Curzon-Linie – Wikipedia

Curzon-Linie

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Verlauf der Curzon-Linie (grün) im Vergleich zu den polnischen Grenzen von 1.09.1939 (blau), dt.-rus. Demarkationslinie 28.09.1939 (braun) und heute (rot)

Die Curzon-Linie (benannt nach dem damaligen britischen Außenminister Lord Curzon), war nach dem Ersten Weltkrieg am 8. Dezember 1919 in Paris unter Bezugnahme auf die Muttersprache der jeweiligen Mehrheitsbevölkerung als polnisch-russische Demarkationslinie vorgeschlagen worden.

Dem Konzept der Muttersprachemehrheit stand das Inkorporationskonzept des polnischen Politikers Roman Dmowski nahe und dem entgegen das Föderationskonzept Józef Piłsudskis, das die Restauration Polens in den vor den Teilungen bestehenden Grenzen vorsah. Piłsudskis Konzept der polnisch-litauisch-weißrussisch-ukrainischen Föderation standen vielfältige Interessen entgegen (nationale Interessen Litauens, Weißrusslands und der Ukraine; Nationalismus der Großrussen; Lenins Konzept der Weltrevolution) und führte zum Ausbruch des Polnisch-Sowjetischen Krieges 1919-1921, der mit dem Frieden von Riga endete und in dem sowohl Polen als auch Sowjetrussland ihre Kriegsziele nur teilweise durchsetzen konnten. Sowjetrussland gelang es nicht, seine Einflusssphäre nach Westen auszudehnen, aber auch das polnische Ziel einer Wiederherstellung Polens in den vor den Teilungen bestehenden Grenzen wurde nicht erreicht. Dennoch wurde die Grenze weit östlicher als die Curzon-Linie festgelegt.

Die Curzon-Linie in der Version „A“ verläuft in etwa vom Südende des Wystiter Sees nach Südosten, dann kurz vor Hrodna (Grodno) nach Süden, verläuft am Fluss Bug entlang und knickt schließlich nach Südwesten ab, bis die Bieszczady nahe dem Lupkapass erreicht wird.

Am Verlauf der nach dem Ersten Weltkrieg vorgeschlagenen Grenzlinie orientiert sich der Deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt und der Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag.

Die Curzon-Linie „B“, die auch 1945 von Roosevelt als östliche Grenze Polens vorgeschlagen wurde, verlief ähnlich wie die Curzon-Linie der A-Version, beließ jedoch Lemberg und Drohobycz auf der polnischen Seite.

Direkt westlich dieser Linie (in Zentral-Polen) dominierten mit großem Abstand die Polen. Zugleich lebten westlich der Curzon-Linie zwischen Warschau und Lublin etwa 1,5 Mio. Ukrainer. In den Gebieten östlich davon stellten die Ukrainer und Weißrussen die Mehrheit, es lebten dort aber auch viele Polen (laut der polnischen Volkszählung von 1919 etwa 25 %, nach der Amtszeit Piłsudskis 1936 etwa 36 % der Bevölkerung). In den Städten lebten viele Bürger jüdischen Glaubens, während die Landbevölkerung überwiegend russisch- bzw. ukrainisch-orthodox war.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu ethnischen Säuberungen. Neben dem Völkermord an russischen und jüdischen Einwohnern vor 1945 fanden nach 1945 Vertreibungen, vor allem von Polen aus den Gebieten östlich der Curzon-Linie, durch ukrainische Nationalisten, und von Ukrainern westlich der Linie statt. Sie waren gewöhnlich vor die Wahl gestellt worden, entweder eine andere Staatsangehörigkeit anzunehmen oder aussiedeln zu müssen.

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