Erlebnisgesellschaft
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Achtung: Überschneidungen mit „Überflussgesellschaft“
„Erlebnisgesellschaft“ ist ein teils journalistisch-populärsoziologisch, teils wissenschaftlich-soziologisch gebrauchter Begriff, der eine auf Eudämonismus (Glückseligkeit als oberstes Lebensziel) und auf Genuss ausgerichtete gegenwartsorientierte (geduldfeindliche) Konsumgesellschaft bezeichnet, die besonders von hedonistischen Werten gekennzeichnet ist und zunehmend auf sog. Tugenden wie Solidarität, Anstrengung, Geduld und Askese verzichtet. Die Erlebnisgesellschaft muss aber nicht in Widerspruch zu den Sekundärtugenden stehen, auch sie ist von Ordnung geprägt. Teilweise kommen hier im experimentellen Sinne postmaterialistische (d.h. nicht materielle) Werte zum Tragen, die generell aber nicht auf die Überwindung der Konsumgesellschaft zielen, sondern die individualistische Ausgestaltung des eigenen Lebensstils - auch mit den Mitteln des Konsums - intendieren. "Erlebe Dein Leben" wird zum alles bestimmenden Handlungsimperativ.
Der Begriff bezeichnet also vereinfacht gesagt eine Gesellschaft, in der der Einzelne sehr egoistisch auf das Erreichen von möglichst viel Genuss konzentriert ist.
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[Bearbeiten] Herkunft
Der von Gerhard Schulze als Buchtitel gewählte Terminus „Erlebnisgesellschaft“ formuliert ein soziologisches Dauerproblem: Historisch hat es vor allem in wohlhabenden Oberschichten viele hedonistische Subkulturen gegeben.
Er geht von unterschiedlichen Erlebnismustern aus, die in unterschiedlichen Milieus dominieren. Er nähert sich diesem Phänomen indem er ein Milieumodell von 5 Milieus anwendet, die stärker über Freizeitgestaltung und gewähltem Lebensstil charakterisiert und benannt werden:
- Niveaumilieu
- Harmoniemilieu
- Selbstverwirklichungsmilieu
- Unterhaltungsmilieu
- Integrationsmilieu
[Bearbeiten] Schwierigkeit einer Theoretisierung
Es gibt nicht die eine „Erlebnisgesellschaft“, sondern in pluralistischen Gesellschaften nur Gruppen von Menschen, die in ihrem Sinne gleiche Wertvorstellungen haben (vgl. dazu auch die Ergebnisse der Sinus-Studie 2004). Als makrosoziologische Kategorie scheint sie mit dem Trend zu "Bastelbiographien" auf der mikrosoziologischen Ebene des Individuums (vgl. Ulrich Beck) verknüpft zu sein.
Das Konzept der „Erlebnisgesellschaft“ ist als eine Kombination aus der Individualisierungsthese (vgl. Risikogesellschaft) und der Wertewandel-These zu verstehen. Der neue Akzent wird hierbei durch die individuelle Erlebnissuche gegeben. Ein Konzept der „Erlebnisgesellschaft“ spricht von "Ich-verankerter – egozentrischer – Selbstverwirklichung", die kaum noch vom blanken Egoismus zu unterscheiden sei.
[Bearbeiten] Glücksuche als Glücksversprechen?
Die soziale Problematik liegt in der zunehmenden Beliebigkeit der Bedürfnisse nach Erlebnissen und in deren stets nur kurzfristigen Befriedigung. Insofern macht die Jagd nach Erlebnissen nicht unbedingt 'glücklicher', als es andere Haltungen, wie beispielsweise das Streben nach Wohlstand und die Askese vermögen.
Wegen ihrer kurzen Planungshorizonte und ihrer habituellen Ungeduld entpolitisiert sie ihre Anhänger, die zugleich auch den Anforderungen des Wirtschaftslebens voraussetzungsgemäß fremd gegenüber stehen. Religiös neigt sie zu anlassbezogener, beliebig kombinierbarer, d.h. der Mode unterworfener Esoterik (vgl.: Synkretismus). In sozialen Krisen ist eine „Erlebnisgesellschaft“ sehr verletzlich.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Die Gesellschaft des Spektakels
- Erlebnis
- Kulturpessimismus
- Spaßgesellschaft
- Überflussgesellschaft (Überschneidungen)
[Bearbeiten] Literatur
- Jörg Rössel, 2003: Die Erlebnisgesellschaft zwischen Sozialstrukturanalyse und Zeitdiagnose. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 28: 82 -101.
- Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft : Kultursoziologie der Gegenwart. Frankfurt a.M. : Campus, 1992 (Studienausgabe 2000, ISBN 3593348438)
- Christoph Köck: Sehnsucht Abenteuer : Auf den Spuren der Erlebnisgesellschaft. Berlin : Transit, 1990
- Wöhler, Karlheinz (2008). Erlebnisgesellschaft, Wertewandel, Konsumverhalten und -kultur. In: Herbrand, N. (Hrsg.): Schauplätze dreidimensionaler Markeninszenierung - Innovative Strategien und Erfolgsmodellle erlebnisorientierter Begegnungskommunikation, Stuttgart 2008, S. 3-13
[Bearbeiten] Weblinks
- Dorota Tkaczyk, Artikelsammlung „Erlebniswelten“, 2006

