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Kanada

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Dieser Artikel behandelt den Staat Kanada, weitere Begriffe siehe Kanada (Begriffsklärung).
Canada

Kanada

Flagge Kanadas
Wappen von Kanada
Flagge Wappen
Wahlspruch: A Mari Usque Ad Mare

(lateinisch für Von Meer zu Meer; abgeleitet von Psalm 72, 8)

Amtssprache Englisch, Französisch
Hauptstadt Ottawa
Staatsform Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II. (vertreten durch Generalgouverneurin Michaëlle Jean)
Regierungschef Premierminister Stephen Harper
Fläche 9.984.670 km²
Einwohnerzahl 32.976.026 Einwohner (30. Juni 2007)
Bevölkerungsdichte 3,2 Einwohner pro km²
BIP $1.098 Mrd. (9., Schätzung 2005)
BIP/Einwohner $34.028 (18.)
HDI (4.) 0,961
Währung 1 Kanadischer Dollar ($) = 100 Cent
Unabhängigkeit formal 1982 vom Vereinigten Königreich
Nationalhymne O Canada
(königliche Hymne: God Save the Queen)
Zeitzone UTC −3,5 bis −8
Kfz-Kennzeichen CDN
Internet-TLD .ca
Telefonvorwahl +1 siehe NANP

Kanada (englisch und französisch Canada) ist ein Staat in Nordamerika, der zwischen dem Atlantik im Osten und dem Pazifik im Westen liegt und nordwärts bis zum Arktischen Ozean reicht. Die einzige Landgrenze ist jene zu den Vereinigten Staaten von Amerika im Süden und im Nordwesten. Gemessen an der Fläche ist Kanada der zweitgrößte Staat der Erde, doch nur im Süden existieren städtische Ballungsräume.

Die Besiedlung durch Indianer (First Nations) begann spätestens vor 12.000 Jahren, die Inuit folgten vor rund 5000 Jahren. Ab dem späten 15. Jahrhundert landeten Europäer an der Ostküste und begannen um 1600 mit der Kolonialisierung. Dabei setzten sich zunächst Franzosen und Engländer fest. In dieser Zeit breitete sich die Bezeichnung „Canada“ aus, das ursprünglich ein Name für ein Irokesendorf war. Frankreich trat 1763 seine Kolonie Neufrankreich an Großbritannien ab. 1867 gründeten vier britische Kolonien die Kanadische Konföderation. Mit dem Statut von Westminster erhielt das Land 1931 gesetzgeberische Unabhängigkeit, die letzten verfassungsrechtlichen Bindungen zum Vereinigten Königreich wurden 1982 aufgehoben. Staatsoberhaupt ist dennoch Königin Elisabeth II., die durch einen Generalgouverneur vertreten wird.

Kanada ist ein auf dem Westminster-System basierender parlamentarisch-demokratischer Bundesstaat und eine parlamentarische Monarchie.

Das Land besitzt zwei Amtssprachen, Englisch und Französisch. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Provinz Québec, die Rechte der frankophonen Kanadier und die der indigenen Völker (First Nations, Inuit und Métis) sind zentrale Konfliktlinien innerhalb der Gesellschaft. Die Verschränkung von Klimawandel und Umweltschutz, Einwanderungspolitik und Rohstoffabhängigkeit, die Finanzkrise sowie das Verhältnis zum südlichen Nachbarn, von dem kulturell und historisch bedingt ein zwiespältiges Bild besteht, kennzeichnen die öffentlichen Debatten.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Herkunft des Namens

Jacques Cartier, Portrait von Théophile Hamel (1817-1870), Öl auf Leinwand ca. 1844

Der Name Kanada ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Wort kanata abgeleitet, das in der Sprache der Sankt-Lorenz-Irokesen „Dorf“ oder besser „Siedlung“ bedeutet.[1] 1535 gaben Bewohner der Region um die heutige Stadt Québec dem französischen Entdecker Jacques Cartier eine Wegbeschreibung zum Dorf Stadacona.[2] Cartier verwendete daraufhin die Bezeichnung Canada nicht nur für dieses Dorf, sondern für das ganze Gebiet, das von dem in Stadacona lebenden Häuptling Donnacona beherrscht wurde. Ab 1545 war auf Karten und in Büchern die Bezeichnung Canada für diese Region üblich. Cartier nannte außerdem den Sankt-Lorenz-Strom Rivière de Canada, ein Name, der bis zum frühen 17. Jahrhundert in Gebrauch war. Forscher und Pelzhändler zogen in Richtung Westen und Süden, wodurch das als „Kanada“ bezeichnete Gebiet wuchs. Im frühen 18. Jahrhundert wurde der Name für den gesamten heutigen mittleren Westen bis Louisiana benutzt. Die seit 1763 britische Kolonie Québec wurde 1791 in Oberkanada und Niederkanada aufgeteilt, was etwa den späteren Provinzen Ontario und Québec entsprach. Sie wurden 1841 wieder zur neuen Provinz Kanada vereinigt. 1867 erhielten die neu gegründeten Bundesstaaten der Kolonien in Britisch-Nordamerika den Namen „Kanada“ und den formellen Titel Dominion. Bis in die 1950er Jahre war die amtliche Bezeichnung „Dominion of Canada“ üblich. Mit der zunehmenden politischen Autonomie gegenüber Großbritannien verwendete die Regierung mehr und mehr die Bezeichnung Canada in rechtlich bindenden Dokumenten und Verträgen. Das Kanada-Gesetz 1982 bezieht sich nur noch auf Canada, die inzwischen einzige amtliche (zweisprachige) Bezeichnung.

[Bearbeiten] Geographie

Hauptartikel: Geographie Kanadas

[Bearbeiten] Ausdehnung und Grenzen

Topografie Kanadas

Kanada ist mit einer Fläche von 9.984.670 Quadratkilometern nach Russland das zweitgrößte Land der Erde und fast so groß wie Europa. Das Land nimmt rund 41 % des nordamerikanischen Halbkontinents ein. Der einzige unabhängige und durch eine Landgrenze verbundene Nachbar sind die Vereinigten Staaten im Süden und im Nordwesten. Ein weiterer Nachbar ist Grönland, dessen Territorium jedoch zu Dänemark gehört und das durch die rund 30 Kilometer breite Meerenge Kennedy Channel von der nördlichsten kanadischen Insel Ellesmere Island getrennt wird. Schließlich existiert mit der Inselgruppe St. Pierre et Miquelon südlich von Neufundland ein Überbleibsel der französischen Kolonie Neufrankreich.

Die größte Nord-Süd-Ausdehnung, von Kap Columbia auf Ellesmere in Nunavut zur Insel Middle Island im Eriesee, beträgt 4634 Kilometer. Die größte Ost-West-Entfernung beträgt 5514 Kilometer von Cape Spear auf Neufundland bis zur Grenze des Yukon-Territoriums mit Alaska. Die Gesamtlänge der Grenze zwischen Kanada und den USA beträgt 8890 Kilometer. Kanada hat mit 202.080 Kilometern zugleich die längste Küstenlinie der Welt.

Größte Insel ist die Baffininsel im Nordosten, zugleich fünftgrößte Insel der Welt. Die nördlichste Halbinsel ist Boothia. 9.093.507 km² Kanadas sind Land- und 891.163 Wasserfläche.

[Bearbeiten] Geologie und Landschaftsgliederung

Der Kanadische Schild

Die geologische Basis der östlichen Provinzen sind alte, abgetragene Berge neben noch älteren Abschnitten des Kanadischen Schildes. Dieser umfasst eine ausgedehnte Region mit einigen der ältesten Gesteine. Um die Hudson Bay gelegen, nimmt er fast die Hälfte des Staatsgebiets ein. Abgesehen von einigen niedrigen Bergen im östlichen Québec und in Labrador ist die Landschaft flach und hügelig. Das Gewässernetz ist dicht, die Entwässerung der Region erfolgt über eine Vielzahl von Flüssen. Die südliche Hälfte des Schildes ist mit borealen Wäldern bedeckt, während die nördliche Hälfte einschließlich der Inseln des arktischen Archipels jenseits der arktischen Baumgrenze liegt und mit Felsen, Eis und Tundrenvegetation bedeckt ist. Die östlichen Inseln des Archipels sind gebirgig, die westlichen dagegen flach.

Westlich und südlich des Kanadischen Schildes liegen die Ebenen um den Sankt-Lorenz-Strom und die Großen Seen. Die natürliche Vegetation des südlichen Teils der dort liegenden Prärieprovinzen Saskatchewan, Manitoba und Alberta ist das Präriegras; der nördliche Teil dagegen ist bewaldet.

Die teils vulkanisch aktiven Gebirgszüge der Coast Range und der Rocky Mountains, wie der Mount Edziza oder die Northern Cordilleran Volcanic Province im Norden British Columbias, dominieren das westliche Kanada. Sie verlaufen in Nord-Süd-Richtung durch Yukon und British-Columbia, die dortige Küstenlinie wird tief von Fjorden durchschnitten. Vor der Küste liegt Vancouver Island, ein Ausläufer des Küstengebirges.

Satellitenbild der Baffininsel
Satellitenbild der großen Seen

Die höchsten kanadischen Gebirgsregionen liegen im Westen mit den Rocky Mountains – höchster Berg ist der 5.959 Meter hohe Mount Logan im Territorium Yukon – und der Kette der Küstengebirge am Pazifischen Ozean (Coast Mountains und Kaskadenkette). Ein weiteres wichtiges System verläuft entlang der Nordostküste von Ellesmere Island (Arktische Kordillere) bis zu den Torngat-Bergen in Québec sowie in Neufundland und Labrador. Im Osten Kanadas liegen die nördlichen Appalachen und die Laurentinischen Berge.

Der wichtigste Fluss Kanadas ist der 3058 Kilometer lange Sankt-Lorenz-Strom. Er dient als Wasserstraße zwischen den Großen Seen und dem Atlantik. Kanadas zweitlängster Fluss ist der Mackenzie River (1903 Kilometer) in den Nordwest-Territorien. Weitere bedeutende Flüsse sind der Yukon River und der Columbia River, die teilweise auch in den Vereinigten Staaten verlaufen, der Fraser, der Nelson, der Churchill und der Manicouagan sowie Nebenflüsse wie der Saskatchewan River, der Peace River, der Ottawa und der Athabasca.

Kanada ist zudem ein überaus seenreiches Land. 7,6 % seiner Landmasse sind mit insgesamt rund zwei Millionen Seen bedeckt. 563 Seen sind größer als 100 Quadratkilometer.[3] Zu den größten Seen gehören der Große Bärensee (31.153 km²), der Große Sklavensee (27.048 km²), der Winnipegsee (24.420 km²), der Athabascasee (7.850 km²) sowie die Großen Seen (zusammen rund 245.000 km²), durch die mit Ausnahme des Michigansees die Grenze zum südlichen Nachbarland verläuft. Der größte gänzlich in Kanada gelegene See ist der Große Bärensee in den Nordwest-Territorien.

[Bearbeiten] Klima

Klimadiagramm der Hauptstadt Ottawa

Kanada umfasst unterschiedliche Klimazonen (vom Polarklima bis zum gemäßigten Klima). Überwiegend bestimmt das boreale Klima mit langen kalten Wintern (bis zu −35 °C) und kurzen heißen Sommern (bis zu 35 °C) den größeren Teil Kanadas. Im Winter 2004/2005 wurden Temperaturen von −58 °C in Burwash Landing des Territoriums Yukon gemessen.[4]

An der Westküste findet man maritimes Klima mit hohen Niederschlägen, da sich die feuchte, vom Ozean kommende Luft am Westrand des Küstengebirges abregnet. Die Jahreszeiten sind in den Provinzen Québec und Ontario am deutlichsten ausgeprägt, mit kalten Wintern, milden Frühjahren und Herbstmonaten und von Juli bis September oft sehr schwül-heißen Sommern mit Durchschnittstemperaturen um 25 °C.

[Bearbeiten] Flora und Fauna

Riesige Naturgebiete, vor allem in den Tundra- und Bergregionen, bedecken 70 % Kanadas. Das entspricht 20 % der weltweit verbleibenden Wildnisgebiete (ohne Antarktis). Dennoch ist nur noch ein geringer Teil der ausgedehnten Wälder Urwald. Die nördliche Waldgrenze verläuft von der Ostküste Labradors über die Ungava-Halbinsel Richtung Süden entlang des Ostufers der Hudson Bay und setzt sich anschließend schlangenlinienförmig Richtung Nordwesten zum Unterlauf des Mackenzie und weiter nach Alaska fort. Nördlich der Baumgrenze gibt es kaum oder gar keinen fruchtbaren Boden (Tundra). Die Vegetation der südlichsten Tundragebiete besteht aus niedrigem Buschwerk, Gräsern und Riedgras. Die nördlichsten Gebiete sind zu weniger als einem Zehntel mit den für die Polarwüste typischen Moosen bedeckt.

Südlich der Baumgrenze, von Alaska bis Neufundland, schließt sich eines der größten Nadelwaldgebiete der Welt an. Im Osten, von den Großen Seen bis zu den Küsten, wachsen hauptsächlich Mischwälder mit Zuckerahorn, Buchen, Birken, Kiefern und Hemlocktannen. Die Tiefebenen im äußersten Süden sind mit reinen Laubwäldern bedeckt. Hier gedeihen neben Hickorybäumen, Eichen und Ulmen, Kastanien, Ahorn und Walnussbäume. In den westlichen Berggebieten sind die gemeine Fichte, Douglasie und Lodgepole-Kiefer am weitesten verbreitet, in Hochebenen wachsen außerdem Zitterpappel und Gelbkiefer. Die Vegetation der niederschlagsreichen Pazifikküste wird von Wäldern aus dichten, hohen Douglasfichten, westlichen Rot-Zedern und Hemlocktannen beherrscht. Das Prärieland ist zu trocken, um mehr als vereinzelte Baumgruppen hervorzubringen. Vom ursprünglich weiten, hügeligen Grasland ist heute nur noch wenig übrig; es ist dem heute berühmten Weizengürtel Kanadas gewichen.

Wapiti oder Elk im Jasper-Nationalpark
Eisbär im Wapusk-Nationalpark, Manitoba, Canada

Die arktischen Gewässer bieten Nahrung für Wale, Walrosse, Seehunde und für Polarbären. In den Tundren leben Moschusochsen, Karibus, Polarwölfe, Polarfüchse, Polarhasen und Lemminge, vereinzelt auch Vielfraße; viele Zugvögel verbringen hier den Sommer, darunter Alke, Enten, Möwen, Seeschwalben und andere Seevögel. Die Wälder im Norden sind ein idealer Lebensraum für Karibus und Elche, Luchse, Schwarz- und Braunbären.

Fünf Milliarden Vögel kommen jeden Sommer in die borealen Wälder. Daher hat Kanada 1917 zusammen mit den USA angefangen Schutzgebiete für Zugvögel einzurichten. Heute bestehen 92 solcher Gebiete mit einer Gesamtfläche von etwa 110.000 km².[5] Zur artenreichen Vogelwelt zählen der Kardinal, der Waldsänger, der Weißkopfseeadler und die Spottdrossel sowie der seltene Marmelalk, der nur in alten Wäldern überleben kann.

Biber, Marder, Bisamratten, Nerze sind auch heute noch Grundlage des inzwischen unbedeutenden Pelzhandels. Weiter im Süden findet man Wapitis, während es in dichter besiedelten Landstrichen vor allem kleinere Säugetiere, wie Grau- und Backenhörnchen, Wiesel und Otter gibt. In den Präriegebieten leben kleinere Tiere, wie Präriehasen, Taschenratten und das spitzschwänzige Rauhfußhuhn sowie Bisons und Pronghornantilopen. In den westlichen Bergen gibt es Dickhornschafe und Bergziegen.

Die einheimische Tier- und Pflanzenwelt steht in 43 Nationalparks, weit über tausend Provinzparks und Naturreservaten unter Schutz. Größtes Schutzgebiet ist der 44.802 km² große Wood-Buffalo-Nationalpark im nördlichen Teil von Alberta und den Nordwest-Territorien, in dem zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten vertreten sind. Bemerkenswert ist der mit etwa 6.000 Tieren größte Bisonbestand der Welt. Viele Seengebiete sind im Sommer allerdings praktisch unzugänglich, da hier zahlreiche Stech- und Kriebelmücken leben.

[Bearbeiten] Ballungsräume (census metropolitan areas)

Siehe auch: Liste der Städte in Kanada

Von den über 33,4 Millionen menschlichen Einwohnern[6] leben 54,5 % in den 30 größten Städten. Geht man von den Ballungsräumen aus, steigt diese Zahl auf über 70 %. Toronto ist das bedeutendste Produktionszentrum und mit 5.113.149 Einwohnern (Stand: 2006) der größte Ballungsraum.[7] Die Handelsmetropole Montreal zählte 3.635.571, Vancouver 2.116.581 Einwohner. Weitere Ballungsräume sind die Bundeshauptstadt Ottawa-Gatineau (1.130.761), Calgary (1.079.310), Edmonton (1.034.945), Québec (715.515), Winnipeg (694.668) und Hamilton (692.911).

Sieht man von Québec und Montréal ab, so entstanden die Metropolen im Wesentlichen im 19. Jahrhundert. Dementsprechend besteht der Stadtkern aus oftmals unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden, zwischen denen vor allem seit den 70er Jahren zahlreiche Hochhäuser entstanden sind. Das Umland ist stark zersiedelt, so dass die Städte große Areale besetzen, die durch Autobahnen und innerstädtische Schnellstraßen erschlossen sind. Große Naherholungsgebiete und innerstädtische Parks, wie der über 400 Hektar große Stanley Park in Vancouver oder die Toronto Islands vor Toronto prägen die Stadtlandschaft ebenso.

[Bearbeiten] Bevölkerung

Die letzte Volkszählung von 2006 ergab eine Einwohnerzahl von 31.612.897. Daraus errechnet sich eine Bevölkerungsdichte von ca. 3,2 Einwohner/km², eine der geringsten der Welt. Die Bevölkerung konzentriert sich auf einem bis zu 350 km breiten Streifen entlang der Grenze zu den USA. Weite Teile des Nordens sind nahezu unbesiedelt. Fast vier Fünftel der Kanadier leben in Städten, die meisten in den Millionenmetropolen Toronto, Montréal, Vancouver und Ottawa.

Der Großteil der Bevölkerung lebt in den Provinzen Ontario (2006: 12.160.282 Ew.) und Québec (2006: 7.546.131 Ew.) entlang des St.-Lorenz-Stromes, das heißt rund um Toronto, Montréal, Québec, Ottawa, London und Hamilton (Windsor-Québec-Korridor). 4.113.487 Menschen leben in British Columbia, 3.290.350 in Alberta, in Manitoba 1.148.401 und in Saskatchewan weitere 968.157 Menschen. Nunavut mit 29.474 Einwohnern ist das bevölkerungsärmste Territorium Kanadas, knapp vor dem Yukon-Territorium mit 30.372.[8]

[Bearbeiten] Demographische Struktur und Entwicklung

Bevölkerungsentwicklung 1961–2003 (in Tausend)

Kanada ist ein Einwandererland. Große Einwanderergruppen kamen in der Vergangenheit aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Italien, Deutschland, den Niederlanden, Ungarn, der Ukraine, Polen, Kroatien, Serbien und aus den USA. Heutzutage wächst die Bedeutung der Einwanderer aus Fernost, vor allem aus der Volksrepublik China. Die Wachstumsrate der Bevölkerung ist die höchste innerhalb der G8-Staaten (+5,4 % zwischen 2001 und 2006).

Die Geburtenrate betrug 2003 10,99 Geburten pro 1000 Einwohner, die Sterberate 7,61 Todesfälle pro 1000 Einwohner. 2006 standen 346.082 Geburten 228.829 Todesfälle gegenüber. 2003 betrug das Bevölkerungswachstum 0,94 %.

Die Lebenserwartung eines neugeborenen Kanadiers liegt laut CIA Factbook bei 81,16 Jahren.[9] 26 % der Kanadier sind 19 Jahre oder jünger, 13 % 65 Jahre oder älter. Das mittlere Alter der erwerbsfähigen Bevölkerung liegt bei 42 Jahren, die Schätzung für 2011 liegt bei 43,7 Jahren. Der Median ist seit 1966 von knapp 26 auf 39,5 Jahre gestiegen. 2006 waren 4.635 Kanadier mehr als 100 Jahre alt.[10]

[Bearbeiten] Indigene Ethnien

Hauptartikel: First Nations, Métis, Inuit

Inuit-Frau
Métis auf Büffeljagd

In Kanada unterscheidet man drei Gruppen indigener oder autochthoner Völker: Die First Nations (auch „Indianer“ genannt), die Inuit und die Métis, Nachfahren von Europäern, die mit indianischen Frauen eine Verbindung eingegangen waren. Sie haben eine eigene Sprache entwickelt, das Michif. Zahlreiche weitere Kanadier haben indianische Vorfahren. Deren Ehen wurden sehr häufig nach der „Sitte des Landes“ (custom of the country) geschlossen, also ohne kirchliche oder staatliche Mitwirkung – wie es bei Ehen zwischen Männern der Hudson’s Bay Company und Indianerinnen üblich war. Ehen dieser Art waren erst ab 1867 vollgültig.

Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2006 gaben 1.172.790 Kanadier an, Angehörige einer indigenen Gruppe zu sein. Das entsprach 3,8 % der Bevölkerung, wobei dieser Anteil regional sehr stark schwankt. Aufgefächert sind dies folgende Zahlen:

  • 698.025 Angehörige der First Nations,
  • 389.785 Angehörige der Métis,
  • 50.485 Inuit,
  • 6.665 indigene Bevölkerung gemischter Herkunft (2001),
  • 23.415 indigene Bevölkerung ohne eindeutige ethnische Zuordnung (2001).

Im Schnitt sind die Ureinwohner erheblich jünger als die übrige Bevölkerung. So sind 50 % der indianischen Bevölkerung unter 23,5 Jahre alt, im übrigen Kanada liegt dieser als Median bezeichnete Wert bei 39,5 Jahren.

185.960 Kanadier sprachen im Jahr 2001 eine der 50 indigenen Sprachen, diese umfassen die Sprachen der First Nations[11] sowie Inuktitut, die Sprache der Inuit.

Die Interessen der indigenen Bevölkerung werden staatlicherseits vom „Department of Indian Affairs and Northern Development“ / „Affaires indiennes et du Nord“ vertreten, dem das ActIndianergesetz von 1876 zugrundeliegt. Sie selbst sehen sich allerdings eher in eigenen Organisationen, wie der Versammlung der First Nations oder anderen Organisationen vertreten. Sie berufen sich auf die Verträge, die mit Kanada und Großbritannien geschlossen worden sind, wie die Numbered Treaties, auf allgemeine Menschenrechte und auf Entscheidungen der oberen Gerichtshöfe in Großbritannien und Kanada. Die Indianer besitzen erst seit 1960 das volle Wahlrecht. Den Inuit steht seit 1999 ein eigenes Territorium namens Nunavut zur Verfügung.

Seit 1996 wird der 21. Juni als „National Aboriginal Day“ bzw. „Journée nationale des Autochtones“ gefeiert. Zugleich kommt es nach wie vor zu Auseinandersetzungen um Landrechte und den Abbau von Bodenschätzen, wie die Grassy-Narrows-Blockade, der Streit um den Clayoquot Sound an der Westküste oder der Widerstand der Kitchenuhmaykoosib Inninuwug in Ontario zeigen.

[Bearbeiten] Sprachen

Hauptartikel: Kanadisches Englisch, Französisch in Kanada, Indigene Sprachen Nordamerikas

Zweisprachige Tafel in Montreal

Kanadas Amtssprachen sind Englisch und Französisch, wobei 20,1 % der Bevölkerung weder die eine noch die andere als Muttersprache angeben. In der Kanadischen Charta der Rechte und Freiheiten, im Amtssprachengesetz und in den Amtssprachenverordnungen ist die offizielle Zweisprachigkeit festgeschrieben, die vom Amtssprachenkommissariat durchgesetzt wird. In den Bundesgerichten, im Parlament und in allen Institutionen des Bundes sind Englisch und Französisch gleichberechtigt. Die Bürger haben das Recht, Dienstleistungen des Bundes in englischer oder französischer Sprache wahrzunehmen. In allen Provinzen und Territorien wird den sprachlichen Minderheiten der Schulunterricht in eigenen Schulen garantiert, ein Anrecht, das lange umstritten war.[12] Die Ursachen reichen bis in die französische und britische Kolonialisierungsphase Nordamerikas zurück, und standen zugleich mit kulturellen und religiösen Gegensätzen in Zusammenhang.

Englisch und Französisch sind die Muttersprache von 59,7 % bzw. 23,2 % der Bevölkerung[13], bei 68,3 % bzw. 22,3 % sind es die zuhause am meisten gesprochenen Sprachen.[14] 98,5 % aller Einwohner sprechen Englisch oder Französisch (67,5 % sprechen nur Englisch, 13,3 % nur Französisch und 17,7 % beides).[15]

Zwar leben 85 % aller Französisch Sprechenden in Québec, doch gibt es bedeutende frankophone Bevölkerungsgruppen in Ontario und in Alberta, im Süden von Manitoba, im Norden und Südosten von New Brunswick (Akadier; insgesamt 35 % der Bevölkerung dieser Provinz) sowie im südwestlichen Nova Scotia und auf der Kap-Breton-Insel. Ontario hat die zahlenmäßig größte französischsprachige Bevölkerung außerhalb Québecs. Die Charta der französischen Sprache erklärt Französisch zur alleinigen Amtssprache in Québec, und New Brunswick ist die einzige Provinz, deren Verfassung die Zweisprachigkeit garantiert.[16] Andere Provinzen haben keine Amtssprache als solche definiert, jedoch wird Französisch zusätzlich zu Englisch in Schulen, Gerichten und für Dienstleistungen der Regierung verwendet. Manitoba, Ontario und Québec erlauben das gleichberechtigte Sprechen von Englisch und Französisch in den Provinzparlamenten, und Gesetze werden in beiden Sprachen erlassen. In Ontario kennen einzelne Gemeinden Französisch als zweite Amtssprache. Die Wahl der Hauptstadt des seinerzeitigen Britisch-Nordamerika durch Königin Victoria (1857) fiel möglicherweise auf Ottawa, weil es etwa an der Grenze zwischen franko- und anglophonem Gebiet lag.

Alle Regionen haben nicht-englisch- oder französischsprachige Minderheiten, hauptsächlich Nachkommen der Ureinwohner. Offiziellen Status besitzen mehrere Sprachen der First Nations in den Nordwest-Territorien. Im hauptsächlich von Inuit bevölkerten Territorium Nunavut ist Inuktitut die Mehrheitssprache und eine von drei Amtssprachen. Mehr als 6,1 Millionen Einwohner bezeichnen weder Englisch noch Französisch als ihre Erstsprache. Am weitesten verbreitet sind Chinesisch (1,012 Millionen Sprecher), Italienisch (ca. 455.000), Deutsch (ca. 450.000), Panjabi (ca. 367.000) und Spanisch (ca. 345.000).[13] Das Kanadisch-Gälische, um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch die dritthäufigste Sprache Kanadas, ist mit etwa 500 bis 1000 vorwiegend älteren Sprechern mittlerweile fast ausgestorben,[17] jedoch bestehen Kontakte zu schottischen Hochschulen, die Kanadiern Sprachkurse anbieten. Mehrere Schulen unterrichten die Sprache, ebenso drei Hochschulen sowie die 2006 gegründete Atlantic Gaelic Academy.[18]

[Bearbeiten] Religion

Mit der Kolonialisierung kamen zunächst vor allem französische Katholiken und anglikanische Engländer nach Kanada. In späteren Einwanderungswellen kamen wiederum katholische Iren und Italiener, aber auch ukrainische Doukhobor hinzu. Die katholischen Missionare waren unter den Ureinwohnern erfolgreicher als die protestantischen, und so überwiegt dort der katholische Anteil. Dazu kommen indigene Glaubensorganisationen, wie die Shaker Church.

Mit den jüngsten Einwanderungswellen kamen weitere religiöse Gruppen, wie Hindus, Muslime, Juden, Sikh und Buddhisten hinzu. Sie konzentrieren sich in Großstädten, insbesondere im Großraum Toronto. Etwa 73,3 % der kanadischen Bevölkerung gehörten 2001 einer christlichen Konfession an (ca. 44 % katholisch, ca. 29 % protestantisch – die beiden größten protestantischen Glaubensgemeinschaften sind die United Church of Canada (ca. 9 %) und die Anglican Church of Canada (6,9 %) sowie kleinere Anteile anderer Kirchen: ca. 0,16 % orthodox, ca. 0,25 % andere christliche Glaubensgemeinschaften. Muslime stellen ca. 1,7 % der Bevölkerung, mehr als die Hälfte von ihnen lebt in Ontario. Etwa 1,1 % sind Juden, von denen wiederum knapp 60 % in Ontario leben, und ca. 1 % Buddhisten sowie Hindus. Etwa 16,5 % gehören keinem Glauben an.[19]

Nach einer Umfrage von 2007 fühlten sich die Muslime in Kanada deutlich stärker integriert als in europäischen Staaten.[20] Dies ist möglicherweise ein Erfolg der stärker auf Erhalt und Nutzung der ethnischen und religiösen Besonderheiten als auf Anpassung setzenden Integrationspolitik.

[Bearbeiten] Einwanderungspolitik

Kanada hat, gemessen an der Bevölkerung, die höchste Einwanderungsrate unter den Flächenstaaten der Welt.[21] Die Einwanderung wird über klar definierte Ziele gesteuert, die in einem Programm festgelegt wurden.[22] Die Einwanderungskriterien sind öffentlich einsehbar und können bereits vor Antragstellung selbst überprüft werden. Für Menschen mit Berufen, die in Kanada gefragt sind, existiert zum Beispiel das Skilled Worker-Programm. Je nach Lage des Arbeitsmarkts wird eine Mindestpunktzahl (z. B. im Mai 2008: 67 Punkte) festgelegt, die ein Einwanderungsinteressierter erreichen muss. Die persönliche Punktzahl setzt sich aus Punkten für den aktuellen Bildungsstand und die Berufserfahrung zusammen, aus Punkten für die vorhandenen Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch sowie für das Alter, für Verwandte und frühere Aufenthalte in Kanada. Ein verbindliches Arbeitsangebot eines kanadischen Arbeitgebers erhöht die Punktzahl nochmals maßgeblich.[23] Daneben muss ein Interessent am Skilled Worker-Programm nachweisen, dass er sich für eine gewisse Zeit finanziell selbst versorgen kann. Die notwendige Summe beläuft sich derzeit (November 2008) für eine alleinstehende Person auf CAD 10.601, für eine vierköpfige Familie auf CAD 19.700.[24] Außerdem werden polizeiliche Führungszeugnisse aus allen Ländern benötigt, in denen der Kandidat nach dem 18. Geburtstag für sechs Monate oder länger gelebt hat.

Die Einwanderung erfolgt in zwei Stufen. Zunächst wird eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung erteilt. Nach drei Jahren als „Permanent Resident“ kann der Einbürgerungsantrag gestellt werden. Einwanderer, die noch nicht eingebürgert sind, haben Residenzpflicht. Bei Verstößen kann der „Permanent Resident“-Status entzogen und der Einwanderer in sein Herkunftsland zurückgeschickt werden. Die Residenzpflicht bedeutet, dass man Nachweise für die vorgegebene Zeit in Kanada erbringen, oder mit jemandem verheiratet sein muss, die oder der die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt.

[Bearbeiten] Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Kanadas, Geschichte der First Nations, Territoriale Entwicklung Kanadas

[Bearbeiten] Frühgeschichte und Kolonialisierung

Rekonstruktion der Wikingersiedlung in L’Anse aux Meadows

Inuit und Indianer (in Kanada First Nations genannt) besiedelten Nordamerika vor mindestens 12.000 Jahren.[25]

Europäische Siedler erreichten Nordamerika spätestens um das Jahr 1000, als Wikinger während kurzer Zeit in L’Anse aux Meadows am nördlichsten Ende von Neufundland lebten. Als „Entdecker“ Nordamerikas gilt Giovanni Caboto, ein italienischer Seefahrer in englischen Diensten. Dieser landete am 24. Juni 1497 möglicherweise auf der Kap-Breton-Insel und nahm das Land für England in Besitz. Baskische Walfänger und Fischer kamen ab etwa 1525 regelmäßig an die ostkanadische Küste und beuteten ein Jahrhundert lang die Ressourcen in der Region zwischen der Neufundlandbank und Tadoussac aus.[26] Eine Expedition unter der Leitung von Jacques Cartier erkundete 1534/35 das Gebiet um den Sankt-Lorenz-Golf und den Sankt-Lorenz-Strom und erklärte es zu französischem Besitz.

Kanu der Hudson's Bay Company wohl auf dem French River, Frances Anne Hopkins 1869

Samuel de Champlain gründete 1605 mit Port Royal (heute Annapolis Royal) und 1608 mit Québec die ersten dauerhaften Ansiedlungen in Neufrankreich. Die französischen Kolonisten teilten sich in zwei Hauptgruppen: Die Canadiens besiedelten das Tal des Sankt-Lorenz-Stroms, die Akadier (Acadiens) die heutigen Seeprovinzen. Französische Pelzhändler und katholische Missionare erforschten die Großen Seen, die Hudson Bay und den Mississippi bis nach Louisiana. Die Engländer gründeten ab 1610 Fischerei-Außenposten auf Neufundland und besiedelten die weiter südlich gelegenen Dreizehn Kolonien.

Zwischen 1689 und 1763 kam es in Nordamerika zu vier kriegerischen Konflikten zwischen Engländern (bzw. Briten) und Franzosen, die jeweils Teil von Erbfolgekriegen in Europa waren. Der King William’s War (1689–1697) brachte keine territorialen Veränderungen, doch nach Ende des Queen Anne’s War (1702–1713) gelangte Großbritannien durch den Frieden von Utrecht in den Besitz von Akadien, Neufundland und der Hudson-Bay-Region. Die Briten eroberten 1745 im King George’s War die französische Festung Louisbourg auf der Kap-Breton-Insel, gaben diese aber 1748 gemäß dem Frieden von Aachen wieder zurück. Der Franzosen- und Indianerkrieg (1754–1763) brachte schließlich die Entscheidung: Mit dem Pariser Frieden musste Frankreich 1763 fast alle seine Besitzungen in Nordamerika abtreten.

[Bearbeiten] Britische Herrschaft

Tod des Generals James Wolfe in der Schlacht auf der Abraham-Ebene (1759), dem Wendepunkt im Franzosen- und Indianerkrieg, Benjamin West 1770, National Gallery of Canada, Ottawa

Mit der Königlichen Proklamation von 1763 entstand aus dem ehemaligen Neufrankreich die britische Provinz Québec, im selben Jahr gelangte die Kap-Breton-Insel zur Kolonie Nova Scotia. Auch wurden Rechte der französischen Kanadier eingeschränkt. 1769 wurde eine weitere Kolonie namens St. John’s Island (seit 1798 Prince Edward Island) gegründet. Um Konflikte in Québec abzuwenden, verabschiedete das britische Parlament 1774 den Quebec Act. Das Gebiet Québecs wurde zu den Großen Seen und zum Ohiotal ausgedehnt, während die französischsprachige Bevölkerungsmehrheit den Code Civil beibehalten und ihre Sprache in der Öffentlichkeit verwenden durfte; durch die Zusicherung der freien Religionsausübung konnte die Römisch-katholische Kirche in der Kolonie verbleiben.

Das Gesetz verärgerte jedoch die Bewohner der Dreizehn Kolonien, die darin eine unzulässige Beschränkung ihrer nach Westen gerichteten Expansion sahen. Der Quebec Act war eines jener „unerträglichen Gesetze“ (Intolerable Acts), die schließlich zur Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg führten. Der Frieden von Paris erkannte die amerikanische Unabhängigkeit an und die Gebiete südlich der Großen Seen fielen an die Vereinigten Staaten. Etwa 50.000 Loyalisten flohen in das heutige Kanada, dazu kamen mit den Briten verbündete Indianerstämme, wie die Mohawk.[27] New Brunswick wurde 1784 von Nova Scotia abgetrennt, um die Ansiedlung der Loyalisten an der Atlantikküste besser organisieren zu können. Um den nach Québec geflohenen Loyalisten entgegenzukommen, verabschiedete das britische Parlament das Verfassungsgesetz von 1791, das die Provinz Québec in das französischsprachige Niederkanada und das englischsprachige Oberkanada teilte und beiden Kolonien ein gewähltes Parlament gewährte.

Sieg der Briten gegen die Amerikaner in der Schlacht von Queenston Heights (1812), James B. Dennis (1777-1855), Öl auf Leinwand, undatiert

Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien entluden sich im Britisch-Amerikanischen Krieg, der von 1812 bis 1814 dauerte und letztlich ergebnislos endete. In Kanada wird der Krieg bis heute als erfolgreiche Abwehr amerikanischer Invasionsversuche betrachtet. Die britisch- und französischstämmige Bevölkerung entwickelte durch den Kampf gegen einen gemeinsamen Feind ein kanadisches Nationalgefühl, die Loyalität der britischen Krone gegenüber wurde gestärkt.

Der Wunsch nach Selbstverwaltung und der Widerstand gegen die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft einer kleinen Elite führten zu den Rebellionen von 1837, die rasch niedergeschlagen wurden. Lord Durham empfahl daraufhin in seinem Untersuchungsbericht die Einsetzung einer selbstverantwortlichen Regierung und die allmähliche Assimilierung der französischen Kanadier in die britische Kultur.[28] Der Act of Union 1840 verschmolz Nieder- und Oberkanada zur Provinz Kanada und erhob das Englische zur alleinigen Amtssprache. Bis 1849 erhielten auch die weiteren Kolonien in Britisch Nordamerika eine eigene Regierung.

Zwei Handelsgesellschaften, die Hudson’s Bay Company (HBC) und die North West Company (NWC), kontrollierten den Handel in den weiten, nur von wenigen Ureinwohnern besiedelten Gebieten der Prärien und der Subarktis. Die HBC hatte 1670 Ruperts Land als Pachtgebiet erhalten und besaß dort das Handelsmonopol mit Pelzen. Da aber auch die NWC dort Fuß zu fassen versuchte, kam es wiederholt zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Nach dem Pemmikan-Krieg in der Red-River-Kolonie (heute Manitoba) wurde die NWC 1821 zwangsliquidiert und die HBC dehnte ihr Monopol auf fast den gesamten Nordwesten des Kontinents aus. 1846 schlossen die Vereinigten Staaten und Großbritannien den Oregon-Kompromiss, der westlich der Großen Seen den 49. Breitengrad als gemeinsame Grenze festlegte. Daraufhin folgte die Gründung der an der Pazifikküste gelegenen Kolonien Vancouver Island (1849) und British Columbia (1858).

[Bearbeiten] Kanadische Konföderation

Territoriale Entwicklung Kanadas

Während des Sezessionskriegs in den Vereinigten Staaten erkannten führende Politiker die Notwendigkeit, möglichen amerikanischen Expansionsbestrebungen einen starken Bundesstaat entgegenzustellen, und berieten in drei Verfassungskonferenzen über die Schaffung einer Kanadischen Konföderation. Daraus resultierte das Verfassungsgesetz von 1867, das am 1. Juli 1867 in Kraft trat und das Dominion Kanada schuf, das über eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber Großbritannien verfügte. Die Provinz Kanada wurde in Ontario und Québec aufgeteilt, hinzu kamen New Brunswick und Nova Scotia.

Das älteste britische Haus im Westen Kanadas war von 1852 bis 1920 der Wohnsitz eines der Gründerväter Kanadas, John Sebastian Helmcken

Der neue Bundesstaat kaufte 1869 der Hudson’s Bay Company das Nordwestliche Territorium und Ruperts Land ab und vereinigte diese zu den Nordwest-Territorien. Nach der Niederschlagung der Red-River-Rebellion der Métis schuf der Manitoba Act 1870 im Unruhegebiet die Provinz Manitoba. British Columbia und Vancouver Island (die sich 1866 vereinigt hatten) traten 1871 der Konföderation bei, zwei Jahre später folgte Prince Edward Island.

Um den Westen für die Besiedlung durch Einwanderer zu erschließen, beteiligte sich die Regierung an der Finanzierung von transkontinentalen Eisenbahnen und gründete die North-West Mounted Police (heute Royal Canadian Mounted Police), um die staatliche Kontrolle über die Prärien und subarktischen Regionen durchzusetzen. Die Nordwest-Rebellion und die darauf folgende Hinrichtung des Métis-Anführers Louis Riel 1885 führten zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen den beiden Sprachgruppen. Als direkte Folge des Klondike-Goldrauschs wurde 1898 das Yukon-Territorium geschaffen. Aufgrund der zunehmenden Besiedlung der Prärie entstanden 1905 aus dem südlichen Teil der Nordwest-Territorien die Provinzen Alberta und Saskatchewan. Mit den Indianern schloss Kanada zwischen 1871 und 1921 elf Verträge ab, die ihnen gegen geringe Kompensationen Reservate zuwiesen, ihnen aber ihre gewohnte Lebensweise garantierten. Sie durften bis 1960 nicht an Parlamentswahlen auf nationaler Ebene teilnehmen.

An der Seite Großbritanniens nahm Kanada ab 1914 am Ersten Weltkrieg teil und entsandte Freiwillige an die Westfront. Als die Regierung versuchte, gegen den Widerstand des französischsprachigen Bevölkerungsteils den obligatorischen Wehrdienst einzuführen, kam es zur Wehrpflichtkrise von 1917.

[Bearbeiten] Eigenständigkeit und Separatismus

Landung kanadischer Truppen in der Normandie am D-Day, Abschnitt Nan White Beach bei Bernières-sur-Mer, Département Calvados

Bei den Verhandlungen zum Versailler Vertrag trat Kanada als eigenständiges Staatswesen auf und trat 1919 unabhängig von Großbritannien dem Völkerbund bei. Das Statut von Westminster von 1931 garantierte die gesetzgeberische Unabhängigkeit, gewisse verfassungsrechtliche Bindungen blieben jedoch weiter bestehen. Das Land war besonders stark von der Weltwirtschaftskrise betroffen, als Reaktion darauf entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten ein gut ausgebauter Sozialstaat.

Kanada erklärte 1939 dem Deutschen Reich den Krieg. Trotz einer weiteren Wehrpflichtkrise spielten kanadische Truppen während des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle, insbesondere in der Atlantikschlacht, der Operation Jubilee, der Invasion Italiens, der Operation Overlord (Landung am Juno Beach) und der Schlacht an der Scheldemündung. 1945 wurden kanadische Soldaten maßgeblich während der Kämpfe um die Niederlande eingesetzt.

Die britische Kolonie Neufundland, die sich 1867 nicht dem Bundesstaat angeschlossen hatte und von 1907 bis 1934 ein unabhängiges Dominion gewesen war, trat 1949 nach einer lange andauernden politischen und wirtschaftlichen Krise als letzte Provinz der kanadischen Konföderation bei. 1965 wurde die neue Ahornblattflagge eingeführt und mit dem Inkrafttreten des Amtssprachengesetzes war Kanada ab 1969 offiziell ein zweisprachiges Land. Premierminister Pierre Trudeau strebte die vollständige formale Unabhängigkeit von Großbritannien an, die mit dem Verfassungsgesetz von 1982 und der Charta der Rechte und Freiheiten Wirklichkeit wurde.

Während der 1960er Jahre fand in Québec eine tiefgreifende gesellschaftliche und wirtschaftliche Umwälzung statt, die als „Stille Revolution“ bekannt ist. Québecer Nationalisten begannen, mehr Autonomie oder gar die Unabhängigkeit zu fordern. Anschläge und Entführungen durch die Front de libération du Québec führten 1970 zur Oktoberkrise und zur kurzzeitigen Ausrufung des Ausnahmezustands. Moderate Nationalisten stellten ab 1976 die Provinzregierung, 1980 wurde ein erstes U