Château Mouton-Rothschild – Wikipedia

Château Mouton-Rothschild

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Château Mouton-Rothschild, Garten

Das Château Mouton-Rothschild in Pauillac bei Bordeaux ist eines der berühmtesten Weingüter der Erde. Es liegt im Norden der Gemeinde Pauillac, die Teil der übergeordneten Appellation Haut-Médoc ist.

Das Gut ist im Besitz des ursprünglich englischen Zweiges der Bankierdynastie Rothschild. Bei der Bewertung der Weingüter von Bordeaux anlässlich der Weltausstellung in Paris 1855 wurde die Stellung von Mouton mit dem Rang eines Deuxième Cru Classé gewürdigt. 1973 wurde durch den damaligen französischen Landwirtschaftsminister Jacques Chirac Mouton umgestuft zu einem der fünf Güter in der Kategorie Premier Cru Classé.

Die Eigentümerin Philippine de Rothschild-Sereys und ihre Söhne sind Mitglieder der Primum Familiae Vini, ein weltweiter Zusammenschluss traditionsreicher, führender Familienunternehmen für Weinanbau und -handel.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage, Boden und Rebflächen

Mouton besitzt 82 ha Rebfläche, die zu 77 % mit Cabernet Sauvignon, zu 12 % mit Merlot, zu 9 % mit Cabernet Franc und zu 2 % mit Petit Verdot bestockt sind. Die mittlere Bestockungsdichte liegt bei 8.500 Rebstöcken je Hektar und das durchschnittliche Alter der Reben liegt aktuell (Stand 2007) bei 48 Jahren. Hieraus werden jährlich ca. 300.000 Flaschen des Erstweines und eine unterschiedliche Zahl an Flaschen des Zweitweines „Le Petit Mouton“ gefüllt. Mouton hat auch einen kleinen Anteil Weißwein namens Aile d’Argent (nicht in obigen Anteilen enthalten), der 18.000 bis 24.000 Flaschen ergibt. Dieser Wein stammt von Reben einer fast 4 Hektar großen Parzelle. Verwendet wird ausschließlich Sauvignon Blanc.

Sowohl Château Mouton-Rothschild als auch das weiter nördlich an der Grenze zu Saint-Estèphe gelegenene Château Lafite-Rothschild liegen auf einer bis zu 30 Meter hohen Kuppe. Die mehr als acht Meter mächtige Kiesauflage dieser Kuppe ruht auf einem Kalksockel. Dieser Deckenschotter stammt aus Ablagerungen der nahegelegenen Gironde, die zu Ende der Günz-Kaltzeit aus den Pyrenäen fluvoglazial angeschwemmt wurden.

Auf diesem Boden gedeiht die Rebsorte Cabernet Sauvignon vorzüglich. Neben der Tatsache, dass es sich um einen ausgesprochen kargen Boden handelt und die Erträge somit auf natürliche Weise reduziert sind, trägt der durch den Kies begünstigte Wärmehaushalt der Rebfläche zu einer früheren Reife der Rebsorte bei. Durch die mächtige Kiesauflage ist die Rebpflanze gezwungen, die Wurzeln sehr tief in den Boden zu treiben; das Angebot der Nährstoffe ist dabei vielfältiger und beeinflusst in geringem Maße die Aromenvielfalt des Weins. Die Rebparzellen von Mouton-Rothschild verfügen darüber hinaus über eine hervorragende Drainage zum Vallon du Poujalet hin.

Die Summe der förderlichen Elemente erklärt den außergewöhnlich hohen Anteil von fast 80 % Cabernet Sauvignon im Wein des Gutes.

[Bearbeiten] Der Wein

[Bearbeiten] Weinbereitung

Eichenbottiche im Gärkeller

Im Château gelten die Qualitätsmaßstäbe der großen Bordeauxgüter. Das mittlere Alter der Reben liegt bei 48 Jahren, der Ertrag pendelt um 40 hl/ha. Die Trauben werden von Hand gelesen, entrappt und im Keller auf Tischen nochmals mehrfach nachsortiert. Die Gärung findet in Eichenbottichen statt. Die Maischestandzeit liegt jahrgangsabhängig bei 15 bis 25 Tagen.

[Bearbeiten] Ausbau

neue Barriques für den aktuellen Jahrgang

Der Wein wird zügig in Barriques, kleine Holzfässer von 225 Liter, transferiert, wo er 19 bis 22 Monate lang verbleibt. Verwendet wird meist ausschließlich neues Holz.

Seit 1994 wird ein Zweitwein „Le Petit Mouton“ hergestellt.


[Bearbeiten] Charakter und Jahrgänge

Die Weine von Mouton sind für ihre starke Streuung der Qualität bekannt oder auch berüchtigt: in guten Jahren, wenn z. B. der würzige Petit Verdot ausreift und in die Cuvée des Erstweines gelangt, kann Mouton phantastisch gute Weine fertigen. Dies war in den Jahren 2000 (97+ Parker-Punkte (PP)), 1998 (96 PP), 1995 (95+PP), 1986 (100 PP), 1982 (100 PP) und 1961 (98 PP) der Fall. In weniger prachtvollen Jahren aber kann der Mouton auch unterdurchschnittlich ausfallen; berüchtigt ist z.B. das Jahr 1990 mit „nur“ 90 PP, derweilen Nachbargüter perfekte Weine bis zu vollen einhundert Punkten fertigten. Dann sind die Weine von Mouton zwar preiswerter, aber nicht um so viel, wie sie anteilig „schlechter“ sind: dann kann der Kenner abseits vom Mouton ohne Probleme Weine finden, die zum halben Preis gleich gut oder besser sind.

Einen Sonderfall stellt der Wein des Jahres 1945 dar: in jenem Jahr gelang es dem sagenumwobenen damaligen Kellermeister Raoul Blondin, einen solch massiven, öligen, gewaltigen Wein in die Fässer zu legen und später unter dem „V“-Label „a la memoire pour Victoire“ des Künstlers Philippe Jullian abzufüllen (zum Gedenken an den Sieg über NS-Deutschland), dass er auch 60 Jahre später die Weinwelt in Erstaunen versetzen kann. Dieser Wein gehört, wenn er gut gelagert erhalten blieb, zu den unvergesslichen Erlebnissen ambitionierter Weinkenner und teilt seinen Ausnahme- und Kultstatus mit nur ganz wenigen anderen bordelaiser Weinen wie dem Château Cheval Blanc von 1947, dem Château Latour von 1961 oder dem Château Margaux von 1900. Dementsprechend hoch wird der 1945er (meist auf Auktionen) gehandelt: aktuelle Preise haben ein Niveau von 5000 bis 8000 Euro für die Normalflasche. Naturgemäß werden diese Flaschen Wein immer seltener. Von diesem Wein sind mittlerweile auch gefälschte Neubefüllungen aufgetaucht.

[Bearbeiten] Geschichte

Auch wenn die wahre Geschichte des heute bekannten Gutes mit dem Jahr 1922 beginnt (→ siehe Kapitel Die Ära Philippe de Rothschild ), lassen sich die Besitzverhältnisse der landwirtschaftlichen Nutzflächen bis in das frühe 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Jahr 1311 gehörten die Flächen dem Lehnsherrn Pons de Castillon. In der Folge wurde der Besitz in der Familie weitervererbt. Im 15. Jahrhundert kommen die Ländereien an Humphrey, Duke of Gloucester, dem jüngeren Bruder von Heinrich V..

Nach der englischen Niederlage im Hundertjährigen Krieg ging der vormals englische Besitz in französische Hände über. Über die Familie Foix ging ein kleiner Besitz an den Notar Jacques de Ségur. Damals gehörten nicht nur kleinere Parzellen des heutigen Châteaus zu den Ländereien. Jacques de Ségur legte auch ab 1670 die ersten Rebflächen auf dem Gelände des heutigen Château Lafite-Rothschild an. Sein Sohn Alexandre heiratete im Jahr 1695 die Erbin von Château Latour. Aus dieser Ehe ging der Sohn Nicolas-Alexandre de Ségur (1697 - 1755) hervor. Nachdem Nicolas-Alexandre den Besitz von Mouton im Jahr 1717 erweiterte und Château Calon-Ségur kaufte, verkaufte er Mouton bereits 1720 (andere Quellen nennen das Jahr 1725) an Joseph de Brane und leitete damit die Trennung von Mouton und Lafite ein. Ein vorhandenes Gutsgebäude ging jedoch an Dominique Armailhacq, den damaligen Besitzer von Château d’Armailhac. Joseph de Brane nannte seinen Besitz fortan Château Brane-Mouton. Unter der Führung der Familie Brane kannte das Weingut, das über kein Hauptgebäude verfügte, eine Blüte. Aus den Unterlagen des Bordelaiser Weinhandels des späten 18. Jahrhunderts geht hervor, dass Brane-Mouton seinen Wein noch preiswerter als Lafite und Latour verkaufte, die Erlöse aber bereits auf einer Stufe mit den Gütern von Pichon standen.

Josephs Enkel Hector entschied im Jahr 1830, das Weingut zu verkaufen und sich ganz seinem anderen Gut, dem Château de Gorse zu widmen. Château de Gorse ist heute unter dem Namen Château Brane-Cantenac bekannt. Brane-Mouton verkaufte er für 1.200.000 Franc an den Pariser Banker Isaac Thuret. Das Tagesgeschäft überließ Thuret einem Händler aus dem Umfeld von Bordeaux. In der Folge verkamen die Rebanlagen zusehends; die Qualität der Weine konnte nicht mehr ganz den vormals geltenden Anforderungen genügen. Am 11. Mai 1853 verkaufte Thuret sein 35 Hektar großes Gut für die Summe von 1.124.000 Francs an den Bankier Nathaniel de Rothschild. Rothschild ernannte Théodore Galos zu seinem Gutsverwalter und schickte sich an, erhebliche Summen in die Qualitätsverbesserung und die Vergrößerung des Landbesitzes zu investieren. Die Schwächeperiode zwischen 1830 und 1853 sowie vielleicht auch die Tatsache, dass sich das Weingut in Händen eines englischstämmigen Bankiers befand, können vielleicht erklären, dass nun Château Mouton-Rothschild benannte Gut zu Anlass der Weltausstellung im Jahr 1855 nicht in den Rang eines Premier Grand Cru erhoben wurde. Stattdessen erkannte man Mouton als den Premier des Seconds als an den Primus unter den Zweitklassierten an. Nathaniels Onkel und Schwiegervater James Mayer Rothschild kaufte am 8. August 1868 das erstklassifizierte Nachbargut Lafite und benannte es in Château Lafite-Rothschild um.

James-Edouard de Rothschild, Sohn von Nathaniel, ließ schließlich ein Verwaltungs- und Wohngebäude errichten, das aufgrund seines frühen Todes im Jahr 1881 erst durch seine Witwe Thérèse vollendet wurde. Der Arzt Henri James de Rothschild, Sohn von James-Edouard, übernahm nach dessen Tod die Leitung des Gutes. Henri James' Vorliebe galt jedoch der Kunst. Unter den Pseudonymen André Pascal und Charles Des Fontaines veröffentlichte er diverse Theaterstücke. Er leitete das kleine Theater Antoine in Paris und errichtete das Theater Pigalle. Sein fehlendes Interesse an dem Weingut drückte sich in einer Misswirtschaft des Gutes aus. Sein jüngster Sohn Philippe de Rothschild verbrachte während des Ersten Weltkriegs viel Zeit in Pauillac und fand Gefallen am Weinbau. Als er seinem Vater von der Misswirtschaft auf dem Gut berichtete, wurde ihm im Jahr 1922 die Leitung des Gutes übertragen.

[Bearbeiten] Die Ära Philippe de Rothschild

Das heutige Gut ist das Lebenswerk des Barons Philippe de Rothschild, der es am 22. Oktober 1922 als junger Mann überschrieben bekam und mit Qualitätsstreben und der Suche nach neuen Methoden zu immer besseren Leistungen brachte. Die ausschließliche Abfüllung des Weines auf dem Weingut war seine erste revolutionäre Neuerung, um alle Stufen des Produktionsprozesses selbst zu bestimmen: Mise en Bouteille au Château.

Die früher gängige Praxis des Fassverkaufes an Händler, die dann Flaschen nach eigenem Gusto (mal besser, mal schlechter) füllten, gehört nunmehr fast der Vergangenheit an: Mouton und Baron Philippe de Rothschild setzten den Anfang hierfür.

Sein Lebenswerk wurde 1973 gekrönt, als das Château Mouton-Rothschild vom Deuxième zum Premier Cru aufgestuft wurde, die einzige Veränderung, die jemals an der offiziellen Klassifikation vorgenommen wurde.

Château Mouton, privater Weinkeller der Baronesse

Château Mouton-Rothschild ist heute ein Mythos in der Weinbranche und ein Touristenmagnet. Ein Museum wird betrieben, und man kann die Kellerei-Anlagen besichtigen. Selten nur werden die unterirdischen Schatzkammern gezeigt, wo in finsteren Gängen edle Weine aus aller Welt im persönlichen Keller der Baronesse Philippine aufbewahrt werden, dann in einem zweiten Gang fast alle Produkte des Schlosses aus den vergangenen 150 Jahren als Referenz bevorratet werden zu Laborvergleichen, und ein dritter Gang den Austausch-Keller enthält: Weine der 60 besten bordelaiser Weingüter, mit denen Mouton-Rothschild in jedem Jahr nach der Abfüllung jeweils zwei Kisten Wein à 12 Flaschen tauscht.

[Bearbeiten] Das Weinetikett

Eine Besonderheit gegenüber den anderen Châteaux leistet sich Château Mouton Rothschild jedes Jahr aufs Neue: Das Etikett der Flaschen des jeweiligen Jahrgangs wird von einem namhaften Künstler gestaltet. Der Künstler wird für die Etikettengestaltung mit einer Partie „seines“ Weines bezahlt.

Folgende Künstler gestalteten bisher das Weinetikett:

[Bearbeiten] Galerie

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Literatur

  • Joachim Kurz: Die Rothschilds und der Wein. Eine Erfolgsgeschichte aus Bordeaux.. 1. Auflage. Econ Verlag, Berlin, 2006, ISBN 3430300053.
  • Charles Cocks, Edouard Féret, Bruno Boidron: Bordeaux et ses vins. 18. Auflage. Èdition Féret et Fils, Bordeaux, 2007, ISBN 978-2351560136.
  • Robert Parker: Parker's Wein Guide. München, 2000, ISBN 3-453-16305-2.
  • Horst Dippel: Das Wein-Lexikon. 3. Auflage. Frankfurt/Main, 1999, ISBN 3-596-13826-4.
Bordeaux-Klassifizierung aus dem Jahr 1855
Premiers Grands Crus - Die ersten Gewächse
Haut-Brion (Graves) . Lafite Rothschild . Latour . Margaux . Mouton-Rothschild (1973)
Deuxièmes Grands Crus - Die zweiten Gewächse
Brane-Cantenac . Cos d’Estournel . Ducru-Beaucaillou . Durfort-Vivens . Gruaud-Larose . Lascombes . Léoville Barton . Léoville Las Cases . Léoville Poyferré . Montrose . Pichon-Longueville-Baron . Pichon Longueville Comtesse de Lalande . Rauzan-Gassies . Rausan-Ségla
Troisièmes Grands Crus - Die dritten Gewächse
Boyd-Cantenac . Calon-Ségur . Cantenac-Brown .

Desmirail . Ferrière . Giscours . Issan . Kirwan . La Lagune . Lagrange . Langoa Barton . Malescot St. Exupéry . Marquis d’Alesme Becker . Palmer

Quatrièmes Grands Crus - Die vierten Gewächse
Beychevelle . Branaire-Ducru . Lafon-Rochet . Duhart-Milon-Rothschild . Marquis de Terme . Pouget . Prieuré-Lichine . Saint-Pierre . Talbot . La Tour Carnet
Cinquièmes Grands Crus - Die fünften Gewächse
d’Armailhac . Batailley . Belgrave . de Camensac . Cantemerle (1856) . Clerc-Milon . Cos Labory . Croizet Bages . Dauzac . Grand-Puy-Ducasse . Grand-Puy-Lacoste . Haut-Bages Libéral . Haut-Batailley . Lynch-Bages . Lynch-Moussas . Pédesclaux . Pontet-Canet . du Tertre
Die Weißweine von Sauternes und Barsac
Premier Cru Supérieur: Yquem
Premiers Crus: Climens . Coutet . Guiraud . La Tour Blanche . Haut-Peyraguey . Lafaurie-Peyraguey . Rabaud-Promis . Rayne-Vigneau . Rieussec . Sigalas-Rabaud . Suduiraut
Deuxièmes Crus: d’Arche . Broustet . Caillou . Doisy Daëne . Doisy-Dubroca . Doisy-Védrines . Filhot . Lamothe . de Malle . Myrat . Nairac . Romer . Romer du Hayot . Suau
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