Demarchie – Wikipedia

Demarchie

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Die Demarchie (Kunstwort aus dem altgriech. demos „Volk“ und archein „Erster sein, herrschen“) ist eine demokratische Regierungsform, in der Regierung und Volksvertreter durch das Los und nicht durch Wahlen bestimmt werden. Der Begriff wurde durch den australischen Philosophen John Burnheim bekannt gemacht. Es wird auch die Bezeichnung Klerostokratie verwendet. Sie kommt von dem altgriechischen Wort kleros, das „Los“ heißt.

In Buch 4 der Politica schreibt Aristoteles:

Ich bin beispielsweise der Meinung, dass es als demokratisch anzusehen ist, wenn die Herrschenden durch das Los bestimmt werden, während Wahlen als oligarchisch betrachtet werden müssen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Demarchie in der Praxis

Bisher ist eine Demarchie wenig mehr als eine utopische Idee und außer der genannten Stelle bei Aristoteles noch kein Gegenstand von seriösen Debatten gewesen. Die praktischen und prinzipiellen Probleme des Systems und seiner Umsetzung sind daher noch nicht bekannt.

Die Demarchie wurde teilweise im Rahmen der antiken Polis in Griechenland, vor allem in Athen, praktiziert, um Korruption oder Gewalttätigkeit bei Wahlkämpfen einzudämmen: Stadtverordneten und Richter wurden durchs Los bestimmt, was aber seinerseits Probleme aufwarf (siehe athenische Demokratie).

Die einzige gegenwärtige Form der Demarchie ist in der kanadischen Provinz British Columbia zu finden, wo die Citizens’ Assembly on Electoral Reform durch Los bestimmt wurden; diese Gruppe hat die Aufgabe, Veränderungen am Wahlrecht vorzuschlagen; dort wurde beobachtet, dass erhebliche Investitionen nötig wären, um die Mitglieder der Gruppe auf ein Niveau zu heben, das ihnen erlaubte, angemessene Vorschläge zu finden und darzustellen.

Ein bestimmtes demarchisches Element findet sich freilich sehr häufig im Wahlrecht demokratischer Gebietskörperschaften[1] und kopfreicher Organisationen[2]: Wenn dort auf zwei (oder mehr) zu Wählende die gleiche Stimmzahl entfällt, so entscheidet zwischen ihnen das Los.

In Deutschland hat im Bereich von politischer Planung der Soziologe Peter Dienel das Konzept der Planungszelle entwickelt, bei der die Mitglieder eines beratenden Ausschusses nicht berufen, sondern aus den (z.B.) Einwohnern eines beplanten Gebietes erlost werden, was sich wider ursprüngliches Erwarten recht gut bewährt zu haben scheint.[3]

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. ↑ So bei bayerischen Bürgermeisterwahlen.
  2. ↑ So z. B. in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.
  3. ↑ Vgl. die Studie Bürgerkonzeptionierter Zivil- und Katastrophenschutz (Bonn: BZS 1992) der Katastrophenforschungsstelle der Universität Kiel.

[Bearbeiten] Literatur

  • John Burnheim: Über Demokratie. Alternativen zum Parlamentarismus.Verlag: Wagenbach Klaus GmbH (1987) ISBN 3-803-12142-6
  • Jochen Bleicken: Die athenische Demokratie, Paderborn 1995, ISBN 3-8252-1330-7
  • Raimund Schulz: Athen und Sparta, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15493-2.
  • Michael Stahl: Gesellschaft und Staat bei den Griechen. Klassische Zeit, Paderborn 2003, ISBN 3-825-22431-7.

[Bearbeiten] Weblinks

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