Civaux
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| Civaux | ||
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| Region | Poitou-Charentes | |
| Département | Vienne | |
| Arrondissement | Montmorillon | |
| Kanton | Lussac-les-Châteaux | |
| Koordinaten | 46° 27′ N, 0° 40′ O46.4452777777780.66694444444445Koordinaten: 46° 27′ N, 0° 40′ O | |
| Höhe | 67 bis 149 m | |
| Fläche | 26,39 km² | |
| Einwohner – mit Hauptwohnsitz – Bevölkerungsdichte |
(1999 ) 851 Einwohner 32 Einw./km² |
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| Postleitzahl | 86320 | |
| INSEE-Code | 86077 | |
Civaux ist eine französische Gemeinde im Südosten des Départements Vienne, in der Region Poitou-Charentes, etwa 30 km südöstlich von Poitiers und 15 km südlich von Chauvigny, unmittelbar am Ufer der Vienne. Bekannt ist Civaux für seine ehemals ausgedehnte merowingische Nekropole und seine vorromanische Pfarrkirche mit ihrem Vorgänger, einem gallo-römischen Sanktuarium.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Prähistorie
Die reichlichen Funde behauener Steine, datierend aus dem Acheuléen (Zeitalter zwischen 300.000 und 500.000 Jahre v.Chr.),dem Moustérien (zwischen 30.000 und 300.000 Jahre v. Chr.) und dem Magdalenien, (10.000 bis 20.000 Jahre v.Chr.) in den Sandgruben von Civaux und den umliegenden Gemeinden, deuten auf eine sehr frühe menschliche Besiedelung der Gegend hin. Auch wurden Stätten aus der Bronze- und Eisenzeit ausgegraben und durch Luftarchäologie entdeckt.
[Bearbeiten] Antike
Das Dorf profitierte von seiner Lage als Station zwischen den Städten Pictons und Lémovices und konnte während der "Pax Romana" wachsen.
Die Römer selbst bauten dort einige Monumente, unter anderen ein Theater (Durchmesser: 50 m), und im Dorf ein vorchristliches, typisch gallo-römisches Sanktuarium = fanum aus dem 1. und 2. Jh., an einem Platz, der schon seit alters her Verehrung erfahren hatte. Es wird angenommen, dass weit in die Vor- und Frühgeschichte zurückreichend, die hier lebenden Menschen ihre Verstorbenen an diesem Platz beerdigten.
Bei anderen archäologischen Grabungen wurden einige Wohnungen und zwei Töpferöfen gefunden.
[Bearbeiten] Völkerwanderungszeit (vormittelalterlich)
Gegen Ende des römischen Imperiums verschwand die Ortschaft nicht wie andere römische oder gallo-römische Siedlungen. Die Aufrechterhaltung des Wohlstands verdankt Civaux der frühen Verbreitung des Christentums. Die Tradition des gallo-römischen Sanktuariums wurde von den frühen Christen übernommen und mit einem eigenen Heiligtum fortgeführt. In den Einfassungsmauern des antiken Sanktuariums wurden Fundamente eines Taufbeckens aus dem 3. Jh. (!), und ein Baptisterium aus dem 4. Jh. ergraben. Bereits Ende des 4. Jhs. entstand eine christliche Kirche. Im Altarraum fanden sich die Reste eines Baptisteriums, eine wiederholte Bestätigung der Bedeutung von Civaux als religiöses Zentrum.
Parallel zur Entfaltung des christlichen Taufheiligtums wurde auch an die Bestattungstradition im Bereich des Sanktuariums angeknüpft. Hier kamen die eingewanderten Merowinger hinzu, die traditionsgemäß ihre Verstorbenen in Steinsarkophagen bestatteten, zunächst auch im näheren Bereich der Kirche. Wegen der offensichtlich hohen „Nachfrage“ an Grabstätten und der bei der Kirche entstandenen Enge, wich man ab dem 4. Jh. auf ein Gelände wenige hundert Meter nördlich der Kirche aus, das außerhalb der heutigen Bebauungsgrenze liegt.
Civaux wurde der Sitz eines viguerie (Verwaltungsbezirks), was seine Bedeutung bestätigte und verstärkte, die bis zum Ende des karolingischen Zeitalters (um 800 n. Chr.) andauerte.
[Bearbeiten] Mittelalter / Neuzeit
Die Kirche stammt im Wesentlichen aus frühmittelalterlicher Zeit (merowingisch, karolingisch, vorromanisch). Im 12. Jh. wurde sie vergrößert. Im Jahre 1913 wurde sie als historisch bedeutendes Bauwerk klassifiziert.
Auf der deutlich geschrumpften Fläche des Friedhofes werden heute noch die Verstorbenen des Dorfe bestattet.
[Bearbeiten] Die Kirche Saint-Gervais und Saint-Protais
Die den hl. Gervais und Protais gewidmete Kirche ist eine der ältesten Frankreichs. Ein Teil der Chores besteht aus Mauerwerk der Merowingerzeit, um 400 n.Chr. Schiff und Kirchturm wurden auf das 6. Jh. datiert, wahrend die Kapitelle des Schiffs vom Beginn des 7. Jhs. aus der Vorromanik stammen.
[Bearbeiten] Äußere Gestalt
Das rechtwinklige Langhaus ist von einem etwa 40 Grad geneigten Satteldach ohne Versprünge überdeckt, der Chor und seine fünfseitige Apsis aus einer Kombination aus schwach geneigten Sattel- und Kegeldachflächen. Beide Dächer sind mit Ziegeln eingedeckt, das Langhaus dunkelgrau, der Chor ziegelrot. Das Bauwerk besitzt kein Querhaus.
Vor der Stirnwand des Langhauses ragt aus dem Dach des Chores ein Glockenturm mit quadratischem Grundriss, im Umriss entsprechend dem „fünften Joch“ des Langhauses im Chorraum (sh. Inneres). Der geschlossene Sockel des Turms reicht etwa bis zum First des Langhauses. Darüber sind, durch drei Kraggesimse markiert, zwei Geschosse angeordnet,mit vier rundbogig überdeckten Schalluken auf jeder Seite. Oben auf sitzt ein steil geneigtes Pyramidendach mit einer Steineindeckung in Farbe der Turmwände.
In jedem Joch des Langhauses, außer im Bereich eines Anbaus, und auf drei Flächen der Chorapsis sind einfache kleine Rundbogenfenster ausgespart, außerdem eins über dem Westportal, dort aber mit einer doppelten Archivolte aus gebogenen Rundstäben. Das Portal mit Rundbogen wird eingefasst von einem einfachen, im Querschnitt rechtwinkligen Rückversatz.
Die Nord- und Südwand des Langhauses sind analog zu den Gurtbögen mit Pfeilervorlagen unterteilt. Wegen offensichtlicher Probleme mit der Statik der Westwand gibt es dort zwei massive Stützvorlagen beidseitig des Portals mit Fußverdickungen, die bis fast in Traufhöhe reichend, und einen nahezu dreimal so starken Pfeiler auf der linken Gebäudeecke.
Die Westwand ist sparsam gestaltet mit einer über die ganze Breite durchlaufenden Blendarkade, die von 16 Kragsteinen getragen wird, die in Form unterschiedlicher Tierköpfe plastisch geformt sind. Die Außenfläche des Giebels darüber ist um die Tiefe der Blendarkaden nach außen versetzt.
[Bearbeiten] Inneres
Das dreischiffiges Langhaus ist in der Länge in vier gleich breite Joche unterteilt. Das deutlich höher als die Seitenschiffe aufragende Mittelschiff wird von einer Tonne mit Gurtbögen überwölbt, die tieferen Seitenschiffe von Kreuzgratgewölben.
Die dicken Scheidewände ohne Obergaden werden von je vier Scheidbögen auf sechs Rundstützen getragen, die von aufwändig gestalteten Kapitellen bekrönt sind. Kräftige profilierte Kämpfer übertragen die Lasten der Gewölbe-Gurtbögen der Seitenschiffe und der Scheidbögen. Die wesentlich höher angeordneten Gurtbögen des Mittelschiffs stehen auf Halbkapitellen die über Stücke halbrunder Dienste ihre Lasten in die Wände eintragen.
Das Mittelschiff reicht mit einem zusätzlichen Joch in den davon konstruktiv unabhängigen größeren Chorraum hinein, mit einem tiefer angeordneten Tonnengewölbe, auf vier quadratischen Pfeilern mit Vorlagen ruhend. Der ältere merowingische Chorraum hat in Länge des "5. Jochs" parallel verlaufende Wände und eine fünfseitige Apsiswand, die von Gewölbeansätzem überdeckt werden. Dieses etwas merkwürdige Gebilde ist aus der Verknüpfung der zu unterschiedlichen Zeiten errichteten Bauabschnitte entstanden.
Die Konstruktion des Mittelschiffs brachte in der Vergangenheit Probleme. Da dem Tonnengewölbe in Höhe seiner Auflager keine Seitenschiffgewölbe zur Übertragung der bei solchen Konstruktionen auftretenden seitlichen Schubkräfte in die Außenwand zur Verfügung stand (sie lagen zu tief), wurden die oberen Wände des Mittelschiffs nach außen geschoben, und es bildeten sich gefährliche Risse. Das hat man damals erkannt und ersatzweise fünf hölzerne Zuganker in Höhe der Auflager neben den Gurten eingezogen. Diese wurden noch zusätzlich in Gewölbemitte abgehängt.
Die Kapitelle auf den Säulen des Schiffs aus dem 7. Jh. sind dem Stil der Zeit entsprechend überwiegend figural gestaltet. Übliche Motive sind Fabelwesen, wie Löwenkörper mit langbärtigen Menschenköpfen und an den Enden der Schwänze Schlangen- oder Drachenköpfe. Ein anderes zeigt auf den Ecken Vogelportraits und Menschenköpfe oder Masken, auf einem weiteren ein langbeiniges Vogelpaar, das aus einer hochgestellten Schale trinkt. Zwei Kapitelle haben für diese Orte außergewöhnliche Themen, und zwar die Ehe und die Versuchung.
Im Chor gibt es noch eine bemerkenswerte Stele aus dem Frühen Christentum (datiert gegen 400 n.Chr.) Die Ausmalung der Konstruktionen und die Fassung der Kapitelle sind vermutlich nicht authentisch. Sie wurde überwiegend in Ockertönen und mit Ornamenten ihrer Zeit nachempfunden aufgetragen.
[Bearbeiten] Die merowingische Nekropole
Am Rand der Ortschaft Civaux entstand die bedeutendste und wohl umfangreichste merowingische Nekropole Frankreichs, in ihrer größten Ausdehnung mit immerhin 20.000 Grabstätten auf etwa drei Hektar Land. Ab dem Jahre 400 n.Chr. bestattete man dort die Verstorbenen in Steinsarkophagen. Die heutige Einfriedung der Anlage von 90 mal 90 Meter Seitenlänge verschleiert die ehemaligen Ausmaße der Begräbnisstätte. Es sind nur noch 500 Sarkophage, die freigelegt werden konnten.
Die Särge bestehen aus körperlangen Steinkisten, zum Fußende hin konisch zulaufend, von Steinmetzen aus entsprechend großen Felsbrocken herausgemeißelt, und mit passenden Deckeln, die entweder plan oder oberseitig mit flachen Ornamenten, häufiger mit dem merowingischen Kreuz (siehe Bild) versehen sind. Man muss eigentlich annehmen, dass sich derart aufwändige und unbedingt kostspielige Särge nur höhergestellte und gut betuchte Familien leisten konnten. Um so mehr beeindruckt die von den Archäologen ermittelten Anzahl von solchen Grabstellen. Es ist aber sicher davon auszugehen, dass hier nicht nur Begräbnisse in Steinsarkophagen stattgefunden haben.
Zu vermuten ist auch, dass im Laufe der Jahrhunderte die Sarkophage mehrfach belegt , und dass die Steinkisten als willkommenes Baumaterial oder etwa als Futtertröge einer anderen Verwendung zugeführt worden sind. Das würde sicher auch den großen „Schwund“ bei den Freilegungen erklären.
Da offensichtlich im Laufe der Zeit viele Tonnen (Gewicht) von Sarkophagdeckeln chaotisch herumlagen und den Begräbnisbetrieb gestört haben, hat man im 17. Jh. aus den Steinplatten einen Zaun um die reduzierte Friedhofsfläche gezogen, der aus den senkrecht aufgerichteten und lückenlos aneinander gereihten Sargdeckeln gebildet wird. Die Steinsetzungen erinnern an prähistorische Menhire.
Die erhaltenen Sarkophage sind, soweit vorhanden mit ihren aufgelegten Deckeln, in langen Reihen entlang der Friedhofsgrenzen aufgestellt. Die anderen liegen nach keinem erkennbaren Ordnungssystem ungleichmäßig verstreut zwischen den Wacholdersäulen und Pinien herum. Besonders beliebt ist offensichtlich die kleine Kapelle, um die herum sich die Steinsärge sammeln, und sogar in ihrem Grundriss Platz finden. Inmitten der ungewöhnlichen Szenerie steht die Kapellenruine aus dem 15. Jh. ohne ein schützendes Dach, die sich in das melancholisch stimmende Ambiente der Friedhofsatmosphäre nahtlos einfügt.
[Bearbeiten] Ausgrabungen neben der Kirche
Nördlich im unmittelbaren Anschluss an die Kirche sowie östlich des Chores liegen heute die Ergebnisse von archäologischen Ausgrabungen frei. Von der rechtwinkligen Umfassung des antiken Sanktuariums stehen noch die Grundmauern, ca. 30 bis 60 cm hoch. Vermutlich bestand die Einfassung, zumindert teilweise, aus Säulen eines überdachten Umgangs. Die Fundamente einer Zwischenwand und die Chorwände stammen wahrscheinlich aus der Zeit um 400 n.Chr., und wurden also nachträglich hinzugefügt. Auffallend ist die Übereinstimmung der Breite der Umfassung des fanums mit der Länge des Langhauses der Kirche. Ebenso fällt in der Zeichnung auf, dass in Verlängerung der Grundmauer der östlichen Umfassung, jenseits der Kirche eine Grundmauer aus der Antike (gemäß Schraffur) sich in Richtung Süden fortsetzt und kurz hinter dem neuzeitliche Anbau um 90 Grad nach Westen schwenkt. Reichte vielleicht die Einfassung des fanums einmal bis dorthin ? Gab es eine Art Vorhof ? Mitten in der Einfassung nördlich der Kirche stand ein kleines Gebäude, eine cella, mit quadratischem Grundriss , dessen sichtbare Grundmauern 60 cm hoch sind. In deren Westwand sind Reste einer dreistufigen Treppe zu erkennen, die von dem äußeren Fußbodenniverau in ein niedrigeres in der cella hinabführte, wie beim Baptisterium. Solche Heiligtüner findet man auf dem Lande , abseits städtischer Siedlungen, überall dort, wo die Römer oder romanisierten Gallier sesshaft waren.
Gleich neben der Cella, an deren Nordwand angelehnt,befindet sich die Ruine der ehedem unterirdischen Teile eines frühchristlichen Baptisteriums. Man erkennt eine polygonale gemauerte Steinwanne (Tauchbecken), in die eine Treppe aus drei großen Steigungen hinunterreicht. Die oberste Stufe gibt die Höhe des Bodenniveaus im Umgang des Sanktuariums an.
Ungleichmäßig verstreut, innerhalb und außerhalb der Einfriedung des Sanktuariums (am Chor der Kirche), liegen etwa 25 offene Steinsarkophage in merowingischer Art, wie sie auf dem großen Friedhofsgelände zu finden sind. Sie stammen aus der Zeit, bevor in der großen Nekropole außerhalb der Ortschaft bestattet wurde.
[Bearbeiten] Der Tour-aux-Cognons
Der Wachturm steht nahe beim Dorf, auf der anderen Seite der Vienne.
[Bearbeiten] Der Dolmen
Die Steinsetzung stammt aus der Zeit der Megalithkultur, findet sich an der Einmündung der D114 in die N147.
[Bearbeiten] Quellen
- Poitou, Thorsten Droste, DuMont 1999
- Hinweisschilder mit Grundriss, bei den Ausgrabungen
- Hinweisschild mit deutschem Text, am Eingang des Friedhofs

