Heinrich Harrer – Wikipedia

Heinrich Harrer

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Heinrich Harrer (* 6. Juli 1912 in Obergossen, Marktgemeinde Hüttenberg; † 7. Jänner 2006 in Friesach) war ein österreichischer Bergsteiger, Forschungsreisender, Geograph und Autor. Bekannt wurde er als einer der Erstbesteiger der Eiger-Nordwand sowie durch sein Buch Sieben Jahre in Tibet. Seit 1983 befindet sich in Hüttenberg das Heinrich-Harrer-Museum.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

[Bearbeiten] Herkunft, Jugend und Studium

Sein Vater Josef war Postbeamter, seine Mutter Johanna Hausfrau. Nach einer Versetzung seines Vaters besuchte er die Volks- sowie die Realschule Bruck an der Mur. Nach einer weiteren Versetzung wechselte auch Heinrich an die Realschule in Graz. Im Alter von 17 Jahren wurde Heinrich Harrer Mitglied in der Studentenverbindung Akademischer Turnverein Graz. In dieser Zeit entdeckte er seine große Leidenschaft: den Sport (Alpiner und nordischer Skilauf, Bergsteigen, Leichtathletik, Golf, Tennis, Handball).

Im Wintersemester 1933/34 wurde Harrer beim ATV Graz aktiv. In dieser Zeit wurde er Akademischer Abfahrtsweltmeister, Österreichischer Golfmeister und war u. a. als Hüttenwart auf der Tauplitz für die vereinseigene Schutzhütte Grazerhaus zuständig. 1933–38 absolvierte er ein Studium in den Fächern Geographie und Sport an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Im Oktober 1933 trat Harrer – nach eigenen Angaben (vgl. Lehner 2006) – der Sturmabteilung (SA) im Untergrund bei. Der Beitritt erfolgte somit fast fünf Jahre vor dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich. Er nannte dies viel später einen dummen Fehler und ideologischen Irrtum.[1]

1936 hätte Harrer bei den Olympischen Spielen in der Abfahrt und im Slalom teilnehmen sollen. Dazu kam es aber nicht, da das österreichische wie auch das Schweizer Alpin-Skiteam den Wettbewerb aufgrund von Streitigkeiten um den Profi-Status von Skilehrern boykottierte. Ein Jahr später wurde er Nationaltrainer der österreichischen Damenski-Nationalmannschaft.

[Bearbeiten] Bezwingung der Eiger-Nordwand (1938)

Das Bergsteigen übte weiterhin eine starke Faszination auf ihn aus. Am selben Tag, an dem Harrer sein letztes Staatsexamen an der Universität abgelegt hatte, am 9. Juli 1938, fuhr er nach Grindelwald in die Schweiz, um die Nordwand des Eiger im Berner Oberland, an der zuvor schon viele erfahrene Alpinisten gescheitert waren, zu bezwingen.

Vom 21. bis 24. Juli 1938 gelang Harrer zusammen mit Anderl Heckmair, Fritz Kasparek und Ludwig Vörg die Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand.

Nach der Erstbesteigung der Eiger-Nordwand wurde Harrer von Adolf Hitler empfangen und erhielt von ihm ein Foto mit persönlicher Widmung. Bereits vor der Eiger-Expedition war Harrer der Schutzstaffel (ab 1. April 1938) und der NSDAP (ab 1. Mai 1938) beigetreten. Er wurde Sportinstruktor der SS im Rang eines Oberscharführers (das entsprach dem Wehrmachtdienstgrad Feldwebel), eine Tätigkeit, die er jedoch nach eigenem Bekunden nie ausübte.

Im gleichen Jahr heiratete er Lotte Wegener, die Tochter des 1930 im Grönlandeis verstorbenen deutschen Polarforschers Alfred Wegener.

[Bearbeiten] Indien und Tibet (1939–51)

Im Sommer 1939 nahm Harrer zusammen mit Peter Aufschnaiter, Lutz Chicken und Hans Lobenhoffer an einer von der Deutschen Himalaya-Stiftung, die von den Nationalsozialisten für ihre Ziele instrumentalisiert war, organisierten Erkundungsexpedition zum Nanga Parbat teil. Diese fand jedoch schon im Herbst 1939 ein Ende, als er aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges im britischen Gefangenenlager in Dehra Dun in Indien interniert wurde. Dort traf er u. a. Nyanaponika, Nyanatiloka und Lama Anagarika Govinda. Im Dezember wurde Harrers einziger Sohn Ralf geboren. Nach vier Ausbruchsversuchen aus der britischen Internierung hatte Heinrich Harrer beim fünften Mal Erfolg und entkam am 29. April 1944 gemeinsam mit dem Leiter der Nanga Parbat-Expedition, dem Kitzbüheler Diplomingenieur Peter Aufschnaiter, aus dem Lager in Indien. Es folgte eine 21 Monate dauernde Flucht durch ein riesiges, fast menschenleeres Land, in deren Verlauf die beiden Österreicher rund 50 Pässe – keiner unter 5.000 Meter – überwanden und mehr als 2.000 Kilometer zu Fuß zurücklegten. Am 15. Januar 1946 erreichten sie das ersehnte Ziel: die tibetische Hauptstadt Lhasa (die verbotene Stadt) in dem damals noch unabhängigen Tibet.

Aufschnaiter wurde Berater der tibetischen Regierung in landwirtschaftlichen und städtebaulichen Fragen, Harrer zunächst Übersetzer und Fotograf für die tibetische Regierung, später Lehrer, Berater und schließlich Freund des jungen XIV. Dalai Lama. Mit diesem verband ihn bis zuletzt eine tiefe Freundschaft.

Wegen des tibetisch-chinesischen Konflikts von 1950/51 floh Harrer nach Indien. Von dort kehrte er wenig später nach Europa zurück.

Über die Flucht aus dem Internierungslager nach Tibet und die danach in Lhasa verbrachten fünf Jahre schrieb er das Buch „Sieben Jahre in Tibet“.

Die Ehe mit Lotte Wegener wurde noch während Harrers Gefangenschaft in Indien geschieden. Seine zweite Ehe dauerte nur ein Jahr: 1953, nach Harrers Amazonas-Expedition, wurden Etta Truxa und Heinrich Harrer wieder geschieden. Sein bleibendes Glück fand er schließlich mit seiner dritten Frau Carina, die er 1957 in einem Golfclub kennenlernte.

[Bearbeiten] Zurück in Europa (1952–2006)

1952 kehrte Harrer nach Europa zurück, wonach er eine Reihe ethnografischer und bergsteigerischer Expeditionen unternahm. Viele von Harrers Reiseerzählungen wurden in der Fernsehreihe Heinrich Harrer berichtet gezeigt, die zwischen 1965 und 1983 in der ARD ausgestrahlt wurde.

Als Autor schrieb er über 20 Bücher. Sein bekanntestes Werk ist der Bestseller Sieben Jahre in Tibet, in dem Harrer seine Zeit mit Peter Aufschnaiter in Tibet und seine Bekanntschaft mit dem XIV. Dalai Lama beschreibt. Dieses wurde zu einem Welterfolg (übersetzt in 53 Sprachen, weltweite Auflage bisher über 4 Mio.) und machte ihn berühmt. 1997 verfilmte Jean-Jacques Annaud das Buch mit Brad Pitt in der Rolle des Heinrich Harrer.

Als sich 1997 herausstellte, dass Harrer 1938 SS- und NSDAP-Mitglied geworden war, wurde er kritisiert, weil er diese Fakten niemals öffentlich thematisiert habe. Nach seinen Angaben im handschriftlichen Antrag auf Heiratserlaubnis an das SS-Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA, 1938) in Berlin hätte er sogar seit 1933 der SA angehört, was er 1997 in einem Interview allerdings für eine aus den damaligen Umständen erklärbare Angeberei erklärte. Insbesondere wurde Harrer der Vorwurf gemacht, er habe sich und seine bergsteigerischen Leistungen seinerzeit im Rahmen seiner Aktivitäten in der Deutschen Himalaya-Stiftung für die NS-Propaganda einspannen lassen und als Bestseller-Autor nie den Versuch einer umfassenden Aufarbeitung gemacht. Speziell ist in seiner 80 Seiten umfassenden Akte der SS-Zentralverwaltung dokumentiert, dass sich Reichsführer Heinrich Himmler die Hochzeit Harrers mit Lotte Wegener persönlich gewünscht habe.

Harrer blieb zeitlebens ein Freund des Dalai Lama, dessen Bekanntschaft er in den 1940er Jahren in Tibet gemacht hatte.

Heinrich Harrer starb am 7. Januar 2006 im Alter von 93 Jahren im Krankenhaus in Friesach in Kärnten.

[Bearbeiten] Expeditionen

[Bearbeiten] Auszeichnungen

1995: Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst

[Bearbeiten] Werke

  • Das alte Lhasa. Bilder aus Tibet, Ullstein, Berlin 1997, ISBN 3-550-08435-8
  • Borneo. Mensch und Kultur seit ihrer Steinzeit, Pinguin-Verlag, Innsbruck 1988, ISBN 3-7016-2294-9
  • Denk ich an Bhutan, Herbig, München 2005, ISBN 3-7766-2439-6
  • Erinnerungen an Tibet, Ullstein, Frankfurt/M. 1993, ISBN 3-550-06813-1
  • Geheimnisvolles Afrika, Pinguin-Verlag, Innsbruck 1980, Innsbruck, ISBN 3-524-76027-9
  • Geister und Dämonen. Magische Erlebnisse in fremden Ländern, Ullstein Frankfurt/M. 1993, ISBN 3-548-35336-3
  • Haka-Haka. Bei den Xingu-Indianern im Amazonasgebiet, Ullstein, Frankfurt/M. 1979, ISBN 3-548-32013-9
  • Der Himalaya blüht. Blumen und Menschen in den Ländern des Himalaya, Pinguin-Verlag, Innsbruck 1980, ISBN 3-524-76031-7
  • Ich komme aus der Steinzeit. Ewiges Eis im Dschungel der Südsee, Fischer, Frankfurt/M. 1978, ISBN 3-596-23506-5
  • Ladakh. Götter und Menschen hinter dem Himalaya, Ullstein, Frankfurt/M. 1988, ISBN 3-548-32016-3
  • Die letzten 500. Expedition zu den Zwergvölkern auf den Andamanen, Ullstein, Berlin 1977, ISBN 3-550-06574-4
  • Mein Leben, Ullstein, München 2002, ISBN 3-550-07524-3
  • Meine Forschungsreisen, Pinguin-Verlag, Innsbruck 1986, ISBN 3-7016-2242-6
  • Rinpotsche von Ladakh, Pinguin-Verlag, Pinguin 1981, Innsbruck 1981, ISBN 3-7016-2102-0
  • Sieben Jahre in Tibet. Mein Leben am Hofe des Dalai Lama, Ullstein, Berlin, 1953, ISBN 3-548-35753-9
  • "Unter Papuas - Mensch und Kultur seit ihrer Steinzeit", Pinguin-Verlag, Innsbruck 1976
  • Unter Papuas. Mensch und Kultur seit ihrer Steinzeit, fischer, Frankfurt/M. 1980, ISBN 3-596-23508-1
  • Unterwegs. Handbuch für Reisende, Brockhaus, Wiesbaden 1988, ISBN 3-7653-0318-6
  • Die Weiße Spinne. Das große Buch vom Eiger, Ullstein, München 2001, ISBN 3-548-36229-X
  • Wiedersehen mit Tibet, Ullstein, Frankfurt/M. 1997, ISBN 3-548-35666-4
  • Gaisbergbahn, Verlag Josef Otto Slezak, Wien 1984, ISBN 3-85416-096-8 (fast nur noch Gebraucht erhältlich)

[Bearbeiten] Medienecho

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Wiliam Cole, AP: Heinrich Harrer ist tot Der Spiegel 07. Januar 2006 Online verfügbar

[Bearbeiten] Weblinks

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