Kwashiorkor – Wikipedia

Kwashiorkor

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Klassifikation nach ICD-10
E40 Kwashiorkor
ICD-10 online (WHO-Version 2006)
Kind im Biafra-Krieg, das infolge von Unterernährung an Kwashiorkor leidet

Kwashiorkor (Ghanaisch: „erstens-zweitens“) ist eine Form der Protein-Mangelernährung. Sie tritt vornehmlich in Entwicklungsländern und bei Kindern auf. Die Krankheit tritt in der Regel auf, sobald das Kind von der Muttermilch entwöhnt worden ist und sich von proteinarmer Nahrung ernähren muss.[1] Die Krankheit ist vor allem auf den Mangel bestimmter essentieller Aminosäuren zurückzuführen (z. B. diejenigen, die nicht in Mais vorkommen). Aufgrund dieses Mangels kommt es im Blut zur Abnahme der Albumine (Hypalbuminämie) und somit zum Absinken des kolloidosmotischen Drucks. Dies hat zur Folge, dass die Gewebsflüssigkeit – vor allem im Bauchbereich – nicht wieder in die venösen Kapillaren aufgenommen werden kann.

Kennzeichen dieser Krankheit ist der charakteristische Hungerbauch, der durch Wassereinlagerungen am ganzen Körper, vor allem aber am Bauch, sowie eine vergrößerte Leber zustande kommt. Des Weiteren treten Hautveränderungen, oft auch eine Entfärbung der Haare, Wachstumsstörungen, Durchfall und Gewichtsverlust auf, letzterer allerdings nicht so stark wie beim Marasmus.

Darüber hinaus sind starke psychische Veränderungen wie Teilnahmslosigkeit, Apathie zu beobachten. Betroffene Kinder weisen auch nach Ende der Erkrankung eine Wachstumsverminderung auf. Ein hemmender Einfluss des Mangelzustands auf die geistige Entwicklung wird angenommen, ist aber bisher nicht eindeutig durch Studien gesichert. Die Dauer von Kwashiorkor-Episoden können unter Umständen bei ausreichender Länge am Haupthaar abgeschätzt werden, da unter Proteinmangel die Haare mit verringerter Pigmentierung wachsen.[1]

Histopathologisch sind vor allem die Befunde der Leber auffällig. Sie zeigt unter dem Mikroskop eine starke Verfettung. Dies rührt daher, dass über die Nahrung aufgenommenes Fett sich in den Leberzellen anreichert, da nicht genügend Apoproteine zum Transport der Fette in das Fettgewebe synthetisiert werden können. Diese Veränderungen bilden sich unter ausreichender Proteinzufuhr wieder vollkommen zurück. Ein erhöhtes Risiko für eine Lebererkrankung besteht nicht.[1]

Über einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Symptome von Kwashiorkor und der Aufnahme von Aflatoxinen mit der Nahrung wird spekuliert.[2]

[Bearbeiten] Quellen

  1. a b c Emanuel Rubin, David Strayer : Enviromental and Nutrional Pathology in Raphael Rubin, David Strayer : Rubin's Pathology, Philadelphia, 2008, S. 278
  2. Hendrickse, R.G. (1966): Kwashiorkor and aflatoxins in J. Paediatr. Gastroenterol. Nutr., 7(5): 633-636)
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