichnamstag: A-cappella-Festival „Nacht der Stimmen“ auf der Freilichtbühne im Schlosspark (kfz e. V.)
- erstes Juniwoche: Kinderfestival „Ramba Zamba“ (organisiert vom Kulturamt Marburg)
- letzter Freitag im Juni: Uni-Sommerfest auf abgesperrtem Innenstadtgelände (5 Bühnen)
- erstes Wochenende im Juli: Marburger Marktfrühschoppen
- zweites Wochenende im Juli: Stadtfest „3 Tage Marburg“ (10 Bühnen, Drachenboot-Cup, Feuerwerk)
- OpenEyes Kurzfilmfestival im Juli
- Juli–August: Marburger Sommerakademie (Kurse zu Kunst, Theater, Musik)
- Anfang August: „Summer in the City“ Straßenfest des Kulturzentrums kfz e. V. (Live-Musik u.v.a.)
- September: Weidenhäuser Entenrennen und Höfefest
- zweites Wochenende im Oktober: Elisabeth-Jahrmarkt mit Rahmenprogramm und verkaufsoffenem Sonntag
- erstes Wochenende im November: Kunsthandwerkermarkt in der Marburger Stadthalle
- ab Samstag vor 1. Advent: Weihnachtsmarkt rund um die Elisabethkirche, Adventsmarkt am Rathaus
- in der ersten Vorlesungswoche eines Semesters: Erstsemesterfest des AStA-Kulturreferats
- Mitte August / Mitte September: „Marburger Varieté-Sommer“ organisiert vom Kulturzentrum Waggonhalle
Durch die geisteswissenschaftlichen Fachgebiete der Universität wie beispielsweise der Fachbereich „Neuere deutsche Literatur und Medien“ gibt es in Marburg auch im Literaturbereich viele Angebote. Neben mehreren literarischen Vereinen mit unterschiedlichen Schwerpunkten finden im Café Vetter jeden Sonntag Veranstaltungen der Vortragsreihe „Literatur um 11“ statt, unregelmäßig findet im kfz ein Poetry Slam statt, einmal monatlich findet das Late-Night-Lesen in der Jazzkneipe Cavete statt.
Der Marburger Literaturpreis der Universitätsstadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf wurde zwischen 1980 und 2005 alle zwei Jahre vergeben. Im Jahre 2006 entschieden der Landrat des Kreises Marburg-Biedenkopf und der Oberbürgermeister der Stadt Marburg, den Preis nicht mehr zu vergeben. Stattdessen wolle die Stadt Marburg zukünftig stärker als bisher Kinder- und Jugendliteratur fördern [14].
[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten und Tourismus
[Bearbeiten] Allgemeines
Marburg und seine Umgebung bieten zahlreiche Sehenswürdigkeiten [15] [16]. Der Tourismus stellt in der Universitätsstadt einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor dar. Hauptanziehungspunkte sind die Elisabethkirche, das Schloss sowie die historische Altstadt. Für Übernachtungen bietet Marburg außer dem Campingplatz und einer ganzen Reihe Hotels und Pensionen in allen Preisklassen die Jugendherberge in der Jahnstraße, die 167 Betten bietet und in unmittelbarer Nähe zur Lahn und zum Universitätsstadion liegt. 2004 konnte die Stadt 239.261 Übernachtungen vorweisen bei einem Angebot von 1571 Betten. [17]. Stadtführungen von 1,5 bis 2 Stunden (auch zu Sonderthemen wie Märchen, Romantikepoche etc.) lassen sich bei der Touristen-Information buchen. Von April bis Oktober gibt es zudem jeden Samstag Kasematten-Führungen durch die unterirdischen Festungsanlagen des Schlosses.
[Bearbeiten] Elisabethkirche
→ Hauptartikel: Elisabethkirche (Marburg)
Die Elisabethkirche, vom Volksmund gewöhnlich „E-Kirche“ genannt, ist der früheste rein gotische Kirchenbau auf deutschem Boden und wahrscheinlich das bekannteste Gebäude Marburgs. Sie wurde vom Deutschen Orden zu Ehren der Heiligen Elisabeth von Thüringen gebaut, deren Grabmal sich in der Kirche befand. Der Bau wurde im Jahr ihrer Heiligsprechung (1235) begonnen und 1283 vollendet. Marburg wurde dadurch im Spätmittelalter zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.
Die Kirche gilt als Meisterwerk der deutschen Frühgotik. Sie zählt zu den ersten rein gotischen Hallenkirchen im deutschen Kulturgebiet. Mit der Liebfrauenkirche in Trier ist sie die erste rein gotische Kirche im deutschen Sprachraum. Für den Kölner Dom galt sie als Vorbild.
[Bearbeiten] Landgrafenschloss
→ Hauptartikel: Marburger Schloss
Das Landgrafenschloss erhebt sich weithin sichtbar westlich über der Stadt und dem in nord-südlicher Richtung verlaufenden Lahntal. Der Schlossberg hat eine Höhe von 287 m. ü. NN. und bildet einen Ausläufer des Marburger Rückens – einem Buntsandstein-Hochland. Durch die relativ steilen Talflanken bestand hier eine sehr gute fortifikatorische Ausgangslage für die Errichtung einer mittelalterlichen Burg, die in der Folgezeit und bis in die Gegenwart zahlreiche bauliche Veränderungen erfuhr.
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