Fayence – Wikipedia

Fayence

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Dieser Artikel befasst sich mit der Keramiktechnik. Für die französische Gemeinde siehe Fayence (Var).
Sogenannter "Eulenpokal" der Stadt Schaffhausen, Fayence aus dem 16. Jahrhundert

Fayence, von der italienischen Stadt Faenza abgeleitete französische Bezeichnung für Keramik mit porösem Scherben, die mit einer deckenden weißen oder farbigen Zinnglasur überzogen, meist mit Unterglasurfarben oder Muffelfarben dekoriert und mehrmals gebrannt wird.

Fayenceähnliche Techniken gibt es schon seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. Fayence im eigentlichen Sinne wurde schon im 5. Jahrhundert in Persien hergestellt, dann in Mesopotamien, später im islamischen Kulturkreis verbreitet, von dort nach Spanien eingeführt, gelangte sie im 14. und 15. Jahrhundert über Mallorca, dessen Erzeugnisse danach die Bezeichnung Majolika (altital. Maiolica) erhielten, nach Italien. Bedeutende Herstellungszentren wurden hier Faenza, Orvieto, Urbino, Deruta, Gubbio, Siena und Cafaggiolo.

Im 16. und 17. Jahrhundert arbeiteten schweizerische, französische und niederländische Werkstätten nach italienischem Vorbild. Zentren in Frankreich wurden unter anderem Nevers, Rouen, Moustiers-Sainte-Marie und Marseille, in Lothringen Lünstadt, in Holland besonders Delft.

Deutsche Fayence-Manufakturen waren zunächst stark von Holland beeinflusst. So wurde die erste deutsche Fayence-Manufaktur im Jahr 1653 in Ahaus nahe der holländischen Grenze gegründet. Bedeutende Manufakturen entstanden unter anderem in Kassel, Hanau, Frankfurt am Main, Berlin, Braunschweig, Dresden, Ansbach/Bruckberg, Nürnberg, Bayreuth, Kelsterbach, Memmingen mit den Künersberger Fayencen, Schrezheim und Abtsbessingen. Die norddeutsche Fayence wurde insbesondere durch die Manufakturen in Kellinghusen, Stockelsdorf und Stralsund (siehe auch Stralsunder Fayencenmanufaktur) geprägt. In Skandinavien wurde Rörstrand aus Schweden berühmt, aber auch Königlich Kopenhagen produziert neben feinstem Porzellan bis heute auch Fayencen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Delfter Fayencen

Delfter Fayencen (auch oft als Delfter Ware bezeichnet) waren weiß, stark glasiert und wurden etwa von 1580 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Delft angefertigt. Ihre charakteristische Eigentümlichkeit ist die blaue Bemalung, die japanische und chinesische Vorbilder aus Porzellan (meist Wan-Li-Stil) nachahmt. Darin unterscheiden sich diese Fayencen von der vorangehenden niederländischen Majolika, die sich an italienischen Vorbildern orientierte. In der Mitte des 17. Jahrhundert erreichte die Fabrikation ihre Blütezeit. Wegen politischer Unruhen in China waren seit 1657 die Porzellanimporte gestört, und folglich stieg die Nachfrage nach Delfter Fayence, die zu dieser Zeit auch „porceleyne“ bezeichnet wurde.

Später kamen auch andere Farben neben der blauen auf. Man fertigte nicht nur Gegenstände für den Gebrauch (eiförmige Krüge, Schüsseln, Körbe, Schalen, Blumenvasen, Tulpenständer, Spucknäpfe), sondern auch Menschen- und Tierfiguren, Geigen und ähnliche Spielereien. Durch den massenhaften Export der Delfter Fayencen verbreitete sich ihre Dekoration auch in anderen Ländern, besonders in England und Deutschland.

Nach dem Niedergang der meisten Fayencemanufakturen im 19. Jahrhundert hatte 1876 Joost Thooft eine alte Töpferwerkstatt erworben und einen Professor für Dekorative Kunst zur Mitarbeit bewogen - beiden gelang eine künstlerische Wiederbelebung der Tradition. Ihre Fabrik – De Porceleyne Fles – produziert bis in die Gegenwart.

[Bearbeiten] Fayence und weißes Porzellan

Johann Friedrich Böttger, Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Gottfried Pabst von Ohain stellten 1706 auf der Meißner Albrechtsburg rotbraunes Böttgersteinzeug (auch Jaspisporzellan, Jaspisgut, Jasper Ware, Fayence mit Streifen oder Adern [1]) her. Als wenig später statt eisenhaltig gefärbten Tons das aus Schneeberg stammende reine Kaolin verwendet wurde, erhielt man 1708 erstmalig weißes Porzellan, was bis dahin nur aus China bekannt war.

[Bearbeiten] Literatur

  • Henry-Pierre Fourest: Delfter Fayencen. Belser Verlag, Stuttgart/Zürich, ISBN 3-7630-1756-9

[Bearbeiten] Quellen

  1. Meyers Konversationslexikon; Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, Seite 173

[Bearbeiten] Weblinks

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