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Falun Gong

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Emblem von Falun Gong

Falun Gong (法轮功, auch 法轮大法 Falun Dafa) ist eine aus China stammende neue religiöse Bewegung auf der Basis von Qi Gong. Falun Gong wurde erstmals 1992 in der Volksrepublik China in der Öffentlichkeit vorgestellt und hat sich seitdem weltweit verbreitet. Hauptwerk ist das vom Gründer Li Hongzhi verfasste Zhuan Falun.

Falun Gong wurde im Westen hauptsächlich durch das Verbot 1999 in China und die darauffolgende staatliche Verfolgung bekannt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Einleitung

Anhänger praktizieren die Falun-Gong-Übungen

Der Name 'Falun Gong' setzt sich aus 'Falun' (= 'Rad des Gesetzes') und 'Qigong' (traditionelle chinesische Übungen zur Kultivierung von Körper und Geist) zusammen. Li Hongzhi gilt als der Gründer von Falun Gong, er stellte 1992 die Technik der Öffentlichkeit vor. Seiner Aussage nach existierte die Technik bereits lange zuvor. Sie soll Falun Xiulian Dafa genannt und nur von Meister zu Schüler weitergegeben worden sein.

Basis von Falun Gong ist das Buch Zhuan Falun, welches von Li Hongzhi verfasst und 1995 veröffentlicht wurde. Das Buch soll immer wieder und wieder gelesen werden, um sich auf dem Kultivierungsweg voranzubringen. Daneben hat Li noch über 20 weitere Bücher über Falun Gong geschrieben. Wichtig für die Falun-Gong-Praktizierenden ist neben dem Hauptwerk Zhuan Falun eine Sammlung kurzer Artikel, die in Chinesisch ursprünglich in Gedichtform geschrieben waren und die ebenfalls zur moralischen Anleitung dienen.

Das Emblem von Falun Gong zeigt einen roten Kreis mit einem großen goldenen Swastika-Symbol, der von einem orangefarbenen Ring mit vier weiteren Swastika-Symbolen und vier Yin-und-Yang-Symbolen umschlossen ist. Falun Gong verwendet die „linksdrehende” Swastika in ursprünglich-traditioneller Bedeutung und hat keinerlei Bezüge zum „rechtsdrehenden” Hakenkreuz des Nationalsozialismus.

[Bearbeiten] Inhalte

Falun Gong enthält Elemente des buddhistischen und daoistischen Kultivierungssystems. Es beinhaltet zwar ähnliche Elemente, wie sie auch im Buddhismus, Daoismus, der traditionellen chinesischen Medizin, und dem Qigong vorkommen, enthält aber vorwiegend eigene Deutungen dieser Elemente von Li Hongzhi. Von Anhängern wird Li Hongzhi oft in chinesischer Tradition 'Meister Li' genannt.

Es werden im Rahmen von Falun Gong fünf Qigong-Übungen praktiziert, vier davon werden im Stehen und eine Übung im Lotossitz als Meditation ausgeführt. Dies sind im einzelnen:

  1. Buddha streckt 1000 Hände aus (Fo Zhan Qian Shou Fa): Der Körper wird gestreckt und entspannt.
  2. Gebotsrad-Pfahlstellung (Falun Zhuang Fa): Die Arme werden in vier verschieden Positionen kreisförmig für eine längere Zeit hochgehalten.
  3. Verbinden von Himmel und Erde (Guan Tong Liang Ji Fa): Die Arme werden ab- und aufwärts bewegt. Dadurch soll das Qi des Körpers mit dem des Kosmos vermischt werden.
  4. Gebotsrad-Himmelskreis (Falun Zhoutian Fa): Man streicht mit den Handflächen an bestimmten Linien nahe der Körperoberfläche entlang. Dies soll die Energie im Körper zum Fließen bringen.
  5. Verstärkung der übernatürlichen Kräfte (Shentong Jiachi Fa): Diese Übung wird im Gegensatz zu den vorherigen nicht im Stehen, sondern im Lotossitz ausgeführt. Hier werden Armbewegungen und Meditation ausgeführt.

Das Praktizieren der Übungen ist aber laut Li nur ein Teil des Weges, mehr Wert als auf das Lesen des Buches und das Praktizieren der Übungen soll auf das moralische Verhalten im Alltagsleben gelegt werden. Der Mensch soll sich kultivieren, indem er Gutes tut und Schlechtes vermeidet. Dies schließt ein, dass er persönliche Bedürfnisse zurückstellt und sich stärker dem Gemeinwohl widmet, er soll nicht aus niederen Beweggründen mit anderen in Konflikt geraten und nicht streiten. Dadurch wird das Xinxing (Geistige Natur) erhöht, und damit letztendlich die Kultivierungsenergie. Wenn jeder Einzelne jedoch nicht auf die Kultivierung seines Xinxing achte, wird die Ausführung der Übungen keinen Erfolg zeigen.

Die Menschen sollen laut Zhuan Falun aufgrund ihrer Egozentrik von höheren kosmischen Ebenen vertrieben worden sein. Als letzte Chance verharren sie in dieser Welt, ohne von den anderen Welten zu wissen. Die früheren Untaten hätten sich in Form von Yeli, das heißt schlechtem Karma, angesammelt, und dieses müsse man abbauen, um zur Erlösung zu gelangen. Wenn man nicht egoistisch handelt oder denkt, und in Harmonie mit den drei kosmischen Eigenschaften lebt, schreite man auf dem Kultivierungsweg voran. Die kosmischen Eigenschaften sind dabei:

  • 真 Zhēn – Wahrhaftigkeit (wörtlich: wirklich, wahr)
  • 善 Shàn – Aufrichtigkeit/Barmherzigkeit (wörtlich: gut, freundlich)
  • 忍 Rěn – Nachsicht (wörtlich: dulden, ertragen)

Wenn man auf diesem Pfad voranschreitet, kann man laut dem Zhuan Falun besondere Fähigkeiten erlangen, Kultivierungsfähigkeiten genannt. Wenn man Falun Gong mit dem Ziel betreibt, diese Fähigkeiten zu erhalten, würde man ebenfalls nichts erreichen, da man dadurch in der Kultivierung nicht voranschreite.

Indem Falun Dafa Wahrhaftigkeit und Barmherzigkeit gleichermaßen betont, vollführt es laut Li Hongzhi eine Synthese aus Taoismus mit dem Schwerpunkt Wahrhaftigkeit und dem Buddhismus mit dem Schwerpunkt Barmherzigkeit.

[Bearbeiten] Organisation

Falun Gong entstand in China und hatte dort zu Beginn der Verfolgung 1999 laut chinesischen Medien etwa 70 Millionen, laut Falun Gong 100 Millionen Anhänger. Genaue Zahlen ließen sich schon damals nicht nennen, da es keine offizielle Mitgliedschaft gibt. Mit dem Verbot der Bewegung sind zuverlässige Zahlen noch schwieriger zu ermitteln. Derzeit soll es nach Angaben von der chinesischen Regierung 2 Millionen Anhänger in China geben, Falun Gong dagegen geht unverändert von 100 Millionen aus.

Übungsmaterialien werden kostenlos im Internet verbreitet, das Zhuan Falun und die anderen Bücher kann man kostenlos im Internet lesen (siehe Weblink unten). Dies hat zur weltweiten Verbreitung von Falun Gong beigetragen. Nach Angaben der Bewegung soll es in über 60 Ländern Praktizierende geben. In Deutschland gibt es etwa 1000 bis 2000, in der Schweiz 500 bis 1000 Menschen die Falun Gong praktizieren. In Taiwan gibt es schätzungsweise 300.000 Praktizierende.

Falun Gong behauptet, unpolitisch und nur lose organisiert zu sein. Tatsächlich engagieren sich aber viele Anhänger, um auf die Verfolgung von Falun Gong aufmerksam zu machen: durch Flugblätter, Webseiten, in politischen Foren und durch gewaltlose Aktionen wie Sitzblockaden. In vielen Ländern der Welt wurden Vereine gegründet. Falun-Gong-Anhänger verbreiten Drucksachen und betreiben ein weitverzweigtes Netz von Webseiten, um die Weltöffentlichkeit auf die Verfolgung in China und auf die Bewegung an sich aufmerksam zu machen. Die Organisation ist aber recht locker. Hauptziele solcher Vereine sind die Einstellung der Verfolgung in China und Unterstützung neuer Praktizierender durch das Anbieten von Kursen, der Verbreitung des Zhuan Falun und von weiteren Informationsmaterialien.

[Bearbeiten] Einordnung

Falun Gong bezeichnet sich selbst als nicht religiös, sondern betrachtet sich als eine Qigong-Form, deren Ziel rein die körperliche und geistige Vollkommenheit ist. Falun-Gong-Mitgliedern steht es frei, einer beliebigen Konfession anzugehören.

In der Außenbetrachtung wird Falun Gong jedoch häufig als Sekte, Kult oder neue religiöse Bewegung eingeordnet.[1][2]

Li Hongzhi behauptet, dass Falun Gong in einer sich schnell ändernden Gesellschaft Moral und Ethik Stärke und Richtlinien für seine Anhänger schaffe (Lit.: Chan, S.673ff).

[Bearbeiten] Geschichte

Im Mai 1992 veröffentlichte Li Hongzhi erstmals die Lehren von Falun Gong in der Stadt Changchun. Dies geschah in Form öffentlicher Veranstaltungen, wie Übungsgruppen oder Vorlesungen. Aus seinen Vorträgen auf diesen Veranstaltungen entwickelten sich Übungsmaterialien und schließlich das Buch Zhuan Falun, welches 1995 erschien. 1993 erhielt er den Titel „Beliebtester Qigong-Meister“ und Falun Gong die höchste Auszeichnung auf einer staatlich organisierten Gesundheitsmesse.

Laut Li ist Falun Gong ein Kultivierungsweg, der früher nur im Geheimen überliefert wurde. Li veröffentlichte Falun Gong laut eigener Aussage, weil er ein Absinken der gesellschaftlichen Moral erkannte, was zu vermehrtem Leiden der Menschheit führe.

Chinesische Beobachter berichten auch, dass Falun Gong anfangs durchaus Zustimmung in der Regierung hatte. Gutachten und Erfahrungen hätten gezeigt, dass deren Methoden der Volksgesundheit zuträglich seien. Viele Mitglieder von Regierung und Partei sind oder waren selbst Teil der Bewegung. Anfang der neunziger Jahre hatte sich der damalige Ministerpräsident Zhu Rongji erfreut darüber gezeigt, dass dem staatlichen Gesundheitssystem durch den gesunden Lebenswandel der Falun-Gong-Mitglieder viele Millionen an Ausgaben für das Gesundheitssystem erspart blieben, die das Land nutzbringend auf anderen Gebieten einsetzen könne.[3] Erst als sie zunehmend politische Bedeutung bekommen habe, sei die weitere Ausbreitung von offizieller Seite unterdrückt worden.

Im April 1999 erschien in der Universitätszeitung von Tianjin ein Qigong-kritischer Artikel. Falun Gong fühlte sich durch den Artikel angegriffen, am 19. April wurden mehrere Mitglieder bei einem Sitzstreik verhaftet. Daraufhin versammelten sich 10.000 Anhänger am 25. April vor dem Petitionsbüro in Peking, um gegen die Verhaftungen eine Petition einzureichen. Als bekannt wurde, dass die Praktizierenden wieder freigelassen worden waren, löste sich die Ansammlung auf.

Der Vorfall diente als Begründung für das Verbot von Falun Gong am 22. Juli 1999. Bereits am 20. Juli wurden 1000 namentlich bekannte Falun-Gong-Praktizierende verhaftet. Nach dem Verbot wurden über 10.000 Falun-Gong-Praktizierende, die nach Peking gingen, in Fußballstadien interniert, und im ganzen Land wurden bei Hausdurchsuchungen viele hunderttausend Falun-Gong-Bücher beschlagnahmt und vernichtet. Zusätzlich gab es eine große Propagandakampagne gegen Falun Gong.

[Bearbeiten] Propaganda und Gegenpropaganda

Im Zuge der Verfolgung wirkt die chinesische Regierung mit Propaganda auf die Bevölkerung ein, um die Gefährlichkeit der Bewegung darzustellen. Medien, die Falun Gong nicht als Sekte darstellen, werden in China vom Staat unterdrückt. In einigen Städten kam es zu Bücherverbrennungen, in denen Materialien der Bewegung verbrannt wurden.[4][5]

Laut der von der Partei kontrollierten offiziellen Nachrichtenagentur Xinhua sollen sich am 23. Januar 2001 auf dem Tiananmen-Platz fünf Menschen selbst verbrannt haben. Eine 36-jährige Frau kam ums Leben, ihre 12-jährige Tochter starb später im Krankenhaus.[6] Die Staatsführung behauptet, es habe sich dabei um Falun-Gong-Praktizierende gehandelt, wohingegen Falun-Gong-Praktizierende dies bestreiten und der Regierung die Inszenierung dieses Vorfalls vorwerfen, auch CNN berichtet von diesen Zweifeln von Falun Gongs. [7] Eine allerdings nachbearbeitete Videoanalyse des Vorfalls[8] zeigt, dass ein Beteiligter nicht aufgrund der Flammen zusammenbricht, sondern von einem Mann in einem Militärmantel geschlagen wird. Die International Education Development (IED) hält dieses Video für glaubwürdig. Eine Überlebende des Vorfalls, die 19-jährige Chen Guo erhob später schwere Vorwürfe gegen Falun Gong und bestätigte für einen Artikel der Regierungszeitung People's Daily die Angaben der chinesischen Regierung.[9]

Die Selbstverbrennung auf dem Tiananmen-Platz wird von der chinesischen Regierung propagandistisch aufbereitet: Es sei ein Beweis, dass die Bewegung gefährlich sei und ihre Mitglieder in den Selbstmord treiben könne. Im Ausland werden über die chinesischen Botschaften eine Vielzahl von chinesischen Vereinigungen, Politikern und Sektenbeauftragten mit Nachrichten über Falun Gong aus der Sicht der chinesischen Regierung versorgt.

Innerhalb Chinas hat Falun Gong kaum eine Möglichkeit zur Öffentlichkeitsarbeit, da die Verbreitung von Informationen über Falun Gong und über die Verfolgung hart bestraft wird. Im Ausland aber ist dagegen die Bewegung propagandistisch sehr aktiv, um die westlichen Medien auf die Verfolgung aufmerksam zu machen. So wird immer sehr stark die Friedlichkeit und Harmlosigkeit der Bewegung, vor allem aber die staatliche Verfolgung gegen die Gruppe betont. Falun-Gong-Anhänger haben viele verschiedene Webseiten aufgebaut, um ihren Standpunkt ausführlich darzustellen. In öffentlichen Web-Foren zeigt sich ebenfalls eine Aktivität von Anhängern der Bewegung. Mit der Webseite china-intern.de betreibt die Bewegung ein angeblich unabhängiges deutschsprachiges Informationsportal zu China, dessen Inhalte aber von Falun Gong gestaltet und gefärbt werden.[10]

Falun Gong nutzt den in den USA ansässigen Satellitenfernsehsender NTDTV (New Tang Dynasty TV) für die Verbreitung eigener Programme. Etwa 20 % der Sendezeit werden zur Berichterstattung über Falun Gong und verwandte Themen verwendet. Am 5. März 2003 kaperten Falum-Gong-Mitglieder Frequenzen des Kabelfernsehens in der Stadt Changchun und ersetzten das normale Programm durch Werbung für die Bewegung,[11] zuvor war am 4. März schon ein Fernsehsender in der Stadt Changdu, zum selben Zweck, besetzt worden.[12] Falun Gong hat darüber hinaus die Signale des chinesischen Satelliten Sinosat I vom 23. bis 30. Juni 2002 gestört und konnte auf diese Weise eigene Filme vollständig in ganz China aussenden.[13]

Ebenso berichtet die frei verteilte Zeitung Epoch Times im Sinne von Falun Gong und greift die KPC an. So wurden 2004 die Neun Kommentare über die Kommunistische Partei [14] veröffentlicht, in denen die Partei scharf angegriffen wird. Im Zuge dessen wird zum Austritt aufgerufen.

[Bearbeiten] Sandsturm

Falun-Gong-Anhänger haben den Propagandafilm Sandsturm (chin. 沙塵暴 / 沙尘暴, shā chén bào) produziert, in dem die Verfolgung durch das Büro 610 thematisiert wird. Hauptfigur ist der Polizist He Tian Ying (Rong Tian), der mit der Umerziehung von Falun-Gong-Praktizierenden beschäftigt ist. Eine Praktizierende (Lily Liang) widersteht trotz aller Folter und sagt ihm, dass er sich durch seine schlechten Taten nur selbst schade, da diese auf ihn selbst zurückfallen. Auch die schlechte Moral der Gesellschaft als Ganzes werde sich in einer Katastrophe äußern. Dies entspricht der Philosophie von Falun Gong.

Es kommt zu einem starken Sandsturm, in dem viele Menschen sterben. Der Polizist und seine Frau Tong Mou (Zeng Ziyu) werden in ihrer Wohnung eingeschlossen, ohne Strom, Telefon und mit wenig Nahrung und Wasser. Ihre Tochter war an der Schule und wartete darauf, abgeholt zu werden, ihr Schicksal ist ungewiss.

Während seine Frau langsam an einer Krankheit stirbt, reflektiert der Polizist über seine Taten und findet zu Falun Gong. Am Ende des Films erfährt er, dass seine Tochter von engagierten Falun-Gong-Anhängern zusammen mit vielen anderen Menschen gerettet wurde.

Sandsturm wurde auf mehreren kleineren Filmfestivals auf der ganzen Welt ausgezeichnet.[15]

[Bearbeiten] Rezeption

Hauptkritikpunkt ist der Vorwurf der chinesischen Regierung gegen Falun Gong, den Tod von mehr als tausend Anhängern mitverursacht zu haben. Grund hierfür sei die Ablehnung der Schulmedizin und die Idee, dass Leiden und Krankheiten einen Grund haben und ertragen werden müssen, um das schlechte Karma abzubauen. Einige Anhänger sollen an ihren Krankheiten gestorben sein, andere durch Schmerzen in den Suizid getrieben worden sein. Die angebliche Selbstverbrennung auf dem Tiananmen-Platz zählt als Hauptbeispiel dafür. Dieser Vorwurf wird auch teilweise von westlichen Kritikern übernommen.

Auch wirft die chinesische Regierung Falun Gong und vor allem Li Hongzhi monetäre Interessen vor. So soll er laut Angaben der chinesischen Regierung 1993 und 1994 allein 1,2 Millionen Yuan eingenommen haben.

Kirchliche Sektenbeauftragte und eine Reihe von Reportern sehen neben dem Verfolgungsaspekt gewisse problematische oder gar „sektenartige Züge“ bei der Bewegung. Kritisiert wird von verschiedenen Seiten vor allen Dingen der Anspruch auf absolute Wahrheit. Laut Falun Gong können bereits kleine Abweichungen von den Originalübungen den Effekt beeinträchtigen oder gar gefährlich umkehren.

Auf der anderen Seite wird Falun Gong durch einige westliche Organisationen unterstützt, beispielsweise von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)[16] oder Religioustolerance. Laut Angaben Falun Gongs wurde Li Hongzhi von verschiedenen Seiten für den Friedensnobelpreis nominiert. Falun Gong bekam weltweit mehr als 1200 Auszeichnungen[17] von verschiedenen Organisationen.

Das OLG Dresden entschied am 2. Mai 2005, dass es nicht zu beanstanden ist, Falun Gong als Werturteil im Rahmen der Meinungsfreiheit als Psychosekte zu bezeichnen, die ein elitäres und sektiererisches Gruppenbewusstsein entwickle. Hiergegen hatten der Deutsche Falun Dafa e.V. und ein Vereinsaktivist geklagt, mit der Begründung, der Begriff sei völlig irreführend, diffamierend und keinesfalls durch die Meinungsfreiheit gedeckt, im Urteil heißt es jedoch: „Da mithin die Behauptung, Falun Gong sei eine Psychosekte, wahr ist, ist die beanstandete Äußerung nicht rechtswidrig.[18]

[Bearbeiten] Verfolgung

Seit 1999 ist Falun Gong im Zuge der Verfolgung bestimmter religiöser Gruppen in der Volksrepublik China verboten. Falun-Gong-Anhänger leiden in der Volksrepublik China unter massiven Repressionen. Auch eine Reihe von Menschenrechtsverletzungen werden im Zusammenhang mit der Verfolgung beklagt.

In China wurden bis jetzt über 100.000 Falun-Gong-Praktizierende in Arbeitslager, Straflagern und psychiatrischen Anstalten inhaftiert. Es ist in zahlreichen Fällen von Folterungen berichtet worden. 2920 Todesfälle durch Folter sind dokumentiert, nach Schätzungen könnten es tatsächlich über 7000 Tote sein[19]. Schon bei Verdacht auf Mitgliedschaft bei Falun Gong können diese Leute ohne Gerichtsurteil bis zu drei Jahre lang in Zwangsarbeitslagern eingeliefert werden.

Die chinesische Regierung hat die Existenz von Zwangsarbeitslagern, oder „Laogai“ immer abgestritten. In den USA gibt es inzwischen die „Laogai Research Foundation“, die vom Menschenrechtsaktivisten Harry Wu gegründet wurde und die die Existenz von Arbeitslagern nicht bezweifelt.[20] Am 10. Mai 2007 verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Resolution, die das System verurteilt. [21]

Laut Falun-Gong-Angaben wird die Verfolgung über spezielle Polizeistellen organisiert, die am 10. Juni 1999 durch Anordnung von Jiang Zemin gegründet wurden. Abgeleitet von diesem Datum (auf Chinesisch/Englisch '6-10') werde diese Organisation kurz Büro 610 genannt. Leiter sei Li Lanqing und Durchführungsbeauftragter Luo Gan. Beide sind inzwischen Mitglieder des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh).

Falun-Gong-Anhänger initiieren international Unterschriftensammlungen, um eine Menschenrechtsklage gegen Jiang Zemin zu erreichen. Im Januar 2004 wurden in 12 Ländern 16 Verfahren wegen Völkermordes, Folter und Verbrechen gegen die Menschheit gegen Jiang und andere wichtige Führungspersönlichkeiten Chinas eröffnet, aufgrund der Rolle, die sie in der Verfolgung Falun Gongs gespielt haben. Auch in Deutschland wurde Jiang Zemin mittlerweile wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angezeigt. In Spanien wurde die Klage inzwischen abgewiesen.

[Bearbeiten] Vorwurf der widerrechtlichen Organentnahme

Unabhängig von Falung Gong wird der Vorwurf der unautorisierten Organentnahme von zwei Kanadiern erhoben. David Kilgour, ein ehemaliger kanadischer Staatssekretär im Außenministerium und David Matas, ein Rechtsanwalt, schließen aus der großen Anzahl in China angebotener Spendeorgane und wegen der kaum vorhandenen Bereitschaft in China sich freiwillig Organe entnehmen zu lassen, auf einen widerrechtlichen Weg zur Beschaffung dieser Organe. In zwei Berichten vom Juli 2006 bzw. Januar 2007[22][23][24] behaupten beide Autoren, dass Falun-Gong-Mitglieder gezielt – und ohne Gerichtsverfahren – verhaftet und getötet würden, um ihnen anschließend Organe zu entnehmen. Im März 2007 erschien in der österreichischen Zeitschrift "Profil" ein Interview mit dem UN-Sonderberichterstatter Manfred Nowak zu der Problematik. Nowak sagte wörtlich: „Die Vorwürfe sind so massiv, dass ich mich dazu erst dann äußern werde, wenn es wirkliche Beweise gibt. Jetzt ist jedenfalls die chinesische Regierung am Zug, die Indizienkette Punkt für Punkt durch entsprechende Fakten (z.B. die genaue Zahl der Hinrichtungen, die genaue Herkunft der transplantierten Organe) zu entkräften. Die massiven und von verschiedenen Seiten erhoben Vorwürfe einfach pauschal zurückzuweisen reicht jedenfalls nicht aus.“[25] Nowak erwähnte, dass er sich in Washington ausführlich mit dem renommierten Kritiker der chinesischen Regierung Harry Wu über diese Vorwürfe unterhalten habe, der sie für überzogen halte.

Nach einer neuen Verhaftungswelle im Jahr 2001 soll dem Bericht zufolge ein chinesischer Arzt des Krankenhaus Sujiatun in der nordwestlichen Provinz Liaoning seiner damaligen Ehefrau („Annie“) gestanden haben, in einem Krankenhaus etwa 2000 Gefangenen die Augen-Hornhaut[22] (nach anderen Berichten die Netzhaut) entfernt zu haben. Die Opfer seien getötet worden. Kritisiert wurde Kilgour, der Annie selbst interviewt hatte, von dem chinesischen Menschenrechtler Harry Wu, der den Wahrheitsgehalt anzweifelte. Kilgour warf Wu vor, nicht sorgfältig genug recherchiert zu haben.

Nach dem Berichten von Matas und Kilgour sollen zwischen 1994 und 1999 nach offiziellen Angaben 18.500 Organe verpflanzt worden sein. In den Jahren zwischen 2000 und 2005 seien es bereits 60.000 gewesen.[22] Vergleicht man diese Zahl aber anhand der Bevölkerungszahl, erscheint diese hohe Zahl nicht mehr spektakulär. Matas und Kilgour selbst geben für Kanada allein für 2004 1.773 Organtransplantationen an, was fast sechsmal so viele Transplantationen pro Einwohner in Kanada bedeutet.[24]

[Bearbeiten] Gründe für die Verfolgung

Offiziell ist der Grund für die Verfolgung, dass Falun Gong eine schädliche Sekte sei. Anhänger würden manipuliert und in den Selbstmord getrieben.

Tatsächlich ist aber damit schwerlich die außergewöhnliche Härte des Vorgehens gegen einfache Praktizierende zu erklären. Deshalb gibt es einige Spekulationen zu den Gründen für die Verfolgung. Dies sind aber nur Theorien, da die chinesische Staatsführung ihre Verfolgung nicht tiefgehend begründet.

[Bearbeiten] Historische Gründe

Bei Betrachtung der chinesischen Geschichte bietet sich eine mögliche Erklärung für das harte Vorgehen der Regierung gegen Falun Gong. In der Vergangenheit wurden immer wieder Aufstände und Unruhen durch Volksreligionen ausgelöst, obwohl diese nicht unbedingt primär politische Ziele verfolgten. Einige Kaiserdynastien wurden sogar durch solche religiösen Unruhen gestürzt. Beispiele sind Gelbe Turbane, Rote Turbane, Taiping-Aufstand und Boxeraufstand.

Nach der Machtübernahme der Kommunisten im Jahr 1949 gelang es ihnen, die Bedeutung der Sekten und Religionsbewegungen zurückzudrängen. Die Kulturrevolution, die 1966 begann und erst 10 Jahre später mit dem Tode Maos endete, markierte den Höhepunkt dieser Politik und führte zur Zerstörung zahlreicher Klöster und überwiegend dem Verbot jeglicher religiöser Praxis.

Diese wurde zu Beginn 1980er Jahre, korrespondierend mit der neuen Wirtschaftspolitik, liberalisiert, wonach religiöse Bewegungen, vor allem der Buddhismus in China, wieder erstarkten.

Als im Jahr 1999 Falun Gong Tausende Menschen zu öffentlichen Versammlungen mobilisieren konnte, schreckte dies die chinesische Staatsführung auf, und in Folge kam es zu einer stärkeren Eingrenzung dieser und anderer religiöser Bewegungen. Staatlich nicht anerkannte Religionsbewegungen werden verfolgt.

Ein Chronist dieser Entwicklungen ist etwa der Religionswissenschaftler Hubert Seiwert; siehe auch Religion in der Volksrepublik China.

[Bearbeiten] Trivia

Li Hongzhi beschreibt in einem Kapitel seines Buches Zhuan Falun, dass Wissenschaftler bei ihm einen um das 80- bis 170-fache erhöhten Ausstoß von Gammastrahlen und thermischen Neutronen messen konnten. Die Lehre von Li Hongzhi behauptet weiterhin, die Menschheit sei bereits 81mal ausgelöscht worden und jeweils von wenigen Überlebenden von der Urgesellschaft an wieder aufgebaut worden. Als Beweis führt Li Hongzhi im Zhuan Falun einen zwei Milliarden Jahre alten natürlichen Kernreaktor, den Naturreaktor Oklo, in Afrika und einen menschlichen Fußabdruck neben dem Fossil eines Trilobiten an. Die Lehre enthält als weiteren festen Bestandteil zahlreiche Artikel aus dem Bereich der Ufologie.

[Bearbeiten] Literatur

  • Li Hongzhi: Zhuan Falun (Deutsche Version), Verlag Dexheimer, ISBN 3-932273-59-1 (Zhuan Falun im Web)
  • Thomas Heberer: Falungong – Religion, Sekte oder Kult? Eine Heilsgemeinschaft als Manifestation von Modernisierungsproblemen und sozialen Entfremdungsprozessen, ISBN 3-934601-38-3 (als PDF)
  • Manuel Hörth: Die Verfolgung von Falun Gong ISBN 3-932273-85-0 (als PDF)
  • Cheris Shun-ching Chan: The FG in China: A sociological perspective. in The China Quarterly, Sept. 2004, S. 665ff
  • Hubert Seiwert: Falung Gong — Eine neue religiöse Bewegung als innenpolitischer Hauptfeind der chinesischen Regierung. In Religion—Staat—Gesellschaft, Bd. 1, 2000, S. 119-144
  • Xing Shu: Das Lebensgeheimnis nach Falun Gong, Verlag W.Ludwig, 2000, ISBN 3-7787-3881-X
  • David Ownby: Falun Gong and the Future of China, Oxford University Press, 2008, ISBN 978-0195329056

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. Der Falun-Gong-Kult
  2. Falun Gong: Sekte oder Lehre?
  3. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Zu gesund, um zu leben. Zwei Kanadier behaupten, Falun-Gong-Mitglieder würden umgebracht, um ihnen Organe zu entnehmen von Peter Sturm, FAZ Ausgabe 2. April 20076, Seite 6 oben, mittlere Spalten
  4. http://www.wsws.org/de/1999/aug1999/Falo-a11.shtml Bericht auf der World Socialist Web Site wsws.org
  5. http://www.uygur.org/de/wunn99/990729d.htm Bericht aus der TAZ auf uygur.org
  6. Artikel in Peoples Daily vom 17. Februar 2001
  7. Artikel auf CNN.com vom 24. Januar 2001
  8. Video über die Selbstverbrennung
  9. Artikel in Peoples Daily vom 10. April 2002
  10. http://de.clearharmony.net/articles/200305/9220.html
  11. http://religion.orf.at/projekt02/news/0204/ne020418_falun_fr.htm Bericht beim ORF
  12. http://religion.orf.at/projekt02/news/0204/ne020418_falun_fr.htm Bericht beim ORF
  13. Telepolis-Artikel
  14. Epoch Times Deutschland: Neun Kommentare über die Kommunistische Partei, 13. Mai 2005
  15. Auszeichnungen für den Film Sandsturm
  16. Resolution der IGFM gegen die Verfolgung von Falun Gong
  17. Auszeichnungen für Falun Gong
  18. OLG Dresden, Az: 14 U 265/05, Urteil vom 2. Mai 2005
  19. Faluninfo mit Zahlen zu Todesfällen durch Folter
  20. Webseite von der Laogai Research Foundation
  21. Deutsche Welle Bericht vom 11. Mai 2007
  22. a b c Tageszeitung Die Welt: Zwei Kanadier bezichtigen China des Mordes, Online-Version vom 30. März 2007
  23. Untersuchungsbericht zu den Anschuldigungen der Organentnahme an Falun Gong Praktizierenden in China,Der Report von David Matas und David Kilgour, 14. August 2006
  24. a b revidierte und erweiterte Fassung des Berichtes vom 31.Januar 2007
  25. Manfred Nowak, Menschenrechtsjurist und UN-Sonderberichterstatter, über seine Untersuchungen gegen die chinesische Regierung, Profil 12. März 2007
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