Erlangen
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| Wappen | Deutschlandkarte | ||||
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| Basisdaten | |||||
| Bundesland: | Bayern | ||||
| Regierungsbezirk: | Mittelfranken | ||||
| Landkreis: | Kreisfreie Stadt | ||||
| Höhe: | 280 m ü. NN | ||||
| Fläche: | 76,9 km² | ||||
| Einwohner: | 104.650 (31. Dez. 2007) | ||||
| Bevölkerungsdichte: | 1361 Einwohner je km² | ||||
| Postleitzahlen: | 91052–91058 | ||||
| Vorwahlen: | 09131, 0911 (OT Hüttendorf), 09132 (OT Neuses), 09135 (OT Dechsendorf) |
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| Kfz-Kennzeichen: | ER | ||||
| Gemeindeschlüssel: | 09 5 62 000
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| Stadtgliederung: | 20 Ortsteile | ||||
| Adresse der Stadtverwaltung: | Rathausplatz 1 91052 Erlangen |
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| Webpräsenz: | |||||
| Oberbürgermeister: | Siegfried Balleis (CSU) | ||||
Erlangen ist eine kreisfreie Stadt im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken. Die Stadt ist Sitz des Landkreises Erlangen-Höchstadt und mit gegenwärtig über 104.000 Einwohnern die kleinste der insgesamt acht Großstädte des Freistaates Bayern.
Erlangen bildet zusammen mit den Städten Nürnberg und Fürth eines der 23 Oberzentren des Freistaates Bayern. Gemeinsam mit ihrem Umland bilden sie die Metropolregion Nürnberg, eine von elf Metropolregionen in Deutschland.
Die Einwohnerzahl der Stadt überschritt 1974 die Grenze von 100.000, wodurch Erlangen zur Großstadt wurde.
Heute wird die Stadt vor allem durch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und zahlreiche Niederlassungen des Elektrokonzerns Siemens AG geprägt. Man ist zudem bestrebt, die Bundeshauptstadt der Medizin zu werden. Ein weiter in die Geschichte zurückreichendes, aber immer noch spürbares Element ist die Ansiedlung von Hugenotten nach der Rücknahme des Edikts von Nantes im Jahre 1685.
[Bearbeiten] Geographie
Erlangen liegt am Rande des mittelfränkischen Beckens, im Wesentlichen parallel zum Fluss Regnitz und zum Main-Donau-Kanal. Nördlich der Innenstadt mündet die von Osten kommende Schwabach in die Regnitz.
[Bearbeiten] Nachbargemeinden
Folgende Gemeinden beziehungsweise gemeindefreien Gebiete grenzen an die Stadt Erlangen, sie werden im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, genannt:
Mark (gemeindefreies Gebiet), Gemeinden Möhrendorf, Bubenreuth, Marloffstein, Spardorf und Buckenhof sowie das gemeindefreie Gebiet Buckenhofer Forst (alle zum Landkreis Erlangen-Höchstadt gehörend), die kreisfreien Städte Nürnberg und Fürth, die Gemeinde Obermichelbach (Landkreis Fürth) sowie die Stadt Herzogenaurach und die Gemeinde Heßdorf (beide zum Landkreis Erlangen-Höchstadt gehörend).
[Bearbeiten] Stadtgliederung
siehe auch: Liste der Stadtteile von Erlangen
Das Stadtgebiet Erlangens wird in 20 Stadtteile eingeteilt. Dabei handelt es sich teilweise um ehemals selbständige Gemeinden, andererseits auch um neue Siedlungen, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Zeit als Stadtteilnamen eingeprägt haben. Oft sind die Stadtteilgrenzen daher amtlich nicht festgelegt worden und die Grenzen durchaus auch fließend.
Für statistische Zwecke ist das Stadtgebiet in 39 statistische Bezirke unterteilt, die sich teilweise mit den Stadtteilen decken. Die Grenzen dieser Bezirke sind im Unterschied zu denen der Stadtteile genau definiert.
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Die Bezirke werden als kleinste räumliche Einheiten für statistische Auswertungen herangezogen. So wurde von der Stadtverwaltung für jeden Bezirk ein Datenblatt über dessen Bevölkerungsstruktur angelegt, das Informationen zu Bevölkerungsanzahl, Geschlecht, Nationalität, Familienstand, Religionszugehörigkeit, Altersgruppen, Haushaltsgröße, Haushaltstyp sowie Arbeitslosigkeit enthält.
Grundbuch- und vermessungsrechtlich relevant sind jedoch weder die Stadtteile noch die Bezirke, sondern nur die Gemarkungen. Die Stadt Erlangen besteht aus den folgenden Gemarkungen:
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In den 1967 und 1972 im Rahmen der Gemeindereform nach Erlangen eingemeindeten Orten (Groß-)Dechsendorf, Eltersdorf, Frauenaurach (mit Neuses, Hüttendorf, Kosbach (mit Häusling und Steudach), Kriegenbrunn und Tennenlohe wurde jeweils ein Ortsbeirat eingerichtet. Die Zahl der Mitglieder des Ortsbeirats richtet sich nach der Einwohnerzahl des Stadtteils und bewegt sich zwischen fünf und sieben. Die Ortsbeiräte wählen aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden. Die Ortsbeiräte sind zu wichtigen, den Stadtteil betreffenden Angelegenheiten, zu hören.
[Bearbeiten] Klima
Erlangen befindet sich in einer Übergangszone von maritimem zu kontinentalem Klima: sie ist zwar, wie bei kontinentalem Klima üblich, verhältnismäßig arm an Niederschlägen (Jahresmenge 650 mm), jedoch mit einem Jahresmittel von 8,5 °C relativ warm. Insbesondere der Burgberg schützt das Gebiet der Kernstadt vor kalter Polarluft. Dagegen sorgt der Regnitzgrund für häufigen Nebel.
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Allgemeine Geschichte der Stadt
[Bearbeiten] Frühgeschichte
Das Regnitztal wurde schon in der Frühgeschichte als Durchgangsweg in Nord-Süd-Richtung genutzt. Aufgrund der relativ kargen Böden kam es jedoch kaum zu einem frühen Ackerbau und den damit verbundenen Siedlungsaktivitäten. Die wenigen archäologischen Funde deuten an, dass eine stärkere Besiedlung der Raumes um Erlangen erst ca. 2000 v. Chr. einsetzte. Der bekannteste Fund ist der 1913 entdeckte Grabhügel nördlich von Kosbach, in dem eine große Anzahl von Bronze- und Keramikobjekten gefunden wurden und dessen Steinsetzung als Kosbacher Altar in die Literatur einging. Insgesamt blieb der gesamte Raum jedoch bis etwa zum Jahr 1000 vergleichsweise siedlungsleer.
[Bearbeiten] Von der Villa Erlangon bis zum Dreißigjährigen Krieg
Die früheste namentliche Erwähnung Erlangens finden wir in einer Urkunde aus dem Jahre 1002.
Bereits 976 hatte Kaiser Otto II. die Kirche St. Martin in Forchheim samt Zubehör an das Bistum Würzburg geschenkt. Der spätere Kaiser Heinrich II. bestätigt 1002 diese Schenkung. Anders als bei Ottos Schenkung wird in Heinrichs Urkunde dieses Zubehör wesentlich detaillierter aufgeführt. Darunter findet sich auch eine „villa (Dorf) erlangon“. Neben der Bestätigung der Schenkung aus dem Jahre 976 schenkt Heinrich jetzt noch zusätzlich zwei Meilenquadrate unmittelbar östlich der Regnitz, je eines südlich und nördlich der Schwabach, die also jenes Gebiet umfassen, in dem heute die ältesten Teile der Erlanger Altstadt liegen.
Eine eingehende Untersuchung der Urkunde Heinrichs II. [1] schließt daraus, dass jene villa erlangon räumlich getrennt von dem Gebiet der Meilenquadrate gelegen haben muss, weil diese ja Gegenstand einer neuen, gesonderten Schenkung sind. Da es den Ortsnamen „Erlangen“ in Deutschland mit Ausnahme des westlich der Regnitz gelegenen und heute eingemeindeten Dorfes Alt-Erlangen kein zweites Mal gibt, liegt es daher nahe, dass aus der villa erlangon das „andere“ Erlangen, also das heutige Alterlangen hervorgegangen ist.
Größe und Umfang der beiden Meilenquadrate entsprechen etwa dem Flächenbedarf eines Dorfes und stützen so die Annahme, dass im Zeitpunkt der Beurkundung östlich der Regnitz eine Rodungssiedlung im Entstehen war, die durch diese Schenkung legitimiert worden ist und die später – wie auch in vergleichbaren Fällen [2] – den Namen der Muttersiedlung übernommen hat. Die neue Siedlung entstand auf der nach Westen vorgeschobenenen, hochwasserfreien Sanddüne in einem Dreieck, das heute von Hauptstraße, Schulstraße und Lazarettstraße eingefasst wird. Die Herkunft des Ortsnamens „Erlangen“ liegt im Dunkeln. Versuche, hauptsächlich von der Lokalforschung, den Namen von Erlen (Baumart) und Anger (Wiesengrund) abzuleiten, halten der Ortsnamensforschung nicht stand.[3]
Insbesondere der Aufstieg Nürnbergs zu einer europäischen Handelsmetropole und der damit verbundene Anstieg von Verkehr und Handel begünstigte die Entwicklung vor allem der neuen Siedlung, die ab 1348 Großenerlang genannt wurde. Im Gegensatz dazu stagnierte das ursprüngliche Dorf Erlangon und wurde konsequenterweise ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts Alterlang, Kleinerlang oder Wenigenerlang genannt.
1361 erwarb Kaiser Karl IV. die Siedlung Großenerlang (nicht aber die ursprüngliche Siedlung Alterlang) vom Bischof von Bamberg und machte es zum Lehen des Königreichs Böhmen. 1374 erhielt der Ort durch König Wenzel Marktrechte sowie eine eigene Münzstätte, 1398 das Stadtrecht. Wahrscheinlich bald nach 1361 erbaute der neue Landesherr für die Verwaltung des erworbenen Besitzes in den Regnitzwiesen westlich des Ortes eine Burg, auf der ein Amtmann residierte. Diese Burg wurde im Dreißigjährigen Krieg (1632) zerstört. Im 18. Jahrhundert hausten in der Ruine vorwiegend arme Leute. Als ab 1770 die Grundmauern nach und nach einstürzten, wurde die Burg geräumt, die Reste wurden 1782 abgetragen. Ihre genaue Lage war nicht mehr bekannt. Völlig überraschend stieß man im November 1981 bei Ausschachtungsarbeiten auf die Fundamente und den Brunnen dieser Burg. Sie stand auf den heute bebauten Grundstücken zwischen Fuchsengarten und Martinsbühler Straße. [4]
1402 gelangte die Stadt als Teil des Fürstentums Kulmbach (bzw. nach 1604 Fürstentum Bayreuth) an die Hohenzollern. Erlangen war die Hauptstadt des so genannten Unterlandes des Fürstentums, das die Gebiete bis nach Neustadt an der Aisch umfasste und vom Oberland um Bayreuth durch einen Landkorridor getrennt war.
1528 erfolgte der friedliche Anschluss des gesamten Markgrafentums einschließlich Erlangens an die Reformation. Weniger friedlich waren die immer wieder vorkommenden kriegerischen Ereignisse, so der Hussiteneinfall im Jahre 1430, der Erste und der Zweite Markgrafenkrieg 1449 bzw. 1553 sowie vor allem der Dreißigjährige Krieg, in dem Erlangen fast vollständig zerstört wurde.
[Bearbeiten] Die Gründung der Neustadt 1686
Nach dem Dreißigjährigen Krieg verödete Erlangen. Fast 20 Jahre lang war die Stadt und ihr Umland praktisch unbewohnt. Die Situation änderte sich erst 1685, als der französische König Ludwig XIV. das Edikt von Nantes widerrief, welches seinen calvinistischen Untertanen – von ihren Gegnern Hugenotten genannt – u. a. Glaubensfreiheit zugestand. Der Widerruf löste eine Flüchtlingswelle von ca. 400.000 Hugenotten nach Nordamerika, Großbritannien, der Schweiz und in das Deutsche Reich aus.
Diese Situation nutzte Markgraf Christian Ernst und bot den Flüchtlingen das Recht auf Ansiedlung in Erlangen, um die Wirtschaft in seinem durch den Dreißigjährigen Krieg gebeutelten Herrschaftsgebiet wieder anzukurbeln. Die ersten sechs Hugenotten erreichten Erlangen am 17. Mai 1686, etwa 1500 folgten in mehreren Wellen. Schon bald wurde klar, dass das kleine Dorf Erlangen diese Massen nicht unterbringen konnte und eine neue Siedlung notwendig war.
Als Standort der Neustadt genannten Siedlung wurde das Gebiet südlich des bisherigen Ortes Erlangen gewählt, welches aus verkehrstechnischer Sicht und wegen des Vorhandenseins von Wasserkraft durch die Regnitz als sehr geeignet erschien. Die neue Stadt wurde von dem markgräflichen Oberbaumeister Johann Moritz Richter nach den Gesichtspunkten einer idealen barocken Planstadt für etwa 7500 Familien samt Manufakturen und einer eigenen Kirche angelegt. Der Entwurf sah einen rechteckigen Grundriss symmetrisch zur Hauptstraße sowie zwei große Plätze vor. Der Bau begann am 14. Juli 1686 mit dem temple, der Hugenottenkirche. Im ersten Jahr wurden etwa 50 der geplanten 200 Häuser fertiggestellt. Da der Zuzug der Hugenotten nicht den Erwartungen entsprach, stagnierte der weitere Ausbau jedoch und erhielt erst 1700 durch den Beschluss, ein markgräfliches Schloss mit zugehörigem Park und Nebengebäuden zu errichten, neue Impulse. 1706 vernichtete ein Großbrand fast das gesamte ursprüngliche Erlangen, nun Altstadt genannt. Damit ergab sich die Gelegenheit, den barocken Entwurf der Neustadt auf die Altstadt auszudehnen und somit ein einheitliches städtebauliches Gesamtkonzept zu schaffen. Mitte des 18. Jahrhunderts war dieses im Wesentlichen abgeschlossen.
Die ab 1701 nach seinem Gründer Christian-Erlang bezeichnete Neustadt wurde nicht nur zum Ziel der Hugenotten, sondern auch der Lutheraner und Deutsch-Reformierten. 1698 lebten etwa 1000 Hugenotten sowie 317 Deutsche in Erlangen. Aufgrund dieser Zuwanderung wurden die Hugenotten jedoch bald zu einer französisch sprechenden Minderheit in einer deutschen Stadt. Zu einer echten Integration kam es jedoch erst 1715, als mit dem Tod Ludwigs XIV. eine Rückkehr nach Frankreich endgültig unmöglich wurde und die Flüchtlingsmentalität sich in eine Einwanderermentalität wandelte. Der französische Einfluss nahm in der Folgezeit weiter ab. So wurde 1822 zum letzten Mal ein Gottesdienst in der Hugenottenkirche in französischer Sprache gehalten.
[Bearbeiten] Erlangen im Königreich Bayern
1792 gelangte Erlangen mit der Markgrafschaft zum Königreich Preußen, 1806 durch den Sieg Napoleons unter französische Herrschaft und 1810 an das Königreich Bayern. 1812 wurden Altstadt und Neustadt – bis dahin weiterhin Christian-Erlang genannt – zu einer Stadt vereinigt, die den Namen Erlangen erhielt. In der Folgezeit kam es zu einem raschen Ausbau von Stadt und Infrastruktur. Vor allem die Eröffnung des Ludwig-Kanals und der Eisenbahnverbindungen sowie die Garnison und die Universität gaben der Stadtentwicklung wichtige Impulse.
Bereits bei der bayerischen Gemeindeform von 1818 erhielt die Stadt eine eigene Verwaltung, was man später als „kreisfrei“ bezeichnete. 1862 wurde das Bezirksamt Erlangen gebildet, aus dem der Landkreis Erlangen hervorging.
[Bearbeiten] Weimarer Republik
Hochinflation, Reparationszahlungen und Weltwirtschaftskrise bescherten den demokratiefeindlichen Parteien NSDAP, DNVP und KPD nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg auch in Erlangen einen starken Zulauf. Es etablierte sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, die durch Industrieansiedlungen noch verstärkt wurde. Bei den Stadtrats-, Landtags- und Reichstagswahlen konnte die SPD zunächst eine relativ stabile Mehrheit um 40 % halten. Demgegenüber standen die Parteien der Mitte und der Rechten, deren Anhänger aus dem Mittelstand, der Universität, des Beamtentums und der Frauen kamen. Die NSDAP war ab 1924 im Stadtrat vertreten. Sie beherrschte ab 1929 als erste innerhalb der deutschen Hochschullandschaft die Studentenvertretung der Universität. Diese war zu dieser Zeit ein Zentrum nationalistischer und antidemokratischer Gesinnung, viele Studenten und Professoren wurden geistige Wegbereiter des Nationalsozialismus.
Ab 1930 eskalierte die politische Situation, angefacht durch die von der Weltwirtschaftskrise ausgelöste Massenarbeitslosigkeit. Es kam zu Aufmärschen und Straßenkämpfen der rechten und linken Verbände. Trotz des starken Zulaufs der NSDAP konnte die SPD bei der Reichstagswahl 1933 34 % der Stimmen gewinnen (reichsweit: 18,3 %).
[Bearbeiten] Nationalsozialismus
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten kam es auch in Erlangen zu Boykotten jüdischer Geschäfte und zur Bücherverbrennung. Der NSDAP-Stadtrat ernannte Hitler, Hindenburg und Streicher zu Ehrenbürgern, die Hauptstraße wurde in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. In der Reichspogromnacht wurden die jüdischen Familien misshandelt, erniedrigt, ausgeplündert und in der Folge in die Konzentrationslager eingewiesen. 1944 wurde die Stadt als "judenfrei" deklariert.
Die akademische Gemeinschaft unterstützte zum großen Teil die Politik der NSDAP, einen aktiven Widerstand der Universität gab es nicht. In der Heil- und Pflegeanstalt (heute Klinikum am Europakanal) kam es zu Zwangssterilisationen sowie Selektionen von Kranken für die nationalsozialistische „Euthanasie“, die Aktion T4.
Ab 1940 wurden Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in den Erlanger Betrieben eingesetzt. 1944 machten diese bereits 10 % der Erlanger Bevölkerung aus. Die Unterbringung in Barackenlagern sowie die Behandlung waren menschenverachtend.
[Bearbeiten] Erlangen nach dem Zweiten Weltkrieg
Den Zweiten Weltkrieg überstand Erlangen fast unversehrt. Beim Anrücken der überlegenen amerikanischen Truppen am 16. April 1945 übergab der örtliche Kommandant der deutschen Truppen, Oberstleutnant Werner Lorleberg, die Stadt kampflos und vermied so einen ebenso aussichtslosen wie verlustreichen Häuserkampf im Stadtgebiet. Lorleberg selbst, der bis zuletzt als Anhänger des nationalsozialistischen Regimes galt, kam am selben Tag bei der Thalermühle ums Leben. Ob er von deutschen Soldaten erschossen wurde, als er eine versprengte Kampfgruppe zur Aufgabe bewegen wollte, oder ob er dort nach Überbringung der Kapitulationsnachricht Selbstmord beging, ist nicht abschließend geklärt. An ihn erinnert in Erlangen der nach ihm benannte Lorlebergplatz. Der kleine Vermerk über Lorleberg, der an dem Straßenschild angebracht ist, weist allerdings auf dessen „Opfertod“ hin, der Erlangen vor der Vernichtung bewahrt habe.
Nach der Übergabe der Stadt beschädigten zunächst amerikanische Panzer das letzte erhaltene Stadttor (das 1717 erbaute Nürnberger Tor) schwer, kurz darauf wurde es gesprengt. Das geschah wohl auch auf Betreiben von in der Hauptstraße ansässigen Geschäftsinhabern, die ebenso wie die durchziehenden amerikanischen Truppen das barocke Tor wegen seiner relativ schmalen Durchfahrt als Verkehrshindernis empfanden. Die anderen Stadttore waren bereits im 19. Jahrhundert abgerissen worden.
Bei der Kreis- und Gebietsreform 1972 wurde der Landkreis Erlangen mit dem Landkreis Höchstadt an der Aisch vereinigt. Erlangen selbst blieb kreisfreie Stadt und wurde Sitz des neuen Landkreises. Durch Eingliederung von Umlandgemeinden wurde die Stadt erheblich vergrößert, so dass sie im Jahre 1974 die 100.000-Einwohner-Grenze überschritt und damit zur Großstadt wurde. Im Jahr 2002 feierte Erlangen sein 1000-jähriges Bestehen.
[Bearbeiten] Die Geschichte der Erlanger Garnison
Bis in das 18. Jahrhundert wurden die Soldaten des Markgrafen bei Einsätzen im Erlanger Raum bei Privatleuten einquartiert. Nach dem Übergang in das Königreich Bayern 1810 bemühte die Stadt sich vor allem aus wirtschaftlichen Gründen mehrfach um die Einrichtung einer Garnison, zunächst jedoch ohne Erfolg. Als 1886 die allgemeine Wehrpflicht mit der Option eingeführt wurde, gleichzeitig Militärdienst zu leisten und studieren zu können, wurde die Garnison zu einem lebenswichtigen Standortfaktor für die Stadt und vor allem für die Universität. Ein erneutes Gesuch hatte Erfolg, so dass am 12. März 1886 das 6. Jägerbataillon in Erlangen einzog. Die Bayerische Armee war in verschiedenen städtischen Gebäuden untergebracht und nutzte u. a. den heutigen Theaterplatz für ihre Übungen. Zudem wurde im Meilwald ein Schießstand eingerichtet.
Im Jahre 1877 wurde in der Bismarckstraße die erste Kaserne („Jägerkaserne“) fertiggestellt. Ein Jahre später wurde das Jägerbatallion durch ein Infanteriebataillon abgelöst. Im Jahre 1890 kam es zur Stationierung des gesamten 19. Infanterieregimentes, welche den Bau der Infanteriekaserne sowie des Exerzierplatzes nach sich zog. 1893 wurde in der Nordwestecke des Exerzierplatzes ein „Barackenkasernement“ eingerichtet und ab 1897 als Garnisonslazarett genutzt. Als letztes zog 1890 das 10. Feldartillerieregiment in die Stadt, für das die Artilleriekaserne errichtet wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt ca. 24.600 Einwohner, 1.160 Studenten sowie nun insgesamt 2.200 Soldaten, denen die Bevölkerung vor allem nach den militärischen Erfolgen 1870/71 gegen Frankreich eine hohe Wertschätzung entgegenbrachte.
Im Ersten Weltkrieg kämpften beide Erlanger Regimenter an der Front, wobei über 3.000 Soldaten ihr Leben verloren. Nach dem Krieg behielt Erlangen seinen Status als Garnisonsstadt. Da der Vertrag von Versailles eine Reduzierung des Heeres auf 100.000 Soldaten vorschrieb, verblieben jedoch nur kleinere Einheiten der neu gegründeten Reichswehr in der Stadt.
Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 sowie die folgende Wiederaufrüstung führten auch in Erlangen zu einer massiven Erweiterung der militärischen Anlagen. So wurden die Rheinlandkaserne, die Panzerkaserne, ein Verpflegungsamt, ein Munitions- und Gerätelager sowie ein Standortübungsplatz im Reichswald bei Tennenlohe errichtet.
Der Einmarsch der US-Armee am 16. April 1945 bedeutete für Erlangen nicht nur das Ende des Zweiten Weltkrieges, sondern auch das Ende als Standort für heimische Truppen. Stattdessen bezogen nun US-amerikanische Verbände die unzerstört geblieben Militäreinrichtungen, die in den Folgejahren sogar noch beträchtlich erweitert wurden: Der Kasernenbereich wurde auf 128 Hektar ausgedehnt, der Wohnbereich für die Soldaten und ihre Angehörigen auf 8,5 Hektar und der Übungsplatz in Tennenlohe auf 3.240 Hektar. Im Durchschnitt waren in den 1980er Jahren etwa 2.500 Soldaten sowie 1.500 Angehörige in Erlangen stationiert.
Die Erlanger Bevölkerung begegnete der Anwesenheit der Amerikaner von Anfang an mit gemischten Gefühlen. Zwar begrüßte man deren Schutzfunktion sowie die mit der Stationierung verbundenen Arbeitsplätze, doch waren die häufigen Konflikte der Soldaten mit der Zivilbevölkerung sowie die zahlreichen Manöver ein ständiger Stein des Anstoßes. Zu ersten offenen Protesten kam es während des Vietnamkrieges. Diese richteten sich gegen das Übungsgelände und den Schießplatz in Tennenlohe, wo auch Atomwaffen vermutet wurden, sowie gegen die Munitionsbunker im Reichswald. Helmut Horneber, der für das amerikanische Übungsgelände lange Jahre als Forstdirektor zuständig gewesen war, wies 1993 darauf hin, wie vorbildlich die amerikanischen Truppen die Waldflächen geschützt hätten. [5]
Aufgrund der zahlreichen Probleme gab es bereits Mitte der 1980er Jahre Überlegungen, die Garnison aus dem Stadtbereich zu verlagern. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze 1989 verdichteten sich die Anzeichen eines bevorstehenden Abzugs. 1991 wurden die in Erlangen stationierten Truppen zum Einsatz in den Golfkrieg abkommandiert. Nach dessen Ende begann die Auflösung des Standortes, die bis Juli 1993 vollzogen war. Am 28. Juni 1994 wurden die Liegenschaften offiziell dem Bund übergeben. Damit endete die 126-jährige Geschichte Erlangens als Garnisonsstadt.
[Bearbeiten] Die Geschichte der Erlanger Universität
Das zweite für die Entwicklung Erlangens entscheidende Ereignis war, neben der Gründung der Neustadt, die Gründung der Universität. Bereits zu Zeiten der Reformation existierten dazu entsprechende Pläne, doch erst 1742 stiftete Markgraf Friedrich von Brandenburg Bayreuth eine Universität für die Residenzstadt Bayreuth, die bereits 1743 nach Erlangen verlegt wurde. Die mit bescheidenen Mitteln ausgestattete Einrichtung fand zunächst keinen rechten Anklang. Erst als Markgraf Karl Alexander von Brandenburg Ansbach und Bayreuth sie auf eine breitere wirtschaftliche Basis stellte, erhöhte sich die Studentenzahl langsam. Dennoch blieb sie unter 200 und sank bei der Eingliederung des Markgrafentums in das Königreich Bayern auf ca. 80 ab. Die drohende Schließung wurde nur deswegen abgewendet, weil Erlangen die einzige lutherische theologische Fakultät des Königreiches besaß.
Der Aufschwung kam wie bei den anderen deutschen Universitäten zu Beginn der 1880er Jahre. Die Studentenzahlen stiegen von 344 im Jahr 1870 auf 1000 im Jahr 1890. Lagen in den Anfangsjahren die Jurastudenten vorn, so war zu Beginn der bayrischen Zeit die Theologische Fakultät am beliebtesten. Diese wurde erst 1890 von der Medizinischen Fakultät überholt. Die Zahl der ordentlichen Professoren stieg von 20 im Jahre 1796 auf 42 im Jahre 1900, von denen fast die Hälfte von der Philosophischen Fakultät angestellt waren, zu der auch die Naturwissenschaften zählten. Diese bildeten erst ab 1928 eine eigene Fakultät. Heute gibt es über 26000 Studenten, 268 Lehrstühle und 264 Professuren an 11 Fakultäten (Stand Wintersemester 2006/2007).
1897 wurden die ersten Frauen zum Studium zugelassen, die erste Promotion einer Frau fand 1904 statt. Nach ihrem Gründer Markgraf Friedrich und nach ihrem Förderer Markgraf Alexander erhielt die Universität den Namen Friedrich-Alexander-Universität.
1818 gelangte das markgräfliche Schloss mit dem Schlossgarten in den Besitz der Universität. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde an den Rändern des Schlossgarten mehrere größere Universitätsgebäude errichtet, so das Kollegienhaus sowie das Universitätskrankenhaus.
Die Weltkriege überstand die Universität vergleichsweise unbeschadet, doch führte die von der amerikanischen Besatzungsmacht angeordnete Entnazifizierung zur Amtsenthebung zahlreicher Hochschullehrer. Die entstandenen Lücken wurden u. a. durch Aufnahme von Professoren aus den ehemaligen Ostgebieten geschlossen, was zu einem Wechsel von einem überwiegend protestantischen Lehrkörper zu einem mehrheitlich katholischen führte.
Die Nachkriegszeit führte zu einer weiteren Expansion, nicht nur der Studentenzahlen, sondern auch der Lehrstühle. Vor allem die Zusammenarbeit mit der nach Erlangen zugezogenen Siemens AG gab dem weiteren Ausbau entscheidende Impulse und führte u. a. zum Bau des Südgeländes für die technischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten. 1961 wurde die Hindenburg-Hochschule Nürnberg als Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät und 1972 die Pädagogische Hochschule als Erziehungswissenschaftliche Fakultat integriert. Der Name der Universität wurde daraufhin in „Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg“ geändert.
Die Studentenrevolte der 60er-Jahre kam mit leichter Verspätung und deutlich abgeschwächt nach Erlangen.
[Bearbeiten] Eingemeindungen
Ehemals selbständige Gemeinden und Gemarkungen, die in die Stadt Erlangen eingegliedert wurden:
- 1. April 1920: Alterlangen (Gemeinde Kosbach)
- 1. August 1923: Büchenbach[6] und Weiler Neumühle
- 15. September 1924: Bruck
- 1960: Teile von Eltersdorf
- 1. Januar 1967: Kosbach inklusive Häusling und Steudach
- 1. Juli 1972: Eltersdorf, Frauenaurach, Großdechsendorf, Hüttendorf, Kriegenbrunn, Tennenlohe
- 1. Juli 1977: Königsmühle (Stadt Fürth)
Vor allem die Eingemeindungen im Jahre 1972 haben wesentlich dazu beigetragen, dass Erlangen 1974 die 100.000-Einwohner-Grenze überschritt und damit offiziell Großstadt wurde.
[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung
Im Mittelalter und am Beginn der Neuzeit lebten nur wenige Hundert Menschen in Erlangen. Durch zahlreiche Kriege, Seuchen und Hungersnöte stieg die Einwohnerzahl nur langsam. Infolge der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg verödete der Ort 1634 vollständig. Erst 1655 lebten mit 500 Einwohnern in Erlangen wieder so viele wie vor dem Krieg. Bis 1760 stieg die Bevölkerung auf über 8000. Durch die Hungersnöte 1770 bis 1772 sank die Bevölkerung bis 1774 auf 7724. Nach einem Anstieg bis 1800 auf 10.000 Personen ging die Einwohnerzahl Erlangens infolge der napoleonischen Kriege bis 1812 auf 8592 zurück.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts verdoppelte sich diese Zahl bis 1890 auf 17.559. Auf Grund zahlreicher Eingemeindungen stieg die Bevölkerung der Stadt bis 1925 auf 30.000 und verdoppelte sich bis 1956 auf 60.000. Durch die Kreis- und Gebietsreform 1972 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt 1974 die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand.[7] Bis 1820 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
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¹ Volkszählungsergebnis
[Bearbeiten] Religionen
[Bearbeiten] Protestantische Kirchen
Die Bevölkerung Erlangens gehörte anfangs zum Bistum Würzburg, ab 1017 zum Bistum Bamberg. 1528 wurde von Bürgermeister und Rat der erste lutherische Pfarrer verpflichtet und damit die Reformation eingeführt, so dass Erlangen über viele Jahre eine protestantische Stadt blieb. In der 1686 von Markgraf Christian-Ernst für die französischen Glaubensflüchtlinge gegründeten Neustadt gab es nur reformierte Gemeinden. Die französisch-reformierte Gemeinde gab es ab 1686 und nach der Ansiedlung von reformierten Flüchtlingen aus der deutschsprachigen Schweiz und der Pfalz wurde 1693 auch eine deutsch-reformierte Gemeinde gegründet.
1802 wurden die protestantischen Gemeinden Erlangens dem königlich-preußischen Konsistorium in Ansbach unterstellt und nach dem Übergang der Stadt an Bayern wurden sie Teil der Protestantischen Kirche des Königreichs Bayern, die zunächst lutherische und reformierte Gemeinden umfasste. Gleichzeitig wurde Erlangen Sitz eines Dekanats, das alle Gemeinden unter sich vereinigte.
1853 erhielten die reformierten Gemeinden Bayerns eine eigene Synode und 1919 trennten sie sich formell von der Protestantischen Kirche Bayerns. Seither gab es in Bayern zwei protestantische Landeskirchen, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die „Reformierte Synode in Bayern rechts des Rheins“, die sich seit 1949 „Evangelisch-reformierte Kirche in Bayern“ nannte. Letztere hatte in Erlangen über viele Jahre den Sitz ihres Moderamens. Durch die Vereinigung der deutsch-reformierten und der ehemals französisch-reformierten Gemeinde gab es seit 1920 in Erlangen nur noch eine reformierte Gemeinde, aber mehrere lutherische Gemeinden. Die lutherischen Gemeinden gehören heute noch zum Dekanat Erlangen, das als Dekanat für beide Konfessionen gegründet worden war und seit 1919 nur noch die lutherischen Gemeinden betreut. Es ist Teil des Kirchenkreises Nürnberg.
Die reformierte Gemeinde Erlangen ist inzwischen Teil der Evangelisch-reformierten Kirche – Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland. Hier gehört sie zum Synodalverband XI.
Als besondere Gemeindeformen existieren in der lutherischen Kirche die Landeskirchlichen Gemeinschaften mit eigenen Gottesdiensten und Angeboten. Seit 1993 gibt es die ELIA Gemeinde. Diese entstand aus einem Konflikt in der Gemeinde in Bruck um die Charismatische Bewegung. Zunächst stand das Kürzel ELIA für „Erlanger Laien im Aufbruch“, heute deutet die Gemeinde ELIA als „Engagiert, Lebensnah, Innovativ, Ansteckend“. Die Gemeinde ist durch eine Vereinbarung an die Landeskirche gebunden, finanziert und organisiert sich aber wie die Gemeinschaften selbst. Für das Gottesdienstprojekt LebensArt wurde ELIA 2002 beim Förderpreis „Fantasie des Glaubens“ von der EKD ausgezeichnet. Die Veranstaltungen finden im Gemeindehaus am Bohlenplatz statt.
Neben den historischen Konfessionen gibt es in Erlangen seit Jahrzehnten eine Freie Evangelische Gemeinde am Fuchsengarten und die Evangelisch-freikirchliche Gemeinde (Baptisten) an der Äußeren Brucker Straße. 1984 entstand in Tennenlohe die „Gemeinde am Wetterkreuz“ die dem Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden und damit im weiteren Sinne der Pfingstbewegung angehört. Zur „Gemeinde am Wetterkreuz“ gehört der Erlanger Stamm der christlichen Pfadfinderschaft „Royal Rangers“.
[Bearbeiten] Katholiken
Seit dem 18. Jahrhundert gab es in Erlangen auch wieder Katholiken (ab 1711 „Religions- und Gewissensfreiheit“, jedoch ohne eigene Gottesdienste). Die erste katholische Messe wurde 1784 im Altstädter Rathaus abgehalten. Ab 1786 bestand ein Kurat und 1787–1790 wurde das Bethaus Mater dolorosa erbaut. 1813 wurde die erste Pfarrei errichtet, die ab 1826 zum Dekanat Herzogenaurach gehörte. Weitere Pfarreien wurden errichtet. Sie alle gehören zum Bistum Bamberg. 1937 wurde Erlangen Sitz eines Dekanats innerhalb der Erzdiözese Bamberg.
Durch Eingemeindungen von überwiegend katholischen Umlandgemeinden wie z. B. Büchenbach haben sich die Anzahl der Protestanten und der Katholiken angeglichen, so dass heute nur noch ein leichtes Übergewicht zu Gunsten der Protestanten besteht. Die Eingemeindungen dieser katholischen Gemeinden gingen nicht immer ganz spannungsfrei vor sich.
[Bearbeiten] Judentum
1408 wurden erstmals Juden urkundlich in Erlangen erwähnt, 1478 auch ein Rabbi. Am 26. März 1515 beschloss der markgräfliche Landtag die Ausweisung der Juden. Dies hat vermutlich auch die Existenz der Erlanger jüdischen Gemeinde beendet. Den hugenottischen Einwohnern der Neustadt sicherte Markgraf Christian Ernst 1711 ein Niederlassungs- und Gewerbeverbot für Juden zu. Daher blieb das jüdische Leben auf Erlangens Nachbargemeinden Bruck, Baiersdorf und Büchenbach beschränkt.
- In Bruck lebten seit 1431 Juden, 1604 wird ein „Judenhaus“ erwähnt, das wohl als Synagoge für die noch kleine jüdische Gemeinde von sechs Familien (1619) diente. Nachdem diese aber rasch auf 37 Familien (1763) anwuchs, wurde bereits 1707 eine neue Synagoge errichtet. 1811 zählte die Gemeinde 184 Einwohner (ca. 15 % der damaligen Bevölkerung), 1859 waren es noch 108.
- In Baiersdorf erfolgte die erste urkundliche Erwähnung einer jüdischen Gemeinde 1473. Deren Bestand wird aber bereits für eine frühere Zeit vermutet, insbesondere weil die ältesten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof ins frühe 14. Jahrhundert datiert werden. Dieser Friedhof hatte einen weiten Einzugsbereich bis nach Forchheim und Fürth. Bereits 1530 bestand eine Synagoge, obwohl nach der 1515 beschlossenen Vertreibung der Juden aus der Markgrafschaft nur noch eine jüdische Familie in Baiersdorf lebte. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde die Synagoge 1651 wieder errichtet, die Gemeinde war von neun Familien 1619 auf 83 Familien 1771 angewachsen. Als zweitgrößte jüdische Gemeinde im Markgraftum Brandenburg-Bayreuth war hier auch Sitz des Landesrabbinats. 1827 erreichte die jüdische Gemeinde mit 440 Mitgliedern (30 % der Bevölkerung) ihre größte Mitgliederzahl.
- In Büchenbach gestattete der Bamberger Dompropst 1681 Juden die Niederlassung. Es entstand eine jüdische Gemeinde, die 1811 74 Mitglieder zählte und 1813 eine Synagoge errichtete. 1833 lebten 103 Juden im Ort.
1861 führte der bayerische Landtag die allgemeine Freizügigkeit für Juden in Bayern ein. Damit wurde Juden die Niederlassung in Erlangen möglich. Viele jüdische Familien aus den Umlandgemeinden zogen wegen der besseren Perspektiven nach Erlangen, zugleich schrumpften die Gemeinden in Bruck, Baiersdorf und Büchenbach, wo bereits 1874 die Gemeinde aufgelöst wurde. 1867 zählte die neue Erlanger Gemeinde bereits 67 Mitglieder, die am 15. März 1873 zur eigenständigen Kultusgemeinde wurde. Die Brucker Gemeinde ging darin auf. 1891 weihte die Gemeinde einen eigenen Friedhof ein. Dagegen wurde das Rabbinat von Baiersdorf 1894 aufgelöst, nach 1900 lebten in Bruck keine Juden mehr. Der Erlanger Gemeinde gehörten dagegen profilierte Persönlichkeiten wie der Arzt und Ehrenbürger Jakob Herz und die Mathematikerin Emmy Noether an. Ersterem wurde am 5. Mai 1875 ein Denkmal errichtet, das am 15. September 1933 zerstört wurde. Eine Stele erinnert seit 1983 an diesen Vorgang mit der Inschrift: Wir denken an Jakob Herz, dem Bürger dieser Stadt ein Denkmal setzten und zerstörten.
Während der nationalsozialistischen Diktatur verringerte sich bis 1938 die Zahl der Erlanger Juden zunächst von 120 auf 44 Personen. In der Reichspogromnacht wurde der Erlanger Betsaal zerstört, die Synagoge in Baiersdorf abgerissen. Am 20. Oktober 1943 wurde die letzte jüdische Einwohnerin Erlangens ins KZ Auschwitz deportiert. 77 Angehörige der jüdischen Gemeinde Erlangens wurden von den Nazis ermordet.
Von den ursprünglichen jüdischen Einwohnern kehrte keiner nach Erlangen zurück. Dennoch wuchs die Zahl der Juden bis in die 1970er-Jahre soweit an, dass der Verleger Shlomo Lewin die Gründung einer neuen Gemeinde plante. Am 19. Dezember 1980 wurde er mit seiner Lebensgefährtin ermordet, vermutlich durch ein Mitglied der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann. Es kam jedoch nie zu einer Verurteilung, da der mutmaßliche Täter Selbstmord beging.[8] Nach diesem Verbrechen blieb die Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde aus. Diese Idee gewann erst durch den Zuzug von jüdischen Auswanderern aus der ehemaligen Sowjetunion neuen Auftrieb. Am 1. Dezember 1997 entstand in Erlangen wieder eine Israelitische Kultusgemeinde, der im Jahr 2000 300 Mitglieder angehörten. Am 2. April 2000 weihte die Gemeinde einen neuen Betraum ein.
Trotz aller offiziellen Erklärungen zur Toleranz tat sich die Stadt Erlangen schwer mit dem Umgang mit der NS-Zeit. Erst 1983 wurden Adolf Hitler und Julius Streicher die Ehrenbürgerschaft aberkannt.
[Bearbeiten] Islam
Seit 1980 besteht in Erlangen der Türkisch-Islamische Kulturverein Erlangen (DITIB), der auch einen Hodscha als Geistlichen beschäftigt. Seitdem entstanden auch weitere Vereine wie der Islamische Studentenverein Erlangen (1984) und die Islamische Glaubensgemeinschaft (1995). Diese drei bilden gemeinsam seit Dezember 1999 die Islamische Religionsgemeinschaft Erlangen e. V., die sich um die Durchführung islamischen Religionsunterrichtes an staatlichen Schulen kümmert. Das erste Mal in Bayern wurde 2001 an der Erlanger Pestalozzi-Grundschule das Fach „Islamisch religiöse Unterweisung in deutscher Sprache“ an einer staatlichen Schule eingeführt. Richtiger „Islamunterricht“ als Unterrichtsfach wurde erstmals in ganz Deutschland an der Grundschule Brucker Lache eingeführt.
Neben den drei erwähnten Verbänden besteht seit 1993 auch noch der Türkische Verein für soziale Dienste.
[Bearbeiten] Siebenten-Tags-Adventisten
Siebenten-Tags-Adventisten sind seit mindestens 1903 in Erlangen vertreten. 1995 bezogen sie in Bruck das neue Gemeindezentrum. Im Jahr 2003 wurde eine weitere Gemeinde (ERlebt) gegründet, die sich in der Hindenburgstraße versammelte; letztere hat im Oktober 2007 ebenfalls in Bruck ein neues Gemeindehaus eingeweiht. Zwischen beiden Gemeinden besteht eine gute Zusammenarbeit. Die Adventisten nehmen am Erlanger Stadtgeschehen aktiv teil. Ihr soziales Engagement zeigt sich u.a. an der Pfadfinderarbeit (Stamm „Erlanger Markgrafen“) oder an öffentlichen Blutspendeaktionen, die in den Gemeinderäumen durchgeführt werden. Der Verein „Christen für Kultur e.V.“ wurde im Jahr 1999 von Erlanger Adventisten gegründet.
[Bearbeiten] Zeugen Jehovas
Die Zeugen Jehovas meldeten am 22. März 1923 ihre erste Versammlung in Erlangen an, die jedoch polizeilich nicht genehmigt wurde. Nach dem Verbot im April 1933 kam es zu verstärkten Repressionen, die bis zur Ermordung des Erlanger Mitglieds Gustav Heyer in der NS-Tötungsanstalt Hartheim am 20. Januar 1942 führten. Die Gustav-Heyer-Straße in Bruck erinnert seit 2000 daran. 1948 erfolgte die Reorganisation der Gemeinde, die sich 1975 in zwei Versammlungen teilte. 1980 errichteten die Zeugen Jehovas in Bruck einen eigenen Versammlungsraum („Königreichssaal“).
[Bearbeiten] Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Auch die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind in Erlangen mit einer eigenen Gemeinde und einem Ortsbischof vertreten. Die Gemeinde gehört zum Pfahl Nürnberg. Das Gemeindezentrum der Mormonen befindet sich in Alterlangen.[9]
Neben den oben genannten Glaubensgemeinschaften bestehen noch weitere Freikirchen und Religionsgemeinschaften in Erlangen.
[Bearbeiten] Politik
In Erlangens Altstadt ist seit dem 14. Jahrhundert ein Rat nachweisbar. An der Spitze der Stadt standen zwei Bürgermeister, die alle vier Wochen wechselten. Ab 1715 gab es sogar vier Bürgermeister.
In der Neustadt lag die Verwaltung zunächst beim reformierten Presbyterium. 1697 gab es vier Bürgermeister, die ein Jahr amtierten, davon drei Franzosen und ein Deutscher. Ab 1701 gab es vier Bürgermeister und acht Räte, die zwei Jahre amtierten. Danach wurde die Verwaltung mehrmals umgestaltet.
Nach der Vereinigung von Altstadt und Neustadt 1812 wurde das bayerische Gemeindeedikt eingeführt. Ab 1818 wurde die Stadt von einem Bürgermeister geleitet, der ab 1918 meist den Titel Oberbürgermeister erhielt.
Daneben gab es ab 1818 einen Stadtmagistrat mit zehn, ab 1900 zwölf Magistratsräten und als zweite Kammer die Gemeindebevollmächtigten mit 30, ab 1900 36 Mitgliedern. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur noch einen Stadtrat.
1978 zog mit Wolfgang Lederer von der Grünen Liste erstmals ein grüner Politiker in einen bayerischen Stadtrat ein.
Die Bürgermeister beziehungsweise Oberbürgermeister seit 1818:
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Erlangen wird derzeit von einem mehrheitlich durch CSU und FDP/FWG (Freie Wählergemeinschaft) bestimmten Stadtrat regiert. Die Bevölkerung in Erlangen ist politisch vergleichsweise aktiv und nutzt insbesondere die Möglichkeit zur direkten Demokratie, wie die hohe Zahl an Bürgerentscheiden der vergangenen Jahre zeigt, die alle die für ihre Wirksamkeit notwendige Wahlbeteiligung erreicht haben:
- 1998: Verkauf Erlanger Stadtwerke (Ergebnis: Kontra Verkauf)
- 1998: Durchgangsstraße Röthelheimpark (Ergebnis: Pro Durchgangsstraße)
- 2000: Tiefgarage Theaterplatz (Ergebnis: Kontra Tiefgarage)
- 2004: Erlangen-Arcaden (Ratsbegehren, Bau eines Einkaufszentrums) (Ergebnis: Pro Arcaden)
- 2005: Erlanger Bäder (Ergebnis: Kontra Privatisierung)
- 2005: Taxistandplatz Altstadt (Ergebnis: Pro Verlagerung)
- 2005: Erlangen-Arcaden (Bürgerbegehren und Ratsbegehren, Ergebnis: Pro Ratsbegehren)
Verschiedene Organisationen sind neben den Parteien in Erlangen kommunalpolitisch aktiv. Dazu zählen Initiativen, die sich jeweils anlässlich konkreter Themen gründen (siehe insbesondere die obigen Bürgerentscheide) und anschließend wieder auflösen.
Das „Altstadtforum“ ist ein überparteiliches Bündnis aus 19 Organisationen (u. a. alle im Stadtrat vertretenen Parteien, Bürgerinitiativen und Vereine). Es setzt sich für eine attraktive, lebenswerte und zukunftsfähige Erlanger Altstadt ein.
Außerdem gibt es in Erlangen ein von den 12–18 Jahre alten Jugendlichen alle zwei Jahre gewähltes Jugendparlament.
[Bearbeiten] Stadtrat
Der Stadtrat der Stadt Erlangen hat 50 Mitglieder und setzt sich wie folgt zusammen:
| CSU | SPD | Grüne/GL | FDP | ödp | FWG | Erlanger Linke | sonstige | Gesamt | |
| seit 2008 | 21 | 13 | 7 | 4 | 2 | 1 | 2 | 0 | 50 Sitze |
| 2002–2008 | 24 | 16/15/14b | 5/4c | 3 | 1/3b | 1 | 0 | 0/1c | 50 Sitze |
| 1996–2002 | 23 | 18 | 4 | 2 | 1 | 2 | 0 | 0 | 50 Sitze |
| 1990–1996 | 20/22a | 21/19a | 4 | 3 | 0 | 1 | 0 | 1 | 50 Sitze |
| 1984–1990 | 21 | 23 | 3 | 2 | 0 | 1 | 0 | 0 | 50 Sitze |
| 1978–1984 | 22 | 24 | 1 | 2 | 0 | 0 | 0 | 1 | 50 Sitze |
aIm Laufe der Legislaturperiode traten zwei Stadträte von der SPD zur CSU über, die dadurch stärkste Fraktion wurde.
bNach der Kommunalwahl 2002 hatte die SPD 16 und die ödp einen Sitz. Aus der SPD-Fraktion trat zunächst ein Mitglied, später ein weiteres Mitglied aus. Beide schlossen sich schließlich der ödp an, die dadurch Fraktionsstatus erhielt.
cIm Laufe der Legislaturperiode trat ein Stadtrat aus der Fraktion der Grünen aus und gehörte dem Gremium als Fraktionsloser an.
[Bearbeiten] Wappen
Das Wappen der Stadt Erlangen zeigt im geteilten und oben gespaltenen Schild: vorne in Silber einen linksgewendeten, golden gekrönten und bewehrten roten Adler mit goldenen Kleestängeln und von Silber und Schwarz geviertem Brustschild; hinten in Silber ein golden gekrönter und bewehrter, rot gezungter schwarzer Adler mit goldener Halskrone, Kleestängeln und den goldenen Großbuchstaben E und S auf der Brust; unten in Blau über silberner Zinnenmauer wachsend ein doppelschwänziger, golden gekrönter, rot gezungter goldener Löwe. Hierbei handelt es sich um das kleine Stadtwappen). Werden die drei Teile des Wappens auf separaten Schildern dargestellt, über denen der zollerische Brackenkopf mit schwarz-silbernen Helmdecken zu sehen ist, dann handelt es sich um das große Stadtwappen.
Die Stadtflagge ist Weiß-Rot. Der Löwe im unteren Teil des Wappens steht für die Erlanger Altstadt. Dabei handelt es sich um den luxemburgischen Löwen, der seit 1397 in den Stadtsiegeln nachweisbar ist. In der oberen Hälfte stehen der brandenburgische und der preußische Adler, welche die Neustadt Erlangens symbolisieren. Sie schmückten das Neustädter Wappen seit 1707. Die Buchstaben E und S stehen für Elisabeth Sophie, die Gattin des Markgrafen Christian Ernst.
[Bearbeiten] Stadtsignet
Seit 1977 verwendet die Stadt Erlangen als Erkennungszeichen neben dem Stadtwappen ein 1976 von dem Münchner Designer Walter Tafelmaier entworfenes Signet mit dem Schriftzug Stadt Erlangen, er setzte mit seinem Entwurf den Leitspruch „Erlangen – offen aus Tradition“ graphisch um. Auf quadratischem Grundriss sind in fünf vertikalen und horizontalen Reihen 24 Einzelquadrate so angeordnet, dass in der Mitte der rechten Seite ein freier Platz ausgespart bleibt. Das Stadtsignet symbolisiert den Grundriss der barocken Planstadt, das fehlende Quadrat steht für die Offenheit der Stadt. Das Motto wurde 1974 in einem Wettbewerb gefunden. Signet und das 1974 in einem Wettbewerb gefundene Motto erinnern laut Stadtlexikon „an die wiederholte Aufnahme von Flüchtlingen und Zuwanderern aus dem In- und Ausland sowie deren große Bedeutung für die Entwicklung der Kommune“.
2007 gab es auf Anregung des Oberbürgermeisters Überlegungen, das Signet wieder durch das Stadtwappen zu ersetzen. Dies wurde jedoch von der Mehrheit der Bürger abgelehnt.
