Demiurg
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Der Demiurg (von griechisch δημιουργός dēmiurgós „Handwerker“) ist ursprünglich der in Platons naturphilosophischem Werk Timaios beschriebene Schöpfergott, der als eine Art Baumeister den Kosmos erschuf, indem er ihn als Abbild der kategorialen platonischen Ideen ordnete.
Im spätantiken Gnostizismus wurde die ursprüngliche Bedeutung des Demiurgen bei Platon (* 427 v. Chr., † 347 v. Chr.) verändert und diente als Argument und Theorie in der Frage der Theodizee.
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[Bearbeiten] Bedeutung im Timaios
Der Timaios beschreibt aus naturphilosophischer wie auch aus theologischer und metaphysischer Sicht die Erschaffung und Einrichtung der Welt, als deren Ursache ein Schöpfergott, der so genannte Demiurg, vorausgesetzt werden müsse. Dieser schuf die Welt aus dem Chaos der Elemente, indem er den Kosmos nach dem Idealbild der platonischen Ideen ordnete und gestaltete. Zugleich mit der Schöpfung der materiellen Welt bildete der Demiurg aus Güte und geleitet von Vernunft eine Weltseele, womit er den Kosmos beseelte und als einen lebenden Organismus konstituierte. Anderen von ihm geschaffenen Gottheiten wies der Demiurg die Aufgabe zu, den Menschen aus Materie und Bestandteilen der Weltseele zu kreieren.
[Bearbeiten] Bedeutung in der Gnosis
In der spätantiken Gnosis ist der Demiurg eine metaphysische Figur, dessen Mutter Sophia, die Weisheit, sei. Mit seiner Hilfe könne die Welt dualistisch gedacht und die Frage, wie ein guter Gott eine mit Übeln behaftete Welt erschaffen könne (Theodizee), gelöst werden: Während Gott uneingeschränkt gut sei, habe ein unvollkommener und moralisch schlechter Demiurg eine unvollkommene Welt erschaffen. Die Gnostiker setzten diesen Gott mit dem Gott des Alten Testaments gleich, der die Menschen im Zustand der Unkenntnis in der materiellen Welt belasse und ihre Versuche bestrafe, Wissen und Einsicht zu erlangen.
Die vom Demiurgen erschaffene materielle Welt – wie auch ihr Schöpfer selbst – ist erlösungsbedürftig, da sie im Unvollkommenen („Sünde“) verhaftet ist. Der Schöpfergott und der Erlösergott stehen sich damit gleichwertig, aber nicht identisch gegenüber. Wie und ob eine Erlösung aus einem unvollkommenen Schöpfungsdasein gelingen kann, bleibt letztlich unbeantwortet.
[Bearbeiten] Sonstiges
Das Wort Demiurg setzt sich zusammen aus demos für „Volk“ und ergos für „Tätigkeit“ – im Zusammenhang also: „der für das Volk Tätige“. Darunter wurden im antiken Griechenland die Handwerker und Gewerbetreibenden, aber auch Künstler und Ärzte, gezählt. In Attika bildeten die Demiurgen den untersten der drei Bürgerstände, nach dem Adel (Eupatriden) und den Grundbesitzern (Geomoren).
Auch Marcion (* vor 100 in Sinope in Pontus; † 160) verwendete den Begriff Demiurg. Wie in der Gnosis fasste Marcion das Materielle als schlecht auf und postulierte zwei Götter. Anders als in der Gnosis jedoch gab es bei Marcion keine Geheimlehre, die notwendig zur Erlösung war. Nach Marcion haben der von ihm Demiurg benannte böse Gott und der Gott der Liebe nichts miteinander zu tun, sie hatten keinerlei Beziehung zueinander.
[Bearbeiten] Literatur
- Francis Macdonald Cornford: Plato’s Cosmology. The Timaeus of Plato, translated with a running commentray, London 1937.
- Stephen P. Menn: Plato on God as nous, Carbondale 1995. ISBN 0-8093-1970-5
- E. D. Perl: „The Demiurge and the Forms: A Return to the Ancient Interpretation of Plato’s Timaeus“, in: Ancient Philosophy 18, 1998, S. 81–92.

