Die Grenzen des Wachstums – Wikipedia

Die Grenzen des Wachstums

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Grenzen des Wachstums (engl. Originaltitel: The Limits to Growth) ist eine 1972 veröffentlichte Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft. Im Auftrag des Club of Rome führten Donella und Dennis L. Meadows und seine Mitarbeiter an Jay W. Forresters Institut für Systemdynamik eine Systemanalyse mit einem Rechenmodell[1] durch, das die hohe Vernetzung globaler Prozesse berücksichtigt und Computersimulationen zu unterschiedlichen Szenarien ermöglicht. Das benutzte Weltmodell diente der Untersuchung von fünf Trends mit globaler Wirkung: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung von Lebensraum. So wurden Szenarien mit unterschiedlich hoch angesetzten Rohstoffvorräten der Erde berechnet, oder eine unterschiedliche Effizienz von landwirtschaftlicher Produktion, Geburtenkontrolle oder Umweltschutz angesetzt.

Bis heute sind von diesem Buch über 30 Millionen Exemplare in 30 Sprachen verkauft worden.[2] 1973 wurde der Club of Rome dafür mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ergebnisse der ursprünglichen Veröffentlichung

Die zentralen Schlussfolgerungen des Berichtes waren: Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.

Mit großer Wahrscheinlichkeit sollte dies zu einem ziemlich raschen und nicht aufhaltbarem Absinken der Bevölkerungszahl und der industriellen Kapazität führen. Ein Ändern der Wachstumsgrenzen, um einen ökologischen und wirtschaftlichen Gleichgewichtszustand herbeizuführen, der auch in weiterer Zukunft aufrecht zu erhalten sei, erschien jedoch möglich. Je eher sich die Menschheit entschließe, diesen Gleichgewichtszustand herzustellen, und je rascher sie damit beginne, desto größer wären die Chancen, ihn auch zu erreichen.

Das Simulationsergebnis der meisten Szenarien ergab ein weitergehendes, zunächst unauffälliges Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum bis zu einer ziemlich jähen Umkehr der Tendenz vor dem Jahr 2100 (siehe hierzu auch die Diskussionsseite)[3]. Nur sofortige durchgreifende Maßnahmen zum Umweltschutz und zur Geburtenkontrolle änderten dieses Systemverhalten, so dass auch Szenarien errechnet werden konnten, unter denen sich die Weltbevölkerung (bei ca. vier Milliarden) wie auch der Wohlstand langfristig konstant halten ließen.

[Bearbeiten] 1992: Die neuen Grenzen des Wachstums

1992 wurden Die neuen Grenzen des Wachstums veröffentlicht. Neue Erkenntnisse (beispielsweise größere Rohstoffvorkommen als 20 Jahre zuvor bekannt) und die in der Zwischenzeit eingetretene Entwicklung wurden in die aktualisierten Simulationen aufgenommen. 2000 veröffentlichte Meadows eine Stellungnahme, nach der auf Basis der heutigen Weltbevölkerung ein stabiler Zustand nicht mehr erreicht werden könne.

[Bearbeiten] 2004: Das 30-Jahre-Update

Im Jahr 2004 veröffentlichten die Autoren das 30-Jahre-Update. Darin brachten sie die verwendeten Daten auf den neuesten Stand, nahmen leichte Veränderungen an ihrem Computermodell World3 vor und errechneten anhand verschiedener Szenarien mögliche Entwicklungen ausgehend vom Jahr 2002 bis zum Jahr 2100. In den meisten der errechneten Szenarien ergibt sich ein Überschreiten der Wachstumsgrenzen und ein anschließender Kollaps ("overshoot and collapse") bis spätestens 2100. Fortführung des "business as usual" der letzten 30 Jahre führe zum Kollaps ab dem Jahr 2030.

Auch bei energischem Umsetzen von Umweltschutz- und Effizienzstandards kann diese Tendenz oft nur abgemildert, aber nicht mehr verhindert werden. Erst die Simulation einer überaus ambitionierten Mischung aus Einschränkung des Konsums, Kontrolle des Bevölkerungswachstums, Reduktion des Schadstoffausstoßes und zahlreichen weiteren Maßnahmen ergibt eine nachhaltige Gesellschaft bei knapp 8 Mrd. Menschen.

Die Studie von 2004 geht auch auf die Entwicklung von 1972 bis 2002 ein und beschreibt unter anderem eine Zunahme des sozialen Gefälles (20 % der Erdbevölkerung verfügten über 85 % des globalen BIP), die Bodenqualität (40 % der Ackerflächen würden übernutzt), Überfischung (75 % der Fischbestände seien bereits abgefischt) und (wie bereits 1972) die Erschöpfung fossiler Rohstoffe stehe in wenigen Jahrzehnten bevor. Die Autoren nehmen an, dass die Kapazität der Erde, Rohstoffe zur Verfügung zu stellen und Schadstoffe zu absorbieren (siehe ökologischer Fußabdruck) bereits im Jahr 1980 überschritten worden sei und weiterhin überschritten werde (im Jahr 2004 schon um ca. 20 %).

Äquivalent dazu ergab das 2005 veröffentlichte Millennium Ecosystem Assessment, dass von 24 Schlüssel-Ökosystemen 15 übernutzt werden, was einer Quote von 60% entspricht. Bei einigen Systemen zeigten sich die Folgen bereits, bei anderen würde die Funktionsfähigkeit unter andauerndem Stress in Zukunft nachlassen, so die Schlussfolgerungen der Studie.

[Bearbeiten] Kritik

Im englischsprachigen Raum wird Die Grenzen des Wachstums auch in der geistigen Nachfolge von Thomas Robert Malthus Überlegungen zur Bevölkerungsfalle (1798) gesehen. Ein oft gehörtes Urteil über die Studie von 1972 lautet, dass die Voraussagen nicht eingetreten seien und der globale Anspruch der Studie völlig überzogen gewesen sei. Zu bemängeln sei auch die Fortschreibung von vorhandenen Entwicklungstendenzen in die Zukunft, bei der angenommene Anpassungen durch technologische, wirtschaftliche und politische Veränderungen nicht ausreichend berücksichtigt würden.

Bereits 1972 kam es zu kontroversen Kritiken. Henry C. Wallich, Professor in Yale bezeichnete in einem Leitartikel (13. März 1972) in Newsweek Die Grenzen des Wachstums als "irresponsible nonsense" (unverantwortlichen Unfug). Meadows Katastrophenszenarien würden dazu benutzt, stark von politischen Vorstellungen geprägte subjektive Zukunftsvisionen zu propagieren. Wallich bezog sich dabei auch auf die fehlende Darlegung der grundlegenden Methodik (die erst 1974 veröffentlicht wurde) welche das Smithsonian Institute in Washington nicht von der öffentlichkeitswirksamen Präsentation der spektakulären Thesen abhielt. Weitere Kritiker bezweifelten die Rohstoffprognosen und die Ausblendung technischen Fortschritts in einer reinen Trendextrapolation [4] [5] und halten Bevölkerungswachstum wie im Baby Boom für eine Voraussetzung, nicht ein Hindernis wirtschaftlichen Fortschritts.

Alex Kozinski zitiert eine Reihe von Angaben in den Grenzen des Wachstums, nach denen bei ungebremst wachsenden Verbrauch und gleich bleibenden Vorräten Gold 1979, Silber und Quecksilber 1983, Öl 1990, Zink 1988 und Zinn 1985 wie auch Erdgas bereits 1992 zur Neige gehen würden, was bekanntermaßen nicht zum Tragen kam.[6] Dies beruht auf einer selektiven Lesart. In den Grenzen des Wachstums wurden Modellläufe sowohl unter der Annahme gleich bleibender wie auch bis zu fünf Mal höherer Ressourcen als 1972 nachgewiesen waren durchgeführt. Hinzu kamen jeweils unterschiedliche Vorgaben für das Wirtschaftswachstum.

Solchen Kritiken wird auch entgegnet, Meadows et al. hätten keine gültigen Prognosen, sondern immer nur globale Szenarien mit unspezifischen Schlüssen für die Zukunft erstellt. Die erste Studie wurde auch vor der Ölkrise von 1973 verfasst. Danach kam es zeitweise zu erheblichen Preissteigerungen bei Rohöl und anderen Rohstoffen, die zur Entwicklung neuer Technologien, erhöhter Energieeffizienz und einem „qualitativen Wachstum“ führte. Dies konnte Meadows so nicht voraussehen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weiterführende Literatur

  • Douglas E. Booth: Hooked on Growth, 2004, ISBN 0742527182
  • Takis Fotopoulos: "Umfassende Demokratie. Die Antwort auf die Krise der Wachstums- und Marktwirtschaft", Trotzdem Verlag, Grafenau 2003 [1]
  • Karsten Herzmann, Caroline Seibert: Neue Perspektiven für die ökologische Wachstumskritik (PDF 376 kB), 2005.
  • Athanasios Karathanassis: Naturzerstörung und kapitalistisches Wachstum. VSA, Hamburg 2003, ISBN 3-89-965018-2.
  • Rupert Riedl, Manuela Delpos (Hrsg.): Die Ursachen des Wachstums, 1996, ISBN 3218006287
  • Friedrich Schmidt-Bleek: Wieviel Umwelt braucht der Mensch? Das Maß für ökologisches Wirtschaften. Birkhäuser, Basel 1994, ISBN 3-76-432959-9.
  • David Woodward und Andrew Simms: Growth Isn't Working. London 2006, ISBN 1-90-488206-4, (PDF, 1,2 MB) (engl.).
  • Reinhard Steurer: Der Wachstumsdiskurs in Wissenschaft und Politik - Von der Wachstumseuphorie über „Grenzen des Wachstums“ zur Nachhaltigkeit, 2002, ISBN 3897003384
  • Körber-Stiftung: Ausweg Wachstum? Arbeit, Technik und Nachhaltigkeit in einer begrenzten Welt, verschiedene Veröffentlichungen des Studienpreises 2005
  • Bernhard Verbeek: Die Anthropologie der Umweltzerstörung, 1998, ISBN 3896780999 (Über Wachstumsorientierung als in den Menschen „eingebaute“ Eigenschaft)

[Bearbeiten] Populärwissenschaftliche Literatur

  • Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum, Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung, Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8

[Bearbeiten] Quellen

  1. ↑ Forrester, Jay W., Der teuflische Regelkreis. Kann die Menschheit überleben?, Dt. Verlags-Anst., 1972, ISBN 3-421-02632-7
  2. ↑ Simmons, Matthew R. (2000): Revisiting the Limits to Growth: Could the Club of Rome Have Been Correct, After All? (PDF)
  3. ↑ Meadows, Dennis, Die Grenzen des Wachstums - Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Seite 79, 1. Absatz, ISBN 3-421-02633-5
  4. ↑ Julian Lincoln SimonThe Ultimate Resource (1981), ISBN 0-85520-563-6 und The Ultimate Resource II (1996), ISBN 0-691-00381-5
  5. ↑ The Resourceful Earth: A Response to „Global 2000“ (1984), ISBN 0-631-13467-0, Julian Lincoln Simon & Herman Kahn, eds
  6. ↑ Rezension von Bjørn Lomborg (2002) im Michigan Law Review (PDF)
Persönliche Werkzeuge
Cool lyrycs look Best Bass Guitar Forum Join Now! Nowe Forum licealistów Nowy seo katalog stron dodaj swój adres! Piszemy prace licencjackie oraz prace magisterskie - Andrzej Kmicic - oddam psa - Fraza kb - Kamienie na szaniec orynnowanie kwadratowe Åšmieszne filmy Ekologia faktoring odwrócony serwis samochodowy Skoda Superb stron internetowych pozycjonowanie