Leipzig – Wikipedia

Leipzig

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Leipzig (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Leipzig
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Leipzig hervorgehoben
51.33333333333312.383333333333113Koordinaten: 51° 20′ N, 12° 23′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Direktionsbezirk: Leipzig
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Höhe: 113 m ü. NN
Fläche: 297,36 km²
Einwohner: 511.676 (30. Juni 2008)[1]
Bevölkerungsdichte: 1721 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 04003-04358 (alt: 70xx)
Vorwahl: 0341
Kfz-Kennzeichen: L
Gemeindeschlüssel: 14 7 13 000
Stadtgliederung: 10 Stadtbezirke

mit 63 Ortsteilen

Adresse der Stadtverwaltung: Neues Rathaus
Martin-Luther-Ring 4–6
04109 Leipzig
Webpräsenz:
Oberbürgermeister: Burkhard Jung (SPD)
Ein Leipziger Wahrzeichen: Völkerschlachtdenkmal
Der Sitz der Stadtverwaltung: Das Neue Rathaus
Die Innenstadt von Leipzig

 Leipzig ?/i (obersorbisch Lipsk) ist eine kreisfreie Stadt im Nordwesten des Freistaates Sachsen und mit über 510.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt in den fünf Neuen Bundesländern.

Leipzig gehört zu den sechs Oberzentren Sachsens und ist Sitz der Landesdirektion Leipzig. Die Stadt bildet gemeinsam mit der benachbarten Großstadt Halle (Saale) einen Ballungsraum, der Teil der Metropolregion Sachsendreieck ist. Leipzig ist des Weiteren ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt und eines der wichtigsten Wirtschaftszentren der Neuen Bundesländer.

Nach Verleihung des Stadtrechts und der Marktprivilegien um das Jahr 1165 entwickelte sich Leipzig bereits während der Deutschen Ostsiedlung zu einem wichtigen Handelszentrum. Leipzigs Tradition als bedeutender Messestandort in Mitteleuropa mit einer der ältesten Messen der Welt geht auf das Jahr 1190 zurück und war eng mit der langjährigen Rolle Leipzigs als internationalem Zentrum des Pelzhandels verknüpft. Neben Frankfurt am Main ist die Stadt ein historisches Zentrum des Buchdrucks und -handels. Außerdem befinden sich in Leipzig eine der ältesten Universitäten sowie die ältesten Hochschulen für Handel und Musik Deutschlands.

Leipzig verfügt über eine große musikalische Tradition, die vor allem auf das Wirken Johann Sebastian Bachs und Felix Mendelssohn Bartholdys zurückgeht und sich auf die Bedeutung des Gewandhausorchesters und des Thomanerchors stützt.

Im Zuge der Montagsdemonstrationen 1989, die einen entscheidenden Impuls für die Wende in der DDR gaben, wurde Leipzig als Heldenstadt[2] bezeichnet. Die informelle Auszeichnung für den so mutigen wie friedlichen Einsatz vieler Leipziger Bürger einschließlich Kurt Masur im Umfeld der Leipziger Nikolaikirche prägten den Ruf der Stadt[3] nach der Wende und wird beim Stadtmarketing unter dem Slogan "Leipziger Freiheit" aufgegriffen.

Eine intensive Bautätigkeit wie auch der Immobilienskandal um Jürgen Schneider in den Neunziger Jahren betraf insbesondere die Leipziger Innenstadt, darunter 15 besonders wertvolle und aufwändig restaurierte historische Immobilien wie die Mädler-Passage und Barthels Hof. Bundesweites Aufsehen erweckte auch die Leipziger Kandidatur für die Olympischen Spiele 2012 und in Folge dessen aufgeworfene Korruptionsvorwürfe[4]. Das IOC lehnte die Bewerbung in der Vorauswahl ab und verwies dabei u. a. auf Mängel in der Infrastruktur[5].

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

[Bearbeiten] Geografische Lage

Leipzig liegt im Zentrum der Leipziger Tieflandsbucht, eines Teils der Norddeutschen Tiefebene. Im Osten grenzt daran das nördliche Elbland und im Südosten und Süden das Mittelsächsische Hügelland. In Thüringen und Sachsen-Anhalt geht die Tieflandsbucht durch das Tal der Saale in die Saale-Unstrut-Region über.

In der Nähe liegende Großstädte sind Halle (etwa 30 km nordwestlich), Chemnitz (etwa 80 km südlich), Dresden (etwa 100 km südöstlich), Erfurt (etwa 100 km südwestlich), Magdeburg (etwa 100 km nordwestlich) und Berlin (etwa 145 km nördlich). Leipzig liegt fast im Schwerpunkt der drei benachbarten Landeshauptstädte Dresden, Magdeburg und Erfurt.

Durch die Stadt fließt die Weiße Elster, in die hier die Pleiße und die Parthe münden. Aus der Weißen Elster entspringt im Stadtgebiet mit der Luppe ein zweiter Flusslauf. Mit Leipzig wird vor allem die Pleiße in Verbindung gebracht, da mit dem Pleißenmühlgraben einer ihrer Nebenarme unmittelbar am Stadtzentrum vorbeifließt.

Die höchsten Erhebungen Leipzigs sind der Monarchenhügel (159 m), der künstlich aufgeschüttete Fockeberg (153 m) sowie der knapp außerhalb der Stadtgrenze liegende Galgenberg (163 m).

[Bearbeiten] Natur und Umwelt

Pleiße im südlichen Auenwald
Freilegung eines Abschnittes des verrohrten Pleißenmühlgrabens (Jan. 2007)

Entlang der Flüsse zieht sich ein ausgedehntes Auwaldgebiet mitten durch die Stadt. Da sich unter Leipzig und seinem Umland bedeutende Braunkohlelagerstätten befinden, wurde bereits in den 1930er Jahren mit dem industriellen Abbau dieses Rohstoffes in Tagebauweise begonnen. Durch den Bergbau, der sich während der DDR-Zeit immer weiter ausbreitete (Braunkohle war der Hauptenergieträger der DDR), wurden südlich von Leipzig Teile des Auwaldes zerstört. Zahlreiche Hochwasserschutzmaßnahmen, unter anderem der Bau des Elsterbeckens und die Verlegung natürlicher Flussläufe, sowie mit dem Braunkohleabbau verbundene Absenkungen des Grundwasserspiegels führten zu Störungen des hochspezialisierten Ökosystems, das ursprünglich als natürliches Überflutungsgebiet diente.

In den 1950er Jahren wurden der Pleißemühlgraben und ein Teil des Elstermühlgrabens – im Mittelalter für den Betrieb von Mühlen teilweise künstlich angelegte Nebenarme der beiden Flüsse – wegen der Verschmutzung durch Industrieabwässer aus der Braunkohleverarbeitung südlich von Leipzig verrohrt oder verfüllt, so dass Leipzig seinen Charakter als Flussstadt teilweise verlor. Die Einleitung der hochgiftigen Abwässer führte dazu, dass die Flüsse biologisch tot waren. Seit den 1990er Jahren werden beide Flussläufe nach und nach wieder freigelegt.

Neben der Gewässerverunreinigung brachte die Braunkohlebefeuerung veralteter Industrieanlagen, die teilweise noch dem Vorkriegsstandard entsprachen, sowie häuslicher Ofenheizungen eine sehr starke Luftverschmutzung mit sich. Die schwefel- und phenolhaltige Luft und der damit einhergehende saure Regen griffen Teile der Bausubstanz, vor allem die aus Sandstein, an. In den 1970er und 1980er Jahren galt Leipzig als eine der mit Umweltgiften am meisten belasteten Großstädte Europas. Nach der „Wende“ führte die Stilllegung der Altindustrie und die Modernisierung der Kraftwerke und häuslichen Heizungsanlagen sehr schnell zu erheblich verbesserten Wasser- und Luftverhältnissen und zu einer sichtbaren Gesundung der Tier- und Pflanzenwelt. Leipzig zählt heute mit seinen zahlreichen Stadtparks, wie beispielsweise dem zentrumsnahen Clara-Zetkin-Park und dem Rosental, vielen neu geschaffenen Anlagen in den Wohngebieten sowie den traditionellen Schrebergartenvereinen zu den grünsten Städten Deutschlands (siehe hierzu weiterführend Parks und Gärten). Der Grünflächenanteil wird mit rund 50 %, der Waldanteil mit etwa 7 %[6] beziffert.

Anfang der 1990er Jahre wurde der Braunkohleabbau gestoppt und mit der Rekultivierung der Tagebaurestlöcher und der Renaturierung des Umfeldes begonnen. Inzwischen sind aus den gefluteten Tagebauen mehrere Seen mit sehr guter Wasserqualität entstanden. Weitere Tagebaue befinden sich noch in der Flutung. Der Cospudener See liegt dem Leipziger Stadtzentrum am nächsten und dient bereits als sehr gut erschlossenes Naherholungsgebiet. Der so entstehende großflächige Erholungsraum wird als „Leipziger Neuseenland“ auch touristisch vermarktet. Um Natur und Landschaft der Region gemeinsam mit den umliegenden Kommunen und Landkreisen zu entwickeln und erlebbar zu machen, ist Leipzig seit 1996 Mitglied im Grünen Ring Leipzig.

[Bearbeiten] Stadtgliederung und Nachbargemeinden

Verwaltungsgrenzen 2005

Leipzig besteht aus zehn Stadtbezirken mit 63 Ortsteilen, siehe Liste der Ortsteile Leipzigs für die politische Gliederung und Liste der Stadtteile Leipzigs für die historisch gewachsene Struktur.

Die nachfolgenden Gemeinden grenzen an die Stadt Leipzig:

Krostitz Jesewitz
Schkeuditz Rackwitz Taucha
Borsdorf Brandis
Markranstädt Markkleeberg Naunhof
Kitzen Zwenkau Großpösna

[Bearbeiten] Klima

Klimadiagramm von Leipzig[7]

Leipzig liegt in der gemäßigten Klimazone, im Übergangsbereich vom ozeanischen Klima Westeuropas zum Kontinentalklima Osteuropas. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,4 °C und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 556,8 mm (Mittel 1972–2001). Im Mittel gibt es 79 Tage mit Frost. [8] Der meiste Niederschlag fällt in den Sommermonaten Juni bis August mit einem Spitzenwert von 72 mm im Juli. Im Februar fällt der geringste Niederschlag mit 27 mm, in den anderen Wintermonaten liegt er etwa bei 30 mm.

Der Regenschatten des Harzes erreicht im Leipziger Stadtgebiet seine südöstliche Grenze. Nach Süden schließen sich die Regenstaulagen des Erzgebirges an. Dies äußert sich in einem bedeutenden Niederschlagsgradienten in der Umgebung der Stadt, aber auch innerhalb des Stadtgebietes. Am trockensten ist der Norden Leipzigs, der meiste Niederschlag fällt im Südraum der Stadt, wobei die Jahresdifferenz etwa 100 mm beträgt. [9]. Zum Vergleich: Die noch vollständig im Regenschatten liegende Stadt Halle (Saale) empfängt nur etwa 450 mm Niederschlag im Jahr.

Der bisher heißeste Tag war der 9. August 1992 mit 38,8 °C, der kälteste der 14. Januar 1987 mit −24,1 °C.[8]

[Bearbeiten] Nach Leipzig benannte Ortschaften

In der kanadischen Provinz Saskatchewan gibt es eine Kleinstadt namens Leipzig. Ferner befinden sich mehrere nach Leipzig benannte Ortschaften in den USA. So tragen zwei Orte in Delaware (203 Einwohner; Stand: 2000) und in Ohio (2.236 Einwohner; Stand: 2000) den der englischen Aussprache angepassten Namen Leipsic. In North Dakota liegt zudem das im Jahre 1901 von Russlanddeutschen gegründete New Leipzig, das heute 326 Einwohner zählt. Das sachsen-anhaltische Dorf Thurland hat einen Ortsteil Klein Leipzig.

[Bearbeiten] Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Stadt Leipzig

Leipzig um 1580
Leipzig während der Belagerung durch Heinrich von Holk 1632
Auerbachs Hof 1778
Leipziger Markt 1804

Etwa 900 nach Chr. wurde an beiden Ufern der Parthe eine slawische Siedlung angelegt, wie Grabungen von Herbert Küas im Gebiet des heutigen Matthäikirchhofs bestätigten. Erstmals erwähnt wurde Leipzig 1015, als Thietmar von Merseburg von einer urbs Libzi (Stadt der Linden) berichtete (Chronikon VII, 25). Als Gründungsjahr der Stadt gilt das Jahr 1165, in dem Markgraf Otto der Reiche von Meißen dem Ort an der Kreuzung der Via Regia mit der Via Imperii das Stadtrecht und das Marktrecht erteilte. Mit der Stadtgründung entstanden die beiden großen Kirchbauwerke – die Thomaskirche und die St. Nikolaikirche.

Leipzig lag in der Markgrafschaft Meißen, die 1439 im Kurfürstentum Sachsen aufging. Das Kurfürstentum wurde bereits 1485 durch die beiden Brüder Albrecht den Beherzten und Ernst mit der Leipziger Teilung aufgeteilt. Leipzig gehörte danach zum Herzogtum Sachsen, zu dessen Hauptstadt das bis dahin im Vergleich zu Leipzig oder Meißen unbedeutende Dresden ernannt wurde. Leipzig war darin häufig Tagungsort des Landtags. Nach der Verwaltungsreform 1499 lag Leipzig als sogenanntes Amt im Leipziger Kreis, neben dem es sieben weitere im Kurfürstentum gab.

Im Jahre 1409 wurde die Universität Leipzig als „Alma Mater Lipsiensis“ gegründet und gehört damit zu den ältesten Universitäten in Deutschland. 1519 trafen sich Martin Luther, Andreas Karlstadt und Philipp Melanchthon mit dem katholischen Theologen Johannes Eck auf Einladung der Universität in der Pleißenburg zu einem Streitgespräch, das als Leipziger Disputation in die Geschichte einging.

Pelzlager am Brühl 1862

Nach Erhebung zur Reichsmessestadt 1497 und Ausdehnung des Stapelrechts auf einen Umkreis von 115 km zehn Jahre später durch Kaiser Maximilian I. wurde Leipzig zu einer Messestadt von europäischem Rang. Für den Güteraustausch zwischen Ost- und Westeuropa entwickelte es sich zum wichtigsten deutschen Handelsplatz. Bedeutend für die spätere Entwicklung zur Messestadt[10] war insbesondere der Fellhandel sowie die Weiterverarbeitung zu Pelzhalbfabrikaten für die Kürschnerei und die Herstellung der zugehörigen Werkzeuge und Maschinen. Der Leipziger Brühl wurde neben London zum internationalen Handelszentrum der Pelzwirtschaft, die bedeutende Rolle der Leipziger jüdischen Gemeinde war eng mit ihm verknüpft. Noch 1913 lag der Anteil der Pelzbranche am Steueraufkommen Leipzigs bei 40 %.[10]

1539 wurde die Reformation endgültig durch Luther und Justus Jonas in Leipzig eingeführt. Leipzig war auch vom Schmalkaldischen Krieg 1546 und 1547 betroffen, in dem es für Leipzig und Sachsen vorrangig um die Gleichstellung der protestantischen Konfession ging. In Folge wechselte die Kurwürde an die albertinische Linie, in deren Herzogtum Leipzig lag. In diesen Jahren war die Entwicklung Leipzigs vor allem durch die sich stetig verbessernden Lebensbedingungen gekennzeichnet. Als immer bedeutendere Handels- und Messestadt profitierte Leipzig dabei von einem wohlhabenden Bürgertum. Bereits im 16. Jahrhundert entstand eine Trinkwasserversorgung. 1650 erschienen erstmals die Einkommenden Zeitungen sechs Mal pro Woche. Sie gelten damit als älteste Tageszeitung der Welt.

Der Dreißigjährige Krieg war ein schwerer Einschnitt in die prosperierende Entwicklung der Stadt, die Bevölkerungszahl ging von 18.000 auf 12.000 zurück. Zwischen 1631 und 1642 wurde die Stadt fünfmal belagert, von 1642 bis 1650 war sie schwedisch besetzt.[11] Am 17. September 1631 war die Leipziger Umgebung mit der Schlacht bei Breitenfeld Schauplatz einer der größten Niederlagen der Kaiserlichen unter Tilly im Dreißigjährigen Krieg. Im heute zu Leipzig gehörenden ehemaligen Rittergut Breitenfeld erinnert ein Gustav-Adolf-Denkmal an den schwedischen Heerführer. Ein Jahr darauf, am 16. November 1632, fiel Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen, etwa 10 km südwestlich der heutigen Leipziger Stadtgrenze.

1701 wurde in Leipzig eine Straßenbeleuchtung eingeführt. Die etwa 700 Laternen, nach Amsterdamer Vorbild gefertigt und mit Öl betrieben, wurden erstmals am Abend des 24. Dezember 1701 angezündet. Dazu stellte die Stadt sogenannte Laternenwärter ein, die nach einem festen Brennplan dafür zu sorgen hatten, dass die Laternen rechtzeitig angezündet und wieder gelöscht werden. Während des Siebenjährigen Krieges war Leipzig von 1756 bis 1763 durch Preußen besetzt.

Universitätsgebäude am Augustusplatz 1898
Gewandhaus in der Beethovenstraße 1898

Im Jahre 1813 fand die Völkerschlacht bei Leipzig im Zuge der sogenannten Befreiungskriege statt. Die verbündeten Heere der Österreicher, Preußen, Russen und Schweden brachten in dieser Schlacht Napoleons Truppen und deren Verbündeten, darunter das Königreich Sachsen, die entscheidende Niederlage bei, die schließlich zur Verbannung Napoleons auf die Insel Elba führte.

Am 20. April 1825 wurde der Börsenverein der Deutschen Buchhändler gegründet, zu dem Zeitpunkt war Leipzig eines der Zentren des deutschen Buchhandels und Verlagswesens.

1839 wurde die Leipzig-Dresdner Eisenbahn als erste deutsche Fernbahnstrecke eröffnet. Leipzig entwickelte sich allmählich zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt in Mitteldeutschland, was sich auch darin äußerte, dass der damals nach Mailands Stazione Centrale größte Kopfbahnhof Europas von 1902 bis 1915 in Leipzig entstand.

Am 2. April 1843 begründete Felix Mendelssohn Bartholdy mit dem Conservatorium der Musik die erste Musikhochschule Deutschlands, im gleichen Jahr erschien die erste Ausgabe der Illustrirten Zeitung.

Infolge der Industrialisierung, aber auch vielfältiger Eingemeindungen der Vororte, stieg am Ende des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungszahl rasant an. 1871 wurde Leipzig mit 100.000 Einwohnern Großstadt. Im Jahr 1900 konstituierte sich in Leipzig der Deutsche Fußball-Bund. Der VfB Leipzig war 1903 erster deutscher Fußballmeister.

Historischer Stadtplan und Umgebungskarte von Leipzig von 1876
Neues Theater (Oper) am Augustusplatz um 1900

Am 1. Oktober 1879 wurde in Leipzig das Reichsgericht als oberstes Zivil- und Strafgericht des 1871 gegründeten Deutschen Reiches etabliert. Es hatte die Funktion des heutigen Bundesgerichtshofs. Während der Leipziger Prozesse wurde versucht, am Gericht Verbrechen des Ersten Weltkriegs aufzuklären und die Täter zu verurteilen. Mit der Machtübernahme 1933 durch die Nationalsozialisten wurde das Gericht zunehmend vom Regime Hitlers instrumentalisiert. Im Dezember 1933 verhandelte das Reichsgericht im Prozess um den Reichstagsbrand gegen Marinus van der Lubbe. Er wurde zum Tode verurteilt und im Januar 1934 in Leipzig hingerichtet. Freisprüche weiterer Angeklagter führten zur Einrichtung des Volksgerichtshofs, um die Justiz bei den Delikten Hoch- und Landesverrat zu zentralisieren. Bis zum Ende des Krieges wurde die Strafpraxis am Reichsgericht verschärft und viele Strafen zu Todesurteilen revidiert. Die Auflösung des Gerichtes erfolgte 1945.

Während des Zweiten Weltkrieges kam es in den Jahren 1943 bis 1945 zu mehreren Luftangriffen auf die Stadt, die zu erheblichen Zerstörungen der Innenstadt führten – bis zu 60 % der Bausubstanz waren betroffen – und etwa 6.000 Opfer forderten. Am 18. April 1945 erreichten Einheiten der 3. US-Armee die Stadt und errichteten ihr Hauptquartier im Hotel Fürstenhof. Auf Grund des 1. Londoner Zonenprotokolls von 1944 und der Beschlüsse der Konferenz von Jalta übernahm am 2. Juli 1945 die Rote Armee Leipzig und die Stadt kam zur sowjetischen Besatzungszone. Die sowjetische Militäradministration bildete den „Rat der Stadt“ und die Stadtverordnetenversammlung, deren Zusammensetzung mit Gründung der DDR die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) diktierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die gesamtdeutsche wirtschaftliche Bedeutung Leipzigs in Folge der Zugehörigkeit zunächst zur sowjetischen Besatzungszone und seit 1949 zur DDR stark nach, was sich auch in einem kontinuierlichen Rückgang der Einwohnerzahl äußerte. Von 1952 bis 1990 war Leipzig Hauptstadt des Bezirks Leipzig und, gemessen nach Einwohnerzahlen, die zweitgrößte Stadt der DDR. In den Großstädten Berlin, Leipzig und Dresden wurden die meisten Kombinatsleitungen und Stammbetriebe angelegt, so dass sich die wirtschaftliche Bedeutung Leipzigs bezogen auf die DDR bis 1990 erhielt.

1989 leiteten die von der Nikolaikirche ausgehenden Montagsdemonstrationen das Ende der DDR mit ein. Da Gewalt gegen die staatliche Ordnungsmacht und Zerstörungen von den DDR-Behörden propagandistisch ausgenutzt wurden, fanden die Montagsdemonstrationen in Leipzig unter der Losung „Keine Gewalt“ statt. 1990 wurden Leipzig und der größte Teil des Bezirks Leipzig dem Freistaat Sachsen zugeordnet. Leipzig war seitdem Sitz des Regierungsbezirks Leipzig, welcher am 1. August 2008 im Direktionsbezirk Leipzig aufgegangen ist.

Unverändert ist Leipzig als Messe-, Medien- und Universitätsstadt bekannt, wenn auch die Bedeutung geringer ist als vor dem Zweiten Weltkrieg.

[Bearbeiten] Religionen

Thomaskirche

Für eine ausführliche Geschichte der Religionen siehe: Geschichte der Religionen in Leipzig

Die Bevölkerung der Stadt Leipzig gehörte bis zur Reformation zum Bistum Merseburg. Merseburg war bereits ab 968 Sitz eines Archidiakonats, das der Domdekan des Merseburger Hochstifts innehatte. Im 13. Jahrhundert entstanden in Leipzig vier Klöster: St. Paul (Dominikaner), St. Thomas (Augustiner-Chorherren), Zum Heiligen Geist (Franziskaner) und St. Georg (Zisterzienserinnen und Benediktinerinnen).

Erste lutherische Predigten wurden bereits 1522 abgehalten, 1539 wurde die Reformation eingeführt. Gegenwärtig gehören alle Kirchengemeinden der Stadt zum Kirchenbezirk Leipzig der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Der Kirchenbezirk umfasst auch Gemeinden außerhalb der Stadt.

Seit 1697 gibt es in Leipzig wieder katholische Gottesdienste. 1921 wurde das Bistum Meißen (heute Dresden-Meißen) wiedererrichtet, in dem die Messestadt Sitz eines Dekanats ist. Katholische Hauptkirche der Stadt ist die Propsteikirche St. Trinitatis.

Synagoge Keilstraße

Die erste Erwähnung jüdischen Lebens in Leipzig stammt aus einer Urkunde Heinrich des Erlauchten von 1248. Im 14. Jahrhundert kam es erstmals zu Pogromen gegen Juden und es vergingen mehrere Jahrhunderte, in denen Juden untersagt war, in Leipzig zu siedeln. Erst ab 1710 durften sie wieder in Leipzig sesshaft werden. Nach 1800 bildete sich erstmals eine Jüdische Gemeinde. Bis zum Nationalsozialismus prägten jüdische Bürger die Stadt als Unternehmer, Wissenschaftler, Künstler und Stifter wesentlich mit. 1912 gründete der Rabbiner Ephraim Carlebach die Höhere Israelitische Schule, die erste jüdische Schule in Sachsen. Sie bestand bis 1942. 1929 hatte Leipzig mit über 14.000 Mitgliedern die größte jüdische Gemeinde Sachsens und eine der größten Deutschlands. Ab 1933 begann die systematische Auslöschung jüdischen Lebens in der Stadt, die mit der Deportation und Ermordung fast aller Leipziger Juden ihr Ende fand. Nach dem Krieg bestand die Jüdische Gemeinde nur noch aus 24 Mitgliedern. Die Mitgliederzahl stagnierte bis Anfang der 1990er Jahre. 2004 zählte die „Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig“, insbesondere durch die Einwanderung russischer Juden, wieder über 1.000 Mitglieder. In der heutigen Gottschedstraße, an der Stelle der ehemals größten Leipziger Synagoge, die in der Reichspogromnacht den Flammen zum Opfer fiel, erinnert seit 2001 unter Einbeziehung eines dort 1966 aufgestellten Denkmales eine Gedenkstätte an die Vertreibung und Ermordung der Leipziger Juden.

In Leipzig gibt es etwa 5.000 Muslime. Die größte Moschee heißt Ar-Rahman-Moschee. Des Weiteren gibt es hier eine türkische und eine schiitische Moschee, die aber eine eher geringe Rolle spielen.

[Bearbeiten] Namensentwicklung

Der Name Leipzig leitet sich vom sorbischen Lipsk her (gleichlautend aus dem Altsorbischen abgeleitet) und bedeutet „Linden-Ort“. Im Lateinischen wird er mit Lipsia wiedergegeben. Im Sorbischen und Polnischen ist Lipsk immer noch in Gebrauch, der tschechische Name Leipzigs lautet Lipsko.

Jahr 7.–9. Jh. 1015 1165 1220 1232 1402 1459 1494 1507
veränderter Name im
Laufe von Jahren
Lipsk Libzi Lipz Liptzick Lipzic Leiptzgk Leipczigk Lips Leipzig

In der Tragödie Faust verewigte Goethe in einer Szene in Auerbachs Keller seinen Studienort Leipzig als Klein-Paris. Goethe lässt einen Studenten sagen: Mein Leipzig lob’ ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute. Die Bezeichnung etablierte sich in der Umgangssprache des zur Großstadt aufstrebenden und fortschrittlichen Leipzig des 19. Jahrhunderts.

[Bearbeiten] Wappen

Stadtwappen der Stadt Leipzig

Das Wappen der Stadt Leipzig zeigt in gespaltenem Schild, vorn in Gold einen rot gezungten und bewehrten schwarzen steigenden Löwen; hinten in Gold zwei blaue Pfähle. Der Löwe der Markgrafen zu Meißen und die sogenannten „Landsberger Pfähle“ des Markgrafen von Landsberg sind alte wettinische Wappenbilder, die auf die Einbindung der Stadt Leipzig ins mittelalterliche Kursachsen verweisen. Nachweisen lässt sich das heutige Wappen erstmals 1468 als Siegel, vorher (um 1287) war auf ihm nur eine Burg beziehungsweise eine Burg mit dem Löwen der Markgrafen zu sehen.

Im Volksmund des 17. Jahrhunderts wurde folgende Sage erzählt: Der Löwe habe einst in die andere Richtung geblickt und mit den Tatzen nach den Pfählen gegriffen, sei später aber „zur Strafe“ umgekehrt worden. Tatsächlich wendet sich der Löwe auf Groschen des 15. Jahrhunderts den Pfählen zu.

Der Unterschied zum Dresdner Wappen besteht lediglich in der Tingierung der Landsberger Pfähle, der zum Chemnitzer und Delitzscher Wappen in der Anordnung der Schilde – beim Wappen des Leipziger Lands wurde dem Leipziger Wappen noch ein Fluss hinzugefügt.

Die Stadtfarben sind dem Wappen entsprechend blau-gelb.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Einwohnerentwicklung von Leipzig

Leipzig zählt nach umfangreichen Eingemeindungen Ende der 1990er Jahre zu den flächengrößten Städten Deutschlands.

Einwohnerentwicklung von 1800 bis heute

Vorher war sie, im Gegensatz dazu, eine der kompaktesten Städte, die 1870 mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt wurde. Die gegenwärtige Bevölkerungszahl hatte Leipzig bereits vor 1914 erreicht. Zum Ende des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts holte die Bevölkerungszahl Leipzigs sprunghaft auf die größten Städte auf: Vor Beginn des Ersten Weltkriegs war es mit fast 590.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Deutschlands. Um 1930 hatte die Bevölkerung mit etwas mehr als 700.000 Einwohnern den historischen Höchststand erreicht.

Nach einem kriegsbedingtem Rückgang stieg die Bevölkerung in Leipzig in den 1960er Jahren wieder auf etwa 600.000 Einwohner. Vor allem seit Ende der 1980er Jahre, aber schon in den 1970er Jahren, hatte die Stadt einen erheblichen Bevölkerungsschwund zu verzeichnen. Der Tiefststand wurde Mitte der 1990er Jahre mit etwas weniger als 440.000 Einwohnern erreicht. Der Bevölkerungsschwund ist einerseits durch Abwanderung in Regionen der westlichen Bundesländer begründet, andererseits durch einsetzende Suburbanisierung. Wie alle größeren Städte versucht Leipzig, die Bevölkerungszahl aktiv zu erhöhen, um die Erträge aus dem Kommunalen Finanzausgleich zu steigern, die über die Schlüsselzuweisung berechnet werden. Durch umfangreiche Eingemeindungen im Jahr 1999 versuchte Sachsen, der Suburbanisierung Leipzigs entgegen zu wirken. Es kamen mehrere große Industriegemeinden hinzu, so dass sich die Fläche der Stadt in etwa verdoppelt hat. Durch die Eingemeindungen, ansteigende Geburtenraten und eine positive Bilanz bei Zu- und Wegzügen wächst die Einwohnerzahl Leipzigs langsam wieder, so dass 2005 die Halbe-Million-Einwohnergrenze wieder überschritten wurde. Außerdem soll eine Zweitwohnungsteuer Bewohner dazu anregen, Leipzig als Erstwohnsitz zu melden. Studenten, die für ihr Studium nach Leipzig umziehen, erhalten auf Antrag einen Zuzugsbonus von der Stadtverwaltung.

[Bearbeiten] Politik

Nach der Friedlichen Revolution von 1989 wurde die „Stadtverordnetenversammlung“, (seit 1991 wieder Stadtrat) wieder frei gewählt. Erster Vorsitzender war zunächst der Stadtpräsident Friedrich Magirius (parteilos) in den Jahren 1990 bis 1994. Seit 1994 ist der Oberbürgermeister Vorsitzender des Stadtrats. Der Stadtrat wählte anfangs auch den Oberbürgermeister, seit 1994 wird er jedoch direkt von den Leipziger Bürgern gewählt.

Der amtierende Oberbürgermeister der Stadt ist seit März 2006 Burkhard Jung (SPD). Er löste Wolfgang Tiefensee (SPD) ab, der die Stadtgeschäfte von 1998 bis 2005 führte, das Amt aber wegen seiner Berufung zum Bundesverkehrsminister am 22. November 2005 niederlegte.

(Liste aller Leipziger Bürgermeister seit 1778 im Hauptartikel: Liste der Bürgermeister der Stadt Leipzig)

In den letzten Jahren wurde die Leipziger Kommunalpolitik von einer informellen Koalition der großen Parteien CDU und SPD geprägt, in die fallweise auch die PDS einbezogen wurde (so genanntes „Leipziger Modell“). Dadurch wurde die Kontrollfunktion des gewählten Stadtrats weitgehend ausgehebelt. Es kam daher zum überraschenden Konkurs städtischer Unternehmen und verschiedenen Korruptionsfällen, die 2004 zur Beurlaubung des Stadtkämmerers und 2005 zur Beurlaubung des beigeordneten Ordnungsbürgermeisters führten.

[Bearbeiten] Ergebnis der Stadtratswahl vom 13. Juni 2004

Stimmverteilung 2004
Partei Stimmenanteil 2004 Stimmenanteil 1999 Gewinne/Verluste Sitze im Stadtrat
SPD 27 26,2 0,7 19
PDS 26,1 25,5 0,6 19
CDU 25,5 31,9 −6,4 19
GRÜNE 10,0 7,4 2,6 7
FDP 4,5 2,7 1,8 3 [12]
DSU 1,8 1,4 0,4 1 [13]
FORUM 1,6 1,6 0,0 1
WV VS-BA 2,6 3,2 -0,6 1

Die Wahlbeteiligung sank von 42,3 auf 38,6 Prozent.

[Bearbeiten] Ergebnis der letzten Oberbürgermeisterwahl

Die letzten Bürgermeisterwahlen fanden am 5. Februar (erster Wahlgang) und am 26. Februar 2006 (zweiter Wahlgang) statt. Da kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen konnte, bedurfte es des zweiten Wahlgangs, in dem bereits die einfache Mehrheit ausreicht. Im ersten Wahlgang kandidierten Burkhard Jung (SPD), Uwe Albrecht (CDU), Dietmar Pellmann (Linkspartei.PDS), Michael Weichert (B90/Grüne), Bernd-Rüdiger Kern (DSU), Benedict Rehbein (parteilos) und Karsten Werner (BüSo). Im zweiten Wahlgang wurde Burkhard Jung mit 51,6 Prozent der Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt.

Oberbürgermeister Burkhard Jung
Bewerber Partei Erster Wahlgang Zweiter Wahlgang
Burkhard Jung SPD 41,6 51,6
Uwe Albrecht CDU 32,7 44,0
Dietmar Pellmann Linkspartei.PDS 15,5 nicht mehr angetreten
Michael Weichert Grüne 6,1 nicht mehr angetreten
Benedict Rehbein Einzelbewerber 2,4 3,0
Bernd-Rüdiger Kern DSU 0,9 nicht mehr angetreten
Karsten Werner BüSo 0,8 1,5

Angaben in Prozent.
Die Wahlbeteiligung betrug 31,7 % (34,9 %) gegenüber 43,9 % im Jahr 2005.

[Bearbeiten] Bundestag und Bundespolitik

Das Leipziger Stadtgebiet bedeckt zwei Wahlkreise vollständig. Diese sind der Wahlkreis 153 Leipzig I mit etwa 197.000 Wahlberechtigten und der Wahlkreis 154 Leipzig II mit etwa 203.000 Wahlberechtigten. Seit 1998 vertritt der Bundestagsabgeordnete Rainer Fornahl (SPD) den Wahlkreis Leipzig I, Gunter Weißgerber (SPD) den Wahlkreis Leipzig II.

Der langjährige Oberbürgermeister Leipzigs, Wolfgang Tiefensee, ist seit dem Jahr 2005 Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Kabinett Merkel. Bereits nach den Wahlen im Jahr 2002 erhielt er von Gerhard Schröder ein Angebot für diesen Ministerposten, lehnte diesen aber mit der Begründung der Verbundenheit mit seiner Arbeit in Leipzig ab. Wolfgang Tiefensee ist gegenwärtig der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

UkraineUkraine Kiew, Ukraine – seit 1961, erneuert 1992
ItalyItaly Bologna, Italien – seit 1962, erneuert 1997
PolandPoland Krakau, Polen – seit 1973, erneuert 1995
the Czech Republicthe Czech Republic Brünn, Tschechien – seit 1973, erneuert 1999
FranceFrance Lyon, Frankreich – seit 1981
GreeceGreece Thessaloniki, Griechenland – seit 1984
GermanyGermany Hannover, Deutschland (Niedersachsen) – seit 1987
ChinaChina Nanjing, Volksrepublik China – seit 1988
GermanyGermany Frankfurt am Main, Deutschland (Hessen) – seit 1990
the United Kingdomthe United Kingdom Birmingham, Großbritannien – seit 1992
USAUSA Houston, USA – seit 1993
Bosnia and HerzegovinaBosnia and Herzegovina Travnik, Bosnien und Herzegowina – seit 2003
EthiopiaEthiopia Addis Abeba, Äthiopien – seit Dezember 2004

[Bearbeiten] Konsulate und Auslandsvertretungen

In der Stadt befinden sich mehrere Auslandsvertretungen. Von den ca. 40 Konsulaten, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Leipzig existierten, sind jedoch nur sehr wenige nach der Wende zurückgekehrt. So besitzen die USA, Norwegen, Russland und Polen ein Generalkonsulat in Leipzig. Griechenland unterhält ein Generalkonsulat in Markkleeberg, einem Vorort von Leipzig. Schweden, die Slowakei, Costa Rica, Sri Lanka, Frankreich und die Mongolei unterhalten in Leipzig ein Honorarkonsulat. Polen unterhält in Leipzig noch ein Polnisches Institut als Zweigstelle des Polnischen Institutes Berlin. Außerdem befindet sich in Leipzig ein British Council, ein Institut français und ein Konfuzius-Institut. Des Weiteren wurde 2008 von den Niederlanden ein „Netherlands Business Support Office“ (NBSO) in Leipzig eröffnet, das für die wirtschaftlichen Kontakte zwischen der Region und den Niederlanden verantwortlich ist.

Um den kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Austausch zwischen Leipzig und anderen Regionen bzw. Staaten zu vertiefen wurden mehrere Vereine aus der Taufe gehoben, wie zum Beispiel das Deutsch-Arabische Kulturhaus, der Deutsch-Irakische Verein oder der Deutsch-Britische Verein.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Leipzig neben seiner Bedeutung als Handelsplatz (Leipziger Messe) auch ein bedeutender Industriestandort. Traditionell waren hier Verlagswesen und polygrafische Industrie, Gießereien, Maschinenbau, Pelzindustrie, Textilindustrie (Leipziger Baumwollspinnerei, Buntgarnwerke Leipzig) und Klavierbau (Blüthner, Hupfeld, Schimmel, Feurich) ansässig.

In der DDR-Zeit blieb Leipzig ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Der Bezirk Leipzig trug 1972 9,3 % zur DDR-Industrieproduktion bei. Neben den bereits erwähnten Wirtschaftszweigen wurde insbesondere der Braunkohleabbau, die Energieerzeugung und die chemische Industrie südlich von Leipzig stark ausgebaut. Mit der Bildung von Kombinaten wurde Leipzig Sitz der Kombinate für Baumaschinen, komplette Anlagen und Erdbewegungsmaschinen (Baukema), Gießereianlagenbau und Gusserzeugnisse (Gisag), polygraphischen Maschinenbau, Rundfunk- und Fernmelde-Technik (RFT), Technische Gebäudeausrüstung (TGA), Tagebauausrüstungen, Krane und Förderanlagen (TAKRAF) und Chemieanlagenbau (Chemieanlagenbau Leipzig-Grimma, CLG). Die fruchtbaren Böden der Leipziger Tieflandsbucht im Leipziger Raum wurden intensiv landwirtschaftlich genutzt.

[Bearbeiten] Kennzahlen

Gegenwärtig befinden sich in Leipzig 32.500 bei der Industrie- und Handelskammer gemeldete Unternehmen und etwa 3.700 Handwerksbetriebe (Stand 2005). Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten betrug 2006 201.014, die Arbeitslosenquote 15,3 % (Juni 2008). Auf die Arbeitsplatzdichte von 397 Arbeitsplätzen je 1000 Einwohner wirkt ein Pendlersaldo von 45.867. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2004 11.670 Millionen Euro, pro Einwohner (23.500 Euro) beziehungsweise pro Beschäftigtem (42.500 Euro). 2005 erhöhte sich das BIP auf 12,2 Milliarden Euro. Damit liegt Leipzig im Hinterfeld der deutschen Großstädte. Hinsichtlich der Bilanz aus Gewerbean- und abmeldungen nimmt Leipzig in Deutschland jedoch einen Spitzenplatz ein. [14][15]

[Bearbeiten] Öffentliche Investitionen und Subventionen

Wie in allen Städten und Gemeinden in den ostdeutschen Bundesländern flossen hohe Summen staatlicher Gelder nach Leipzig. Die Struktur der Investitionen und Förderungen unterscheiden sich dabei etwas. Vergleichsweise stark wurde die „unternehmensnahe Infrastruktur“ gefördert – im Zeitraum 1990 bis 2005 etwa 750 Millionen Euro. Nach Darstellung der Leipziger Wirtschaftsförderung können Zuschüsse für die gewerbliche Wirtschaft auf Grund der Wirtschaftsstruktur in Leipzig hauptsächlich für Großinvestitionen genutzt werden. Sie betrugen von 1990 bis 2005 etwa 650 Millionen Euro. Vergleichsweise wenig wurde für die Technologieförderung aufgebracht, sie summierte sich im Zeitraum 1990 bis 2005 auf 81 Millionen Euro. [16][17]

Leipzig liegt in einer „Ziel-1-Region“ des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Im Zuge der EU-Osterweiterung erreichen die sächsischen Regionen die Fördergrenze, die sich am Bruttoinlandsprodukt je Einwohner relativ zum EU-Durchschnitt bemisst. Zum Nachteil von Leipzig könnte sich der Umstand entwickeln, dass die anderen sächsischen Großstädte durch strukturschwache Regionen wie dem Erzgebirge oder der Oberlausitz länger in einer „Ziel-1-Regionen“ verbleiben könnten. Die Förderregionen entsprechen den sächsischen Regierungsbezirken.

[Bearbeiten] Ansässige Unternehmen

Das „Diamant“ genannte Kundenzentrum des Porsche-Werks in Leipzig

Mit der Wende brach, wie in fast allen Regionen der ehemaligen DDR, nahezu die gesamte Industrieproduktion zusammen. Nur wenige Unternehmen blieben nach der Privatisierung erhalten. Es bestehen weiterhin die Maschinenbauunternehmen Kirow (ein Hersteller von mobilen Kränen mit etwa 180 Mitarbeitern), TAKRAF (ein Tochterunternehmen der VTC-Industrieholding GmbH und Hersteller von Tagebauausrüstung und -einrichtungen mit etwa 400 Mitarbeitern in Leipzig und Lauchhammer), Gebrüder Brehmer (ein Tochterunternehmen der Heidelberger Druckmaschinen und Hersteller von Buchheftmaschinen mit etwa 280 Mitarbeitern) sowie das Kugel- und Rollenlagerwerk Leipzig (ein Hersteller von Wälzlagern mit etwa 130 Mitarbeitern). Von den Klavierherstellern besteht noch die Julius Blüthner Pianofortefabrik. Das 1852 in Leipzig gegründete Typographisches Kunst-Institut Giesecke & Devrient wurde 1948 verstaatlicht und ist jetzt wieder als Giesecke & Devrient GmbH, Wertpapierdruckerei Leipzig in Leipzig ansässig.

Nach der Wende gelangen aber auch einige große Industrieansiedlungen, darunter Siemens (etwa 1.700 Mitarbeiter), Porsche (etwa 400 Mitarbeiter sowie weitere 400 in Dienstleistungsbetrieben) und BMW (2.500, mit Partnern und Zulieferern über 5.200 Mitarbeiter am Standort Leipzig). Mit der Ansiedlung der beiden letzteren konnte sich die Stadt als neuer Automobilstandort etablieren. 2005 stiegen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) in den Schienenfahrzeugbau ein. Das Tochterunternehmen HeiterBlick baut seitdem die Straßenbahn Leoliner, die sich mit einem konkurrenzfähigen Preis und ihrer Robustheit vor allem den osteuropäischen Markt erschließen soll. Die LVB beschäftigen über 2.300 Mitarbeiter.

Auch Unternehmen der Kommunikations- und Informationstechnologien wie PC-Ware oder der überregionale Kabelnetzbetreiber Primacom mit seiner größten ostdeutschen Niederlassung sind in Leipzig beheimatet. Im Medienbereich ist neben zahlreichen kleineren Film- und Fernsehproduktionen eines der größten deutschen Filmunternehmen, die Kinowelt, in Leipzig ansässig. Neben Frankfurt am Main, München und Stuttgart gilt Leipzig darüber hinaus als überregional bedeutsamer Banken- und Finanzstandort.

Die gesamte Region Leipzig ist ein wichtiges Zentrum der Energiewirtschaft. So sind in unmittelbarer Nähe das Kraftwerk Lippendorf und Photovoltaikanlagen in Espenhain und bald auch in Leipzig, in der Nähe des Messegeländes. Außerdem wurde 2007 das Deutsche Biomasseforschungszentrum in Leipzig eröffnet. Der umsatzstarke Energieversorger Verbundnetz Gas, der für Stadtwerke und kommunale Energieversorger Erdgas bereitstellt, hat in Leipzig seinen Sitz. In der Stadt wird mit der European Energy Exchange (EEX) die größte Energiebörse Kontinentaleuropas betrieben.

Die Logistikbranche ist eine der wachstumsstärksten der Region. Im Herbst 2006 stellte Amazon sein zweites und größtes deutsches Logistikzentrum fertig. 2008 ging das europäische Luftdrehkreuz der Post-Frachttochter DHL in Betrieb, das bisher in Brüssel beheimatet war. Damit sollen 3.500 Arbeitsplätze direkt am Flughafen entstehen und etwa 7.000 in der näheren Umgebung. Im Norden der Stadt wird von “Prologis” ein Logistikzentrum erbaut, dieses soll 350 Arbeitsplätze schaffen. “Future Electronics”, ein Händler für Elektronikbauteile, verlegt im Moment sein Europa-Logistikzentrum (ca. 110 Arbeitsplätze) von London nach Leipzig.

Der Gesundheitssektor spielt in Leipzig ebenfalls eine tragende Rolle. Das älteste Krankenhaus und größte unter städtischer Verwaltung ist das Klinikum St. Georg, das als Spital bereits 1439 von Stadt übernommen wurde