Personenkult – Wikipedia

Personenkult

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Caesar war der Erste, der einen ausgeprägten Personenkult verfolgte und sich deshalb auf Münzen abbilden ließ, später wurde er sogar zur Gottheit Divus Iulius erhoben.
Inszenierung des absoluten Herrschers im Staatsporträt Ludwigs XIV., was mit "Der Staat bin ich!" beschrieben wird
Stalin-Darstellung im Bolschoi-Theater bei den Revolutionsfeierlichkeiten 1947

Personenkult ist eine in religiöse Dimensionen ragende bzw. die Religion ersetzende Verehrung von lebenden Führungsfiguren im Bereich der Gesellschaft und Politik. Der Personenkult ist zu unterscheiden sowohl vom Starkult als auch von der Heiligenverehrung.

Formen des Personenkultes sind Merkmal vieler Diktaturen, er kann aber auch in demokratischen Gesellschaftssystemen entstehen. Ausgeprägten "Personenkult" gab es zum Beispiel im Römischen Reich um Gaius Iulius Caesar, der das Ende der Republik herbeiführte, indem er sich zum Alleinherrscher ausrief (siehe auch 46 v. Chr.). Der ganze Staat des absolutistischen Frankreich wird durch "Der Staat bin ich!" auf die Person Ludwig XIV. reduziert beschrieben. Zu den Personenkulten der 1920er Jahre um Benito Mussolini im Faschismus und Josef Stalin im Stalinismus kam im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges der Führerkult um Adolf Hitler im Nationalsozialismus dazu.

Geprägt wurde der Begriff historisch im Jahre 1956, drei Jahre nach Stalins Tod, durch den sowjetischen Politiker Chruschtschow durch seine Rede auf dem 20. Parteitag der KPdSU, in der er den Personenkult um Stalin und den Stalinismus verurteilte. Dazu berief sich Chruschtschow auch auf Schriften von Karl Marx, welcher bereits Tendenzen zum Personenkult in Gesellschaften kritisierte. Chruschtschow erklärte in seiner Rede hierzu[1]:

Wir haben uns mit der jetzt und zukünftig für die Partei überaus wichtigen Frage zu befassen, wie der Kult mit der Person Stalins sich allmählich entfalten konnte, dieser Kult, der in einer ganz bestimmten, konkreten Phase zur Quelle einer Reihe außerordentlich ernster und schwerwiegender Verfälschungen der Parteigrundsätze, der innerparteilichen Demokratie und der revolutionären Gesetzlichkeit wurde.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Merkmale

Merkmale von Personenkult können sein:

  • übertrieben devote Haltung aller öffentlich auftretenden Personen zum Führer
  • unkritische Rezeption aller Äußerungen der gehuldigten Person in der Öffentlichkeit
  • Verfolgung kritischer Haltungen gegenüber der gehuldigten Person, teilweise mit Gefahr für Leben und Gesundheit des Kritikers, Verhaftung oder "Verschwindenlassen" von Regimekritikern
  • übertriebene Präsenz von Bildnissen und Losungen (Huldigungen an diese Person oder Aussprüche derselben), zum Beispiel in Privathäusern, Schulen oder Betrieben, sowie in sämtlichen Medien
  • Benennung von Betrieben, öffentlichen Gebäuden, Schulen, Straßen, Plätzen, Sportstätten, Städten nach dem Führer (zum Beispiel Stalinstadt)
  • Herstellung von (bei kritischer Betrachtung oft absurden) Zusammenhängen zwischen der Person des Führers und sämtlichen Lebensbereichen.

Nach Ende der Herrschaft des Diktators setzt in der Regel eine Umkehrung ein: Umbenennungen werden rückgängig gemacht, öffentliche Bildnisse entfernt, mit dem Personenkult verbundene Schriften und Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum (Büchereien, Galerien) entfernt. Siehe auch als Beispiel: Entstalinisierung.

[Bearbeiten] Faschistische Diktaturen

Da in faschistischen Regimen das Führerprinzip von elementarer Bedeutung ist kommt es auch hier zu ausgeprägten Personenkulten, so geschehen in Italien unter Benito Mussolini, in Spanien unter Francisco Franco und in der Slowakei unter Andrej Hlinka.

[Bearbeiten] Turkmenistan unter Nyýazow

In Turkmenistan wurde um dessen 2006 verstorbenen Präsidenten Saparmyrat Nyýazow, der sich selber den Beinamen Türkmenbaşy („Führer aller Turkmenen“) gegeben hatte, ein ausgeprägter Personenkult betrieben. Nach Nyýazow wurden u.a. die Stadt Türkmenbaşy, Schulen und Flughäfen benannt, und er wird in der Nationalhymne glorifiziert. Bilder und (teilweise goldene) Statuen des Präsidenten finden sich überall in Turkmenistan.[2] Sogar die Monate und die Wochentage wurden zu Ehren von Nyýazow umbenannt. Der Monat Januar wurde in "Türkmenbaşy" umbenannt, der April nach dem Namen seiner Mutter. Das angeblich von Nyýazow verfasste Buch Ruhnama stellt für Bildungseinrichtungen in Turkmenistan eine Pflichtlektüre dar und liegt in den Moscheen neben dem Koran aus.

[Bearbeiten] Nordkorea

In Nordkorea entwickelte sich seit den 1950er Jahren ein Personenkult um den Gründer des Staates und „Ewigen Präsidenten“ Kim Il Sung. Seine Schriften, bisher 77 Bände, genießen quasi eine sakrale Verehrung, sie müssen an Schulen und Universitäten studiert und Teile davon auswendig gelernt werden. Auch Statuen und Gedenkmonumente wurden im ganzen Land aufgestellt, die den Ewigen Präsidenten verherrlichen.
Nachdem Tode Sungs 1994 wurde der Personenkult nun auf seinen Sohn Kim Jong Il übertragen, dem der Titel „Geliebter Führer“ verliehen wurde, in Anlehnung an seinem Vater, der mit „Großer Führer“ angesprochen wurde. Erstmals in der Geschichte des Marxismus-Leninismus wurde so eine Dynastie geschaffen, die eigentlich nur bei monarchischen Regimen vorkommt.

[Bearbeiten] Arabische Diktaturen

In arabischen Diktaturen wie zum Beispiel Libyen (Muammar al-Ghaddafi) ist die Bezeichnung Personenkult zumindest problematisch, da der strikte Monotheismus und das Bilderverbot des Islam einem allzu ausgeprägten Personenkult Grenzen setzen. Jedoch gab es im Irak unter der Diktatur Saddam Husseins, die aus dem nichtreligiösen Panarabismus hervorging, eine Form des Personenkultes.

[Bearbeiten] Realsozialismus

Personenkult in realsozialistischen Diktaturen meinte die Herrschaft Stalins in der Sowjetunion und davon abgeleitet in den anderen Staaten des sozialistischen Lagers (Beispiele siehe unter Stalinstadt), um Mao Zedong in der Volksrepublik China, um Bolesław Bierut in Polen, um Nicolae Ceauşescu in Rumänien und um Enver Hoxha in Albanien. In Vietnam entstand auch eine (andere) Art des Personenkultes um Ho Chi Minh.

[Bearbeiten] Kuba

Auf Kuba wird durch Fidel Castro ein wahrer Kult um dem argentinischen Revolutionär Ernesto Che Guevara betrieben. So wird in Schulen, öffentlichen Ämtern, Universitäten, usw. stets Guevara neben Castro angebracht. Dies erreichte seinen Höhepunkt als 1997 die Gebeine Guevaras von Bolivien nach Kuba überführt wurden und eigens dafür ein Mausoleum mit einer riesigen Statue in Santa Clara errichtet wurde. Unter anderem da Guevara keine lebende Person ist, ist hierbei allerdings die strikte Definition eines Personenkultes nicht erfüllt.

Aber auch um Castro selbst wird ein Personenkult betrieben, so sieht man sein Bildnis und einiger seiner politischen Grundsätze in vielen Orten an Häuserfasaden und Plakatwänden.

[Bearbeiten] Papsttum

Durch die starke Stellung des Papstes innerhalb der Katholischen Kirche entwickelte sich auch um ihn ein Personenkult, so werden Gebrauchsgegenstände wie Tassen, Gläser, CDs, T-Shirts und Christbaumkugeln mit dem Bildnis des Papstes im Vatikan zum Verkauf angeboten, besonders ausgeprägt war dies bei Johannes Paul II.. Auch im Herkunftsland Johannes Pauls II., in Polen, genießt er sakrale Verehrung, so wollte man nach dem Tod des Papstes dessen Herz dorthin überführen.

[Bearbeiten] Beispiele

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. zitiert aus: Radiobeitrag des Deutschlandfunks zur Rede von Chruschtschow
  2. vgl. Artikel zum Tod von Nyýazow, BBC, 21. Dezember 2006 (englisch)

[Bearbeiten] Literatur

  • Balázs Ápor, Jan C. Behrends u.a. (Hg.): The Leader Cult in Communist Dictatorships. Stalin and the Eastern Bloc, New York: Palgrave 2004.
  • Heidi Hein: Historische Kultforschung. In: Virtuelle Fachbibliothek Osteuropa, Digitales Handbuch zur Geschichte und Kultur Russlands und Osteuropas, Band 13

[Bearbeiten] Weblink

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