Dependenztheorie
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Die Dependenztheorie (von span. dependencia bzw. port. dependença - Abhängigkeit) ist eine Mitte der 60er-Jahre in Lateinamerika entstandene Gruppe von in ihren Grundannahmen eng verwandten Entwicklungstheorien, die die Existenz hierarchischer Abhängigkeiten (Dependenzen) zwischen Industrie- (Metropolen) und Entwicklungsländern (Peripherien) betonen. Bekannte Vertreter der Dependenztheorie sind André Gunder Frank, Raúl Prebisch und Dieter Senghaas, sowie der Zürcher Soziologe Volker Bornschier. Anknüpfungspunkte ergeben sich in der Imperialismustheorie Lenins und Rosa Luxemburgs, sowie Samir Amins.
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[Bearbeiten] Hauptaussagen
Ursache für die Unterentwicklung von Ländern seien nicht innere, sondern äußere Faktoren, wie insbesondere der Kolonialismus. Durch Machtausübung gelinge es den weiter entwickelten Ländern, die weniger entwickelten Länder auch weiterhin arm zu halten. Mit dieser Aussage stellen sich die Abhängigkeitstheorien bewusst in Gegensatz zu den Modernisierungstheorien, die in inneren Faktoren, z. B. bestimmten kulturellen Gewohnheiten, die Ursache des niedrigeren Entwicklungsstandes sehen.
Diese Machtausübung funktioniere durch ungleiche Handelsbedingungen (Terms of Trade). Beispiele:
- Niedrige Löhne in Entwicklungsländern
- Technologieexporte aus Industrie- in Entwicklungsländer
- Rohstoffexporte aus Entwicklungs- in Industrieländer
- Transfer der in Entwicklungsländern erzielten Gewinne durch Unternehmen aus Industrieländern in Industrieländer
Wichtig ist dabei die Tatsache, dass die Dependenztheorie davon ausgeht, dass die Preise für Rohstoffe und Agrargüter im Zeitverlauf eher fallen, die von Fertigwaren, insbesondere hochwertigen Industrieprodukten, eher steigen. Dadurch verschlechtern sich die Austauschbedingungen (also z. B. wieviel Sack Kaffee ein Entwicklungsland exportieren muss, um einen Traktor zu finanzieren) immer mehr. Diese Austauschbedingungen sind im engeren Sinne die „Terms of Trade“.[1]
[Bearbeiten] Kritik
Der wesentliche Kritikpunkt an den Dependenztheorien ist, dass sie die Ursachen des niedrigeren Entwicklungsstandes nur in den Außenhandelsbedingungen, nicht aber in den internen Bedingungen und politischen Entscheidungen der Entwicklungsländer suchen. Mit Hilfe der Dependenztheorien wurde versucht, die anhaltende Unterentwicklung des afrikanischen und lateinamerikanischen Raumes im Vergleich zu den klassischen Industrieländern zu erklären. Der Erfolg einiger Schwellenländer widerspricht aber der Annahme einer grundsätzlich notwendigen Auseinanderentwicklung der Industrie- und Entwicklungsländer. Insbesondere der Aufstieg vor kurzem noch schwacher asiatischer Volkswirtschaften (Tigerstaaten, Pantherstaaten) lässt sich nur schwer mit den theoretischen Grundannahmen der Dependenztheorien in Einklang bringen. Für den afrikanischen Raum trifft die Analyse zwar zu, über die Ursachen dafür wird aber kontrovers diskutiert (s. Modernisierungstheorie).
Eine weitere zentrale Kritik betrifft eine weitere Lücke im Erklärungsmodell: die Entstehung des Machtgefälles zwischen Industrie- und "Entwicklungs"ländern. Wenn Industrieländer den Entwicklungsunterschied mittels Machtausübung zu stabilisieren versuchen - stellt sich die Frage nach der ursprünglichen Quelle dieses Machtgefälles. Für viele Autoren ist dies eine nach wie vor offene Frage, die weder von Modernisierungstheorien noch Abhängigkeitstheorien befriedigend beantwortet wird.
Die Kritik an den Dependenztheorien wurde teilweise innerhalb der ihnen zugehörigen Weltsystemtheorie aufgenommen.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Regulationstheorie
- Importquote
- Cepalismo
- Prebisch-Singer-These
- Rentenökonomie
- Modernisierungstheorie
[Bearbeiten] Literatur
- Oliver Alber von Köster (2000): Umweltpolitik und Umweltschutzwirtschaft. Die ökoindustrielle Dependenzthese
- Henning Lobin (1993): Koordinationssyntax als prozedurales Phänomen. Stauffenburg Verlag
- Franz Furger/ Joachim Wiemeyer/ Deutsche Bischofskonferenz / Sachverständigengruppe Weltwirtschaft und Sozialethik (1994): Von der Dependenz zur Interdependenz. Bonn.
- Entwicklungstheorien als Erklärungsmuster und Handlungsanweisungen? "Die Dritte Welt - Entwicklungsländer in der Krise", Diercke-Oberstufe, Westermann Schulbuchverlag GmbH (1996)
- Entwicklungstheorien - Entwicklungsstrategien. "Fundamente" Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH (1999)
- Arno Tausch (2005), Did recent trends in world society make multinational corporations penetration irrelevant? Looking back on Volker Bornschier's development theory in the light of recent evidence’. Historia Actual On-Line, 6 (2005), [revista en lÃnea, Universidad de Cadiz, Espana] Disponible desde Internet en: http://www.historia-actual.com/hao/Volumes/Volume1/Issue6/esp/v1i6c4.pdf (journal is available electronically)
[Bearbeiten] Weblinks
- Dependenztheorie - Novy, Andreas: Internationale Politische Ökonomie - lateinamerika-studien.at
- Dependenztheorie - Uni Hannover
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Storkebaum, Werner: Entwicklungsländer und Entwicklungspolitik, Braunschweig 1973, S. 21f.

