Felsritzung – Wikipedia

Felsritzung

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Bronzezeitliche Felsritzungen aus Tannum (Schweden)

Felsritzungen oder Petroglyphen sind Felsbilder, die durch Picken, Ritzen, Punzen oder Schleifen in den Fels eingearbeitet wurden. Petroglyphen sind weltweit verbreitet. Aus der europäischen Bronze- und Eisenzeit sind abstrakte und gegenständliche Darstellungen auf felsigem Untergrund bekannt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Abgrenzung

Die Felsritzungen unterscheiden sich stark von den paläolithischen Felsbildern und `Felszeichnungen, die in Höhlen (z.  B. in der Höhle von Altamira) oder unter Abris mit Farbe aufgetragen wurden.

[Bearbeiten] Paläolithische Ritzungen

Die älteste als Kunstwerk anerkannte Ritzung befindet sich (lt. Ch. Henshilwood) auf einem 77.000 Jahre alten Stein (Hämatit), der in der Blombos, einer südafrikanischen Höhle gefunden wurde. [1] In Europa sind es reliefartige Schöpfungen aus der Dordogne und der Charente in Höhlen, die die natürlichen Formationen der Höhlenwände in das Bild mit einbeziehen. Ritzungen auf Stein- und Bodenplatten sind keine Seltenheit. Gerhard Bosinski untersuchte Schieferplattenritzungen aus Gönnersdorf, die vor etwa 15.000 Jahren entstanden. Die Darstellungen haben folgende Inhalte: Tiere, Tänzer oder Tänzerinnen sowie symbolhafte Ritzungen, die sich der Auslegung entziehen. Alle waren skizzenhaft auf Schieferplatten angebracht.

[Bearbeiten] Frühe Ritzungen

Sehr alte Felsgravuren sind von Göbekli Tepe in der Türkei bekannt. Die älteste vollsplastische Felskunst Europas stammt aus Lepenski Vir.

[Bearbeiten] Neolithische Ritzungen auf Megalithen und in Höhlen

Die bekanntesten Felsritzungen stammen von europäischen Megalithen. Ihre früheste Erscheinung als kaum deutbare Abstraktionen entsteht in bretonischen (z.B. Gavrinis, des Pierres Plates), irischen (Dowth, Knowth, Fourknocks, Newgrange) und walisischen (Barclodiad y Gawres) Megalithanlagen. Etwa zur selben Zeit kommen auch Ritzungen auf Menhiren vor. Konzentrische Kreise und Spiralen sind neben Zickzacklinien (Wellen) sehr verbreitet. Eine besonders feine Form der Ritzung stellen die maltesischen Altarritzungen der Tarxienphase dar. In den jüngeren Felskammern den Domus de Janas Sardiniens gibt es sie anthropomorph, zumeist aber als Stiergehörne ausgebildet.

[Bearbeiten] Metallzeiten

Die gotländischen Bildsteine, die piktischen Symbolsteine und die Ritzungen der Wikinger auf Runensteinen (Jelling) sind die jüngste Form.

[Bearbeiten] Ritzungen auf Felsaufschlüssen

In Schottland z.B. im (Kilmartin-Valley) tritt eine andere neolithische oder bronzezeitliche Form der Felsritzung auf, die als Cup-and-Ring-Markierungen bezeichnet wird. Schälchen oder Schalen finden sich auf so genannten Schalensteinen oder Megalithanlagen (Bunsoh, Hellekisten in Horne). Die bronzezeitlichen Felsritzungen wurden zumeist auf durch Gletscherschliff geglätteten Felsen angebracht. Man findet Ritzungen in Schweden (Tanum, Brandskog, Kivik, Litsleby, Nämforsen und Sagaholm), in Dänemark sind etwa 500 bekannt, 100 davon auf (Bornholm), in Spanien (Andalusien, Extremadura, Galizien), in Portugal ( Parque Arqueológico do Vale do Côa), in Italien (im Val Camonica), in Frankreich am (Mont Bégo), in Norwegen (Alta) und in der Schweiz (Carschenna).

Die Themen der Darstellungen entsprechen der gesellschaftlichen Praxis ihrer Schöpfer. So sind z.B. jägerische Darstellungen (Tierstil) in Norwegen (Trøndelag, Tykamvatn) und Nordschweden zu finden.

Andere Deutungen beziehen sich auf Gravuren im südlichen Afrika. Bestimmte Symbole werden als "Phosphene" gedeutet, Symbole, die u. a. für Trancezustände typisch sind. Dazu gehören einfache Kreuz-in-Kreis-Symbole oder netzartige Strukturen. Da es zudem Felsbilder gibt, die Mensch-Tierwesen darstellen, die als Schamanen gedeutet werden, gelten Trancezustände als eine Erklärung für die Herstellung dieser Bilder. Hauptvertreter dieser Theorie ist David Lewis-Williams, der einen Lehrstuhl für kognitive Archäologie in Johannesburg inne hat. Obwohl die Felskunst oft als "San-" oder "Buschmannkunst" bezeichnet wird, gibt es dafür keine wirklichen Belege, denn die Datierung der Petroglyphen ist noch schwieriger als die der gemalten Darstellungen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Quellen

  1. ↑ Sciencexpress Kapstadt, die Online-Ausgabe des US-Wissenschaftsjournals "Science" Nov. 2002. Belegt in http://www.trussel.com/prehist/news276.htm

[Bearbeiten] Literatur

  • Almgren B.: Lebendige Vorzeit - Felsbilder der Bronzezeit aus Schweden. 1980
  • Bosinski, G.; Street, M. & Baales, M. (Hrsg., 1995): The Palaeolithic and Mesolithic of the Rhineland. In: W. Schirmer (Hrsg.): Quaternary field trips in Central Europe.14.
  • Henshilwood, C.S., d’Errico, F., Yates, R., Jacobs, Z., Tribolo, C., Duller, G.A.T., Mercier N., Sealy, J.C., Valladas, H., Watts, I. & Wintle, A.G. 2002. Emergence of Modern Human Behaviour: Middle Stone Age engravings from South Africa. Science 295:1278-1280.
  • J. D. Lewis-Williams; T. A. Dowson; Paul G. Bahn; H.-G. Bandi; Robert G. Bednarik; Clegg; Mario Consens; Whitney Davis; Brigitte Delluc; Gilles Delluc; Paul Faulstich; John Halverson; Robert Layton; Colin Martindale; Vil Mirimanov; Christy G. Turner II; Joan M. Vastokas; Michael Winkelman; Alison Wylie, John The Signs of All Times: Entoptic Phenomena in Upper Palaeolithic Art. Current Anthropology 29/2, 1988, 201-245.
  • M. J. Morwood : Visions from the Past: the archaeology of Australian Aboriginal art. 2002.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Category:Petroglyphs â€“ Bilder, Videos und Audiodateien
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