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Burkina Faso

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Burkina Faso

Burkina Faso

Flagge Burkina Fasos
Wappen Burkina Fasos
Flagge Wappen
Wahlspruch: « Unité, Progrès, Justice »
(frz., „Einheit, Fortschritt, Gerechtigkeit“)
Amtssprache Französisch
Hauptstadt Ouagadougou
Staatsform Republik
Staatsoberhaupt Präsident Blaise Compaoré
Regierungschef Premierminister Tertius Zongo
Fläche 274.200 km²
Einwohnerzahl 13.730.258 (Zensus 2006)[1]
Bevölkerungsdichte 51 Einwohner pro km²
BIP/Einwohner 449 US-$ (2006)
HDI 0,370
Währung 1 CFA-Franc BCEAO
1 € = 655,957 XOF
100 XOF = 0,152449 €
(Fixer Wechselkurs)
Unabhängigkeit 5. August 1960 (von Frankreich)
Nationalhymne Ditanyè
Zeitzone UTC
Kfz-Kennzeichen BF
Internet-TLD .bf
Telefonvorwahl +226

Burkina Faso (deutsche Aussprache: [bʊrˌkiːnaˈfaːzo]) ist ein Staat in Westafrika, der im Inneren des Nigerbogens liegt und an Mali, Niger, Benin, Togo, Ghana sowie die Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire) grenzt. Die ehemalige französische Kolonie Obervolta erlangte am 5. August 1960 unter diesem Namen, der am 4. August 1984 durch die heutige Bezeichnung Burkina Faso („Land der ehrenwerten Menschen“) ersetzt wurde, ihre Unabhängigkeit. Der vorwiegend flache Binnenstaat mit Anteilen an den Großlandschaften Sudan und Sahel ist durch tropisches Klima und verschiedenartige Savannenlandschaften geprägt. Administrative und kulturelle Hauptstadt des 13.730.258 Einwohner (Zensus 2006) zählenden Landes ist die zentral gelegene Millionenstadt Ouagadougou. Etwa die Hälfte der Burkiner (Burkinabe) zählt zur politisch dominierenden Ethnie der Mossi, die bis zur Kolonisierung durch Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts in mehreren streng hierarchisch organisierten Reichen lebten. In Burkina Faso werden etwa 60 einheimische Sprachen gesprochen, der Islam ist neben den traditionellen Glaubensvorstellungen die meistpraktizierte Religion. Nach einer Phase politischer Instabilität mit zahlreichen Putschen kam es 1983 zur Revolution des panafrikanistisch-sozialistisch orientierten Thomas Sankara.

Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, zeichnet sich heute aber durch eine gewisse Stabilität und die kulturelle Vielfalt der friedlich zusammenlebenden Ethnien aus. Regelmäßig wiederkehrende Dürreperioden sorgen oft für große Not der hauptsächlich als Bauern lebenden Bevölkerung. Präsident ist seit 1987 Blaise Compaoré, der das Land seit dem Putsch gegen Sankara semiautoritär regiert und stabile Verhältnisse zugunsten ausländischer Investitionen geschaffen hat. Burkina Faso richtet unter anderem das alle zwei Jahre stattfindende panafrikanische Filmfestival FESPACO aus.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Etymologie

Der Name Burkina Faso ist zweisprachig; burkĩna ist Moore und bedeutet etwa „ehrenwerte Person“.[2] Das Wort faso entstammt der Sprache Dioula und heißt „Vaterland“ (von fa „Vater“ und so „Haus, Dorf'“). Burkina Faso bedeutet dementsprechend wörtlich „Vaterland der ehrenwerten Menschen“. Die in Burkina Faso offizielle Einwohnerbezeichnung lautet Burkinabè, wobei dieses Wort nicht flektiert wird. Das Pluralsuffix -bè ist der dritten Hauptsprache des Landes, dem Fulfulde der Fulbe, entnommen. Im amtlichen deutschen Sprachgebrauch sind die Einwohnerbezeichnungen Burkiner und Burkinerin vorgeschrieben.[3]

[Bearbeiten] Geographie

[Bearbeiten] Lage

Burkina Faso ist ein Binnenstaat im Inneren Westafrikas mit 274.200 km² Fläche, von denen 400 km² auf die Gewässer entfallen. Es liegt unterhalb des Nigerbogens und der Sahara und teilt sich seine 3193 km lange Landgrenze mit sechs Nachbarstaaten; im Nordwesten und Norden mit Mali (1000 km Länge), im Osten mit Niger (628 km) sowie im Südosten mit Benin (306 km) und Togo (126 km). An Burkina Faso grenzen außerdem Ghana (549 km) im Süden und die Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire, 584 km) im Südwesten. [4] Der größte Teil des Landes liegt in der Großlandschaft Sudan, außerdem hat Burkina Faso im Norden Anteil am Sahel.

[Bearbeiten] Relief

Inselberg im Norden Burkina Fasos, zwischen Yalgo und Dori

Etwa drei Viertel des Landes werden von einer Rumpffläche geprägt, die zum niedrigen Mittelabschnitt der Oberguineaschwelle gehört. Es handelt sich um eine flachwellige Hochebene, deren durchschnittliche Höhe etwa 250–350 über NN beträgt und die Teil eines vor etwa 2–3 Milliarden Jahren entstandenen präkambrischen Sockels aus Granit und Gneis ist. Etwa 32 % (70.778 km²) der Landesfläche entfallen auf das Zentralplateau (nach seinen Bewohnern auch Mossiplateau genannt).[5] Die Landschaft des Plateaus ist vorwiegend flach mit vereinzelten Hügeln, Senken, Kuppen, Inselbergen und freistehenden Granitfelsen, die der Erosion widerstanden haben. Ein Sandsteintafelland prägt den Südwesten Burkina Fasos, das mit dem Ténakourou, dem höchsten Berg des Landes, 749 m Höhe erreicht. Dieses Massiv, das überwiegend die Form eines monotonen Hochplateaus aufweist, hat eine durchschnittliche Höhe von 450–500 m, fällt zu den mit Sedimenten bedeckten Sockeln steil ab und bildet dort den Höhenzug Chaîne de Banfora. Diese Kette erstreckt sich bei einer durchschnittlichen Höhe von 150 m in Nordost-Südwest-Richtung. Im Südosten befindet sich die Chaîne de Gobnangou, ein Massiv, das etwa 100 m über das Zentralplateau hinausragt. Quartäre Formationen existieren vor allem in Form von Altdünen im Norden des Landes, die bis zu 20 m Höhe und 10–20 km Länge erreichen. 40 % der Flächen nördlich von Markoye sind von Dünen bedeckt. [6] Der tiefste Punkt des Landes liegt im Flusstal des Pendjari mit 125 m.

[Bearbeiten] Gewässer

Ufer des Kompienga-Stausees im Südosten, nahe der Grenze zu Togo

Die Wasserläufe in Burkina Faso können drei Becken zugeordnet werden; von diesen ist das Voltabecken mit einer Fläche von 120.000 km² das Bedeutendste, es umfasst die Becken des Mouhoun (Schwarzer Volta), des Nakambé (Weißer Volta) und des Pendjari. Im Norden Ghanas nimmt der Mouhoun das Wasser der genannten Nebenflüsse sowie des Nazinon (Roter Volta) auf. Mit 18.000 km² Fläche ist das Becken des Comoé, dessen Lauf durch Stromschnellen und Wasserfälle (zum Beispiel den Cascades de Karfiguéla) unterbrochen wird, deutlich kleiner. Zum 72.000 km² großen Entwässerungssystem des Nigerbecken zählen die kleinen temporären Wasserläufe, die diesem im Norden Burkina Fasos rechts zufließen (unter anderem Béli, Gorouol und Sirba).

Viele der zahlreichen kleinen Seen und abflusslosen Tümpel, darunter das Ramsar-Schutzgebiet Mare d'Oursi, liegen saisonabhängig trocken. Sie stellen wichtige Wasserreservoirs für Mensch und Vieh dar. Zahlreiche Flüsse wurden zu Seen gestaut, so liegen im Südosten der Kompienga- und im Süden der Bagré-Stausee, die beide jeweils ein Speicherkraftwerk antreiben. Im Nordwesten wurde der Sourou gestaut, während der Ziga-Stausee seit Juli 2004 die westlich gelegene Hauptstadt mit Wasser versorgt.

[Bearbeiten] Klima

In der Regenzeit ist der sonst karge Boden von grüner Vegetation bedeckt.

Burkina Faso unterliegt tropischem Wechselklima mit sudanosahelischem Charakter und einem Wechsel aus Regen- und Trockenzeit. Von Nord nach Süd hat das Land Anteil an den Klimazonen Sahel, Sudan-Sahel und Sudan. Erstere umfasst etwa 25 % der Landesfläche und ist von Trockenheit geprägt; die Niederschläge können auf unter 300 mm pro Jahr fallen, die Regenzeit zum Teil weniger als zwei Monate dauern. Die Hälfte des Landes unterliegt dem Sudan-Sahel-Klima, für das eine Regenzeitdauer von vier bis fünf Monaten charakteristisch ist. Etwa sechs Monate beträgt die Regenzeit in der im Süden gelegenen Sudan-Zone; Niederschläge von bis zu 1300 mm pro Jahr sind hier keine Seltenheit. Durchschnittstemperaturen bewegen sich zwischen 25° C und 30° C. Die niedrigste je gemessene Temperatur war 5° C, 1971 bei Bobo-Dioulasso und 1975 in Markoye. Dort wurde mit 46° C auch die höchste je gemessene Temperatur des Landes aufgezeichnet.[7] März und April sind die heißesten Monate, Januar und Dezember die kältesten. In der Regenzeit strömen warmfeuchte Winde aus Südwest über das Land, während im Winter der trockenheiße Harmattan Sand und Staub aus der Sahara in Richtung Südwest weht. In den vergangenen 35 Jahren konnten einige klimatische Veränderungen festgestellt werden, darunter ein Sinken der Niederschlagswerte sowie die Zunahme der Temperaturen. Extreme Klimaerscheinungen wie große Trockenheiten und Überschwemmungen haben in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls zugenommen.[8]

[Bearbeiten] Vegetation

Karitébaum

In Burkina Faso gibt es etwa 1700 Pflanzenarten, den größten Anteil daran haben die Süßgräser und Schmetterlingsblütler[9]. Zahlreiche Wildpflanzen werden genutzt, sei es als Rohstoff, Viehfutter, Nahrung oder Medizin. Besonders wichtige Nutzbäume sind etwa Karitébaum, Afrikanischer Affenbrotbaum (Baobab) und Néré, aber auch Anabaum, Niembaum, Äthiopische Palmyrapalme und Tamarindenbaum. Im Zuge von Nutzungsveränderungen und Klimawandel verschiebt sich das Areal vieler sahelischer Arten gen Süden.

Akaziensavanne im Osten Burkina Fasos
Im Schutzgebiet Réserve partielle de Pama, nahe der Grenze zu Benin

Burkina Faso umfasst drei zum sudanosambesischen Savannengürtel zählende phytogeografische Zonen; Sahel im Norden, Sudan im Zentrum und Sudan-Guinea im Süden. Die Unterscheidung basiert unter anderem auf den niedrigeren Niederschlägen (weniger als 600 mm Niederschlagsmenge pro Jahr) und der längeren Trockenzeit im Norden. In der Sahelzone sind Dornstrauchsavannen vorherrschen – zum Teil mit Tigerbuschvegetation, die eine Form der Anpassung an die Trockenheit darstellt. Bäume wachsen zumeist vereinzelt, teils zu Hainen gruppiert. Vorherrschende Arten sind unter anderem Verek-Akazie, Duftende Akazie, Wüstendattel, Indische Jujube sowie der für den Sahel charakteristische Afrikanische Affenbrotbaum (Baobab).

Trockensavannenlandschaft westlich von Ouagadougou

Die Sudanzone, durch Niederschläge im Bereich zwischen 600 mm und 1000 mm pro Jahr gekennzeichnet, ist wie der Sahel von Akazienbewuchs und Dorngewächsen geprägt, unterscheidet sich aber unter anderem durch das Aufkommen weiterer Arten, wie Néré, Karitébaum und vor allem Flügelsamengewächsen als dominierendem Element der sudanesischen Savannen. Die Baumdichte nimmt nach Süden hin zu und bildet vereinzelt Haine, Wälder und entlang der Flüsse Galeriewälder. In den dichtbesiedelten Gegenden des Zentralplateaus dominieren durch menschlichen Einfluss degradierte Savannenlandschaften. Die Krautschicht besteht nach Arten und Abundanz zu einem großen Teil aus Gräsern, wobei der Anteil hoher und ausdauernder Arten zum Süden hin zunimmt.

In der Sudan-Guinea-Zone sind Niederschläge über 1000 mm pro Jahr üblich. Zu den auch in den nördlicheren Zonen beheimateten Arten gesellt sich hier unter anderem die Guineapflaume. In den Galeriewäldern finden sich Arten wie Breitblättrige Feige, Westafrikanischer Butterbaum, Ölpalme oder Juckbohne. In den Galeriewäldern gedeihen vor allem Pflanzen, die feuchtwarmes Klima bevorzugen.

[Bearbeiten] Fauna

„Heiliges Krokodil“ in Bazoulé (Tanghin-Dassouri)

Die meisten der großen, die Savannen bewohnenden Säugetiere sind auch in Burkina Faso zu finden, durch den enormen Bevölkerungsdruck aber in ihren Lebensräumen bedroht. Einige Tierarten, wie zum Beispiel Giraffen und Geparden sind im Land nicht mehr anzutreffen. In den Schutzgebieten leben Flusspferde, Elefanten, Antilopen, Affen, Gazellen und Leoparden, die durch Jagd dezimiert wurden. Es gibt Afrikanische Buschratten und Schlangen. Im Land wurden 495 Vogelarten nachgewiesen[10], unter anderem der Afrikanische Strauß, mehrere Storcharten, etwa 50 verschiedene Greifvögel, Nashornvögel, Eisvögel und Bienenfresser. In den Seen und mares leben Krokodile, die von der Bevölkerung als „heilige Krokodile“ besonders geehrt werden. Für bestimmte Tierarten bestehen Jagdverbote.

[Bearbeiten] Umwelt

Zu den Naturschutzgebieten in Burkina Faso zählen vier Nationalparks. Der Arli-Nationalpark liegt wie der burkinische Teil des W-Nationalparks im Südosten, der Kaboré-Tambi-Nationalpark im Süden und der Deux-Balés-Nationalpark im Westen des Landes. Es existieren weiterhin ein UNESCO-Biosphärenreservat Mare aux Hippopotames und ein Ramsar-Schutzgebiet Mare d'Oursi sowie zahlreiche, réserves und forêts classés genannte Schutzgebiete.

Bei den Unwettern 2007 zerstörtes Regenrückhaltebecken im Südosten des Landes

Der seit etwa 35 Jahren in Burkina Faso zu beobachtende Klimawandel, der sich in sinkenden Niederschlagswerten und höheren Temperaturen ausdrückt, sowie die von Landwirten zur Erschließung von Ackerland entfachten Buschfeuer, Abholzung sowie Erschöpfung der Böden sind Gründe für eine wachsende Desertifikation, ausgehend vom sahelischen Norden des Landes. Im Jahre 1984 wurde der Plan national de lutte contre la désértification (PNLD) erstellt, mit dem die noch intakten Naturräume geschützt, die Praxis der Buschfeuer bekämpft, die Bodenqualität verbessert und Wiederaufforstungsprogramme organisiert werden sollen. Allein in den Jahren 1996 bis 2000 wurden zu diesem Zweck rund 23 Millionen Bäume gepflanzt. Es wurde davon Abstand genommen, reine Eukalyptusplantagen anzulegen, wie in den 1960er-Jahren geschehen, als man relativ schnell Bäume zur Feuerholzgewinnung bekommen wollte.

Bei den schweren Unwettern, die in der Regenzeit 2007 in zahlreichen Ländern Westafrikas Überflutungen zur Folge hatten, kam es auch in Burkina Faso zu Schäden. Etwa 9000 Häuser wurden zerstört und 28.000 Menschen obdachlos, 51 Menschen starben. Zahlreiche Straßen und Brücken wurden beschädigt sowie die Ernten zerstört; der Ernteausfall wird mit 13.268 Tonnen beziffert.[11]


[Bearbeiten] Bevölkerung

Burkiner (Burkinabe)

Zahlenmäßig stärkste Ethnie sind die Mossi (40 %), deren Vorfahren etwa im 15. Jahrhundert aus dem Süden eingewandert waren und sich im Laufe der Zeit mit den alteingesessenen Bewohnern, darunter den Yonyoose, assimiliert haben. In der Folge entwickelte dieses Gemisch aus autochthonen Gruppen (tẽng-biisi genannt) und Eroberern (nakombse) durch gemeinsame Sprache, Gründungsmythen, Rituale und hierarchisch organisierte Machtstrukturen eine ethnische Identität[12] mit dem Moogo naaba als geistigem Oberhaupt und hat heute eine politisch dominierende Rolle in Burkina Faso inne[13]. Eng verwandt mit ihnen sind die im Osten lebenden Gulmancema (8 % der Bevölkerung). Dem Gründungsmythos beider Völker zufolge stammen die jeweiligen Stammväter – Ouédraogo bei den Mossi und Diaba Lompo bei den Gulmancema – aus derselben Familie. Eine weitere Bevölkerungsgruppe sind die Fulbe (5 %), die hauptsächlich im Norden siedeln, als viehzüchtende Nomaden allerdings im ganzen Land anzutreffen sind. Sie stammen ursprünglich aus dem Fouta Toro im heutigen Senegal. Ebenfalls nomadisch leben hoch im Norden, im Sahel, die Tuareg (7 %). Sprachlich eng miteinander verwandt sind die im Süden lebenden Bissa und die im Nordwesten siedelnden Sanan. Der Südwesten des Landes zeigt sich ethnisch weniger homogen; neben den Bobo (14 %), Senufo (9%), Lobi (6 %) und Bwaba leben dort zahlreiche kleinere ethnische Gruppen. Zu den früher unter dem Begriff Gurunsi zusammengefassten Ethnien zählen unter anderem die Kassena, Nuna, und Lyéla. Die traditionellen Scherzbeziehungen (parenté à plaisanterie) zwischen den verschiedenen Gruppen leisten einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben: Bestimmten Ethnien ist es hierbei erlaubt, sich nach festgelegten Regeln gegenseitig zu verspotten, zum Beispiel Mossi und Sanan oder Fulbe und Bobo.

Etwa 3200 Franzosen leben dauerhaft in Burkina Faso, dazu kommen etwa 20.000, die sich unter anderem im Rahmen von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit temporär im Land aufhalten.[14] Die wirtschaftlich bedeutende libanesische Gemeinschaft zählt ungefähr 600 Mitglieder.[15]

Demografische Entwicklung Burkina Fasos (Zahlen in Tausend)

In den letzten Jahren ist die Bevölkerungszahl sprunghaft angestiegen (pro Jahr um 2,4 %). Bedingt durch die geringe Lebenserwartung (52 Jahre) und hohe Geburtenraten besteht ein hoher Anteil von jungen Menschen an der Gesamteinwohnerzahl. Die Fertilitätsrate liegt bei 6,1 und die Kindersterblichkeitsrate bei 204 von 1000 Geburten.[16]

[Bearbeiten] Sprachen

Mit der Unabhängigkeit wurde die Sprache der ehemaligen Kolonialherren, Französisch, alleinige Amtssprache. Sie wird allerdings nur von einer Minderheit beherrscht. Deshalb finden Alphabetisierungskurse für diejenigen, die nie eine Grundschule besucht haben, unter anderem in den Nationalsprachen Moore (Sprache der Mossi), Dioula, und Fulfulde (Sprache der Fulbe) statt. Dioula besitzt eine große Bedeutung als Verkehrs- und Handelssprache im sprachlich heterogenen Westen des Landes. Auch Arabisch besitzt eine Funktion als Handelssprache und wird unter anderem an Koranschulen gelehrt. Weitere Sprachen sind das Tuareg und die zahlreichen Niger-Kongo-Sprachen, die den Hauptanteil der im Land gesprochenen Sprachen ausmachen: darunter die Mande-Sprachen Bissa, San, Boboda, die Gur-Sprachen Gulmancema, Lobiri und Bwamu sowie die zahlreichen Gurunsi-Sprachen.

[Bearbeiten] Religion

Große Moschee von Bobo-Dioulasso
Kathedrale von Ouagadougou

Die Bedeutung der traditionellen Religionen der einzelnen ethnischen Gruppen konnte sich bis heute stärker halten als in anderen Staaten, so sind ungefähr 40 % der Burkiner Anhänger einer indigenen Religion. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass sich die Mossi der Islamisierung aus dem Norden lange widersetzten. Erst Ende des 18. Jahrhunderts konvertierte Moogo naaba Doulgou zum Islam. Etwa die Hälfte der Burkiner sind heute Muslime. Bis heute wird im Land eine undogmatisch-pragmatische Variante des Islam gelebt, der Elemente des Animismus einbezieht.[17] Die Zahl der Christen wird mit 10 % angegeben, in der Mehrzahl Katholiken, sowie Angehörige verschiedener protestantischer Glaubensrichtungen. Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis bestehen die Freiheit der Religionswahl und -ausübung und auch im alltäglichen Zusammenleben kommt es zu keinen Problemen.[18] Dies wird der traditionell hohen religiösen Toleranz der Burkiner zugeschrieben.[17]

Mit Ausnahme unter anderem der vorwiegend im Norden siedelnden Fulbe sind die ethnischen Gruppen religiös heterogen. Vor allem die Hauptstadt Ouagadougou ist religiös durchmischt, während die Wirtschaftsmetropole Bobo-Dioulasso mehrheitlich muslimisch ist. Die libanesische Gemeinschaft ist zu 90 % christlich.[18]

Es bestehen 13 katholische Bistümer, davon drei Erzbistümer, die in der Bischofskonferenz von Burkina Faso und Niger organisiert sind. Erzbischof von Ouagadougou ist Jean-Marie Untaani Compaoré. Sammelverband der burkinischen Muslime ist die Communauté musulmane du Burkina Faso (CMBF), gegründet 1962.

Im traditionellen Glauben der Mossi existiert ein Gott Wẽnde, der das Universum erschaffen hat und sich anschließend von den Menschen zurückgezogen hat. Als Vermittler haben sich in der Folge an verschiedenen Plätzen, in Objekten und Tieren verschiedene Geister angesiedelt. Ahnenverehrung hat bei den Mossi große Bedeutung.

[Bearbeiten] Besiedlung

Im Südwesten Ouagadougous gelegener Stadtteil
Die place des Nations-Unies im Zentrum Ouagadougous

Der Volkszählung von 2006 zufolge leben in Burkina Faso 13.730.258 Menschen, davon 20,3 % in städtischen Siedlungen. Von 1975 an kam es zu einer schnell zunehmenden Urbanisierung der Bevölkerung; waren zu diesem Zeitpunkt nur 6,4 % der Burkiner Stadtbewohner, so verdoppelte sich diese Zahl innerhalb von zehn Jahren auf 12,7 %. Trotz dieser Zunahme liegt der Urbanisierungsgrad niedriger als in Ländern wie Senegal oder der Elfenbeinküste (47 %, beziehungsweise 50 %).[19] Vorrangiges Ziel der zum großen Teil jungen Landbevölkerung, die in ihren Dörfern keine Perspektiven sieht, ist die Hauptstadt Ouagadougou, deren Bevölkerungszahl sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt hat, und mit einem Anteil von 50 % Unter-20-Jähriger an der Gesamtbevölkerung eine junge Stadt ist. Zweitgrößte Agglomeration ist die im Westen des Landes gelegene Wirtschaftsmetropole Bobo-Dioulasso. Um den Zuzug in diese beiden Städte abzuschwächen, wird seit Ende der 1980er-Jahre versucht, weniger große Städte infrastrukturell aufzuwerten.

Die zehn größten Städte des Landes, links nach Einwohnerzahl der Kernstadt, rechts nach Einwohnerzahl des Gemeindegebiets:[1]

Rang Name Einwohner Rang Name Einwohner
1. Ouagadougou 1.181.702 1. Ouagadougou 1.273.355
2. Bobo-Dioulasso 435.543 2. Bobo-Dioulasso 497.462
3. Koudougou 82.720 3. Koudougou 131.825
4. Banfora 72.144 4. Tenkodogo 124.053
5. Ouahigouya 70.957 5. Fada N'Gourma 123.594
6. Kaya 51.778 6. Ouahigouya 122.677
7. Tenkodogo 40.839 7. Solenzo 118.424
8. Fada N'Gourma 40.815 8. Kaya 114.807
9. Dédougou 37.793 9. Banfora 106.815
10. Houndé 34.669 10. Gorom-Gorom 104.587

[Bearbeiten] Diaspora

Die zahlenmäßig größte Gruppe der Auslandsburkiner ist diejenige in der Elfenbeinküste, ihre Zahl betrug 1998 ungefähr 2,2 Millionen Menschen. Sie leben dort zum Teil seit mehreren Generationen, da von 1932–1947 ein Teil des heutigen Burkina Faso von den Franzosen der Kolonie Elfenbeinküste zugeschlagen worden war, um die Beschäftigung von Arbeitern auf den dortigen Plantagen zu erleichtern. Im Zuge des Bürgerkriegs in der Elfenbeinküste ab 2002, bei dem unter anderem die burkinische Diaspora Zielscheibe von Verfolgung war, sind mehrere Hundertausend Burkiner zurück in ihre Heimat oder die ihrer Vorfahren geflohen.[20]

In Italien leben ungefähr 35.000[21], in Frankreich etwa 4000–5000 Burkiner, dort zum Teil in der dritten Generation.[22] Die Diaspora ist im Conseil supérieur des Burkinabè de l’étranger (CSBE) organisiert.

Zum 31. Dezember 2007 waren in Deutschland 1173[23], in Österreich zum 1. Januar 2007 60[24] und in der Schweiz 393[25] burkinische Staatsangehörige gemeldet.

[Bearbeiten] Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Burkina Fasos

[Bearbeiten] Vor- und Frühgeschichte

Etwa 400.000 Jahre alte Hackwergzeuge (Chopping Tools) wurden im Norden des Landes bei Markoye gefunden.[26] Es konnte nachgewiesen, dass vor etwa 14.000 Jahren Jäger und Sammler im Nordwesten des heutigen Burkina Faso lebten. Zwischen 3600 und 2600 v. Chr. wurde von jungsteinzeitlichen Kulturen Landwirtschaft betrieben. Für die Zeit vor etwa 3000–3500 Jahren lassen Grabbeigaben auf ein erwachendes spirituelles Bewusstsein der Menschen schließen. Der Gebrauch von Eisenobjekten und Keramiken konnte nachgewiesen werden.[27]

[Bearbeiten] Präkoloniale Ära

Kavallerie der Mossi um 1890

Einige der heute in Burkina Faso existierenden Ethnien waren schon zum Ende des ersten Jahrtausends nach Christus auf dem heutigen Gebiet des Landes ansässig und in autonomen Dorfgemeinschaften organisiert, so die Dogon, die im 15. Jahrhundert in ihr heutiges Siedlungsgebiet im Grenzbereich von Mali und Burkina Faso weiterzogen sowie die Bobo und Senufo. Zu den am längsten ansässigen Gruppen gehören die Yonyoose, die sich mit den ab dem 15. Jahrhundert aus dem Süden vordringenden Mossi assimilierten. Diese waren aus dem Norden Ghanas – der Legende nach unter der Führung der Prinzessin Yennenga – nach Norden gezogen. Ihr Sohn Ouédraogo soll das Reich Tenkodogo gegründet haben. Dies war das Älteste von insgesamt 20 Reichen, darunter Ouagadougou und Yatenga. Dieses Moogo bezeichnete Gebiet war ein kultureller und linguistischer Raum, dessen administrative Elemente allerdings unabhängige Einheiten bildeten, den Moogo naaba aber als geistiges und spirituelles Oberhaupt ansahen. Im Osten lag Gulmu, das Reich der Gulmancema, das seine Ursprünge ebenfalls im Norden Ghanas hat. Nördlich davon gründeten 1809/1810 Fulbe aus Massina das Emirat Liptako. Es war ein religiöser und kriegerischer Staat, der im Zuge des von Usman dan Fodio inspirierten „Dschihad der Fulbe“ entstand.[28] 1827 wurde ein Teil des Emirats von Tuareg erobert, die dort das Reich Oudalan errichteten. Die westlich dieser Formationen siedelnden Ethnien waren unter anderem in segmentären Gesellschaften organisiert, das heißt ohne zentrale Institutionen in autonomen Dorfgemeinschaften. Im einzelnen unterschieden sich die Organisationsformen bei den verschiedenen Ethnien. Weiter im Westen kamen die dort lebenden Gruppen im 18. Jahrhundert unter den Einfluss der Herrscherdynastien von Kong in der heutigen Elfenbeinküste. In der Historiografie der frühen Kolonialzeit angenommene Reiche namens Gwiriko und Kénédougou haben vermutlich nie existiert: Vielmehr übten die Herrschergruppen zum Teil in Allianz, zum Teil in kriegerischem Konflikt mit den Dorfgemeinschaften zahlreicher Ethnien ihren Einfluss auf die wirtschaftliche Produktion der Region aus. Dies geschah ohne Bemühen um politische Machtausübung. [29]

[Bearbeiten] Französische Kolonialzeit

Karte Französisch-Westafrikas (1909)

Der erste Europäer, der das heutige Burkina Faso bereiste war Heinrich Barth. Er erreichte Liptako von Norden kommend und besuchte auf dem Weg nach Timbuktu die Stadt Dori. Nach der Kongokonferenz 1884/1885 in Berlin äußerte sich der „Wettlauf um Afrika“ im Westsudan im Versuch von Briten, Franzosen und Deutschen durch Protektoratsverträge mit den Mossiherrschern das Hinterland der Küste unter Kontrolle zu bringen. Es waren schließlich die Franzosen, die 1896 mit militärischer Gewalt Ouagadougou einnehmen konnten und den Moogo naaba zur Flucht zwangen. In der Folge wurde durch zahlreiche Protektoratsverträge das gesamte Gebiet des heutigen Burkina Faso unter Kontrolle gebracht und unter Militärverwaltung gestellt. 1904 wurde es Teil der Kolonie Obersenegal und Niger und 1919 eine neue Kolonie Obervolta geschaffen, die zu Französisch-Westafrika gehörte. Der Versuch der wirtschaftlichen Entwicklung unter Gouverneur Édouard Hesling war erfolglos und aufgrund mangelnder Rentabilität wurde das Territorium 1932 unter den Nachbarkolonien Französisch-Sudan (heutiges Mali), Niger und Elfenbeinküste aufgeteilt. Damit sollte unter anderem der Einsatz von Zwangsarbeitern auf den Plantagen an der Küste erleichtert werden; Obervolta diente aufgrund seiner relativ hohen Bevölkerungszahl als Reservoir für Arbeitskräfte. Wie im Ersten nahmen auch im Zweiten Weltkrieg Obervoltaer als Soldaten bei den Einheiten der sogenannten Senegalschützen (tirailleurs sénégalais) für Frankreich teil.

Luftaufnahme von Ouagadougou (1930/31)

Nach dem Krieg wurde die französische Kolonialordnung unter Charles de Gaulle mit der Gründung der Union française neu gestaltet. Vor allem die Mossi unter Führung des Moogo naaba Koom II. drängten auf Wiederherstellung Obervoltas in den Grenzen von 1932 und so wurde Obervolta 1947 Überseeterritorium (territoire d'outre-mer, TOM). In den folgenden Jahren entwickelte sich das politische Leben und Obervoltaer waren im Parlament des Mutterlandes in Paris vertreten (Nazi Boni, Joseph Conombo, Henri Guissou, Gérard Kango Ouédraogo und Mamadou Ouédraogo). Parteien boten allerdings kaum programmatische Unterschiede und waren vor allem auf die Persönlichkeiten der Parteiführer orientiert. Zur bedeutendsten Partei in einer konfliktreichen und von Spaltungen und Zusammenschlüssen geprägten Parteienlandschaft entwickelte sich die obervoltaische Sektion des interkolonialen Parteienbündnisses Rassemblement démocratique africain (RDA) unter Daniel Ouezzin Coulibaly und nach dessen Tod Maurice Yaméogo.[30] In diesen Jahren wurden die Weichen für die Unabhängigkeit gestellt. Mit dem loi cadre von 1956 gab die Kolonialverwaltung Macht an neu zu wählende Territorialversammlungen und -regierungen ab. Mit dem Referendum 1958 kam es im Rahmen der Communauté française zu einer Assoziation mit Frankreich als autonomer Republik. Doch schließlich erklärte auch Obervolta im „Afrikanischen Jahr 1960“ seine Unabhängigkeit.

[Bearbeiten] Unabhängigkeit Obervoltas 1960

Flagge des unabhängigen Obervolta

Erster Präsident des unabhängigen Obervolta wurde Maurice Yaméogo, der in der Folge eine Einparteiendiktatur des RDA errichtete. Sein verschwenderischer Regierungsstil, Korruption und wirtschaftliche Fehlentwicklung führten schließlich zu einem Volksaufstand. Yaméogo dankte nach Straßenprotesten unter dem Druck von Gewerkschaften und der Untergrundopposition im Januar 1966 ab. Sein Nachfolger wurde Sangoulé Lamizana, der Oberbefehlshaber der Armee. Unter der Militärregierung des pragmatischeren und bescheidener auftretenden Lamizana wurde eine neue Verfassung ausgearbeitet, die nach einem Referendum 1970 im Januar 1971 die Zweite Republik schuf. Nach den anschließenden Parlamentswahlen, den ersten freien Mehrparteienwahlen in Westafrika[31] wurde Gérard Kango Ouédraogo (RDA) Premierminister. Innere Streitigkeiten der Partei führten dazu, dass 1974 wieder das Militär die Macht übernahm und die Gouvernement du renouveau national (GRN: „Regierung der nationalen Erneuerung“) schuf. Angesichts der Unzufriedenheit der Bevölkerung aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Probleme Mitte der 1970er-Jahre ernannte Lamizana eine Regierung der nationalen Einheit, die eine neue Verfassung ausarbeiten sollte. Nach deren Annahme per Referendum wurde Lamizana bei den Wahlen 1978 Präsident der Dritten Republik und ernannte Joseph Conombo zum Premierminister. Auch diese Regierung war aufgrund interner Querelen handlungsunfähig und nach einem Streik von Lehrern putschte am 25. September 1980 eine Gruppe von Militärs um Saye Zerbo, der daraufhin Präsident wurde. Im Rückblick werden Lamizana seine ausgleichenden Fähigkeiten und die Tatsache, dass es unter ihm keine politischen Gefangenen gab, zugute gehalten.[32] Eher zufällig an die Macht geraten, hatte das Militär unter Lamizana zunehmend Gefallen daran gewonnen.[30]

Mit dem Putsch von 1980 stürzte Obervolta für drei Jahre in ein Chaos, das durch den Machtkampf der alten Garde des Militärs und einer Gruppe junger Offiziere, die den Stillstand des Landes überwinden wollten, verursacht wurde. Zerbo regierte das Land mit einem Comité militaire de redressement pour le progrès national (CMRPN), verlor durch unpopuläre Maßnahmen – darunter dem Verbot es streikrechts – rasch seine Popularität. Zu dieser Zeit begann der Aufstieg des charismatischen linksgerichteten Thomas Sankara. Schließlich kam es am 7. November 1982 zu einem erneuten Militärputsch. Da der als Drahtzieher angesehene Sankara nicht die Macht anstrebte, wurde der Militärarzt Jean-Baptiste Ouédraogo zum Präsidenten. Während in einer Übergangsphase die Rückkehr zu einer verfassungsgemäßen Ordnung angestrebt wurde, intensivierte Sankara – zum Premierminister ernannt – Kontakte zum antiwestlichen Regime Muʿammar al-Qaḏḏāfīs in Libyen. Zum Missfallen Ouédraogos, der die Untergrabung seiner Macht zu verhindern versuchte und die Bindungen zu Frankreich und den gemäßigten Staaten Afrikas aufrecht erhalten wollte.[33] Sankara wurde schließlich festgenommen, was Unruhen in den Reihen des Militärs und Proteste bei der Bevölkerung auslöste. Nachdem der Offizier Blaise Compaoré mit der ihm unterstehenden Fallschirmspringereinheit nach Ouagadougou zog, um seinem Freund Sankara zu befreien, kam es am 4. August 1983 zum Staatsstreich, der später als Revolution bezeichnet wurde und Sankara an die Macht brachte.

[Bearbeiten] Revolution 1983

„Pioniere der Revolution“ (1987)

Sankara errichtete eine linksgerichtete Militärdiktatur mit dem Conseil national de la révolution (CNR: „Nationaler Revolutionsrat“) als Exekutivorgan, betrieb eine energische Sozial- und Entwicklungspolitik, die den ländlichen Raum zu Ungunsten der Stadtbevölkerung und Staatsklasse fördern sollte und forcierte die Gleichstellung der Frauen.[30] Ziel war eine radikale Umgestaltung der Gesellschaft[34] und das Beenden der Abhängigkeit vom Ausland. Bei einem Gegenputschversuch kamen in der Nacht vom 9. auf den 10. August zwei der Beteiligten ums leben. Damit war es in Obervolta zum ersten Mal bei einem Umsturzversuch zu Blutvergießen gekommen. In Folge schuf Sankara Comités de défense de la révolution (CDR: „Komitees zur Verteidigung der Revolution“), die in allen Orten des Landes den Verlauf und den Fortbestand der Revolution gewährleisten und überwachen sollten. Die CDR hatten Anteil am erfolgreichen Verlauf zahlreicher Entwicklungskampagnen, wie einem großangelegten von WHO und UNICEF unterstützten Programm zur Impfung von Kindern oder dem als bataille du rail bezeichneten Ausbau der Eisenbahnstrecke unter Beteiligung der Bevölkerung. In der Anfangsphase der Revolution kam es zu Verhaftungen und Denunzierung von der Gegenrevolution verdächtigten Personen, darunter Joseph Ki-Zerbo. An der Spitze des Staates stand eine Gruppe, die neben Sankara aus Blaise Compaoré, Henri Zongo und Jean-Baptiste Lingani bestand.

1984 eingeführtes Wappen des in Burkina Faso umbenannten Staates

Am 2. Oktober 1983 präsentierte Sankara der Bevölkerung in einer als discours d'orientation politique (DPO) bezeichneten Rede die politischen Ziele der Revolution. Ziel sei es, die mit dem Imperialismus verbundene Bourgeoisie zu Gunsten der arbeitenden Klassen zu neutralisieren und die landwirtschaftliche Selbstversorgung zu ermöglichen. Dazu wurden Grund und Boden verstaatlicht, deren Nutzung zuvor von traditionellen Autoritäten in den Dörfern organisiert wurde. Alphabetisierung und Gleichstellung der Geschlechter waren weitere Schwerpunkte Sankaras. Vor den tribunaux populaires de la révolution (TPR: „Volkstribunale der Revolution“) mussten sich ehemalige Politiker und Beamte wegen Vergehen wie Korruption, und Unterschlagung von öffentlichen Geldern verantworten. Ex-Präsident Zerbo bekam mit 15 Jahren Haft, davon sieben auf Bewährung, die höchste Strafe. 1985 wurden die ausgesprochenen Urteile wieder aufgehoben. Um mit der kolonialen Vergangenheit zu brechen, benannte Sankara den Staat 1984 in Burkina Faso („Land der ehrenwerten Menschen“) um, schuf eine neue Flagge in den panafrikanischen Farben und führte eine neue, von ihm selbst verfasste Nationalhymne (Ditanyè) ein. Im Mai 1984 wurden sieben Personen wegen eines versuchten Putsches verurteilt und hingerichtet. Diese vorher nicht erlebte Gewaltanwendung schockierte die Bevölkerung[35], ebenso wie die Brandstiftung in den Räumen der unabhängigen Zeitung L'Observateur (heute L'Observateur paalga), die in Folge ihr Erscheinen einstellen musste. Der 1985 ausgebrochene Grenzkrieg mit Mali um einen schmalen Grenzstreifen im Sahel endete mit einer militärischen Niederlage der deutlich unterlegenen Burkiner[36] und einem Richterspruch des Internationalen Gerichtshofes. Dem Konflikt vorangegangen waren Beschuldigungen Sankaras malischer Subversion, seine Ermunterung einer Revolution in Mali, das unter Diktator Moussa Traoré „im Dienste des amerikanischen Imperialismus handele“. In einem Klima von Verdächtigungen, Machtmissbrauch der CDR, und politischen Gefangennahmen – bis hin zu Folter und Tod[37] – wuchs die Unzufriedenheit der Bevölkerung. Der repressive Charakter des Regimes entfremdeten die Bevölkerung vom Projekt der Revolution. Innerhalb des CNR kam es zu Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Geschwindigkeit weiterer Reformen und der Art ihrer Umsetzung. Thomas Sankara, dem Abgleiten in an Blindheit grenzenden Dogmatismus und Verrat an der Revolution vorgeworfen wurden, wurde im Laufe eines Putsches am 15. Oktober 1987 mit etwa 30 weiteren Personen erschossen. Blaise Compaoré wurde neuer Präsident Burkina Fasos.

[Bearbeiten] Jüngste Geschichte

Präsident seit 1987: Blaise Compaoré

Compaoré regierte das Land zunächst an der Spitze einer Front populaire (FP: „Volksfront“) an der Seite von Zongo und Lingani. In einer als rectification („Verbesserung“) bezeichneten Entwicklung sollte es zu einer Normalisierung und politischen Öffnung kommen, allerdings im Geiste der revolutionären Ziele einer Entwicklung von innen. Doch auch nach dem Umsturz herrschten Instabilität – es gab drei missglückte Putschversuche – und ein Klima der Repression; zahlreiche Tote waren zu beklagen[38], darunter auch Zongo und Lingani, die 1989 erschossen wurden. Diejenigen Parteien und Organisationen, die Compaorés Wandel mittrugen, vereinigten sich in der Organisation pour la démocratie populaire-Mouvement du travail (ODP-MT), der Vorgängerin der heutigen Regierungspartei Congrès pour la démocratie et le progrès (CDP). Unter dem Einfluss der weltpolitischen Ereignisse 1990/91, kam es auch in Burkina Faso zum Prozess einer formalen Demokratisierung; Compaoré ließ eine Verfassung ausarbeiten, die 1991 in einem Referendum von der Bevölkerung angenommen wurde. Die folgenden Präsidentschaftswahlen wurden von der Opposition boykottiert und zu einem Misserfolg für Compaoré, der seine Macht bei einer Wahlbeteiligung von nur 27 % nicht legitimieren konnte. In den folgenden Jahren gelang die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilisierung, trotz der Entwertung des CFA-Francs im Jahre 1994. Nachdem Compaoré bei den Wahlen von 1998 in seinem Amt bestätigt wurde, kam es nach der Ermordung des kritischen Journalisten Norbert Zongo zu einer großen Krise mit zum Teil gewalttätigen Protesten. Bei den Parlamentswahlen 2002 verlor die Regierungspartei CDP zahlreiche Sitze an die zerplitterte Opposition. Dank einer umstrittenen Verfassungsänderung konnte Compaoré 2005 erneut zum Präsidenten gewählt werden.

Schwer wiegende Vorwürfe, in den Bürgerkriegen von Liberia und Sierra Leone beteiligt gewesen zu sein und am Handel von Waffen und sogenannten „Blutdiamanten“ profitiert zu haben, konnten bisher nicht bewiesen werden.[39] Der ehemalige liberianische Präsident Charles Taylor, der als Freund Compaorés gilt, organisierte seinen Angriff von Burkina Faso aus, das ihm Asyl gewährt hatte. Einige Nachbarländer beschuldigten Compaoré, destabilisierenden Einfluss auszuüben, indem er Oppositionelle und Rebelle unterstütze und beherberge. Gleichzeitig bemühte sich Burkina Faso um eine Rolle als Vermittler und Friedensstifter bei zahlreichen Krisen in Afrika, zum Beispiel nach dem Tod des Präsidenten von Togo, Gnassingbé Eyadéma.

Mit dem Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste kam es zur wohl schwersten außenpolitischen Krise des Landes. Burkina Faso wurde von der Elfenbeinküste beschuldigt, die Rebellen zu unterstützen und wollte seinerseits ein militärisches Eingreifen nicht ausschließen, um den etwa zwei Millionen Burkinern oder Burkinischstämmigen beizustehen, die bei den Unruhen Zielscheibe von Gewalt wurden. Die Normalisierung der Beziehung und die Vermittlung des Vertrags von Ouagadougou zur Beendigung des Bürgerkriegs gelten als Erfolg der Diplomatie Burkina Fasos und Compaorés.

[Bearbeiten] Politik

Seit 2007 Premierminister: Tertius Zongo

[Bearbeiten] Politisches System

Mit der Annahme der Verfassung 1991 wurde die Vierte Republik errichtet, die präsidialen Charakter nach französischem Vorbild aufweist. Blaise Compaoré konnte bei den Präsidentschaftswahlen im November 2005, die zum ersten Mal nicht von der Opposition boykottiert wurden, 80,4 % der Stimmen gewinnen und damit seine dritte Amtszeit antreten. Der Premierminister wird vom Präsidenten ernannt und heißt seit dem 4. Juni 2007 Tertius Zongo. Er übernahm das Amt von Paramanga Ernest Yonli. Alle fünf Jahre wird das Parlament gewählt. Von den derzeit 111 Abgeordneten gehören 73 der Regierungspartei Congrès pour la démocratie et le progrès (CDP) an.[40]

[Bearbeiten] Präsident

Staatsoberhaupt ist der Président du Faso, der nach der Verfassungsänderung von 2000 alle fünf Jahre (vorher alle sieben Jahre) gewählt wird und einmal wiedergewählt werden kann.

Bisherige Präsidenten:

Name Amtszeit
Maurice Yaméogo 5. August 1960 – 3. Januar 1966
Sangoulé Lamizana 3. Januar 1966 – 25. November 1980
Saye Zerbo 25. November 1980 – 7. November 1982
Jean-Baptiste Ouédraogo 7. November 1982 – 4. August 1983
Thomas Sankara 4. August 1983 – 15. Oktober 1987
Blaise Compaoré seit 15. Oktober 1987

[Bearbeiten] Innenpolitik

Die Opposition des Landes ist in zahlreiche kleine Parteien zersplittert und konnte daher noch kein Gegengewicht zu Präsident Blaise Compaoré bilden. Zu nennen sind die von Gilbert Ouédraogo geführte Alliance pour la Démocratie et la Fédération - Rassemblement Démocratique Africain (ADF-RDA), die 2003 von ihr abgespaltene Union nationale pour la démocratie et le développement (UNDD) von Hermann Yaméogo und den bis vor kurzem vom 2007 verstorbenen Historiker Joseph Ki-Zerbo geleiteten Parti pour la démocratie et le progrès/Parti socialiste (PDP/PS). Mehrere sankaristische Bewegungen sind im Parlament vertreten; die ideologische Zersplitterung der Erben Sankaras konnte in den letzten Jahren nicht überwunden werden.

Das Land besitzt aktive Gewerkschaften, die zu Streiks und Demonstrationen mehrere Tausend Menschen mobilisieren können.

[Bearbeiten] Außenpolitik

In der Außenpolitik sind die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich besonders seit dem Konflikt in der Elfenbeinküste wieder intensiver geworden, wichtiger Partner der burkinischen Diplomatie ist aber auch Libyen. Das Land unterhält ebenfalls gute Beziehungen zur Republik China auf Taiwan. Deutschland ist traditionell sehr in der Entwicklungszusammenarbeit engagiert. Es bestehen viele Kontakte und Partnerschaften auf der Ebene von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zwischen deutschen Vereinen oder Kommunen und Orten in Burkina Faso. Die Deutsch-Burkinische Freundschaftsgesellschaft ist seit 1990 das Netzwerk dieser Partnerschaften in Deutschland. Burkina Faso bemüht sich in den letzten Jahren intensiv, auf internationaler Ebene wahrgenommen zu werden, und bietet sich immer öfter als Ausrichter von Großereignissen an, wie beispielsweise dem Frankophoniegipfel 2004 und Treffen der Afrikanischen Union. Die Hauptstadt Ouagadougou gilt seit Jahren als sicherer und stabiler internationaler Mittelpunkt Westafrikas.

Im Rahmen der 62. ordentlichen Generalversammlung der Vereinten Nationen wurde Burkina Faso am 16. Oktober 2007 als nichtständiges Mitglied für die Periode 2008–2009 in den UN-Sicherheitsrat gewählt. [41] [42]

[Bearbeiten] Militär

Die Armee (Forces armées nationales) (FAN) wurde 1960 gegründet, 1961 wurde die Befehlsgewalt von den französischen auf die obervoltaischen Behörden übertragen.[43] In der Folge übernahm das Militär mehrmals die Macht durch Staatsstreiche. In den Achtzigerjahren kam es zum Krieg mit Mali (Malisch-Burkinischer Grenzkrieg).

Die Beziehungen zum Nachbarland Elfenbeinküste, in dem mehrere Millionen Burkiner oder Burkinischstämmige leben, sind infolge des dort herrschenden Bürgerkrieges sehr angespannt. Abidjan beschuldigt Burkina Faso, die Rebellen im Norden des Landes zu unterstützen. Mehrere Hunderttausend Flüchtlinge sind in den vergangenen Jahren vor der Gewalt gegen die Immigranten aus den Sahelländern zurück nach Burkina Faso geflohen. Die Möglichkeit eines Eingreifens der burkinischen Armee wurde nicht ausgeschlossen.

In Folge eines Putschversuchs aus Reihen des Militärs wurde im Jahre 2004 Verteidigungsminister Kouamé Lougé entlassen.

Zum Jahreswechsel 2006/2007 kam es in Ouagadougou zwischen unzufriedenen Soldaten und Polizeikräften zu Schießereien, die auf beiden Seiten mehrere Tote sowie verletzte Zivilisten forderten. Hunderte von Soldaten zogen nachts schießend durch die Stadt und ließen etwa 600 Insassen des Hauptgefängnisses entkommen. Der Unmut der