Die Legende vom heiligen Trinker – Wikipedia

Die Legende vom heiligen Trinker

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Die Legende vom heiligen Trinker ist eine Novelle von Joseph Roth, die im Amsterdamer Verlag Allert de Lange 1939 posthum erschien.
Andreas, der Trinker, ein Mann von Ehre, will - über die ganze Legende hinweg - geliehenes Geld zurückbringen, kommt aber nicht dazu, eben, weil er trinkt.

Inhaltsverzeichnis

In den letzten Wochen seines Lebens, im Frühling 1934, geschehen dem obdachlosen Trinker Andreas Kartak aus Olschowice im polnischen Schlesien, eine ganze Serie von Wundern. Andreas war Kohlenarbeiter gewesen, wie sein Vater. Weil man in Frankreich Kohlenarbeiter gesucht hatte, war er ins Land gekommen und hatte in den Gruben von Quebecque gearbeitet. Einquartiert war er beim Ehepaar Schebiec gewesen, hatte mit Frau Karoline geschlafen, war vom Ehemann ertappt worden und hatte ihn in Notwehr erschlagen. Dafür hatte Andreas zwei Jahre im Gefängnis gesessen.
Andreas, Pariser Stadtstreicher geworden, nächtigt gewöhnlich unter den Brücken, die über die Seine führen. Das erste Wunder: Ein fremder Herr leiht Andreas zweihundert Francs. Der Obdachlose soll den Betrag bei der Statue der heiligen Therese von Lisieux in der Kapelle Ste Marie des Batignolles hinterlegen. Andreas vertrinkt das Geld, besinnt sich aber, verdient zweihundert Francs durch ehrliche Arbeit und vergeudet diese wieder. Zu dem Wunder, Geld durch Arbeit zu verdienen, gesellen sich weitere: Andreas kauft eine gebrauchte Brieftasche zur Aufbewahrung des Geldregens und findet darin tausend Francs. Zudem begegnet er einem ehemaligen Schulkameraden, der für ihn sorgt. Und seine ehemalige Geliebte Karoline, die mit ihm ihre Ehe gebrochen hatte, läuft ihm über den Weg, zieht mit ihm durch Paris und schläft mit ihm. Andreas macht sich aber aus dem Staube, weil Karoline gealtert ist. Das kann er sich leisten, denn die Wunder dauern an. Ihm begegnen entgegenkommende junge Frauen, zutrauliche junge Mädchen. Eine heißt Therese - jene oben erwähnte Heilige, nimmt der nicht ganz nüchterne Trinker an. Aber Therese ist aus Fleisch und Blut - nicht die, für die sie gehalten wird. Sie nimmt auch kein Geld von Andreas. Ganz im Gegenteil, Therese schenkt Andreas einen Hundertfrancsschein, gerade als der Trinker sich an der Theke den nächsten Pernod genehmigen möchte. Dazu kommt es nicht. Der Trinker fällt um und stirbt. Joseph Roths Kommentar: Gebe Gott uns allen, uns Trinkern, einen so leichten und so schönen Tod!

[Bearbeiten] Rezeption

  • Hackert[1] erwähnt dieses letzte Werk Josep Roths als ein Beispiel, in dem der Autor die eigene Trunksucht einer Selbstbeobachtung unterzog.
  • Nürnberger[2] nennt die Legende eine zarte, kindliche Wunschpoesie, die Joseph Roth 1939 in viermonatiger Arbeit gelang.
  • Steierwald[3] hebt in ihrer Analyse das Unverbesserliche am Gewohnheitstrinker hervor.

[Bearbeiten] Verfilmungen und Hörspiele

  • Das Werk wurde 1988 von dem italienischen Regisseur Ermanno Olmi als "La Leggenda del santo bevitore" erneut verfilmt. Als Andreas Kartak glänzte der Niederländer Rutger Hauer. Diese Verfilmung erhielt insgesamt neun Filmpreise. Unter anderem gewann Regisseur Olmi den Goldenen Löwen von Venedig im Jahre 1988. Die TV-Premiere in Deutschland war am 11. Februar 1996.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Literatur

Quelle

  • Fritz Hackert (Hrsg.): Joseph Roth Werke 6. Romane und Erzählungen 1936 – 1940. S.515 bis 543: Die Legende vom heiligen Trinker. Novelle. 1939. Mit einem Nachwort des Herausgebers. Frankfurt am Main 1994. 815 Seiten. ISBN 3-7632-2988-4

Sekundärliteratur

  • Helmuth Nürnberger: Joseph Roth. Reinbek bei Hamburg 1981. 159 Seiten, ISBN 3-499-50301-8
  • Ulrike Steierwald: Leiden an der Geschichte. Zur Geschichtsauffassung der Moderne in den Texten Joseph Roths. Diss. München 1992. 198 Seiten, ISBN 3-88479-880-4
  • Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Deutsche Autoren A - Z. S.519. Stuttgart 2004. 698 Seiten, ISBN 3-520-83704-8

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ Hackert S. 812
  2. ↑ Nürnberger S. 118
  3. ↑ Steierwald S. 36
  4. ↑ Weblink IMDb
  5. ↑ Nürnberger S. 119
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